Terebella ( „Bohrerchen“ von terebra, „Bohrer“) ist der Name einer Gattung mariner Ringelwürmer aus der Vielborster-Familie der Terebellidae, die als Detritusfresser mit vielen dünnen Tentakeln in kleinen Wohnhöhlen am Meeresgrund oder Strand, oft in Felsspalten und Löchern von Felsen leben.
Merkmale Bei den Vielborstern der Gattung Terebella ist das quer verlaufende Prostomium mit der dorsalen Oberfläche der oberen Lippe verbunden, der untere Teil wie ein dicker Kamm, der distale Teil sockelartig. Oft trägt das Prostomium auch Augenflecken. Nahe dem Mund sitzen zahlreiche einheitlich zylindrische Buccal-Tentakel mit einer Wimpernrinne und einer kompakten Tentakelmembran. Das Peristomium ist zu erweiterten Lippen reduziert, einer vergleichsweise kurzen, haubenartigen Oberlippe und einer großen, knopf- bis kissenförmigen Unterlippe. Das auffällige 1. Segment ist oben schmal und unten erweitert, oft mit einem niedrigen Lappen in der Mitte der Bauchseite randständig zum Mund, während an den anderen vorderen Segmenten solche Lappen fehlen. Die Bauchseite der Vordersegmente ist hochgradig drüsig mit unauffälligen, glatten bis feingekerbten, rechteckigen bis trapezoidförmigen Schildchen in der Mitte des Bauches. Am 2., 3. und 4. Segment sitzen zweiästig verzweigte Kiemen. Den Parapodien fehlen Seitenlappen. Vom 4. Segment an gibt es kegelförmige Notopodien mit Borsten, die distal entlang eines Randes gesägt sind. Vom 5. Segment, also 2. borstentragenden Segment an gibt es Neuropodien in Form niedriger, sitzender Kämme mit hakenförmigen Borsten, die an den ersten 7 derartigen Segmenten in einfachen Reihen, dann in Doppelreihen und am Abdomen wieder in einfachen Reihen sitzen. Vom 3. Segment an sind Nephridial-Papillen vorhanden, vom 6. Segment an jeweils zwischen den Parapodienlappen zudem Genitalpapillen, die sich über eine wechselnde Anzahl an Segmenten erstrecken. Das Pygidium ist glatt bis feingekerbt.
In der Natur sind von den Ringelwürmern der Gattung Terebella nur die Tentakel zu sehen, die sie aus ihren Wohnhöhlen herausstrecken. Deswegen werden einige Arten dieser Gattung als „Spaghettiwurm“ bezeichnet, während die Bezeichnung Schopfwürmer für die gesamte Familie der Terebellidae verwendet wird.
Verbreitung, Lebensraum und Lebensweise Die Vielborster der Gattung Terebella sind in Meeren weltweit verbreitet. Viele Arten wie etwa Terebella lapidaria leben in Felsspalten und Löchern im Felsen. Sie ernähren sich von Detritus und Kleinstlebewesen, die sie mit ihren Tentakeln einsammeln.
Entwicklungszyklus Die Terebella sind, soweit bekannt, getrenntgeschlechtlich. Weibchen und Männchen geben ihre Gameten ins freie Meerwasser ab, wo die Befruchtung stattfindet. Aus den Zygoten entwickeln sich frei schwimmende Trochophora-Larven, die nach einer pelagischen, bei Terebella lapidaria etwa zwei Monate dauernden Phase niedersinken und zu kriechenden Würmern metamophorsierten.
Arten Zur Gattung Terebella werden folgende 42 Arten gezählt:Terebella Linnaeus, 1767. WoRMS, 2018. Abgerufen am 18. Januar 2019. Terebella aberrans Fauvel, 1949 Terebella alata Grube, 1858 Terebella annulifilis Grube, 1872 Terebella atricapilla Grube, 1870 Terebella bilineata Baird, 1865 Terebella biseta Lamarck, 1801 Terebella cancellata Bather, 1911 Terebella chilensis Hartmann-Schröder, 1962 Terebella copia Hutchings, 1990 Terebella ehlersi Gravier, 1907 Terebella ehrenbergi Gravier, 1906 Terebella frondosa Grube, 1859 Terebella fulgida Agassiz, 1851 Terebella gigantea Montagu, 1819 Terebella gorgonae Monro, 1933 Terebella haplochaeta (Ehlers, 1904) Terebella hesslei Annenkova-Chlopina, 1924 Terebella inversa (Willey, 1905) Terebella jinhuensis Yu & Wang, 1981 † Terebella lapidaria Linnaeus, 1767 Terebella leslieae Santos, Nogueira, Fukuda & Christoffersen, 2010 Terebella lewesiensis Davies, 1879 † Terebella littoralis Dalyell, 1853 Terebella lutensis Bather, 1911 Terebella muliarrus Hutchings, 1993 Terebella ochroleuca Grube, 1870 Terebella orotavae (Langerhans, 1881) Terebella panamena Chamberlin, 1919 Terebella pappus Hutchings & Murray, 1984 Terebella parvabranchiata Treadwell, 1906 Terebella plagiostoma Schmarda, 1861 Terebella pterochaeta Schmarda, 1861 Terebella punctata Hessle, 1917 Terebella quinqueseta Lamarck, 1801 Terebella sarsii Grube, 1878 Terebella schmardai Day, 1934 Terebella stenotaenia Grube, 1872 Terebella subcirrata Grube, 1872 Terebella tantabiddycreekensis Hartmann-Schröder, 1979 Terebella tilosaula Schmarda, 1861 Terebella verrilli Holthe, 1986 Terebella virescens Grube, 1870
Literatur Carolus Linnaeus: Systema naturae per regna tria naturae: secundum classes, ordines, genera, species, cum characteribus, differentiis, synonymis, locis. Ed. 12. 1., Regnum Animale. 1 et 2. Laurentii Salvii, Holmiae [Stockholm] 1767. S. 1092, Nr. 291. Terebella, T. lapidaria. Georg Heinrich Borowski: Gemeinnützige Naturgeschichte des Thierreichs mit Abbildungen, Bände 9–10. Gottlieb August Lange, Berlin und Stralsund 1788. S. 71. Steinbohrer. Terebella. Wilfried Westheide, Günter Purschke: Handbook of Zoology (Handbuch der Zoologie). A Natural History of the Phyla of the Animal Kingdom. Annelida: Polychaetes. Terebella Linnaeus, 1767, S. 54. In: Andreas Schmidt-Rhaesa, Rolf G. v. Beutel, Niels Peder Kristensen, Richard Leschen, Günter Purschke, Wilfried Westheide, Frank Zachos: Handbook of Zoology Online. Walter de Gruyter, 2017.
Weblinks
G. Read: Terebella of Family Terebellidae. Annelida.net, 9. Dezember 2003.
Einzelnachweise
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