Heinz Warnecke (* 1953) ist ein deutscher Betriebswirt, Historiker und Buchautor. Sein Forschungsschwerpunkt ist die althistorische Geografie.

Leben Nach einer Fachhochschulreife und dem Studium der Betriebswirtschaft arbeitete Warnecke zunächst in einer Handelsfirma und einer Unternehmungsberatung, widmete sich aber bald historischen Fragen und wurde 1987 zum Dr. phil. promoviert.

Die Rekonstruktion der Paulus-Reise In seiner Dissertation vertrat Warnecke die These, dass der Apostel Paulus von Tarsus entgegen der traditionellen Lehrmeinung nicht auf Malta, sondern auf der westgriechischen Insel Kefalonia gestrandet sei und überwintert habe. Die Verortung auf Malta beruhe auf einer Fehlinterpretation des Inselnamens Melite.Heinz Warnecke: Die tatsächliche Romfahrt des Apostels Paulus (= Stuttgarter Bibelstudien. Band 127). 2. Auflage, Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 1989, ISBN 3-460-04271-0 (1. Auflage 1987). In folgenden Publikationen wiederholte Warnecke seine These.Heinz Warnecke, Thomas Schirrmacher: War Paulus wirklich auf Malta? Hänssler, Neuhausen 1992, ISBN 3-7751-1617-6; Heinz Warnecke: Paulus im Sturm. Über den Schiffbruch der Exegese und die Rettung des Apostels auf Kephallenia. 2. Auflage, VTR, Nürnberg 2000, ISBN 3-933372-29-1.

Bald nach ihrer Veröffentlichung fand Warneckes Neuinterpretation breite Beachtung auch außerhalb der Geschichtswissenschaften, nachdem Warneckes Ehefrau sie in einem Artikel in der Zeit zustimmend vorgestellt hatte.Peter Pilhofer: Ein neuer frühchristlicher Autor. Aufsätze zur Apostelgeschichte (= Beiträge zur Wissenschaft vom Alten und Neuen Testament. Band 247). Kohlhammer, Stuttgart 2025, ISBN 978-3-17-042460-9, S. 82. Der Zeit-Artikel: Agnes Seppelfricke: Paulus war nie auf Malta. In: Die Zeit, 23. Dezember 1988. In der Fachwelt werden Warneckes Interpretationen dagegen vielfach als haltlos zurückgewiesen;Fik Meijer: Paulus’ zeereis naar Rome. Een reconstructie. Amsterdam 2000, S. 165 f.; Fik Meijer: Paulus. Der letzte Apostel. Darmstadt 2015, S. 282; Jens Börstinghaus: Sturmfahrt und Schiffbruch: zur lukanischen Verwendung eines literarischen Topos in Apg 27,1–28,6 (= Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament. 2. Reihe, Band 274). Mohr Siebeck, Tübingen 2010, ISBN 978-3-16-149996-8, S. 440–442. als das bei Paulus erwähnte Melite gilt im Allgemeinen weiterhin Malta.Siehe etwa

Studien zur Odyssee 2008 erschien Warneckes Buch Homers Wilder Westen, in dem er sich mit der geografischen Rekonstruktion der Irrfahrt des Odysseus befasste. Die Fiktionalität der Homerischen Odyssee stellt er dabei nicht in Frage,SWR Wissen: Aula. Homers Wilder Westen, Audio und Sendungsmanuskript geht aber davon aus, dass Homer bei seiner Erzählung auf reale Orte Bezug nahm.Heinz Warnecke: Homers Wilder Westen: Die historisch-geographische Wiedergeburt der Odyssee. Stuttgart, 2008. Auch vermutet Warnecke in dem Buch, dass es sich beim homerischen Ithaka, der Heimat des Odysseus, in Wahrheit um dessen größere Nachbarinsel Kefalonia handelt – eine These, die auch andere Forscher schon vertreten hatten.

Weitere Forschungsarbeiten In weiteren Forschungsarbeiten befasste sich Warnecke mit dem Wrack von Mahdia. Auch hier wich Warnecke von der Lehrmeinung ab, sowohl was das Alter als auch die Route des Schiffes betrifft. Mit seinen Thesen konnte er sich in der Fachwelt bislang nicht durchsetzen.Mysterium von Mahdia. Zeit, 9. Sept. 1994.

In einem weiteren Projekt baute Warnecke eine drei Meter hohe, quasi-antike Marmorsäge mit acht Sägeblättern nach, um zu belegen, dass Steinmetzen in der Antike ihren Marmor nicht nur gehauen, sondern auch gesägt haben könnten.

Sonstiges Heinz Warnecke ist Ehrenbürger des Regierungsbezirks Kefalonia und Ithaka.

Einzelnachweise

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