Die Einkommensverteilung in Polen betrachtet die Verteilung der Einkommen in Polen und deren Entwicklung auf personeller und funktionaler Ebene. Die personelle Einkommensverteilung betrachtet dabei, wie das Einkommen einer Volkswirtschaft auf einzelne Personen(gruppen) z. B. Privathaushalte verteilt ist. Zur Messung der Einkommensungleichheit können einerseits unterschiedliche Einkommensdefinitionen herangezogen werden und andererseits verschiedene statistische Konzepte zur Anwendung kommen.
Grob gesprochen, wird zwischen Bruttoeinkommen, Nettoeinkommen, zu versteuerndem Einkommen und verfügbarem Einkommen unterschieden. Darüber hinaus spielen die Art und Aggregation von Einkommen eine entscheidende Rolle für die Interpretation und Vergleichbarkeit von Indikatoren. Die personelle Einkommensverteilung wird von Eurostat auf Basis des verfügbaren Äquivalenzeinkommens gemessen. Grundsätzlich werden zwei Einkommensarten unterschieden – das Einkommen, welches durch unselbständige- und selbstständige Arbeit erwirtschaftet wird (Markteinkommen oder Primäreinkommen) und das Einkommen nach staatlicher Umverteilung (Sekundäreinkommen). Das Primäreinkommen setzt sich aus dem Einkommen aus Erwerbstätigkeit, Geschäftstätigkeit, Vermietung- und Verpachtung, sowie Kapitalerträgen vor Steuern und Abgaben zusammen. Die Berücksichtigung der Sozialabgaben, direkten Steuern sowie öffentlicher (z. B. Sozialhilfe, Arbeitslosengeld) und privater (z. B. Unterhalt) Transfers bezeichnet man als sekundäres Einkommen.
Zur Messung der Einkommensungleichheit wird meist der Gini-Index herangezogen. 2017 lag der Gini-Index in Polen bei 29,2 Punkten und weist somit eine eher niedrige Ungleichheit in der Verteilung von Einkommen auf. Verglichen mit den anderen Staaten der Europäischen Union liegt das Land im untersten (und damit einkommensgleichsten) Drittel. Im Vergleich mit den Transformationsländern ist die Einkommensungleichheit moderat. Das verfügbare Medianeinkommen betrug 2017 25.940 PLN (rund 6.000 EUR) und lag damit deutlich unter dem EU-28 Durchschnitt. Das durchschnittliche Einkommen betrug 29.714 PLN.
Ausgewählte Indikatoren +Ausgewählte Indikatoren von Einkommensungleichheit (Jahreseinkommen in PLN nach Steuern, nicht inflationsbereinigt)Durchschnitts- einkommen
vor TPDurchschnitts- einkommen
nach TPMedianeinkommen vor TPMedianeinkommen nach TPGini vor TPGini nach TPS80/S20-Ratio nach TPTop 10%-Anteil nach TPHarmonisierter Konsumpreis-Index
(2015=100)200610.36214.9047.69712.51753,033,35,625,5%81,2200711.39316.1668.80213.64551,432,25,325,1%83,3200813.73418.69010.82215.72049,832,05,125,3%86,8200915.74621.01812.80417.90348,231,45,024,8%90,3201016.42522.14213.42419.06547,931,15,024,3%92,7201117.23023.22114.21920.07547,831.15,024,4%96,3201218.10324.32114.90420.84947,530,94,924,2%99,8201318.40525.00715.18421.61047,730,74,924,0%100,6201419.05725.87115.68322.39947,930,84,924,0%100,7201519.55426.67916.33723.24747,930,64,923,9%100,0201620.52027.86417.41824.61846,729,84,822,9%99,8201721.38529.71418.17425.94047,329,24,623,2%101,4
Einkommensverteilung Allgemein alt=Der Liniengraph zeigt den Aufwärtstrend des reellen und nominellen Durchschnitts- und Medianeinkommen in Polen. 2010 nach der Krise ist das einzige Jahr in dem beide gesunken sind, ansonsten steigen beide stetig|mini|310x310px|Verlauf des verfügbaren nominellen und reellen Median- und Durchschnittseinkommens in Polen. Inflationsbereinigt mittels HVPI (2015=100).
Median- und Durchschnittseinkommen Während das Durchschnittseinkommen das arithmetische Mittel aller Einkommen in der betrachteten Bevölkerung darstellt, ist das Medianeinkommen das Einkommen jener Person, die sich genau in der Mitte der Einkommensverteilung befindet (genau 50 % der Bevölkerung verdienen weniger als diese Person, 50 % verdienen mehr). Diese zwei Maßzahlen unterscheiden sich in den meisten Fällen, wobei sich der Median als robuster gegenüber Ausreißern erweist als der Durchschnitt. Da hohe Spitzeneinkommen das Durchschnittseinkommen aber nicht das Medianeinkommen nach oben treiben, liegt das erstere über dem zweiteren. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer rechtsschiefen Verteilung.
Im Jahr 2017 lag das Durchschnittseinkommen nach sozialen Transfers und Pensionen in Polen bei 29.714 PLN (6.810 EUR) und das Medianeinkommen bei 25.940 PLN (5.945 EUR). Für die EU-28-Staaten waren die entsprechenden gewichteten Werte 19.354 EUR (Durchschnitt) und 16.885 EUR (Median). Sowohl das nominelle Durchschnitts- als auch das nominelle Medianeinkommen verzeichneten in Polen in den letzten Jahren einen steten Anstieg (zwischen 2006 und 2017 stieg das Durchschnittseinkommen nach sozialen Transfers und Pensionen um 99,4 % und der entsprechende Medianwert um 107,2 %). Im selben Zeitraum stieg der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) nur um 24,9 %, der Einkommenszuwachs war somit zum Großteil real (d. h. auch nach Abzug der Preissteigerung vorhanden).
In der Grafik ist der Verlauf der nominellen und realen Median- und Durchschnittseinkommen in Polen von 2005 bis 2017 und deren markanter Anstieg zu sehen. Das reale Einkommen bereinigt die Inflation mittels des HVPI mit Basisjahr 2015. alt=Liniengraph zeigt den kontinuierlichen negativen Verlauf des Gini-Index vor und nach Sozialtransfers, wobei der Rückgang vor Transfers noch markanter ist.|mini|310x310px|Verlauf des Gini-Index von Primär- und Sekundäreinkommen in Polen, 2004–2016 Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise sind klar am Einbruch der realen und nominellen Einkommen im Jahr 2010 zu erkennen. Aufgrund der Wahl von 2015 als Basis-Jahr des HVPI und einem daraus resultierenden nominellen Zuwachs aber realen Verlust bei den Einkommen nach der Krise schließt sich die Lücke zwischen realen und nominellen Einkommen. Angesichts der geringen Inflationsraten zwischen 2013 und 2016 verlaufen reale und nominelle Median- und Durchschnittseinkommen gleich.
Gini-Koeffizient alt=Polen ist 2004 noch das Land mit dem höchsten Gini-Index, welcher kontinuierlich sinkt, sodass 2016 der Gini-Index in Litauen und Deutschland wesentlich höher ist und der Gini-Index in Tschechien ähnlich hoch. Nur die Slowakei liegt noch klar darunter.|mini|311x311px|Verlauf des Gini-Index von Primäreinkommen in Polen und Nachbarländern, 2004–2016 Der Gini-Index (oder Gini-Koeffizient) ist eine Methode zur Messung von Ungleichheit. Er nimmt Werte zwischen 0 (absolute Gleichverteilung, alle Personen bekommen genau gleich viel Einkommen) und 100 an (absolute Ungleichverteilung, eine Person bekommt das gesamte Einkommen der Bevölkerung und alle anderen bekommen nichts). Er gibt somit an, wie weit die beobachtete Bevölkerung von einer absoluten Gleichverteilung „entfernt“ ist. Sowohl für das verfügbare Einkommen vor als auch für das Einkommen vor sozialen Transfers lässt sich in Polen ein stetiger Rückgang des Gini-Koeffizienten seit 2006 beobachten, was einen Rückgang der Einkommensungleichheit in Polen bedeutet.
Berechnet man den Gini-Index vom Markteinkommen und vom Sekundäreinkommen, vor und nach Sozialtransfers, erkennt man die Auswirkungen der Umverteilung durch den Staat auf die Einkommensverteilung. Der Gini-Index des Markteinkommens betrug 2016 45,5 Punkte, betrachtet man das Sekundäreinkommen waren es nur noch 28,4. Seit 2004 ist der Gini-Index kontinuierlich gefallen, damals war der Index vor Sozialtransfers 2004 noch 59.4 und nach Sozialtransfers 37,6. Seit der Unabhängigkeit Polens stieg die Einkommensungleichheit im Land kontinuierlich an, dies lag vor allem an einer größeren Streuung der Löhne. Einerseits wurde hochqualifiziertes Personal nach der Öffnung besser bezahlt als unter dem sozialistischen Regime der Sowjetunion. Andererseits gab es viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit geringem Ausbildungsniveau, deren Einkommen sanken. Mitte der 2000er Jahre reduzierte sich diese Streuung der Löhne auf Grund von Emigration und eines Anstiegs des Bildungsniveaus der Bevölkerung. Diese Dynamiken sind im Gini-Index vor Sozialtransfers erkennbar. Aber auch die Umverteilung des Staates wirkte sich auf den Rückgang des Gini-Indes der Einkommen nach Sozialtransfers und Steuern aus. 2007 wurde in Polen eine Steuerreform umgesetzt, die Steuernachlässe für Kinder gewährt und maßgeblich zur Reduktion der zuvor wachsenden Ungleichheit beigetragen hat. Diese betrug 306,40 € pro Jahr, 6 % des nominellen Medianeinkommens in Polen in 2017.
Sowohl der Gini-Index des Markteinkommens als auch des Sekundäreinkommens in Polen liegen unter dem EU-Durchschnitt. Vergleicht man den Verlauf des Gini-Index in Polen mit den Werten seiner Nachbarländer wird die Zunahme der Einkommensgleichheit noch deutlicher. Während Polen 2004 noch den höchsten Gini-Index der Ländergruppe vor und nach Sozialtransfers aufweist, liegt der Index 2016 schon unter dem von Litauen und Deutschland. alt=2004 war Polen das Land mit dem höchsten Gini-Index, dieser sinkt, bis er 2016 unter dem von Litauen und Deutschland liegt. Der Gini-Index der Slowakei und Tschechien nach Transfers ist noch wesentlich geringer.|mini|311x311px|Verlauf des Gini-Index von Sekundäreinkommen in Polen und Nachbarländer, 2004–2016
S80/S20-Ratio Eine andere Maßzahl zur Messung von Ungleichheit stellt das S80/S20-Verhältnis dar. Es beschreibt das Verhältnis des Gesamteinkommens des obersten Quintils (also der einkommensstärksten 20 %) in der Einkommensverteilung zum Gesamteinkommen des untersten Quintils (also der einkommensschwächsten 20 %). Auch in dieser Hinsicht zeigt sich, dass die Ungleichverteilung in Polen über die Zeit zurückgeht: Während das oberste Quintil im Jahr 2006 noch 5,6-mal so viel verdiente wie das unterste Quintil, war es 2017 nur mehr 4,6-mal so viel.
Einkommensanteil der Top 10 % Hierbei werden die Gesamteinkommen des obersten Dezils (also der einkommensstärksten 10 %) aufsummiert und in Prozent des Gesamteinkommens der beobachteten Bevölkerung ausgedrückt. Auch diese Zahl ist in Polen rückläufig, sie verringerte sich von 25,5 % (2006) auf 23,2 % (2017). alt=Der Liniengraph zeigt einen klaren Abwärtstrend des Einkommensanteils der Top 10 % in Polen, sodass 2017 der Wert Litauens klar und der Wert Tschechiens darüber liegen. In Deutschland ist der Indikator der Einkommensverteilung gleich hoch. Tschechien und Polen weisen einen geringeren Einkommensanteil auf.|mini|310x310px|Verlauf des Einkommensanteils der Top 10 % in Polen und Nachbarländern von 2005 bis 2017. Wie zuvor beim Gini-Index kann man eine große Veränderung in den Jahren vor der Wirtschaftskrise erkennen. Während der Anteil der reichsten 10 Prozent in Polen vor 2014 klar über dem EU-Durchschnitt gelegen war, lag er 2017 0,7 Prozentpunkte darunter. Im Vergleich mit Polens Nachbarländern kann man sehen, dass die Abnahme des Einkommensanteils sehr kontinuierlich aber signifikant war. 2005 war der Wert ähnlich hoch wie in Litauen, das hier die größte Ungleichheit aufweist, 2017 fiel der Anteil unter den EU-Durchschnitt und liegt nun auf der Höhe Deutschlands.
Einkommensverteilung nach Geschlechtern S80/S20 Einkommensquintilverhältnis 311x311px|mini|alt=Dargestellt ist die Einkommensverteilung im S80/S20 Einkommensquintilverhältnis in Kroatien nach Geschlechtern. Die Graphen für Männer und Frauen, sowohl in Polen als auch in der EU bleiben vom Abstand zueinander konstant. Während auf EU-Ebene ein Aufwärtstrend festzustellen ist, sinken beide Graphen für Polen.|Einkommensverteilung im S80/S20 Einkommensquintilverhältnis in Polen nach Geschlechtern.