Die S-Klasse war eine Zerstörerklasse, die von der Royal Navy 1917 bestellt wurde, als man erkannte, dass für den Krieg gegen Deutschland nicht unbedingt die größeren Zerstörer der V- und W-Klasse benötigt wurden. Zerstörer von der Größe der Modified Admiralty-R-Klasse würden für den Krieg gegen die Mittelmächte ausreichend sein. Der überarbeitete Entwurf wurde anfangs als modifizierte Trenchant-Klasse nach dem von White gebauten ersten Zerstörer dieser Variante bezeichnet. Wegen der insgesamt erheblichen Veränderungen wurden die 1917 bestellten Zerstörer dann doch einer eigenen Klasse zugeordnet. Die auf Zerstörer spezialisierten Werften Thornycroft und Yarrows bauten auch von diesem Typ wieder Varianten nach eigenen Plänen.
Baugeschichte Nachdem die Navy erkannte, dass die Kaiserliche Marine keine Großzerstörer in großer Zahl produzierte, verzichtete man auf die Bestellung weiterer Zerstörer der V- und W-Klasse und ging bei den Bestellungen vom April und Juni 1917 wieder auf den zuvor gebauten kleineren Typ zurück. Die durch die Kriegserfahrung mit der L-, M- wie R-Klasse doch recht umfangreichen Änderungen wurden im Februar 1917 zu einem neuen Amtsentwurf einer S-Klasse zusammengefasst, womit die Rückkehr zu der älteren Entwicklungsreihe auch deutlich gemacht wurde. Die neu bestellten Zerstörer sollten alle Namen erhalten, die mit „S“ oder „T“ begannen. Allerdings hatten schon vierzig Zerstörer der R-Klasse Namen erhalten, die mit „S“ oder „T“ begannen und der Name von acht Schiffe der R-Klasse begann sogar mit „U“. mini|links|Die Tower von Swan Hunter, Modified Admiralty R-Klasse Baubeginn der neuen Zerstörer war im April/Mai 1917, als bei John Brown, Thornycroft und Yarrow die ersten Kiellegungen erfolgten. Als erstes Schiff der neuen Klasse lief am 26. Januar 1918 die Simoom in Clydebank vom Stapel, die auch als erster Zerstörer der S-Klasse im April 1918 in den Dienst der Navy genommen wurde. Ihre Namensvorgängerin war ein auf derselben Werft gebauter Zerstörer der R-Klasse, der am 23. Januar 1917 als erstes Schiff der R-Klasse versenkt worden war. Auch eine Anzahl weiterer Zerstörer erhielten Namen von Kriegsverlusten. Alle beauftragten dreizehn Werften hatten zuvor schon Zerstörer für die Royal Navy gebaut, sieben von ihnen hatten die elf Schiffe des unmittelbaren Vorläufer-Modells gefertigt.
Alle Zerstörer der S-Klasse hatten zwei nahezu gleich hohe Schornsteine und ein langes Vorschiff, dessen Seiten gewölbt waren und hinter dem auf dem Hauptdeck ein hohes Brückenhaus stand. Sie hatten einen hohen Fockmast und einen kurzen achteren Hauptmast. Angetrieben wurden die meisten Boote von drei Yarrow-Kesseln und zwei Sätzen von Brown-Curtis-Getriebeturbinen. Nur die fünf bei White gebauten Zerstörer erhielten Kessel der Bauart White-Forster; mit Parsons-Turbinen wurden die vier Palmer-Boote und zwei der bei Swan Hunter gefertigten Schiffe ausgerüstet. Die neuen Schiffe hatten eine Länge von 275 bis 276 ft über alles und von 265 ft (80,77 m) zwischen den Loten. Damit entsprachen sie den Vorgängertypen seit der Laforey-Klasse. Auch die Breite von 26 ft 8 in (8,12 m) und der Tiefgang von normal 9 ft unterschied die neuen Zerstörer nicht von ihren Vorläufern. Die beiden Getriebeturbinensätze konnte bis zu 27.000 PS erzeugen und trieben zwei Propeller an. Sie gaben den Zerstörern eine theoretische Höchstgeschwindigkeit von 36 kn. Die Verdrängung der Zerstörer betrug 1075 long tons bei normaler Zuladung und 1220 long tons bei voller Zuladung.
Die Bewaffnung der Zerstörer bestand aus drei 4-in-102-mm-Mk.IV-Schnellfeuergeschützen auf der Mittellinie der Schiffe (ein Geschütz auf dem Vorschiff, eines zwischen den Schornsteinen und eines achtern auf einer erhöhten Plattform). Dazu kamen eine einzelne 2-pounder-(40-mm)-„pom-pom“-Flak vor dem Hauptmast sowie zwei Torpedorohr-Zwillingssätze für 21-in-(533-mm)-Torpedos hintereinander auf dem Achterschiff. Vor dem Brückenhaus hatten die ersten Neubauten anfangs noch zwei einzelne leichte Torpedorohre für 14-Zoll-(?)-Torpedos, die einen sehr eingeschränkten Feuerbereich nach vorn hatten, sich aber im Einsatz nicht bewährten und bald auf fast allen Schiffen wieder entfernt wurden. Die Besatzung der Schiffe sollte 90 Mann betragen.
Insgesamt wurden Anfang April und Ende Juni 1917 von der Royal Navy 67 Zerstörer der S-Klasse bestellt. Trotz der wenigen Neuerungen und der Vertrautheit der Werften mit dem Grundentwurf wurden bis zum Kriegsende nur ein Teil der beiden Aufträge abgeschlossen.
Yarrow S-Klasse Yarrow Shipbuilders in Glasgow-Scotstoun bauten sieben Zerstörer der S-Klasse nach Aufträgen vom April bzw. Juni 1917 als specials, die zwischen Mai 1918 und Dezember 1919 fertiggestellt wurden. Diese Zerstörer hatten erneut keine Getriebeturbinen wie schon die specials, die zeitgleich zur R-Klasse bestellt und gebaut wurden. Die Yarrow-S-Zerstörer waren kleiner als die Zerstörer des Admiralitätsentwurfs und verdrängten 930 t bei einer Länge von 269 ft 6 in (82,14 m) über alles, 260 ft 3 in (79,3 m) (p.p.), einer Breite von 2 ft 9 in (7,84 m) und einem Tiefgang 9 ft (2,75 m). Der Treibstoffvorrat der Boote war etwa 50 ts geringer gegenüber den Standardbauten mit 200 bis maximal 256 tons. Die etwa 2 m kürzeren Zerstörer hatten ein kürzeres Vorschiff und das typische abfallende Heck der meisten von Yarrow gebauten Zerstörer.
Thornycroft S-Klasse Auch der Werft John I. Thornycroft & Company in Southampton-Woolston wurde erlaubt, ihre fünf Bauaufträge nach abgeänderten Entwürfen als „specials“ zu bauen. Die zwischen August 1918 und Dezember 1919 fertiggestellten Thornycroft-S-Zerstörer verdrängten 1087 tons und waren geringfügig größer als die Schiffe des Admiralitäts-Entwurfs. Sie hatten eine Länge von 275 ft 9 in über alles (266 ft 9 in p.p.), waren 27 ft 4 in breit und hatten einen Normal-Tiefgang von 9 ft. Der Treibstoffvorrat konnte bis zu 350 ts betragen. Bei der Maschinenanlage und der Waffenausstattung gab es keine Abweichungen. Das Geschütz auf dem Vorschiff hatte allerdings einen leicht erhöhten Stand, auch waren die Schornsteine etwas höher und die Zerstörer kamen etwas höher aus dem Wasser als die Zerstörer nach dem Admiralitäts-Entwurf. Die Thornycroft-Boote Tobago und Speedy übertrafen bei ihren Testfahrten 38 kn.
Nutzung bis 1939 mini|links|Die HMS Valhalla,2nd Leader der 12th DF
Beim Waffenstillstand waren 27 Schiffe der Klasse bei Einsatzverbänden der Royal Navy: bei der Grand Fleet hatten die 12th Destroyer Flotilla mit Scimitar, Scotsman, Scout, Scythe, Seabear, Sepoy, Simoom, Sirdar, Speedy, Tomahawk, Torch, Trinidad und Tryphon dreizehn S-Zerstörer neben Mischief und Munster der M-Klasse sowie Vivien, Waterhen, Winchester, Wolsey, Wrestler der V- und W-Klasse und den „Leadern“ Saumarez und Valhalla zur Verfügung;12th DF Grand Fleet November 1918 die 14th Destroyer Flotilla mit Sabre, Seafire, Seraph, Somme, Sparrowhawk, Splendid, Tactician und Tobago acht S-Zerstörer neben 22 der M-Klasse, einem der R-Klasse und drei Zerstörern der V- und W-Klasse sowie den Leadern Vampire und Anzac im Einsatz.!14th DF Grand Fleet November 1918 Dazu verfügte die 10th Destroyer Flotilla der Harwich Force über die Swallow der S-Klasse und mit Senator, Sikh, Shark, Tilbury und Tribune befanden sich fünf weitere schon bei der 5th Destroyer Flotilla der Mediterranean Fleet in Mudros. Fünf weitere Zerstörer der Klasse befanden sich im Abnahme- und Ausbildungsverfahren kurz vor der Zuteilung zu Einsatzverbänden (Searcher, Sportive, Tara, Trojan und Tumult).
Von März bis Mai 1919 befand sich eine Zerstörer-Division unter Commander A.B. Cunningham auf der Seafire mit Scotsman, Scout und Seabear in der Ostsee beim Geschwader des Konteradmirals Walter Cowan und unterstützte die Lettische Unabhängigkeitsbewegung gegen Angriffe deutscher Truppen und Einheiten der weißen Russen, teilweise zusammen mit dem Flottillenführer und schnellen Minenleger Abdiel. Im Juli 1919 war die 6th Destroyer Flotilla der Mediterranean Fleet die einzige Flottille der Navy die voll einsatzbereit mit 16 Zerstörern der S-Klasse. Die in Rosyth stationierte 7th Destroyer Flotilla war ebenfalls nur mit Zerstörern der S-Klasse ausgerüstet; aber nur fünf der 16 Zerstörer waren voll ausgestattet und ausgerüstet. Von der 3rd DF der Atlantic Fleet und der 4th DF der Home Fleet wurden drei weitere S-Zerstörer eingesetzt. Drei weitere waren Hilfsschiffe verschiedener Schulen. Andere befanden sich in der Nore, Portsmouth und Plymouth in der Reserve und zehn Schiffe der Klasse befanden sich noch im Bau.
Im Laufe des Jahres 1920 unterstützten die S-Zerstörer der 7th DF im Schwarzen Meer die Truppenbewegungen der Weißen Truppen im Russischen Bürgerkrieg. Meist mussten die Zerstörer die Evakuierung Weißer Truppen sichern, die Odessa, Noworossijsk und die Krim räumen mussten. Bei diesen Einsätzen lief die Tobago am 12. November auf eine Mine, deren Explosion ein großes Loch in den Maschinenraum des Zerstörers riss. Der Kreuzer Calypso schleppte den schwer beschädigten Zerstörer nach Istanbul, wo eine Notreparatur durchgeführt wurde, um die Tobago zur Marinewerft nach Malta überführen zu können. Das Schlachtschiff Centurion schleppte den Zerstörer zum britischen Hauptstützpunkt im Mittelmeer, wo die Untersuchung des Schiffes ergab, dass eine Reparatur des Schiffes völlig unwirtschaftlich sei.
1921 wurden die britischen Zerstörer-Flottillen neu organisiert. Die Flottillen bestanden künftig aus je einem Leader und acht Zerstörern. Die Zerstörer der S-Klasse wurden bei der Mediterranean Fleet in der 7th und 8th Flotilla organisiert, die sich aus dem „leader“ Stuart und den Zerstörern Shark, Sikh, Sepoy, Trinidad, Tribune, Spear, Sparrowhawk und Senator (7th DF) beziehungsweise dem Leader Montrose und den Zerstörern Sidar, Sportive, Splendid, Tourmaline, Seraph, Serapis, Somme und Swallow (8th DF) bildeten. Neben den 16 Zerstörern der beiden Mittelmeer-Flottillen waren im Januar 1923 noch vier weitere Zerstörer der Klasse im aktiven Dienst der Navy. Seawolf und Tilbury bildeten das Queenstown Command zur Sicherung der irischen Vertragshäfen; Tara und Truant dienten als Tender bei der Torpedoschule in Devonport bzw. in Portsmouth. Noch nicht fertiggestellt war die Shikari, die als letztes Schiff der Klasse im April 1924 ohne Bewaffnung als Funkleitboot für ein ferngesteuertes Zielschiff in Dienst gestellt wurde. Verloren hatte Royal Navy neben der vorgenannten Tobago durch Unfälle vor der anatolischen Küste mit Tryphon im Mai 1919, Stonehenge im November 1920 sowie Senator und Speedy im September 1922 noch vier weitere Zerstörer der Klasse. Dazu hatte sie im Januar 1920 mit Stalwart, Success, Swordsman, Tasmania und Tattoo fünf Zerstörer an die Royal Australian Navy abgegeben. Die anderen Schiffe befanden sich nach kurzer oder gar keiner Dienstzeit in Nore (8 Schiffe), Portsmouth (9), Plymouth (16) und Malta (4) in der Reserve.
Die 7th Flotilla kam im Juli 1923 zur Atlantic Fleet; in der Heimat wurde sie 1925 zur 9th Flotilla umbenannt und im Februar 1926 Teil der Flottenreserve. Die 8th Flotilla wurde im Oktober 1923 in die Heimat versetzt und wurde mit reduzierter Besatzung Teil der Atlantic Fleet. 1927 wurde die Flottille wieder aktiviert, um auf der China Station die britischen Niederlassungen, insbesondere in Shanghai, zu schützen. Im gleichen Jahr gab die Royal Navy die Thornycroft-S-Specials Torbay und Toreador an die Royal Canadian Navy ab, die sie als HMCS Champlain und Vancouver in Dienst nahm. mini|Somme in China