Fürsteneck ist eine Gemeinde und ein Pfarrdorf im niederbayerischen Landkreis Freyung-Grafenau. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Atzldorf. Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Perlesreut.
Geografie Geografische Lage Die Gemeinde liegt in der Region Donau-Wald im südlichen Bayerischen Wald zwischen den Tälern der Ilz und der Wolfsteiner Ohe. Fürsteneck bildet die südlichste Gemeinde im Landkreis und grenzt direkt an den Landkreis Passau. Fürsteneck ist von eingeschnittenen Tälern umgeben. Nach Passau beträgt die Entfernung 22 km, nach Waldkirchen 15 km, nach Freyung 18 km, nach Grafenau 20 km und zur Bundesautobahn 3 (Anschlussstelle Aicha vorm Wald) 23 km.
Nachbargemeinden Witzmannsberg Perlesreut Röhrnbach Hutthurm
Gemeindegliederung Es gibt 13 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Geschichte Von der Burg zur Gemeinde Um 1190 wurde von dem Passauer Fürstbischof Wolfger von Erla in Fürsteneck eine Burg als Grenzbefestigung gegen die bayerischen Herzöge errichtet. Fürsteneck als Sitz eines Pfleggerichtes des Hochstiftes Passau wurde 1703 Schauplatz eines Hexenprozesses. Fürsteneck wurde 1803 mit dem größten Teil des Passauer Gebietes zugunsten des Kurfürstentums Salzburg von Ferdinand III. von Toskana säkularisiert und fiel 1805 an Bayern. Mit der Bildung der Gemeinden im Jahre 1818 auf Grund des zweiten bayerischen Gemeindeedikts vom 17. Mai 1818 wurde die Gemeinde Fürsteneck gebildet. Sie umfasste neben Fürsteneck die Orte Anzerreut, Aschberg, Atzldorf, Dorf, Dürnberg, Hochwegen, Loizersdorf, Ohbruck, Plattenhof, Schnürring, Schrottenbaummühle, Simpoln und Wiesmühle.
Kirchlich wurde Fürsteneck 1937 Expositur und 1960 selbständige Pfarrei, die seit 1978 dem Pfarrverband Perlesreut angehört.
Die Verwaltungsgemeinschaft Perlesreut wurde zum 1. Mai 1978 aus den Gemeinden Fürsteneck, Perlesreut und Ringelai gebildet. Zum 1. Januar 1994 wurde die Gemeinde Ringelai aus der Verwaltungsgemeinschaft entlassen.Viertes Gesetz zur Änderung der Gliederung von Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften vom 9. November 1993 (GVBl S. 830)
Verhinderung einer Behindertenwohnstätte Bundesweite Aufmerksamkeit unter dem Titel „Jagdszenen in Niederbayern“ erlangte der Weiler Aumühle in der Gemeinde Fürsteneck (heute ein Gemeindeteil von Hutthurm) als die lokale Bevölkerung am 17. Oktober 1969 den Bezug eines Heimes für schwer erziehbare und geistig behinderte Kinder verhinderte. Der Praktische Arzt Fritz Loew hatte das Anwesen vom Bischöflichen Ordinariat Passau erworben, um dort sein drittes Kinderheim zu errichten. Als am 17. Oktober die ersten sieben zukünftigen behinderten Buben mit ihren Betreuern ankamen, wurden sie von einer hundertköpfigen Protestmannschaft („Die Depperln woll’n mir hier net“) unter der Führung des Pfarrers Georg Stetter empfangen. Angesichts der Drohkulisse machten die Schützlinge von Loew wieder kehrt.
In der darauffolgenden Nacht fand eine Nachtwache mit etwa 40 Fürsteneckern statt. Trotz der anwesenden Feuerwehrmänner ging die ehemalige Pension in Flammen auf. Nach eigenen Aussagen waren Gegner vor allem wegen möglicher geschäftlicher Einbußen im Tourismus und nicht aufgrund von Animositäten gegenüber Behinderten zu ihrem Tun motiviert.
Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 828 auf 866 um 38 Einwohner bzw. um 4,6 %. Jahr1961197019871991199520002005201020152020Einwohner694771813954983992999942882842
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat setzt sich aus 8 Mitgliedern zusammen. Die vergangenen Kommunalwahlen ergaben folgende Sitzverteilungen: +Partei/Liste20202014%Sitze%SitzeCSU54,6 447,8 4FWG45,4 452,2 4
Bürgermeister Ehrenamtlicher Erster Bürgermeister ist Alexander Pieringer (CSU). Er ist seit 1. Mai 2020 Nachfolger von Heinz Binder (CSU) und wurde bei den Kommunalwahlen 2026 ohne Gegenkandidat mit 83,6 % der Stimmen wiedergewählt.
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten „Fürstenecker Barockfestspiele“
Schloss Fürsteneck mini|Innenhof mini|links|Portal Das Schloss Fürsteneck wurde um 1190 von dem Passauer Fürstbischof Wolfger von Erla als Grenzbefestigung gegen die bayerischen Herzöge errichtet. 1570 fand unter Fürstbischof Urban von Trennbach eine Renovierung statt. 1745 entstand unter Kardinal Joseph Dominikus von Lamberg die Schlosskapelle. 1803 fiel das Schloss an den bayerischen Staat und 1814 wurde es an einen ehemaligen Mönch verkauft. Heute beherbergt das Schloss einen Landgasthof mit Restaurant und Übernachtungsmöglichkeiten.
Baudenkmäler
Bodendenkmäler
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft Es gab im Jahr 2020 nach der amtlichen Statistik im produzierenden Gewerbe 29 und im Bereich Handel und Verkehr 34 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 28 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 393. Im verarbeitenden Gewerbe gab es keine, im Bauhauptgewerbe zwei Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 2016 16 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 428 ha, davon waren 303 ha Dauergrünfläche. mini|Der Bahnhof Fürsteneck
Verkehr Fürsteneck hat seit 1890 mit der gleichnamigen, aber auf dem Gemeindegebiet Hutthurms liegenden Haltestelle der Bahnstrecke Passau–Freyung Anschluss an das Eisenbahnnetz. Diese Bahnstrecke wurde jedoch seit 2002 nicht mehr befahren.
Im Jahr 2009 begann die Reaktivierung der Strecke durch die Ilztalbahn, unterstützt durch den Förderverein Ilztalbahn e. V.
Seit dem 12. September 2010 ist die Teilstrecke Waldkirchen – Freyung wieder in Betrieb.
Am 16. Juli 2011 wurde der Bahnverkehr im Rahmen des Freizeitverkehrsprojektes Donau-Moldau wieder an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen im Sommerhalbjahr und zu Sonderfahrten ganzjährig aufgenommen.
Bildung Derzeit gibt es einen Kindergarten in der Gemeinde Fürsteneck (Stand 2021). Der Kindergarten St. Christophorus ist ein eingruppiger, caritativer Kindergarten, in dem sechs Personen zur Betreuung beschäftigt sind. 2021 wurden insgesamt 41 Kinder dort betreut. Erbaut und eröffnet wurde der Kindergarten im Jahr 1993. Der Kindergarten St. Christophorus verfolgt die Reggio-Pädagogik und ist einer der ersten Kindergärten in der Region, der entsprechend dieser Pädagogik zertifiziert wurde.
Sport Die DJK Fürsteneck ist der örtliche Sportverein mit den Sparten Fußball, Eisstockschießen, Gymnastik, Laufen und Tanz. Die Fußballabteilung spielt in der Kreisliga Bayerwald. Die Sparte Laufen tritt als Laufwölfe Fürsteneck auf und ist in vielen verschiedenen Wettkämpfen im bayerischen und österreichischen Raum vertreten. Die Sparte Tanz ist lediglich für Kinder und Jugendliche ausgerichtet. Gymnastik beinhaltet verschiedene Kurse und wird für jedes Alter angeboten.
Söhne und Töchter der Gemeinde Josef Fruth (1910–1994), Maler, Graphiker und Schriftsteller
Weblinks
Website von Fürsteneck
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Freyung-Grafenau Kategorie:Gemeindegründung 1818
Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)