Die Marinestation der Nordsee war eine Dienststelle der Kaiserlichen Marine, der Reichsmarine und der Kriegsmarine in Wilhelmshaven. Sie war neben der Marinestation der Ostsee eine von zwei dauerhaft bestehenden Marinestationen. Daneben gab es in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zeitweilig mehrere Auslandsstationen. Die Marinestation der Nordsee wurde am 19. Mai 1870 aufgestellt und 1943 in das Marineoberkommando Nordsee (auch Marineoberkommando Nord) umgewandelt, das mit Ende des Zweiten Weltkriegs aufgelöst wurde.Walter Lohmann, Hans H. Hildebrand: Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945. Sammelwerk in drei Bänden. O.O. 1956. Band I, Hauptkapitel IX, Kapitel 1, S. 1 f.
Organisation Marine des Norddeutschen Bundes und Kaiserliche Marine mini|Der Adalbertplatz in Wilhelmshaven mit dem Stationsgebäude im Hintergrund Nachdem Preußen im Jahr 1854 mit dem Jade-Vertrag vom Großherzogtum Oldenburg das Jadegebiet erworben hatte, begann es mit dem Aufbau des Hafens für die preußische Marine. Das erforderte umfangreiche Arbeiten, sodass der Hafen erst ab 1870 nutzbar wurde. Die preußische Marine wurde nach dem Deutschen Krieg 1867 in die Marine des Norddeutschen Bundes überführt.
Im Zuge der Inbetriebnahme des Marinestützpunkts, der 1871 zum Reichskriegshafen bestimmt wurde, wurde mit der Aufstellung des Kommandos der Marinestation der Nordsee eine Führungsorganisation geschaffen, wie sie an der Ostsee bereits seit 1865 in Kiel bestand. Aufgabe der Marinestationen war die Führung der im Kommandobereich liegenden Festungen und Ausbildungseinrichtungen.Wilhelmshavener Heimatlexikon. Band 2, S. 231, Wilhelmshaven 1987. Außerdem führten sie anfangs alle in ihrem Verantwortungsbereich befindlichen Seestreitkräfte, bis 1891 ein eigenes Kommando für die Führung der Flotte geschaffen wurde.Konrad Ehrensberger; 100 Jahre Organisation der deutschen Marine 1890–1990; Bonn 1993; ISBN 3-7637-5913-1
Dem Stationskommando der Nordsee unterstanden 1914: Im Heimathafen liegende Schiffe, die keinem aktiven Geschwader zugeteilt waren. eine Anzahl von Fahrzeugen auf Auslandsstationen Kommandanturen in Wilhelmshaven, Geestemünde, Cuxhaven und Helgoland Hafenkapitän und Lotsenkommando in Wilhelmshaven Abwicklungsbüro Nordsee II. Marineinspektion II. Matrosendivision II. Werftdivision II. Torpedodivision Inspektion der Küstenartillerie und des Minenwesens (Cuxhaven) Minenversuchskommission (Kiel) Minenabteilung mit I., II., III. Minensuchdivision und I., II., III. Minensuch-Reservedivision I.–V. Matrosenartillerieabteilung und Matrosenartillerieabteilung Kiautschou Marineluftschiff-Abteilung Fuhlsbüttel Marinefliegerabteilung Putzig Marinetelegraphenschule (Lehe) Marinedepot-Inspektion Wilhelmshaven Artilleriedepots Cuxhaven, Friedrichsort, Geestemünde, Wilhelmshaven, Helgoland Munitionsdepot Dietrichsdorf Minendepots Cuxhaven, Friedrichsort, Geestemünde, Wilhelmshaven Auch das II. Seebataillon war in Wilhelmshaven stationiert und der Inspektion der Marineinfanterie unterstellt.
Die Inspektionen entsprachen der Brigadeebene des Heeres und wurden von einem Konteradmiral geführt.Marinestation der Nordsee bei deutsche-schutzgebiete.de, abgerufen am 17. Februar 2019 Ihre fachliche Zuständigkeit war nicht auf den regionalen Bereich der Marinestation beschränkt.
Reichsmarine Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Reichswehrministerium in Berlin als oberste Reichsbehörde für die Reichswehr geschaffen. Im Ministerium bestand neben der Heeresleitung die Marineleitung als oberste Kommandostelle der Reichsmarine. An ihrer Spitze stand der Chef der Marineleitung. Ihm war die Marinestation der Nordsee unterstellt, der wiederum folgende Dienststellen unterstanden (Stand 1930/31Wilhelm Köhler, Mitarbeit von Max Plüddemann. Illustrierter Deutscher Flotten-Kalender für 1932 (Köhlers Flotten-Kalender), 30. Jahrgang, Minden):
Kommando der Marinestation der Nordsee (Wilhelmshaven) Küstenverteidigung der Nordsee Marineartillerieabteilungen II. Marine-Artillerie-Abteilung (Wilhelmshaven) IV. Marine-Artillerie-Abteilung (Cuxhaven) VI. Marine-Artillerie-Abteilung (Emden) Schiffsstammdivision der Nordsee (S.D.N.) in Wilhelmshaven Fahrzeugverband der Nordsee mit Stationstender Frauenlob, Fischereischutzbooten Zieten, Elbe, Weser Küstennachrichtenwesen der Nordsee Inspektion der Marineartillerie (A.I.) Artillerieversuchskommando für Schiffe (A.V.K.S.) in Wilhelmshaven Schiffsartillerieschule (S.A.S.) in Kiel mit Schulbooten Drache, Hay, Delphin Küstenartillerieschule (K.A.S.) in Schillig und Wilhelmshaven mit Versuchskommando und Schulboot Fuchs Marinedepotinspektion (D.I.) in Wilhelmshaven Marineartilleriedepots in Wilhelmshaven, Cuxhaven, Borkum, Pillau, Swinemünde und Kiel-Dietrichsdorf Marinesperrdepots in Wilhelmshaven, Grauerort, Kiel-Dietrichsdorf und weiteren Zweigstellen Marineschießplatz in Altenwalde
Kriegsmarine Nach dem Beginn der deutschen Aufrüstung in Vorbereitung auf den Zweiten Weltkrieg wuchs die Marinestation der Nordsee in den 1930er Jahren auf. Im August 1940 wurde sie zusammen mit der Marinestation der Ostsee dem Marinegruppenkommando Nord unterstellt.Walter Lohmann, Hans H. Hildebrand: Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945. Sammelwerk in drei Bänden, O.O. 1956, Band I, Kapitel 4, S. 3 f.
Die Marinestation der Nordsee war im Juni 1939 wie folgt gegliedert:Walter Lohmann, Hans H. Hildebrand: Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945. Sammelwerk in drei Bänden, O.O. 1956, Band I, Kapitel 3, S. 13 f. Kommandierender Admiral der Marinestation der Nordsee Festungskommandant Ostfriesland, später Küstenbefehlshaber Nordfriesland, ab Februar Küstenbefehlshaber Deutsche Bucht Festungskommandant Nordfriesland, später Küstenbefehlshaber Nordfriesland, ab Februar Küstenbefehlshaber Deutsche Bucht Befehlshaber der Sicherung der Nordsee (ab 1940 einsatzmäßig direkt unter Marinegruppenkommando Nord) II. Admiral der Nordsee Schnellboot-Flottillen: die mit geraden Nummern versehenen Schnellboot-Flottillen der Kriegsmarine wurde der Marinestation der Nordsee zugeordnet.
Zum Stationsbereich gehörten außerdem folgende fachlich dem Oberkommando der Marine unterstellte Stellen: Schiffsmaschinen-Inspektion Inspektion der Marine-Artillerie-Zeugämter Kriegsmarinedienststelle Hamburg Kriegsmarinedienststelle Bremen Sanitätsamt Nordsee Psychologische Prüfstelle Wilhelmshaven Seezeichen- und Lotsenamt der Jade Außerdem waren der Marinestation der Nordsee folgende technische und Verwaltungsbehörden zugeordnet: Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven Hafenneubaudirektion Helgoland in Hamburg Marineobservatorium Wilhelmshaven Deutsche Seewarte, Abteilung Nautik und Hydrographie Marine-Intendantur Wilhelmshaven Bei dieser Neuorganisation des gesamten Küstenabschnitts im Juni 1940 von der deutsch-niederländischen bis zur französisch-spanischen Grenze wurde die Zuständigkeit für die Niederlande einschließlich der Scheldemündung und Antwerpen an Marinebefehlshaber Niederlande-Belgien übertragen, der wiederum der Marinestation der Nordsee unterstand. In Frankreich wurden zusätzlich zum Marinebefehlshaber Bretagne der Marinebefehlshaber Nordfrankreich und der Marinebefehlshaber Westfrankreich eingerichtet, die alle dem Kommandierender Admiral Frankreich unterstellt waren.Kriegstagebuch der Seekriegsleitung 1939–1945. Mittler, Teil A, Band 10, Juni 1940, 1989, S. 176+177.
Im November 1941 wurde das Deutsche Marinekommando Italien aufgestellt und der Marinestation der Nordsee truppendienstlich unterstellt. Einsatzmäßig unterstand es direkt der Seekriegsleitung.Walter Lohmann, Hans H. Hildebrand: Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945. Sammelwerk in drei Bänden, O.O. 1956, Band II, Kapitel 17, S. 1 f.
Am 1. Februar 1943 wurde die Marinestation der Nordsee in Marineoberkommando Nordsee umbenannt und der Stationschef zum Oberbefehlshaber.
Stationschefs Die militärischen Führer der Marinestation der Nordsee trugen die Bezeichnung Chef der Marinestation der Nordsee, ab 1935 Kommandierender Admiral der Marinestation der Nordsee und ab 1943 Oberbefehlshaber des Marineoberkommandos Nord. 1870–1871 Korvettenkapitän Hermann Robert Przewisinski 1871 Kapitän zur See Ludwig von Henk 1871–1878 Kapitän zur See/Konteradmiral Gustav Klatt 1879–1883 Konteradmiral Adolph Wilhelm Berger 1883–1888 Konteradmiral/Vizeadmiral Alexander von Monts 1888–1889 Vizeadmiral Max von der Goltz 1889–1891 Vizeadmiral Karl Paschen 1892 Vizeadmiral Karl August Deinhard 1892–1896 Konteradmiral/Vizeadmiral Victor Valois 1896–1899 Vizeadmiral Guido Karcher 1899–1903 Vizeadmiral August von Thomsen 1903–1907 Vizeadmiral/Admiral Felix von Bendemann 1907 Vizeadmiral Hunold von Ahlefeld 1908–1909 Admiral Max von Fischel 1909–1913 Admiral Friedrich von Baudissin 1913–1914 Admiral August von Heeringen 1914–1919 Vizeadmiral/Admiral Günther von Krosigk 1919–1920 Kapitän zur See/Konteradmiral/Vizeadmiral Andreas MichelsenWilhelmshavener Heimatlexikon. Band 2, S. 269, Wilhelmshaven 1987.Nach dem Kapp-Putsch im März 1920 abgelöst und kurzzeitig durch den Oberdeckoffizier Arthur Grunewald ersetzt. 1920–1923 Vizeadmiral Hans Zenker 1923–1925 Konteradmiral/Vizeadmiral Hermann Bauer 1925–1928 Vizeadmiral Erich Raeder 1928–1932 Konteradmiral/Vizeadmiral Werner Tillessen 1932–1933 Konteradmiral/Vizeadmiral Richard Foerster 1933–1935 Konteradmiral/Vizeadmiral Otto Schultze
Kommandierende Admirale
1935–1937 Vizeadmiral/Admiral Otto Schultze 1937–1938 Vizeadmiral/Admiral Hermann Boehm 1938–1939 Admiral Alfred Saalwächter 1939 Admiral Otto Schultze 1939–1943 Vizeadmiral/Admiral Hermann Densch
Chef des Stabes 1888/89 August von Thomsen, später Stationschef 1889/90 Kapitän zur See Iwan Oldekop 1890–1892 Fregattenkapitän/Kapitän zur See Curt von Prittwitz und Gaffron 1892/93 Kapitän zur See Curt von Maltzahn 1894 Korvettenkapitän Hans Oelrichs (mit der Wahrnehmung der Geschäfte beauftragt) 1894/1895 Kapitän zur See Ernst von Frantzius 1895–1897: Kapitän zur See Oskar von Schuckmann 1900–1902 Kapitän zur See Georg Scheder 1902–1904 Kapitän zur See Adolf Paschen 1904–1905 Kapitän zur See Eugen Kalau vom Hofe 1906–1908 Kapitän zur See/Konteradmiral Erich Gühler 1908–1910 Konteradmiral Maximilian von Spee 1910–1912 Kapitän zur See/Konteradmiral Konrad Trummler 1912–1916 Kapitän zur See/Konteradmiral/Vizeadmiral Otto Wurmbach 1916–1918 Kapitän zur See/Konteradmiral Constanz Feldt von April bis August 1918 in Vertretung Fregattenkapitän Waldemar Krah August 1918 bis März 1919 Kapitän zur See Friedrich von Kameke August/September 1918 in Vertretung Fregattenkapitän Waldemar Krah 1918/19 Kapitän zur See Andreas Michelsen 1919/20 Fregattenkapitän Hans Quaet-Faslem 1920/21 Kapitän zur See Wilhelm Prentzel unbekannt 1924–1926 Fregattenkapitän/Kapitän zur See Ernst Meusel unbekannt 1928–1930 Fregattenkapitän/Kapitän zur See Walther Koehler 1930–1932 Fregattenkapitän/Kapitän zur See Wilhelm Canaris 1932/33: Kapitän zur See Robert Witthoeft-Emden 1933–1935 Konteradmiral Hans-Herbert Stobwasser 1935/36 Kapitän zur See Günther Lütjens 1936 Fregattenkapitän Werner Löwisch 1936–1940 Kapitän zur See/Konteradmiral Johannes Bachmann 1940–1943 Kapitän zur See Friedrich Rieve 1943–1945 Konteradmiral Hans-Joachim Gadow
Siehe auch
Marineoberkommando Nordsee
Literatur Konrad Ehrensberger: 100 Jahre Organisation der deutschen Marine 1890–1990; Bonn 1993; ISBN 3-7637-5913-1 Wilhelmshavener Heimatlexikon. Band 2, S. 231, Wilhelmshaven 1987
Einzelnachweise
Anmerkungen
Kategorie:Marine des Norddeutschen Bundes Kategorie:Kaiserliche Marine Kategorie:Reichsmarine Kategorie:Kommandobehörde der Kriegsmarine Kategorie:Historische Behörde (Deutschland) Kategorie:Deutsche Marinegeschichte Kategorie:Geschichte Wilhelmshavens Kategorie:Marinegeschichte (Nordsee)