Die Landesbühne Schleswig-Holstein war von 1949 bis 1974 eine Landesbühne bzw. ein Städtebundtheater zunächst der Städte Rendsburg und Neumünster sowie des Kreises Rendsburg, das 1974 in der Schleswig-Holsteinischen Landestheater und Sinfonieorchester GmbH aufging.

Geschichte Vorläufer Schon im Jahr 1900 hatte es in der Provinz Schleswig-Holstein auf Grund eines Erlasses des Oberpräsidenten Ernst von Köller Bestrebungen zu einem Städtebundtheater Schleswig-Rendsburg-Husum gegeben. Der Plan zerschlug sich an der Weigerung Schleswigs.

Schleswig gründete stattdessen 1912 ein eigenes „Nordmark-Verbandstheater“, das sich 1924 in „Nordmark-Landestheater“ umbenannte.

Bereits 1923 war „zum Zweck einer besseren Ausnutzung der vorhandenen Kunstinstitute“ eine „Schleswig-Holsteinische Landesbühne GmbH“ gegründet worden, der von Husum bis Ratzeburg zehn schleswig-holsteinische Städte als Gesellschafter angehörten, die aber nach nicht einmal zwei Jahren wieder liquidiert werden musste.Rolf-Peter Carl: Vorhang auf! …, 2008, S. 7.

1945, nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs, schlossen sich Hermann Wagner und Paul Jaenicke zusammen und begannen, im St. Pauli Theater, das um diese Zeit noch keine eigenen Vorstellungen gab, zu spielen. Von Hamburg aus waren sie auf der Suche nach neuen Spielmöglichkeiten. Über Neumünster kamen sie nach Rendsburg, wo das Theater beschlagnahmt war und von einem englischen Betreuungsoffizier verwaltet wurde. Unter dem Namen „Städtebundtheater“ gaben die beiden im Dezember 1945 ihre erste Vorstellung.

Nachdem die Engländer sich aus dem Haus zurückgezogen hatten, kam ein Vertrag mit der Stadt Rendsburg zustande. Aus dem Privatunternehmen wurde eine GmbH. Neumünster, der Kreis Rendsburg, die Stadt Rendsburg und Paul Jaenicke steuerten jeweils 20 000 Mark bei. Der Erfolg war außerordentlich – bis der Währungsschnitt dem Ganzen ein Ende setzte. So wurde dieses „Städtebundtheater“ 1949 wegen finanzieller Schwierigkeiten aufgelöst.

Noch im selben Jahr 1949 entstand die „Landesbühne Schleswig-Holstein“, wieder unter der Verantwortung Rendsburgs. Neumünster und der Kreis Rendsburg waren weitere Gesellschafter.

Intendanten Die „Landesbühne Schleswig-Holstein“ arbeitete 25 Jahre unter den Intendanten: Wulf Leisner (1949/50–1958/59), Joachim v. Groeling (1959/60–1962/63), Hans-Walther Deppisch (1963/64–1969/70) und Hans Thoenies (1970/71–1973/74).

Die Ära Wulf Leisner Leisners Versuch, in Rendsburg eine Landesbühne ins Leben zu rufen, hatte Erfolg. Die Aufführungen fanden die Anerkennung des Publikums in Rendsburg und in den zunächst bespielten 12 Abstecherorten.Karte der Spielorte Im Verlauf der ersten zehn Jahre wurde die Landesbühne zu einem festen Bestandteil im kulturellen Leben des Landes. Die bewusste Klassikerpflege führte zu 22 Klassikeraufführungen in zehn Jahren.

Leisner organisierte mehrere Uraufführungen. Besonders erfolgreich: „Die Gesellschaft der Gänseblümchen“ von Heinz Wunderlich sowie „Die hungrigen Götter“ von Hans Schubert.

Zehn eigene Stücke und Neubearbeitungen von Intendant Leisner selbst waren ebenfalls auf dem Programm. Davon konnte „Don Quijote“ auch in Schweden gefallen.

Aus den Programmblättern der ersten Spielzeit wurden in den darauffolgenden Jahren stattliche Monatshefte.

Eine erste Organisation von Besucherringen und Theaterfahrten gelang. Die Zahl der Besucher stieg von Jahr zu Jahr.Landesbühne Schleswig-Holstein (Hrsg.): 20 Jahre Landesbühne Schleswig-Holstein, Rendsburg: Albers o. J. (1969).

Spielzeit 1949/50 Mit einer Festaufführung von Goethes „Faust“ eröffnete die Landesbühne am 7. September 1949 ihre erste Spielzeit. Walter Erich Schäfers „Die Verschwörung“, Henrik Ibsens „Nora“ und die Uraufführung von Kollos reizendem Singspiel „Die hellgelben Handschuhe“ vervollständigten den Spielplan dieses Monats. Als erste Operetten-Inszenierung der Spielzeit gelangte Johann Strauß' klassische Operette „Wiener Blut“ zur Aufführung und erreichte innerhalb weniger Wochen eine Aufführungsziffer von 30 Vorstellungen. Zu starken künstlerischen Erfolgen wurden die Erstaufführungen von Shaws „Die heilige Johanna“ und Anouilhs „Medea“, während Günther Rutenborns problematisches Zeitstück „Im Zeichen des Jona“ Aufsehen und allgemeines Interesse erregte. Im Monat Januar 1950 erzielte eine Neuinszenierung von Kleists „Prinz von Homburg“ 25 Aufführungen. Die Besucherzahl der Landesbühne stieg von 5 928 Besuchern im Monat September auf 18 074 Besucher im Monat Dezember, während sich im Land-Besucherring der Landesbühne 12 000 feste Abonnenten zusammenschlossen. Mit einer stark beachteten Neuinszenierung von Shaws „Frau Warrens Gewerbe“ mit Erika Falkenhagen in der Titelrolle und Strindbergs „Scheiterhaufen“ beendete die Landesbühne ihre erste Spielzeit. 110 463 Zuschauer besuchten in diesen acht Monaten die Landesbühne. 42 978 Besucher aus den Landgemeinden wurden in dieser Zeit durch Autobusse zu den Aufführungen der Landesbühne herangeführt.10 Jahre Landesbühne, S. 6

Spielzeit 1950/51 Im Vordergrund dieser Spielzeit standen drei Klassiker-Inszenierungen: Hebbels „Herodes und Mariamne“, Lessings „Minna von Barnhelm“ und Shakespeares „Hamlet“. Die klarlinige, formstrenge Interpretation dieser Inszenierungen fand weit über das Spielgebiet der Landesbühne hinaus stärkste Beachtung und prägte bereits den der Landesbühne eigenen Stil ihrer Klassiker-Inszenierungen. Lessings Lustspiel „Minna von Barnhelm“ erreicht innerhalb acht Wochen 45 Vorstellungen. Zeitgenössische Dramatiker, Shaw mit seiner liebenswürdigen Komödie „Pygmalion“, Tennessee Williams mit „Die Glasmenagerie“, Zuckmayer mit „Katharina Knie“ und Anouilh mit „Romeo und Jeanette“, ergänzten den Spielplan des Schauspiels. An der Spitze der Operetten-Aufführungen stand Johann Strauß' „Eine Nacht in Venedig“ mit 43 Aufführungen. Die Besucherzahl der Landesbühne stieg innerhalb weniger Monate um weitere 25 Prozent.

Spielzeit 1951/52 Eine allgemein stark beachtete Neuinszenierung von Schillers „Die Verschwörung des Fiesko zu Genua“ eröffnete die Spielzeit 1951/52. Grabbes „Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“ wurde in der Inszenierung und Bearbeitung Wulf Leisners zu einem sensationellen Erfolg. Die bisher so selten gespielte Satire Grabbes konnte achtmal vor ausverkauften Häusern gespielt werden. Wedekinds „Die Büchse der Pandora“ gelangte in einer gemeinsamen Bearbeitung Kadidja Wedekinds und Wulf Leisners zur Erstaufführung. Kadidja Wedekind war begeisterte Zuschauerin bei der Premiere, an die sich eine Serie von Aufführungen in allen Spielorten anschloss. Neuinszenierungen von Lessings „Clarissa“, Büchners „Leonce und Lena“ und Shaws „Cäsar und Cleopatra“ rundeten den Schauspiel-Spielplan dieser dritten Spielzeit ab, die der Landesbühne wiederum eine große Anzahl neuer Theaterfreunde erwarb.

Spielzeit 1952/53 Mit Schillers „Maria Stuart“, Kleists „Der zerbrochene Krug“ und Shakespeares „Was ihr wollt“ wurde der Versuch der Erneuerung einer zeitgemäßen Interpretation klassischer Werke mit starkem Erfolg bei Publikum und Presse fortgesetzt. Die zeitgenössische Dramatik stand mit Shaws „Der Kaiser von Amerika“, Frys „Ein Schlaf Gefangener“, Patricks „Das heiße Herz“ und Herberts „Wolken sind überall“ stark im Vordergrund. In der Operette erreichte Benatzkys Revue-Operette „Im weißen Rößl“ einen Aufführungsrekord von über fünfzig Vorstellungen.

Spielzeit 1953/54 Zum stärksten Eindruck dieser Spielzeit wird bei Presse und Publikum eine Neuinszenierung von Gerhart Hauptmanns Bauernkriegstragödie „Florian Geyer“ durch den Intendanten Wulf Leisner. Das anspruchsvolle Werk Gerhart Hauptmanns, das anlässlich einer Tagung aller Landesbühnen in Rendsburg seine festliche Premiere erlebte, fand bei den Teilnehmern der Tagung als überzeugender Beweis der künstlerischen Leistungsfähigkeit der Landesbühne einmütig stärkste Anerkennung. Die Reihe der bereits traditionellen Klassiker-Neuinszenierungen wurde mit Schillers „Don Carlos“ und Lessings „Emilia Galotti“ fortgesetzt. Auch in dieser Spielzeit nahm die zeitgenössische Dramatik mit Wilders „Unsere kleine Stadt“, Ustinovs „Die Liebe der vier Obersten“ und Frys „Ein Phoenix zuviel“ einen hervorragenden Platz ein. Molières reizende Komödie „Der eingebildete Kranke“ erreichte in einer neuen Übersetzung und Bearbeitung des Intendanten Wulf Leisner einen Aufführungsrekord von 28 Vorstellungen. In der Operette dominierten Jessels „Schwarzwaldmädel“ und Lehárs „Der Graf von Luxemburg“ mit begeistert aufgenommenen Neuinszenierungen des Oberspielleiters der Operette, Arthur Hell. Erstmals überstiegen in dieser Spielzeit die Besucherzahlen des Schauspiels die der Operette, – eine Tatsache, die die künstlerische Qualifikation des Schauspiels der Landesbühne eindeutig unter Beweis stellt.10 Jahre Landesbühne, S. 6 und 8

Spielzeit 1954/55 In dieser Spielzeit fanden Patricks „Das kleine Teehaus“, Pagnols „Zum goldenen Anker“ und Hasenclevers „Napoleon greift ein“ die stärkste Resonanz bei Presse und Publikum. Die Spielzeit, die mit Schillers „Kabale und Liebe“ eröffnet wurde und mit einer Neuinszenierung von Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ ihren Höhepunkt erreichte, brachte der Landesbühne einen neuen Besucherrekord. An der Spitze der Operetten-Aufführungen liegen Lehárs „Die lustige Witwe“ und „Der Zarewitsch“. Lessings „Minna von Barnhelm“ wurde erneut in den Spielplan aufgenommen.10 Jahre Landesbühne, S. 8

Spielzeit 1955/56 Im Vordergrund dieser Spielzeit stand eine stark beachtete Neuinszenierung von Goethes „Faust I“ durch den Intendanten Wulf Leisner. Herbert Doberauer inszeniert die Uraufführung von Wunderlichs „Gesellschaft der Gänseblümchen“ und Gerhart Hauptmanns „Fuhrmann Henschel“. Beide Inszenierungen fanden starke Resonanz bei Presse und Publikum. Nashs „Der Regenmacher“, Galsworthys „Flucht“, Shaws „Helden“, Leisners „Don Quijote“ und Fodors „Die Abiturientin“1958 verfilmt: gestalteten den Spielplan dieser Spielzeit besonders interessant und abwechslungsreich. In der Operette dominierte Kollos liebenswürdiges Berliner Singspiel „Wie einst im Mai“ mit 32 Aufführungen.10 Jahre Landesbühne, S. 8 f.

Spielzeit 1956/57 Auch in dieser Spielzeit gelangte wiederum das Werk eines deutschsprachigen Autors mit Hans Schuberts „Die hungrigen Götter“ durch die Landesbühne zur Uraufführung. Wie im Vorjahre Wunderlichs „Gesellschaft der Gänseblümchen“ wurde auch Schuberts tragisches Revolutions-Schauspiel „Die hungrigen Götter“ nach der Uraufführung durch die Landesbühne von zahlreichen deutschen Bühnen in den Spielplan aufgenommen. Besonders starkes Interesse, das weit über das Spielgebiet der Landesbühne hinausreichte, fand eine Neugestaltung von Ibsens „Peer Gynt“ durch den Intendanten Wulf Leisner. Die Spielzeit, die an zeitgenössischen Autoren erstmals Peter Ustinov mit „Romanoff und Julia“ und Arthur Miller mit „Blick von der Brücke“ vorstellte, fand mit einer eindrucksvollen Neuinszenierung von Goethes „Egmont“ ihren Abschluss. Von den vier Operetten der Spielzeit gefiel besonders eine Neuinszenierung von Eyslers liebenswürdigem Singspiel „Die gold’ne Meisterin“.10 Jahre Landesbühne, S. 9

Spielzeit 1957/58