mini|Leichtes Aufklärungs- und Unterstützungsfahrzeug LAUFmini|Fallschirm-Spezialisten

Das Armee-Aufklärungsdetachement 10, kurz AAD 10 (französisch: Détachement de reconnaissance de l’armée 10, kurz DRA 10; italienisch: Distaccamento d’esplorazione dell’esercito 10, kurz DEE 10), ist eine 2004 aufgestellte Spezialeinheit der Schweizer Armee mit einer Stärke von rund 90 Soldaten. Die Elite-Einheit ist als Berufsformation eine Kern-Komponente des Kommandos Spezialkräfte (KSK).Kommando Spezialkräfte. Schweizer Armee, abgerufen am 20. Mai 2019.Oberst i Gst Christoph Fehr: Kommando Spezialkräfte. In: Allgemeine Schweizerische Militärzeitschrift. Nr. 6, 2018.

Auftrag und Einsatzprofil Die Einheit hat folgende Einsatzprofile:

Beschaffung von Schlüsselinformationen Schutz von Truppen, Personen und Einrichtungen bei erhöhter Gefährdungslage Rückführung von Schweizer Bürgern aus Krisenlagen im Ausland Offensive Aktionen im Rahmen der Raumsicherung und Verteidigung

Als Teil des Kommandos Spezialkräfte (KSK), der strategischen Einsatzkräfte des Bundesrates für Krisen im Ausland, ist das AAD 10 auf Einsätze im Ausland in einem Umfeld ohne staatliche Strukturen ausgerichtet. Zu seinen Aufgaben gehören: Nachrichtenbeschaffung; Schutz von Personen, Sachen und Objekten; Rettung, Befreiung und Rückführung von Personen; Sicherheitsberatung und militärische Assistenz.

Die Auslandeinsätze, die der politischen Kontrolle der Sicherheitspolitischen Sicherheitspolitische Kommissionen (SIK) der Bundesversammlung, abgerufen am 19. Mai 2019. und der AussenpolitischenAussenpolitische Kommissionen (APK) der Bundesversammlung, abgerufen am 19. Mai 2019. Kommissionen der Bundesversammlung unterstehen und über die in der Regel aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich informiert wird, haben in den Medien auch schon zu Spekulationen geführt.

Organisation Das AAD 10 verfügt unter anderem über folgende Infiltrationstechniken:

Spezialisten für Einsätze im Gebirge Spezialisten für amphibische Einsätze Fallschirm-Spezialisten Spezialisten für den Einsatz motorisierter Mittel

Rekrutierung und Ausbildung Die Erfüllung der oben genannten Aufträge erfordert von den Angehörigen des Armee-Aufklärungsdetachements eine überdurchschnittliche physische und psychische Leistungsfähigkeit. Deshalb werden die zukünftigen Angehörigen des AAD einem strengen und mehrstufigen Auswahlverfahren unterworfen. Die Kandidaten werden dabei detailliert auf ihre physische, psychische und intellektuelle Leistungsfähigkeit geprüft.

Vorauswahl Die Vorauswahl besteht aus einem zweitägigen Konditionstest für Kurzzeit- als auch Langzeitkondition, so zum Beispiel 60 Rumpfbeugen innerhalb von 2 Min. ohne Unterbruch oder ein 25-km-Eilmarsch innerhalb von 3,5 Stunden, dies in Tarnanzug, Kampfstiefeln und mit 25 kg Gepäck.

Auswahl Auch wenn der Anwärter diese Prüfungen gut oder überdurchschnittlich meistert, heisst das noch nicht, dass er im AAD 10 aufgenommen ist. Nach 3–4 Monaten folgt ein 3-wöchiger Auswahlkurs (engere Auswahl), in welchem die Kandidaten intensiv in allen Leistungsbereichen geprüft werden (körperlich, Persönlichkeit, Motivation u. v. a. m.). Sollte der Anwärter auch diese Auswahl bestehen, kann er nun einen Vertrag mit Probezeit unterschreiben, mit welchem er offiziell Angehöriger des Armee-Aufklärungsdetachements 10 wird.

Ausbildung Die Ausbildung zum Armee-Aufklärer dauert insgesamt ca. 18 Monate, wobei die Grundausbildung nach 52 Wochen abgeschlossen ist. Die Spezialisten- und Zugsausbildung wird nach der Grundausbildung gemäss den operationellen Bedürfnissen und Eignungen der jeweiligen Angehörigen des Armee-Aufklärungsdetachements durchgeführt.

Nebst der praktischen Ausbildung in den verschiedensten Einsatztechniken wird auch ein grosser Wert auf Weiterbildung im Bereich der Sprach-, Taktik-, Kommunikations- sowie Rechtskenntnisse etc. gelegt.

Die Ausbildung findet auch in Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern statt. Entsprechende Verträge bestehen mit Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Norwegen, Österreich, Schweden und der Ukraine.AAD 10 – Licht ins Dunkel. Die Grundlagen des Aufklärungsdetachements der Armee sind bekannt. In: Schweizer Soldat. 81. Jg., Nr. 11, November 2006.

Mit amerikanischen Streitkräften finde jedoch keine bilaterale Ausbildung statt. Es gibt jedoch Hinweise (die genauen Trainingspläne sind als geheim klassiert), dass einzelne Trainingseinheiten von ausländischen Spezialeinheiten, Ausbildern der US Navy SEALs, US Special Forces und des UK Special Air Service (SAS), geleitet werden.

Ausrüstung Zur Standard-Ausrüstung des AAD 10 gehören das Sturmgewehr SIG SG 553 SB sowie SIG 553 LB mit verschiedenen taktischen Visieren, das Scharfschützengewehr Sako TRG-42 mit dem Zielfernrohr 3-12x50 PMII, die Maschinenpistole MP5SD3 und MP14 von B&T, die Pistolen Glock 17 und Glock 26, Knieschutz, Kevlar-Helm, Splitterschutzweste, unterwassertaugliche Rechner und Übermittlungsgeräte, leistungsfähige Aufklärungsmittel und das Einsatzfahrzeug AGF SERVAL. Weiter verfügt die Einheit über Benelli-Schrotflinten, SIG-751-SAPR-Präzisionsgewehre und das LMg05.

Geschichte Die Spezialeinheit wurde im Bericht über die Konzeption der Armee XXI vom 24. Oktober 2001 (Armeeleitbild XXIKonzeption der Armee XXI (Armeeleitbild XXI). Bundesversammlung, Bericht vom 24. Oktober 2001.) vorgesehen und gemäss der Verordnung über den Truppeneinsatz zum Schutz von Personen und Sachen im Ausland.Verordnung über den Truppeneinsatz zum Schutz von Personen und Sachen im Ausland. In: admin.ch. 1. Juni 2006. im Jahr 2004 unter dem Kommando von Major Daniel Stoll nach dem Vorbild des britischen Special Air Service (SAS) formiert.

2010 fasste das Parlament alle taktischen und strategischen Mittel des Bundesrates für Krisen im Ausland unter dem Kommando Spezialkräfte (KSK) zusammen. Ein Jahr später hatte das AAD 10 seinen Sollbestand von 91 Elite-Soldaten erreicht. 2018 wurde die Elite-Einheit auf Grund der angespannteren internationalen Lage um elf Mann aufgestockt.Dominik Meier: Elitetruppe AAD 10. Verstärkung für Spezialeinheit. In: SRF News. 17. Dezember 2018. Der Experte Bruno Lezzi ging von einem höheren Personalbedarf beim Schutz von Schweizer Botschaften im Ausland aus.Bruno Lezzi: Ausbau der Eliteeinheit AAD 10. «Nur schon in die nähere Auswahl zu kommen, ist schwierig.» In: SRF News. 17. Dezember 2018.

Während einer Cyberattacke, die der Russischen Föderation zugerechnet wurde, drangen Ende 2014 Unbekannte in Computer der RUAG ein. Sie erlangten dabei Zugriff auf Daten des Verteidigungsdepartements und verschafften sich geheime Unterlagen zum AAD 10, vermutlich auch die Identitäten der Soldaten der Einheit.Trifft Datenklau bei Ruag auch AAD 10? In: Teletext. 8. Mai 2016.Stefan Bühler, Andreas Schmid: Russische Hacker enttarnen geheime Schweizer Elitetruppe. In: Neue Zürcher Zeitung. 8. Mai 2016.

Kritik Der Bundesrat hatte seine Spezialeinheit öfters zu rechtfertigen.Eric Gujer: Abschaffung der Armee-Elitetruppe ist kein Thema. In: Neue Zürcher Zeitung. 24. Juni 2010.Peter Forster: Einblick in eine Elite: Ehrenhaft, bescheiden, einig. Gruppe Giardino, 22. März 2012.Kommission nimmt Änderungen vor. Bundesversammlung, 13. Oktober 2010 (Medienmitteilung). Der rechte Teil des politischen Spektrums sah durch die Auslandeinsätze das Prinzip der Neutralität der Schweiz und/oder durch die vermeintliche Zusammenarbeit mit der NATO deren Unabhängigkeit in Gefahr. In der linken Parteienlandschaft keimte die Besorgnis auf, dass das AAD 10 (im Inland) gegen politisch unliebsame (linke) Personen eingesetzt werden könnte.. In: Zeit-Fragen. 17. Januar 2009. Politisch sogenannte «unheilige Allianzen»formal oder informal abgestimmtes, gemeinsames Stimmverhalten von politisch unterschiedlichen Fraktionen mit normalerweise stark voneinander abweichenden Positionen bei Abstimmungen des Parlamentes, die sie einzeln allein nicht für sich entscheiden können. von beiden im Parlament endeten regelmässig in Grundsatzdebatten und verhinderten manchmal einen Einsatz, für den das AAD 10 eigentlich geeignet und bereit gewesen wäre. Auch gab es Medien, die versuchten, aus der Geheimhaltung seiner Tätigkeit Kapital zu schlagen. Bereits 2006 äusserte das Schweizer Wochenmagazin Die Weltwoche auf Grund der Ausbildungszusammenarbeit mit ausländischen Vertragspartnern (siehe oben)Urs Paul Engeler, Heinrich L. Wirz: . In: Die Weltwoche. Nr. 35/06, 31. August 2006/26. Dezember 2008, S. 8 ff. eine Befürchtung, die vom VBS nicht geteilt wurde: «weitere[n] heimliche[n] Schritte[n] auf dem Weg in die totale Kooperation mit ausländischen Armeen».

Nach dem erfolgreichen Einsatz des AAD 10 in Afghanistan verbreitete der Chef der Armee, Thomas Süssli, über Twitter ein Bild von sich mit vermummten Mitgliedern der Einheit.Florian Osterwalder: Dies sorgte insbesondere bei Sicherheitspolitikern für Empörung, zumal diese Einheit als geheim gilt. Gemäss VBS wurde die Veröffentlichung vorgängig genau geprüft. Die schweizerische Offiziersgesellschaft unterstützte die Veröffentlichung.

Einsätze Für den Einsatz der Spezialisten des AAD 10 mit 30 Mann zum Botschaftsschutz in Teheran 2006Verstärkter Schutz für Schweizer Botschaft in Teheran. In: Swissinfo. 8. Oktober 2006.Morddrohungen vor Schweizer Botschaft. In: Tages-Anzeiger. 13. September 2010. wurde der Bundesrat vom Parlament gerügt, weil es nicht rechtzeitig informiert worden sei.Peter Siegenthaler: Schweizer Elitesoldaten vor Einsatz in Tripolis. In: Swissinfo. 11. Januar 2012. Das AAD 10 war am 16. August 2007 offiziell einsatzbereitNeue Elitetruppe der Armee im Einsatz. In: Swissinfo. 22. November 2007. und nahm im gleichen Jahr im Rahmen der Partnerschaft für den Frieden (Schweiz ist Mitglied seit 1996) an der multinationalen NATO-Übung Cold Response 2007 in Norwegen teil.Schweizer Armeeangehörige an der multinationalen Übung «Cold Response 07». Bundesrat, 5. März 2007 (Medienmitteilung). 2009 waren alternative Pläne des AAD 10 zur Befreiung der Geisel Max Göldi aus seiner libyschen Gefangenschaft weit fortgeschritten, wurden aber vom Bundesrat nicht in Kraft gesetzt.Heidi Gmür: Schweizer Militär zivil in Libyen. In: Neue Zürcher Zeitung. 19. September 2010. Im gleichen Jahr fand die Absicht des Bundesrates, das AAD 10 gegen somalische Piraten einzusetzen, keine parlamentarische Mehrheit.Kurzer Prozess mit «Atalanta». In: Neue Zürcher Zeitung. 22. September 2009.Carlos Hanimann: Klimmzüge für Calmy Rey. In: WOZ Die Wochenzeitung. 27. August 2009.

2012 löste ein Detachement des AAD 10 die umstrittene private Söldnerfirma Aegis bei der Bewachung der Schweizer Botschaft bis 2014 in Tripolis ab.Armee-Einsatz zum Schutz der Schweizer Botschaft in Tripolis. Bundesversammlung, 16. März 2012 (Interpellation der Schweizerischen Volkspartei). Ein analoger Einsatz im Kosovo wurde vom Bundesrat nicht dementiert. Ein Jahr später glaubten die Nationalräte Lukas Reimann (via das Boulevardblatt Blick) und Geri Müller (in der Fragestunde des Nationalrates), über Informationen über einen nicht parlamentarisch genehmigten militärischen Einsatz des AAD 10 in Mali zu verfügen. Der Bundesrat verneinte die Präsenz des AAD 10 in Mali in beiden Fällen.

2020 wurde publik, dass der Bundesrat erwägt, Entwicklungshelfer der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit in Afghanistan durch Schweizer Spezialkräfte zu schützen.Georg Häsler Sansano: Schweizer Soldaten sollen in Afghanistan Entwicklungshelfer schützen – Bern setzt auf Armee statt auf Söldner. In: Neue Zürcher Zeitung. 22. April 2020. Dies kam nicht zustande.Beni Gafner: Geheimer Einsatz der Armee. Rückpfiff für Cassis und Amherd. In: Tages-Anzeiger. 10. Juli 2020.