mini|Camille Monet, einzige bekannte Fotografie aufgenommen von Albert Greiner, Amsterdam 1871 Camille-Léonie Doncieux, auch Camille Monet (geboren am 15. Januar 1847 in La Guillotière (heute Lyon); gestorben am 5. September 1879 in Vétheuil),Geburts- und Sterbedaten gemäß Jill Berk Jiminez: Dictionary of artists' models, S. 165. war ein französisches Modell. Sie wurde zunächst die Geliebte und 1870 die erste Ehefrau des Malers Claude Monet. Er porträtierte sie in mindestens 58 Gemälden; keine Person erscheint häufiger in seinen Bildern. Darüber hinaus zeigten Pierre-Auguste Renoir und Édouard Manet sie in ihren Gemälden.
Leben mini|Claude Monet: Camille mit ihrem Hündchen Über das Leben von Camille Doncieux ist insgesamt wenig bekannt. Neben den offiziellen Dokumenten gibt es kaum schriftliche Zeugnisse von ihr und über sie. Ihr Briefwechsel mit Claude Monet ist ebenso wenig erhalten wie Briefe an Camille Doncieux von Familienangehörigen oder Freunden. Diese Unterlagen und Familienfotos mit Camille Doncieux wurden von Claude Monet vernichtet, möglicherweise auf Veranlassung von Alice Hoschedé, Monets zweiter Ehefrau. Hiervon geht Daniel Wildenstein aus, Monets Biograf und der Verfasser seines Werkverzeichnisses.Daniel Wildenstein: Claude Monet, biographie et catalogue raisonné, Bd. I, S. 99. Er hatte für diese Annahme jedoch keine stützenden Dokumente. Erhalten haben sich hingegen Briefe von Claude Monet an seine Freunde, in denen er von Camille Doncieux schreibt, und eine Fotografie von ihr, die 1871 bei Albert Greiner in Amsterdam entstand. Darüber hinaus zeugen bis heute zahlreiche Gemälde Monets von seiner ersten Frau, von denen er einige bis an sein Lebensende behielt.Dorothee Hansen: Monet und Camille – Biografie einer Beziehung in Dorothee Hansen, Wulf Herzogenrath: Monet und Camille – Frauenportraits im Impressionismus, S. 22.
Camille-Léonie Doncieux kam 1847 in La Guillotière, einem Vorort und seit 1852 Stadtteil von Lyon, zur Welt. Ihr Vater war Charles-Claude Doncieux, die Mutter Léonie Françoise, geborene Manéchalle.Ruth Butler: Hidden in the shadow of the master, the model-wives of Cézanne, Monet, and Rodin, S. 96. Der Beruf des Vaters wird mal als Kaufmann, mal als Angestellter angegeben.Dorothee Hansen: Monet und Camille – Biografie einer Beziehung. In: Dorothee Hansen, Wulf Herzogenrath: Monet und Camille – Frauenportraits im Impressionismus, S. 24. Die Familie zog während ihrer Kindheit nach Paris in die Rue Neuve-des-Poirées (heute Rue Toullier) im 5. Arrondissement. Dort wurde 1857 ihre Schwester Geneviève-Françoise geboren. Nach 1860 zog die Familie um in die Rue Truffaut im Quartier des Batignolles des 17. Arrondissements.Ruth Butler: Hidden in the shadow of the master, the model-wives of Cézanne, Monet, and Rodin, S. 96.
Etwa im Alter von 18 Jahren begann Camille Doncieux als Modell für verschiedene Maler zu arbeiten.Jill Berk Jiminez: Dictionary of artists' models, S. 165. Wann und wie sie Monet kennenlernte, ist nicht bekannt.Mary Mathews Gedo: Monet and His Muse: Camille Monet in the Artist’s Life, S. 20. Sein damaliges Atelier am Place Pigalle befand sich nicht weit entfernt von ihrer elterlichen Wohnung. Die erste Begegnung der beiden muss vor Februar/März 1865 erfolgt sein, da Monet zu dieser Zeit mit den Arbeiten zu seinem Gemälde Das Frühstück im Grünen begann, für das sie Modell stand. Im mittleren Fragment der Version des Pariser Musée d’Orsay ist sie die zentrale Figur, in der vorbereitenden Fassung Die Spaziergänger (National Gallery of Art, Washington D.C.) ist sie an der Seite von Monets Malerfreund Frédéric Bazille zu sehen. Statt des nicht vollendeten Gruppenbildes schickte Monet 1866 das Porträt Camille im grünen Kleid (Kunsthalle Bremen) zur Ausstellung des Salon de Paris, wo es gute Kritiken erhielt. Nach diesem Erfolg stand Camille Doncieux in Ville-d’Avray erneut für Monet Modell, der sie im Mehrfigurenbild Frauen im Garten (Musée d’Orsay) vermutlich für alle vier dargestellten Frauen als Vorbild nahm. Der Kunsthistoriker John Rewald schrieb über Claude Monets Begegnung mit Camille Doncieux, sie sei 1866 ein Mädchen gewesen, das „er vor kurzem kennengelernt hatte und bald sein Elend, seine Hoffnungen und Enttäuschungen teilen sollte“.John Rewald: Die Geschichte des Impressionismus: Schicksal und Werk der Maler einer großen Epoche der Kunst, S. 95. Mit dieser Anmerkung umschrieb Rewald die schwierigen Lebensumstände Monets, der in den Folgejahren um seine Anerkennung als Maler kämpfte und dessen wirtschaftlichen Verhältnisse äußerst schwierig waren.
Im Sommer 1866 reisten Camille Doncieux und Claude Monet in die Normandie; spätestens seit dieser Zeit kann von einer Beziehung zwischen ihnen ausgegangen werden. Während beide in Saint-Siméon wohnten, besuchte Monet allein seine Familie in Sainte-Adresse. Nach dem Tod seiner 1857 verstorbenen Mutter erhielt er von seiner Tante Marie-Jeanne Lecadre finanzielle Unterstützung. Er fürchtete, die Tante könnte bei Bekanntwerden der Beziehung zu Camille Doncieux diese Unterstützung einstellen. Seinen Freunden trat er offener gegenüber und traf sich an der Seite von Camille Doncieux im Seebad Deauville mit den Malerkollegen Gustave Courbet und Eugène Boudin.
Neben den Geldzahlungen von der Tante erhielt Monet gelegentlich finanzielle Hilfe durch seine Freunde, da er durch Bildverkäufe kaum Einnahmen erzielte. In den 1860er Jahren war es vor allem Frédéric Bazille, der Monet unterstützte.Dorothee Hansen: Monet und Camille – Biografie einer Beziehung. In: Dorothee Hansen, Wulf Herzogenrath: Monet und Camille – Frauenportraits im Impressionismus, S. 25. Diese Zuwendungen wurden immer notwendiger, da Camille Doncieux inzwischen ein Kind erwartete. Monet teilte im April 1867 seinem Vater Claude-Adolphe Monet die bevorstehende Geburt mit, der darauf ablehnend reagierte. Am 8. August 1867 brachte Camille Doncieux in Paris den Sohn Jean-Armand-Claude – genannt Jean – zur Welt. Pate wurde Monets Freund Frédéric Bazille. Monet war zu dieser Zeit meist bei seinem Vater und der Tante in Le Havre. Er muss jedoch zu kurzen Besuchen in Paris gewesen sein, wo er den Neugeborenen in Jean Monet in seiner Wiege (National Gallery of Art, Washington D.C.) und Jean Monet schlafend (Ny Carlsberg Glyptotek, Kopenhagen) porträtierte.Dorothee Hansen: Monet und Camille – Biografie einer Beziehung. In: Dorothee Hansen, Wulf Herzogenrath: Monet und Camille – Frauenportraits im Impressionismus, S. 27.
Auch nach der Geburt des Kindes weigerte sich Monets Vater, die junge Familie zu unterstützen. Stattdessen gab er Claude Monet den Rat, er sollte sich von Camille Doncieux trennen.John Rewald: Die Geschichte des Impressionismus: Schicksal und Werk der Maler einer großen Epoche der Kunst, S. 112. Im Winter 1866/1867 kam Monet zurück nach Paris, wo es der Familie am Nötigsten fehlte. So gab es kein Geld, um Kohlen zu kaufen, und auch Nahrung für die junge Mutter mit dem Kind war nur unzureichend vorhanden.John Rewald: Die Geschichte des Impressionismus: Schicksal und Werk der Maler einer großen Epoche der Kunst, S. 121. Der finanzielle Druck zwang die Familie, häufig umzuziehen. Auf dem Land waren die Mieten günstiger, dennoch mussten sie die Wohnorte meist wegen Mietschulden verlassen. 1868 zogen Camille Doncieux mit Sohn Jean und Monet zunächst nach Bennecourt, im August nahmen sie ein Zimmer in Fécamp, gingen Ende Oktober 1868 nach Étretat und blieben dort bis zum Frühjahr 1869. Danach zogen sie nach Saint-Michel bei Bougival.Dorothee Hansen: Monet und Camille – Biografie einer Beziehung. In: Dorothee Hansen, Wulf Herzogenrath: Monet und Camille – Frauenportraits im Impressionismus, S. 28–30. Monets Tante verweigerte weiterhin Geldzahlungen. Sie bot Monet an, kostenfrei bei ihr zu wohnen, wenn er die Beziehung zu Camille Doncieux beenden würde.Dorothee Hansen: Monet und Camille – Biografie einer Beziehung. In: Dorothee Hansen, Wulf Herzogenrath: Monet und Camille – Frauenportraits im Impressionismus, S. 30.
mini|Pierre Auguste Renoir: Madame Monet ausgestreckt auf einem Sofa Gegen den Rat seiner Familie heirateten Claude Monet und Camille Doncieux am 28. Juni 1870.Dorothee Hansen: Monet und Camille – Biografie einer Beziehung. In: Dorothee Hansen, Wulf Herzogenrath: Monet und Camille – Frauenportraits im Impressionismus, S. 31. Einer der Trauzeugen war der Maler Gustave Courbet. Das Paar schloss einen Ehevertrag ab, in dem Gütertrennung vereinbart wurde. Sie erhielt von ihren Eltern eine Schenkung in Höhe von 12.000 Franc, die nach dem Tod des Vaters fällig werden sollte. Vorab standen ihr die jährlichen Zinsen aus dieser Summe zu. Wenig später, am 7. Juli, starb Monets Tante Lecadre. Den Sommer 1870 verbrachten Claude und Camille Monet mit dem Sohn Jean in Trouville an der Küste der Normandie. Dort entstanden verschiedene Strandansichten, für die teilweise Camille Modell stand. Nachdem Frankreich am 19. Juli Preußen den Krieg erklärt hatte, begab sich Claude Monet im Herbst 1870 nach London. Wenig später folgten Camille Monet und ihr Sohn Jean. In London malte Monet seine Frau im Interieurbild Meditation, Madame Monet auf dem Kanapee (Musée d’Orsay). Noch während des Londonaufenthaltes starb am 17. Januar 1871 Monets Vater. Claude Monet blieb mit seiner Familie wegen der unsicheren politischen Situation während der Pariser Kommune bis Ende Mai 1871 in England. Danach reisten sie in die Niederlande, wo sie sich in einem Hotel in Zaandam einquartierten. Camille Monet trug dort mit Französischunterricht zum Familieneinkommen bei. Wegen der weiterhin unruhigen politischen Lage in Frankreich kehrten die Monets erst im November 1871 nach Paris zurück.
mini|Édouard Manet: Die Familie Monet in ihrem Garten in Argenteuil Im Dezember 1871 mietete Monet ein Haus in Argenteuil, in dem die Familie bis Ende 1874 wohnte. Nachdem Claude Monet 1872 sein väterliches Erbe erhalten hatte und einige Gemälde an den Kunsthändler Paul Durand-Ruel verkaufen konnte, gab es für die Familie Monet vorübergehend eine finanzielle Entspannung. Entsprechend leisteten sie sich ein Hausmädchen und eine Kinderfrau.Mary Mathews Gedo: Monet and His Muse: Camille Monet in the Artist’s Life, S. 115. In Argenteuil erhielten die Monets im Sommer 1873 Besuch von dem Maler Pierre-Auguste Renoir, der vor Ort neben anderen Bildern auch vier Porträts von Camille Monet schuf.Dorothee Hansen: Monet und Camille – Biografie einer Beziehung. In: Dorothee Hansen, Wulf Herzogenrath: Monet und Camille – Frauenportraits im Impressionismus, S. 32. Nachdem Camilles Vater am 22. September 1873 starb, erhielt sie einen Teil der Erbschaft ausgezahlt.Camille Monet erhielt als Sofortzahlung 6.000 Franc, weitere 2.000 Franc sollte die Mutter später zahlen. Die zunächst geplanten 12.000 Franc Gesamtsumme standen als Vermögenswerte nicht zur Verfügung. Siehe Dorothee Hansen: Monet und Camille – Biografie einer Beziehung. In: Dorothee Hansen, Wulf Herzogenrath: Monet und Camille – Frauenportraits im Impressionismus, S. 32. Im Sommer 1874 kam der Maler Édouard Manet zu Besuch und porträtierte Camille und Claude Monet auf dessen Atelierboot. Darüber hinaus malte er das Bild Die Familie Monet in ihrem Garten in Argenteuil (Metropolitan Museum of Art, New York). Der ebenfalls anwesende Renoir schuf mit Camille Monet und ihr Sohn Jean in Argenteuil ein ähnliche Motiv.Dorothee Hansen: Monet und Camille – Biografie einer Beziehung. In: Dorothee Hansen, Wulf Herzogenrath: Monet und Camille – Frauenportraits im Impressionismus, S. 33. Obwohl Claude Monet Gemälde verkauft hatte, beispielsweise an den Stoffgroßhändler Ernest Hoschedé und den Opernsänger Jean-Baptiste Faure, gab es wieder finanzielle Probleme, und er bat Manet um Geld. Trotz dieser finanziellen Sorgen zog die Familie im Herbst in Argenteuil in ein größeres Haus. Im Folgejahr musste Camille 2.000 Franc aus ihrem Erbe an den Farbenhändler Carpentier verpfänden, um Rechnungen ihres Mannes zu bezahlen.