Karl Bormann frameless|hochkant=1|alt=Porträt von Karl Bormann Geburtsname Karl Arthur Bormann Geboren 20. März 1902Eilenburg Gestorben 8. August 1971Arnsberg Beruf Ingenieur, Orgelforscher, Unternehmer, Sachbuchautor Fachgebiet Orgelbau, Heimorgelbau, Heizungs- und Wärmetechnik Ausbildung Technische Hochschule DarmstadtTechnische Hochschule zu Berlin Ehepartnerin Franziska Maria Huberverheiratet 1930 Kinder 2 Bekannt für Mitgründung der Gesellschaft der Orgelfreunde; Heimorgelbau Auszeichnung Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (1964) Signatur rahmenlos|zentriert|hochkant=0.6|klasse=skin-invert-image|Unterschrift Karl Bormann mini|hochkant|Karl Bormann am Spielwerk und Registriereinrichtung eines Mannborg-Harmoniums (1918) mini|hochkant|Karl Bormann und Maria Huber (1929) Karl Arthur Bormann (* 20. März 1902 in Eilenburg; † 8. August 1971 in Arnsberg) war ein deutscher Ingenieur und Orgelforscher. Er war initiierendes Gründungsmitglied der internationalen Gesellschaft der Orgelfreunde.Gesellschaft der Orgelfreunde: Ars Organi, 1971
Leben und Wirken Karl Bormann wurde am 20. März 1902 in der nordsächsischen Stadt Eilenburg im Kreis Delitzsch geboren.Standesamt Eilenburg, Geburtsregister Nr. 167/1902. Er war der älteste Sohn des Kaufmanns Arthur Bormann, der aus Cölln bei Meißen stammte, und dessen Ehefrau Hedwig. Die Familie lebte seit 1900 in Eilenburg, wo der Vater ein Lebensmittelgeschäft betrieb. Bormann besuchte das Realgymnasium zu Eilenburg, an dem ihm am 27. Januar 1921 das Zeugnis der Reife erteilt wurde.Realgymnasium zu Eilenburg: Zeugnis der Reife, 17. Januar 1921, Scan auf Wikimedia Commons: :Datei:Karl Bormann, Zeugnis der Reife am Realgymnasium Eilenburg.pdf
Bormann erlernte das Orgelspiel und war ein begeisterter Organist. Schon als Jugendlicher interessierte er sich für den Orgelbau. Als Schüler spielte er regelmäßig das Mannborg-Harmonium mit 18 Registern bei den Morgenandachten des Realgymnasiums im Singesaal. Im Rahmen seiner frühen Orgelbaustudien zerlegte, vermaß und skizzierte er das Instrument. Aufgrund seines dabei erworbenen Wissens wollte er zunächst Orgelbauer werden; sein Vater war damit jedoch nicht einverstanden. Bormann wurde daraufhin Ingenieur der Heiztechnik, setzte seine Orgelstudien aber nebenberuflich fort.
Im Jahr 1923 nahm Bormann während der Inflationszeit ein Maschinenbaustudium an der Technischen Hochschule Darmstadt auf. Dort bestand er am 19. Mai 1924 die Diplom-Vorprüfung im Maschinenbau.Technische Hochschule Darmstadt: Zeugnis über die Diplom-Vorprüfung für das Maschinenbaufach, 19. Mai 1924, Scan auf Wikimedia Commons: :Datei:Karl Bormann, Zeugnis der Diplom-Vorprüfung an der Technischen Hochschule Darmstadt.pdf. Bormann war Mitglied der Landsmannschaft Hasso-Borussia Darmstadt, die 2024 in der Landsmannschaft Hasso-Normannia aufging. Nach vier Semestern wechselte er an die Technische Hochschule zu Berlin, wo er am 14. Juli 1926 sein Diplom im Maschineningenieurwesen mit der Fachrichtung Allgemeiner Maschinenbau erwarb.Technische Hochschule zu Berlin: Zeugnis über die Diplom-Hauptprüfung der Abteilung für Maschinen-Ingenieurwesen, 14. Juli 1926, Scan auf Wikimedia Commons: :Datei:Karl Bormann, Diplomzeugnis der Technischen Hochschule Berlin.pdf.
Nach dem Studium war Bormann vom 15. Oktober 1926 bis zum 31. Dezember 1927 bei Siemens & Halske in Berlin-Siemensstadt tätig. Dort arbeitete er im Büro für selbsttätige Signalanlagen des Blockwerks und war unter anderem an der Projektierung selbsttätiger Signalanlagen der Berliner Stadtbahn beteiligt.Siemens & Halske A.-G.: Zeugnis, 31. Dezember 1927, Scan auf Wikimedia Commons: :Datei:Karl Bormann, Arbeitszeugnis von Siemens und Halske.pdf. Am 2. Januar 1928 trat er in die Hanseatische Wärmewirtschafts-Gesellschaft m.b.H. in Hamburg ein, wo er vor allem wärmetechnische Berechnungen für Betriebe der chemisch-technischen Industrie ausführte.Hanseatische Wärmewirtschafts-Gesellschaft m.b.H.: Zeugnis, 15. Oktober 1928, Scan auf Wikimedia Commons: :Datei:Karl Bormann, Arbeitszeugnis der Hanseatischen Wärmewirtschafts-Gesellschaft.pdf. Vom 20. Oktober 1928 bis zum 31. Dezember 1930 war Bormann bei der Caliqua-Wärmegesellschaft m.b.H. in Berlin-Charlottenburg als Abteilungsleiter beschäftigt. Zu seinen Aufgaben gehörten industrielle Heizungen, insbesondere Heißwasseranlagen, sowie Betriebsversuche an Heizungsanlagen, Trockenmaschinen und Dampfkesseln.Caliqua-Wärmegesellschaft m.b.H.: Zeugnis, 31. Dezember 1930, Scan auf Wikimedia Commons: :Datei:Karl Bormann, Arbeitszeugnis der Caliqua-Wärmegesellschaft.pdf. In diesen Tätigkeiten lag bereits ein Schwerpunkt auf Wärme- und Heizungstechnik.
Karl Bormann lebte 1930 als Diplom-Ingenieur in Berlin-Charlottenburg. Dort heiratete er am 24. Mai 1930 die Korrespondentin Franziska Maria Huber (* 1906), die aus der oberbayerischen Stadt Rosenheim stammte. In den Jahren 1931 bis 1933 wohnte er in der St. Jakobsstrasse 165 in Basel.Adressbücher der Stadt Basel und der Gemeinden Riehen und Bettingen, Jahrgänge 1931–1933. Aus der Ehe gingen 1938 und 1939 zwei Töchter hervor.Standesamt Charlottenburg I, Heiratsregister-Eintrag Nr. 366 vom 24. Mai 1930 mit Randvermerken; eingesehen auf ancestry.de am 12. April 2026.
1935 gründete Bormann in München eine Firma für Heißwassertechnik; seine Wohn- oder Firmenadresse lautete Schleißheimer Straße 218.Adressbücher der Stadt München für die Jahre 1940 und 1950. Bormanns Unternehmen war eine süddeutsche Niederlassung der expandierenden Berliner Firma Caliqua, firmierte jedoch bis 1937 unter dem Namen „Wärmetechnisches Ingenieurbüro Dipl.-Ing. Karl Bormann“. Der Familienbetrieb wurde mehrfach umstrukturiert und besteht heute als Caliqua-Bormann GmbH & Co. KG. Da sein Betrieb als „kriegswichtig“ eingestuft wurde, wurde Bormann im Zweiten Weltkrieg nicht als Soldat eingezogen. Dafür musste er viel Arbeit investieren und seine orgelbauerischen Tätigkeiten rückten vorübergehend erst mal in den Hintergrund. In seiner Haupttätigkeit erhielt er zahlreiche Patente. mini|hochkant 0.5|Verleihungsurkunde und Verdienstkreuz 1. Klasse (1964)
Um 1939 begann er mit dem Bau von Orgeln. Sein erstes Werk war ein Portativ mit Trittschemel und Schöpfbalg. Er verfügte zu dieser Zeit noch nicht über eine Werkstatt. Er nutzte die Balkonbrüstung seines kleinen Ferienhauses am Simssee als provisorische Werkbank und erbaute alle Teile in reiner Handarbeit. Nach Fertigstellung des Instruments, baute er ein Positiv mit angehängtem Pedal, welches um 1942 finalisiert wurde. Um 1949 erweiterte er das Ferienhaus und richtete sich eine kleine Orgelbauwerkstatt ein. Dort schuf er seine erste mehrmanualige Hausorgel, die er Simsee-Orgel nannte. In seinem Haus im Münchner Stadtteil Bogenhausen, mit dessen Bau er 1953 begann und das aufgrund baulicher Schwierigkeiten erst 1955 bezugsfertig wurde, richtete er sich eine umfangreiche „Kellerwerkstatt“ ein, in der einige seiner heute bekannten Instrumente entstanden.Adressbücher der Stadt München zwischen 1955 und 1971.
Karl Bormann war am 4. August 1951 Gründungsmitglied der Gesellschaft der Orgelfreunde im oberschwäbischen Ochsenhausen. 1964 rief er in deren Zeitschrift Ars Organi (Heft 24) dazu auf, einen „Arbeitskreis für Heimorgelbauer“ zu gründen, welchen er ab 1967 leitete.Geschichte des GdO Arbeitskreises Hausorgel. Abgerufen am 2. August 2022.
Am 14. Februar 1964 wurde Karl Bormann von Bundespräsident Heinrich Lübke mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet; der Vorschlag erfolgte durch den bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel. Die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes wurde unter anderem mit Bormanns langjähriger Tätigkeit in Fachverbänden und technischen Gremien begründet. Dazu zählten seine Mitgliedschaft im Vorstandsrat des Landesverbandes Zentralheizungs- und Lüftungsbau e. V. seit 1952, seine Funktion als zweiter Vorsitzender dieses Verbandes seit 1957, seine Tätigkeit als bayerischer Delegierter im technischen Zentralausschuss des Bundesverbandes der Heizungs- und Lüftungsindustrie sowie seine Mitarbeit in DIN-Ausschüssen. Hervorgehoben wurden außerdem seine Verdienste um die Ausbildung des technischen Nachwuchses, insbesondere als Vorsitzender des Kuratoriums der Abteilung Heizung, Lüftung, Wasserversorgung und Gastechnik am Oskar-von-Miller-Polytechnikum sowie beim Wiederaufbau des technischen und physikalischen Labors dieser Abteilung.
Ende der 1960er Jahre organisierte und finanzierte Bormann die Translozierung einer historischen Orgel von St. Jakobus der Ältere in Hörgertshausen nach Stephanskirchen-Baierbach in die Kirche St. Magdalena.Orgeldatenbank Bayern v5 (2009) (online). Abgerufen am 27. März 2026. 1971 wurde das restaurierte Instrument dort eingeweiht. 2014 wurde das Instrument durch die Firma Linder rekonstruktiv restauriert. Es präsentiert sich heute, flankierend durch diese Maßnahme in einem ausgezeichneten Zustand.
Während der 19. Internationalen Orgeltagung der Gesellschaft der Orgelfreunde in Westfalen verunglückte Karl Bormann Anfang August 1971 bei einem Autounfall schwer. Er starb wenige Tage danach im Krankenhaus Arnsberg, kurz nach dem zwanzigjährigen Jubiläum der Gesellschaft.
Sein fertiggestelltes Buch Heimorgelbau erschien 1972 posthum. Der Nachlass Karl Bormanns ist im Archiv der Waldkircher Orgelstiftung und im Orgelzentrum Valley zu finden.Bormann Archiv auf stiftungsarchive.de. Abgerufen am 22. Mai 2019. Eine Bestandsübersicht der Waldkircher Orgelstiftung aus dem Jahr 2009 weist für den dort verwahrten Nachlass einen Umfang von insgesamt 8,1 Regalmetern aus. Zum Bestand zählen unter anderem rund 370 Bücher, Zeitschriften und Orgelmonografien, Manuskripte seiner Veröffentlichungen sowie Aufzeichnungen zu eigenen Heimorgeln, Orgelmensuren, Orgelbriefe und Orgelbeschreibungen. Ergänzt wird die Sammlung durch etwa 250 Schallplatten und Tonbänder. Darüber hinaus umfasst sie ein Portativ, eine Intonierlade, Originalzeichnungen sowie einen Koffer mit einem Schnittmodell eines Positivs, einem Modell zur Pfeifenherstellung, einem Wassersäulenmessgerät, einer Drehorgel und verschiedenen Pfeifen.
Bedeutung Karl Bormann ermöglichte vielen interessierten Laien durch seine Forschungen und seine Veröffentlichungen, insbesondere durch sein Buch Heimorgelbau, sich selbst eine Pfeifenorgel zu bauen. Auf sein Wirken hin besteht heute europaweit ein aktiver Arbeitskreis. Viele seiner Instrumente sind spielbar erhalten.
Arbeitsweise mini|hochkant 0.5|Kellerwerkstatt in München (2026) Karl Bormann erlernte den Orgelbau autodidaktisch, war stets ein bescheidener Suchender und ging dabei auch sehr pragmatisch vor. Er „recycelte“ seine ersten Instrumente und verbaute Teile in seine neuernen oder größeren Instrumente, wenn er damit Arbeitszeit sparen konnte. So finden sich in Instrumenten neben hochwertig gebaute Pfeifen auch minderwertigeres Pfeifenmaterial, welche auf eine frühere Entstehungszeit schließen lassen. Zudem verbaute er zeitweise in hochliegenden Registern sehr dünnes Holz, welches fast schon eher als dickes Furnier bezeichnet werden kann, später fertigte er kleine Pfeifen auch aus verhältnismäßig dickwandigem Holz. In seinem Hausorgelbau-Buch schreibt er zur Bauzeitberechnung: „...wenn man auf die überflüssige Oberflächenkosmetik verzichtet...“ was hindeutet, dass sein Ziel stets eine mehrmanualige Hausorgel war, auf der man sich die gängige Orgelliteratur erüben konnte, und weniger, sich ein Denkmal zu setzen. Zudem legte er großen Wert, in seinem neuen Haus über eine passend eingerichtete Werkstatt zu verfügen, welche etwa über 20 groß war. Damit gehörten die Provisorien in seinem Haus am Simssee endgültig der Vergangeheit an. Die Werkstatt mit Schreinermaschinen ist heute (Stand 2026) noch vorhanden, die Orgelbauwerkzeuge wurden weitergegeben.
Veröffentlichungen (Auswahl) Die gotische Orgel von Bartenstein vom Jahr 1395. In: Ars Organi. Jg. 14, Heft 29, 1966, S. 1–23.