mini|hochkant=2.5|Landschaft und Binnenuntergliederung Das Rio Grande Valley – von seinen Bewohnern auch The Valley oder El Valle genannt oder abgekürzt R. G. V. – ist eine landschaftlich-demografische Region in der südlichsten Spitze des US-Bundesstaats Texas.Rio Grande Valley. David M. Vigness und Mark Odintz, Texas State Historical Association (TSHA), 15. Juni 2010; Upgrade: 5. Oktober 2015 (Engl.) Sie liegt am nördlichen Ufer des Rio Grande, welcher bis El Paso den Grenzverlauf zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten bildet. Gemeinhin werden der Region die vier Countys Cameron, Hidalgo, Starr und Willacy zugerechnet. Demografisch zählt sie zu den am schnellsten wachsenden Regionen in den Vereinigten Staaten: Von 1969 bis 2014 wuchs die Bevölkerung von 325.000 auf 1.300.000 Bewohner. Der hispanische Bevölkerungsanteil liegt um die 90 %. Wirtschaftlich ist die Region nach wie vor stark von Landwirtschaft geprägt – speziell dem Gemüse- und Zitrusfrüchte-Anbau. Die größten Städte – Brownsville, Harlingen, McAllen, Edinburg und Mission – konzentrieren sich im Südteil des Gebiets in der Nähe des Rio Grande und in den beiden Countys Cameron und Hidalgo.
Sowohl historisch als auch kulturell unterscheidet sich das Rio Grande Valley zum Teil erheblich vom restlichen Texas – vor allem den nicht zu Süddtexas zählenden Regionen des Bundesstaats. Historisch war das Valley Teil jenes südtexanischen Territoriums, dass erst mit dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg 1846 Teil der USA wurde. Kulturell wird es stark von der hispanischen Bevölkerungsmehrheit geprägt, politisch-sozial durch die nahe Grenze zu Mexiko sowie ein starkes, auch binnengeografisch sich ausdrückendes Gefälle von Wohlstand und Armut. Im Bereich der Populärkultur hat es ebenfalls einen eigenen, stark regional gefärbten Lebensstil hervorgebracht.
Geografie und Klima Definition mini|links|Lage des Rio Grande Valley in Texas mini|rechts|Mündungsdelta des Rio Grande bei Matamoros mini|rechts|Rio Grande bei Roma (Starr County) Die Definition des Begriffs Rio Grande Valley (abgrenzungshalber zum mittleren und oberen Rio Grande-Tal gängig hier auch: Lower Rio Grande Valley) ist abhängig davon, ob er eher landschaftliche oder eher kulturell-politisch-demografische Merkmale hervorheben will. Gemeinhin werden dem Valley die vier Countys Cameron, Willacy, Hidalgo und Starr zugeordnet. Die drei ersten bilden den regionalpolitischen Zusammenschluss Lower Rio Grande Valley Development Council. Das vierte zum „Valley“ gerechnete County hingegen – Starr – gehört dem westlich davon gelegenen Regionalzusammenschluss South Texas an.Elizabeth Cruce Alvarez, Robert Plocheck (Hrsg.): Texas Almanac 2018/2019, Texas State Historical Association (TSHA), Austin 2017, Seite 544–545 (Engl.)
Geografisch-landschaftlich wird das Rio Grande Valley vom Rio Grande bestimmt. Der Grenzfluss und gleichzeitig dominierender Fluss der Großregion mündet östlich von Brownsville und dem mexikanischen Matamoros in den Golf von Mexiko ein. Geologisch, vom allgemeinen Landschaftsbild her sowie von der Vegetation ist die Region unterschiedlich gegliedert. Erdgeschichtlich das älteste Terrain findet sich im landeinwärts gelegenen Starr County; es bildete sich zwischen dem Pliozän und dem Oligozän heraus. Die Landschaften der drei anderen Countys hingegen entstanden erst im Quartär – also vor wenigen Millionen Jahren. Noch jüngeren Datums – im Wesentlichen einige Tausend Jahre – ist der aktuelle Küstenverlauf.Alvarez, Plocheck: Texas Almanac 2018/2019, Seite 77 (Engl.); Karte Geologic Map of Texas, Texas Almanac, aufgerufen am 11. Januar 2019 (PDF; Engl.) Landschaftlich hat das Valley Anteil an vier Zonen: den Coastal Saline Prairies in den unmittelbaren Golfküstenbereichen, dem eigentlichen Lower Rio Grande Valley mit dem Flussdelta des Rio Grande als Zentrum sowie der Central und Western Rio Grande Plain. Die beiden letztgenannten Regionen sind Ausläufer der südlichen Plains und nehmen große Teile des Starr County sowie den nördlichen Teil des Hidalgo County in Beschlag.Alvarez, Plocheck: Texas Almanac 2018/2019, Seite 82 (Engl.); Karte Land Resource Areas, Texas Almanac, aufgerufen am 11. Januar 2019 (PDF; Engl.)
Als innertexanische Regions-Untergliederung umfasst das Rio Grande Valley lediglich die auf US-amerikanischer Seite gelegenen Teile des unteren Rio Grande-Tals. Politisch, wirtschaftlich, demografisch sowie kulturell bestehen zahlreiche Verbindungen und Gemeinsamkeiten mit den zum mexikanischen Bundesstaat Tamaulipas gehörenden Gebieten südlich des Flusses. Mit Matamoros (knapp 450.000 Einwohner) sowie dem etwas weiter landeinwärts gelegenen Reynosa (circa 600.000 Einwohner) grenzen die beiden größten Städte von Tamaulipas direkt an das Valley an.Siehe Überblickskarte auf Hanna: Invest in the Rio Grande Valley. Mark Hanna, 13. Januar 2017 (Engl.) Ebenso wie San Diego und Tijuana in Kalifornien sowie El Paso und Ciudad Juárez im Mittelabschnitt der amerikanisch-mexikanischen Grenze sind auch die einander gegenüberliegenden Grenzstädte Brownsville und Matamoros quasi Geschwisterstädte in der wahlweise als Border oder Frontera bezeichneten Grenzregion.Jeanette Erazo Heufelder: Welcome to Borderland. Die US-mexikanische Grenze. Berenfeld Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-946334-39-2, Karten Seiten 8–11.
Landschaftliche Merkmale mini|links|Einzugsgebiet des Rio Grande mini|rechts|Salinenprärielandschaft auf Padre Island Das Rio Grande Valley erstreckt sich von der Golfküste ausgehend rund 160 km landeinwärts über eine Fläche von 4.316 Quadratkilometern. Mit Abstand wichtigster Fluss ist der Rio Grande. Entwässerungstechisch ebenfalls von Relevanz ist das Flussbecken des Nueces River.Alvarez, Plocheck: Texas Almanac 2018/2019, Seite 92 (Engl.); Karte Texas River Basins, Texas Almanac, aufgerufen am 11. Januar 2019 (PDF; Engl.) Weitere Fließgewässer auf US-amerikanischer Seite sind der – parallel zum Rio Grande verlaufende – Arroyo Colorado und der nahe Rio Grande City in den Rio Grande mündende Los Olmos Creek. Künstliche Wasserstraßen sind ein zum Hafen von Brownsville führender Schifffahrtskanal sowie der Harlingen Channel, eine Abzweigung des Arroyo Colorado.Siehe Karten Cameron County, Hidalgo County, Starr County und Willacy County, Texas Almanac, aufgerufen jeweils am 11. Januar 2019 (PDF; Engl.)
Die Landschaft im Rio Grande Valley ist eben. Die Höhenlagen reichen von wenige Meter über dem Meeresspiegel bis hin zu 180 Meter im nördlichen Teil des Starr County. Der östliche, auförmige Teil wird von den Seiten- und Altarmen des Rio Grande-Mündungsdeltas geprägt. Landschaftlich dominierend ist hier eine Mischung aus Küstenprärie und Bewaldung. Aufgrund der tropennahen Lage finden sich hier zahlreiche tropische Pflanzen wie zum Beispiel Flammenbäume, kubanische Königspalmen sowie Kokospalmen. Die unmittelbar an der Küste liegenden Landstriche sowie die vorgelagerte Insel South Padre Island sind Teil der Coast Saline Prairies – einem sich von der Rio Grande Mündung bis nördlich von Galveston ziehenden Landstreifen.Cameron County. Alicia A. Garza und Christopher Long, Texas State Historical Association (TSHA), 12. Juni 2010; Upgrade: 31. August 2016 (Engl.)
Insgesamt wartet der unmittelbar am Rio Grande gelegene Teil der Region mit ergiebigen, fruchtbaren Lehmböden auf. Seit der Einführung von Bewässerungssystemen sowie der Errichtung einer Eisenbahnverbindung gilt dieser Teil als Herzkammer des texanischen Gemüseanbaus. Die nördlicher, flussferner gelegenen Teile der Region hingegen sind Teil der südtexanischen Plains-Landschaft. Die sandigen, trockenen Lehmböden in diesem Teil des Valley eignen sich weniger für die Landwirtschaft und wurden traditionell für Viehzucht genutzt.Hidalgo County. Alicia A. Garza, Texas State Historical Association (TSHA), 15. Juni 2010; Upgrade: 5. Februar 2016 (Engl.) Eine eigene Vegetationszone bildet der unmittelbare Golfküstenbereich mit den vorgelagerten Inseln South Padre Island und Padre Island. Teils sumpfige Salinenprärien bestimmen hier das Bild. Darüber hinaus sind die küstennahen Gebiete Rückzugsgebiete für zahlreiche Tierarten.Alvarez, Plocheck: Texas Almanac 2018/2019, Seite 419 (Engl.)
Bedeutende Vorkommen an Erdöl und Erdgas befinden sich vor allem in den beiden landeinwärts gelegenen Countys Hidalgo und Starr. Starr County verfügt darüber hinaus über nicht unerkleckliche Vorkommen an Braunkohle.Alvarez, Plocheck: Texas Almanac 2018/2019, Seiten 651, 654 und 660 (Engl.)
Flora und Fauna mini|links|Palmen im Bentson-Rio Grande Valley State Park mini|rechts|hochkant|South Padre Island: Aussetzung einer seltenen Meeresschildkröte Das Rio Grande Valley ist die einzige Ökoregion der USA, die in den Subtropen liegt. Der Kontrast zwischen der Chihuahua-Wüste im Westen, der nordmexikanischen Chaparral-Vegetationszone, der Küstenebene am Golf sowie den subtropischen Wäldern entlang des Rio Grande begünstigte die Entstehung einer besonders artenreichen Flora und Fauna.Plant Guidance by Ecoregions, Texas Parks & Wildlife, aufgerufen am 11. Januar 2019 (Engl.) Vor ihrer Besiedlung umfasste das Gebiet der vier Landkreise Cameron, Willacy, Hidalgo und Starr umfangreiche Wälder mit Mexikanische Sumpfzypressen und Sabalpalmen. Rodungen, die Einführung der kommerziellen Landwirtschaft sowie die Einführung konkurrierender Gräser aus Afrika verdrängten nicht nur einheimische Pflanzenarten. Auch viele im Valley (einst) heimische Tierarten sind entweder gefährdet oder vom Aussterben bedroht.Preserving the Last Vestiges of Native Vegetation in the Greater McAllen-Edinburg Area: a Modest Proposal, J. Andrew McDonald, valleygreenspaces.com, Oktober 2010 (Engl.)
Um die vorhandene Pflanzen- und Tierwelt wenigstens in Grundzügen zu erhalten, wurden an der Golfküste, im Flussdelta, sowie entlang des Rio Grande unterschiedliche Arten von Landschaftsschutzgebieten eingerichtet (Aufführung im Einzelnen: siehe Abschnitt „Touristische Angebote und Sehenswürdigkeiten“). Zu den für das Valley typischen Gewächsen zählen unter anderem der Guajak (eine subtropische Baumart), Palmlilien (palmähnliche Gewächse, bekannter unter den Begriffen Yucca oder – irreführenderweise – Yuccapalme), Spanisches Moos (eine flechtenartige Pflanze, die vor allem in den Auwäldern des Flussdeltas anzutreffen ist) sowie Honig-Mesquite und Kaktusfeigen. Letztere kommen vor allem in den Salinenprärie-Zonen in unmittelbarer Golfküstennähe vor. Für das Valley typische Blumenarten sind Akanthusgewächse, Mittagsblumengewächse, Froschlöffelgewächse sowie Doldenblütler. Darüber hinaus finden sich in der Region unterschiedliche Sorten von Kakteengewächsen., U.S. Fish & Wildlife Service, 11. Juni 2012 (Engl.)Siehe nach Hauptgruppen aufgelistete Arten unter Links auf , U.S. Fish & Wildlife Service, 9. Juli 2012 (Engl.)