All Is Full of Love (deutsch: Alles ist voller Liebe) ist ein Song der isländischen Musikerin Björk von ihrem dritten Studioalbum Homogenic aus dem Jahr 1997. Der englische Liedtext ist inspiriert von der Liebe im Frühjahr sowie Nordischer Mythologie und der Göttersage Ragnarök. Björks Originalversion ist eine Trip-Hop-Ballade mit Soul-Einflüssen, Harfe, Streichinstrumenten und elektronischen Beats; die Album-Version ist ein minimalistischer Remix von Howie B, der Björks Gesang betont. Ein Remix des deutschen IDM-Duos Funkstörung wurde 1998 als Single veröffentlicht.

1999 wurde All Is Full of Love als Single mit einem Musikvideo von Chris Cunningham veröffentlicht. Das Video verwendet den Original-Mix von Björk und zeigt die Sängerin als humanoiden Roboter, der in einer Fabrik montiert wird und anschließend einen baugleichen Roboter leidenschaftlich küsst. Das Video wird oft als eines der besten aller Zeiten und als Meilenstein in der Computeranimation bewertet. Es wurde in Kunstausstellungen gezeigt und Replikas der zwei Roboter waren 2015 im Museum of Modern Art in New York City ausgestellt.Björk. In: moma.org. 8. März – 7. Juni 2015.

Die Single erreichte Platz 24 in den UK Singles Charts und wurde in den Vereinigten Staaten zu einem Dance-Hit. All Is Full of Love ist der Eröffnungs-Track der Kompilation Greatest Hits (2002), dessen Tracks von den Fans gewählt wurden. Mehrere Musiker coverten den Song.

Komposition Björk produzierte das Studioalbum in Málaga in Südspanien und ließ sich vom dortigen Frühling inspirieren. Nachdem sie sechs Monate mit nur wenigen Menschen in den Bergen gelebt hatte, fühlte Björk sich einsam, aber ein Morgenspaziergang im April inspirierte sie, den Track zu schreiben. Nach einem harten Winter erkannte sie den anbrechenden Frühling am Gesang der Vögel. Sie schrieb und nahm den Song an einem halben Tag auf.

Das Lied hat ein Tempo von 72 Beats per minute im typischen ⁴/₄ Takt und wurde in der Tonart b-Moll geschrieben,J. David Moore: Notensatz. In: Musicnotes.com. wie im Refrain ersichtlich:

Laut dem Slant Magazine baut die Albumversion und

Liedtext Das Studioalbum ist ein Tribut an Björks Heimatinsel, weshalb das Lied von der isländischen Mythologie Ragnarök inspiriert ist. Der vorherige Track Pluto symbolisiert Tod und Zerstörung, während All Is Full of Love für einen Neuanfang steht. Björk nannte ihn auch ein Lied über und drückte aus, dass . Sie beschrieb es aber auch als „verarschend“ („taking the piss“) und bezeichnete es als das „süßeste Lied“ aller Zeiten. Da das Lied dem Rest der „Macho“-Ästhetik des Albums widerspricht, meinte Björk, es hätte auch auf dem Nachfolgealbum Vespertine erscheinen können.

Der Text beginnt in der ersten Strophe mit einem Versprechen von Schutz und Pflege:

Das Lied bewegt sich in Richtung eines vorwurfsvolleren Tons, wenn Björk singt:

Der Text mündet in die Aufforderung, dass „du deinen Kopf um dich drehen musst“, weil „Liebe um dich herum ist“.

Dies wird musikalisch durch Björks Gesang beeinflusst, indem sie den Text All is full of love im Kontrapunkt zu sich selbst singt. Gegenüber dem Q Magazin sagte Björk im Oktober 2007:

Nach dem instrumentalen Intro folgen drei Strophen mit je drei Zeilen Liedtext, bevor das Lied über einen Pre-Refrain zum Refrain mit dem mehrfachen Loop des Liedtitels übergeht und im Outro endet.

Tongestaltung Die Albumversion des Tracks enthält keine Schlagzeugbegleitung und kann der Musikrichtung Ambient zugeordnet werden. Es enthält nicht die charakteristischen elektronischen Beats von Homogenic, und konzentriert sich stattdessen darauf, zu schaffen. Der lange Nachhall resultiert in eine Klangkulisse, die einen sehr großen Raum und eine für den Track angestrebte „himmlische“ Umgebung suggeriert. Laut Sal Cinquemani vom Slant Magazine hat der Song einen sanften Puls mit Intervallen, die sich zu einer elektronischen Orchestrierung aus Industrial Beats aufbauen. David Browne von Entertainment Weekly nannte das Stück ein „verträumtes Schlaflied“ und verglich es mit der New-Age-Musik von Enya. In einer Rezension für die US-amerikanische Musikzeitschrift Spin schrieb James Hunter, dass der Track einer der Momente sei, in denen Björk , und er ergänzte, dass dessen .

Die Videoversion des Songs ist eine Midtempo-Trip-Hop-Ballade mit Soul-Einflüssen. Im Gegensatz zum klanglich minimalistischen Mix auf dem Album wurde diese Version als „üppig produziert“ beschrieben wegen dessen „flatternden“ Harfen und „zitternden“ Streichern. Die angeblich bevorzugte Version sowohl von Björk als auch ihren Fans ist weiterhin unter dem Namen „Mark Stent Mix“ und „Video Mix“ bekannt.

Veröffentlichung All Is Full of Love ist der letzte Track des Albums und auch der letzte Song, der geschrieben, komponiert und aufgenommen wurde. Die von Björk produzierte Originalversion des Songs wurde durch eine Remix-Version des britischen Musikproduzenten Howie B ersetzt.Mark Pytlik: Björk: Wow and Flutter. ECW Press. 2003. ISBN 1-55022-556-1. Seite 170. (Englisch)

Im August 1998 wurde eine 12-Zoll-Single von All Is Full of Love mit einem Remix des deutschen IDM-Duos Funkstörung über FatCat Records in limitierter Auflage veröffentlicht. Dieser Remix war zuvor als B-Seite für das Lied Hunter (1998) und ein weiterer Remix des Songs war 1998 als B-Seite von Jóga veröffentlicht worden. Am 10. Januar 1999 wurde angekündigt, dass ab dem 20. Januar 1999 ein Musikvideo in London gedreht und das Lied einige Monate später als Single erscheinen werde.

Eine Singleauskopplung zur Promotion eines zwei Jahre zuvor erschienenen Albums ist ungewöhnlich, aber Björk entschied sich bewusst dafür, dies zu tun, sodass das Musikvideo eher ein Kurzfilm als ein Marketingzug war.

Der ursprüngliche Veröffentlichungstermin für die Single war der 2. Mai 1999, wurde jedoch um zwei Wochen auf den 17. Mai verschoben. Passend zu dieser Ankündigung wurde der Remix von Funkstörung wieder zur Verfügung gestellt und ein offizielles Logo für die Veröffentlichung enthüllt. Das Musikvideo wurde bereits im April 1999 veröffentlicht, obwohl die Premiere der Single auf Juni verschoben wurde. All Is Full of Love wurde auf zwei 12-Zoll-Singles, zwei CD-Singles, einer DVD-Single und in einem Boxset veröffentlicht, das die CD-Singles und das Musikvideo im VHS-Format enthielt. Einige Publikationen betrachten die Single als die erste DVD-Single-Veröffentlichung. In Großbritannien wurden 1999 auch zwei verschiedene Promo-Singles und zwei VHS-Singles angeboten. Die B-Seiten beinhalten Remixe von μ-Ziq, Funkstörung, Plaid, Guy Sigsworth, Mark Stent und Howie B.

Das Artwork der Single zeigt eine Aufnahmen aus dem Musikvideo sowie das offizielle Logo, das auch im Video zu sehen ist. Der Song wurde als Eröffnungsstück von Björks 2002er Sammelalbum Greatest Hits genutzt, dessen Songs von Fans durch eine Umfrage ausgewählt wurden, in der die Single die am zweithäufigsten genannte nach Hyperballad (1996) war.

Rezeption Beide Versionen von All Is Full of Love wurden von der Musikkritik gelobt. In einer Rezension für Homogenic bezeichnete Heather Phares von AllMusic den Track als „beruhigendes Finale“. Sal Cinquemani vom Slant Magazine nannte es eine „erhabene Wiedergeburt“, und Tiny Mix Tapes kommentierte, dass . David Browne vom US-amerikanischen Unterhaltungsmagazin Entertainment Weekly war weniger begeistert, da er ihn als „den schwächsten Track“ des Albums betrachtete. In einer Rezension für die DVD-Single vergab Alex Castle von IGN für die Musik eine Punktzahl von 9 von 10, da und der Song „ziemlich gut“ sei. Er gab jedoch zu, dass er , wenn er das Musikvideo nicht gesehen hätte. James Oldham vom NME beschrieb es als . Er fügte hinzu, dass der Track für das Video sei. Heather Phares von AllMusic gab der DVD-Single vier von fünf Sternen und betrachtete sie als . Douglas Wolk von CMJ New Music Monthly gab der Single ebenfalls eine positive Rezension, lobte ihre B-Seite und schrieb, sie .

Bewertungen Das norwegische Magazin Panorama notierte den Song auf ihrer Liste der Singles of the Year auf Platz vier. Die US-amerikanische Musikzeitschrift Blender nahm den Track in zwei Listen auf: „Außergewöhnliche Tracks von den 500 CDs, die Sie besitzen müssen“ und „The 1001 Greatest Songs to Download Right Now“, beide 2003 veröffentlicht. Die Mitarbeiter des Slant Magazine platzierten All Is Full of Love auf Platz 59 ihrer Liste der „100 besten Singles der 1990er“ mit der Begründung:

Der Track wurde von Quintessence Editions in die Liste „1001 Songs You Must Hear Before You Die: And 10.001 You Must Download“ aufgenommen.

Musikvideo Konzeption Das Musikvideo zu All Is Full of Love wurde vom britischen Regisseur Chris Cunningham erstellt. Björk war beeindruckt von Cunninghams vorherigen Musikvideos für die IDM-Musiker Autechre, Squarepusher und Aphex Twin sowie von den klaren Linien, seiner Science-Fiction-Neigung und widersprüchlichen Bildsprache.Mark Pytlik. 2003. Seite 140. Björk kontaktierte und traf den Filmregisseur in seinem Londoner Büro und brachte ein chinesisches Kamasutra als Leitfaden für die visuelle Ausgestaltung mit. Cunningham hatte den Track auch mit Sex in Verbindung gebracht, als er ihn hörte, hatte aber noch keine Idee, wie man das Video sowohl erotisch als auch sendefähig machen könne.

Björk sagte:

Sie erwähnte noch, dass das Video „weiß“ und „gefroren“ sein sollte, und dann .

Als Cunningham den Track zum ersten Mal hörte, assoziierte er die Worte „Milch“, „Sex“, „Chirurgie“ und „weißes Porzellan“ und skizzierte um diese Begriffe herum das zukünftige Musikvideo. Cunningham fügte hinzu, dass es wie „Kamasutra trifft Industrierobotik“ und die Bilder aufgrund ihrer surrealen Natur sein sollten. Ursprünglich war geplant, dass sich die Roboter am Ende wie eine Blume entfalten, während sie sich paaren, als ob eine abstrakte Lebensform sich aus den beiden künstlichen Formen enthülle, aber das Team konnte diese Idee nicht verwirklichen.

Die Roboter aus dem Musikvideo haben gestalterische Vorläufer in japanischen Animes und Comics. Der Anime-Zeichentrickfilm Ghost in the Shell aus dem Jahr 1995 zeigt eine humanoide Roboteranordnung in einer milchig-weißen Umgebung. Die Roboter in Mangas der 1990er Jahre und dem Anime Battle Angel Alita (1995) ähneln durchaus im Aussehen, genauso wie die Kammerjäger aus der Manga-Serie Blame! (1998).

Dreharbeiten Die Roboter wurden von Cunningham entworfen und vom Konzeptkünstler Paul Catling – der auch die Gesichtsmasken für das Musikvideo von Aphex Twins Windowlicker (1999) geformt hatte – in Originalgröße in zwei Stunden aus Ton modelliert. Er arbeitete mit Julian Caldow auch an der Konzeption des Szenenbilds, das anschließend Chris Oddy umsetzte und montierte. Die Beteiligten beschrieben das Set als „elegante“ und „weiße Umgebung“ mit „japanischem Flair“.

Das Video wurde in den englischen Bray Studios und Greenford Studios gedreht. Cunningham sagte, dass jede Einstellung im Clip sich aus vier Schichten (Layern) zusammensetzt. Berichten zufolge filmte er zuerst das Set und für etwa 21 Sekunden die bewegungslosen Requisiten. Dann entfernte er den Roboter und ersetzte ihn durch Björk, deren Gesicht kalkweiß geschminkt war und die einen blauen Anzug trug. Mit einer Bildmischung aus Master Shot und Live-Feed von Björk versuchte das Produktionsteam, ihr Gesicht und den Roboterkörper so weit wie möglich in Deckung zu bringen. Der Regisseur war jedoch mit dem Ergebnis der Filmaufnahmen unzufrieden und vertraute stattdessen auf die Postproduktion.

Post-Produktion