mini|Die Weihinschrift des Iulius Adnamatus ()
Die Cohors III Aquitanorum [equitata] [civium Romanorum] [Philippiana] [Severiana] () war eine römische Auxiliareinheit. Sie ist durch Militärdiplome, Inschriften und Ziegelstempel belegt.
Namensbestandteile Cohors: Die Kohorte war eine Infanterieeinheit der Auxiliartruppen in der römischen Armee.
III: Die römische Zahl steht für die Ordnungszahl die dritte ( tertia). Daher wird der Name dieser Militäreinheit als Cohors tertia .. ausgesprochen.
Aquitanorum: der Aquitanier. Die Soldaten der Kohorte wurden bei Aufstellung der Einheit aus den verschiedenen Stämmen der Aquitanier auf dem Gebiet der römischen Provinz Gallia Aquitania rekrutiert.
equitata: teilberitten. Die Einheit war ein gemischter Verband aus Infanterie und Kavallerie. Der Zusatz kommt in mehreren Inschriften vor.
civium Romanorum: der römischen Bürger. Den Soldaten der Einheit war das römische Bürgerrecht zu einem bestimmten Zeitpunkt verliehen worden. Für Soldaten, die nach diesem Zeitpunkt in die Einheit aufgenommen wurden, galt dies aber nicht. Sie erhielten das römische Bürgerrecht erst mit ihrem ehrenvollen Abschied (Honesta missio) nach 25 Dienstjahren. Der Zusatz kommt in drei Inschriften vor.
Philippiana: die Philippianische. Eine Ehrenbezeichnung, die sich auf Philippus Arabs (244–249) bezieht. Der Zusatz kommt in einer Inschrift vor.
Severiana: die Severianische. Eine Ehrenbezeichnung, die sich auf Severus Alexander (222–235) bezieht. Der Zusatz kommt in einer Inschrift vor.
Da es keine Hinweise auf den Namenszusatz milliaria (1000 Mann) gibt, war die Einheit eine Cohors quingenaria equitata. Die Sollstärke der Kohorte lag bei 600 Mann (480 Mann Infanterie und 120 Reiter), bestehend aus 6 Centurien Infanterie mit jeweils 80 Mann sowie 4 Turmae Kavallerie mit jeweils 30 Reitern.
Geschichte
Die Kohorte war in der Provinz Sardinia, im Heeresbezirk Germania superior und in der später aus dem Heeresbezirk hervorgegangenen Provinz Germania superior (in dieser Reihenfolge) stationiert. Sie ist auf Militärdiplomen für die Jahre 74 bis 134 n. Chr. aufgeführt.
+ Militärdiplome Militärdiplomin der EDCS Datierungin der EDCS Stationiertin Im jeweiligen Militärdiplom erscheint die Kohorte wie folgt;Ergänzungen sind durch () und [] gekennzeichnet, siehe Leidener Klammersystem. 74 Germania III et IIII Aquitanorum // III et IIII Aquitanorum 82 Germania III et IIII Aquitanorum // III et IIII Aquitanorum 90 Germania superior III et IIII Aquitanorum // III et IIII [A]quitanorum 90 Germania superior [I]II et IIII Aquitanorum // III et IIII Aquitanorum 116 Germania superior III Aquitanorum 134 Germania superior [III] Aquit(anorum) // III Aquit(anorum)
Die Kohorte war im 1. Jhd. in Sardinia stationiert, bevor sie zu einem unbestimmten Zeitpunkt nach Germania superior verlegt wurde. Der erste Nachweis der Einheit in Germania superior beruht auf einem Diplom, das auf 74 datiert ist. In dem Diplom wird die Kohorte als Teil der Truppen aufgeführt (siehe Römische Streitkräfte in Germania), die in dem Heeresbezirk stationiert waren. Weitere Diplome, die auf 82 bis 134 datiert sind, belegen die Einheit in demselben Heeresbezirk (bzw. ab 90 in der Provinz Germania superior).
Die Kohorte war (vermutlich seit Anfang des 2. Jhd.) zusammen mit dem Numerus Brittonum Elantiensium auf dem Gebiet der Ortschaft Neckarburken stationiert; beide Einheiten hatten dort ihr eigenes Lager (siehe Kastelle von Neckarburken). Um 159/161 wurde die Kohorte im Zuge einer Verschiebung des Limes nach Osten in das Kastell Osterburken verlegt; es ist umstritten, ob der Numerus gleichzeitig oder erst später nach Osterburken verlegt wurde.
Der letzte Nachweis der Einheit beruht auf einer Inschrift, die auf 244/249 datiert ist.
Standorte bzw. Fundorte Standorte der Kohorte in Germania superior waren: Kastelle von Neckarburken: drei Inschriften und das Militärdiplom von 134 wurden hier gefunden. Kastell Osterburken: mehrere Inschriften wurden hier gefunden. Drei der Inschriften können genauer datiert werden: in das Jahr 198 bzw. in die Zeitspannen 222/235 und 244/249. Das Kohortenkastell und das Annexkastell des Numerus wurden in der Mitte des 3. Jhd. in Folge von Kämpfen zerstört.
Mehrere Ziegel wurden an verschiedenen Orten auf dem Gebiet der ehemaligen Provinz Germania superior gefunden: Obernburg am Main: ein Ziegel mit dem Stempel der Einheit wurde hier gefunden. Kastell Stockstadt: drei Ziegel mit den Stempeln der Einheit wurden hier gefunden.
Mehrere Inschriften wurden an verschiedenen Orten auf dem Gebiet der ehemaligen Provinz Sardinia gefunden.
Angehörige der Kohorte Folgende Angehörige der Kohorte sind bekannt.
Kommandeure Publius Allius Proculus, ein Präfekt
Sonstige Anteius Faustillus, ein Centurio () Claudius Capito, () Decumus Cirneti f(ilius), () Iulius Adna[matus], ein Decurio () Iustius Attianus, ein Decurio () Orcoeta [B]ihonis(?) f(ilius) Con(venus), () Q(uintus) Gavit(i)us []conus () Rufus Tabusi f(ilius) Valentinus, () Silo Terenti f(ilius), ein Soldat () Ti(berius) Iulius Capito, ein missicius () [Ul]pius Iulianus, ein medicus () [V]erinus ()
Die Inschrift wurde in Sardinien gefunden; der Name der Kohorte ist nicht angegeben. John Spaul ordnet Anteius Faustillus und Silo Terenti filius der Cohors III Aquitanorum zu.
Die Inschrift wurde in Sardinien gefunden; der Name der Kohorte ist nicht angegeben. Paola Ruggeri hält es für möglich, dass Claudius Capito in der Cohors III Aquitanorum diente.
Die Inschrift wurde in Sardinien gefunden; der Soldat diente in einer Cohors Aquitanorum. Giuseppe Piras ordnet ihn der Cohors III Aquitanorum zu.
Siehe auch Liste der römischen Auxiliareinheiten Römische Streitkräfte in Germania
Weblinks
Literatur John Spaul: Cohors² The evidence for and a short history of the auxiliary infantry units of the Imperial Roman Army, British Archaeological Reports 2000, BAR International Series (Book 841), ISBN 978-1-84171-046-4
Einzelnachweise Giuseppe Piras: Un miles della cohors III Aquitanorum in un’iscrizione funeraria proveniente da Ardara (Sassari): nota preliminare In: L’Africa romana, Band XV, Roma 2004, S. 1543–1556, hier S. 1549 Anm. 17 (PDF).
Inschriften mit civium Romanorum (, , ). Inschriften mit equitata (, , , , ).
Inschrift mit Philippiana aus Osterburken; Datierung EDCS: 244/249 (). Inschrift mit Severiana aus Osterburken; Datierung EDCS: 222/235 ().
Inschriften aus Neckarburken (, , ). Inschriften aus Osterburken (, , , , , , , ).
Inschriften aus Sardinia (, , , , ).
Inschrift aus Osterburken; Datierung EDCS: 198 ().
Jörg Scheuerbrandt: Exercitus. Aufgaben, Organisation und Befehlsstruktur römischer Armeen während der Kaiserzeit. Dissertation, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau 2003/2004, S. 159 Tabelle 3 (PDF S. 161).
John Spaul: Cohors² The evidence for and a short history of the auxiliary infantry units of the Imperial Roman Army, British Archaeological Reports 2000, BAR International Series (Book 841), ISBN 978-1841710464, S. 139–140, 147–148.
Militärdiplome der Jahre 74 (), 82 (), 90 (, ), 116 () und 134 ().
Marcus Reuter: Studien zu den numeri des Römischen Heeres in der Mittleren Kaiserzeit, Dissertation, In: Berichte der Römisch-Germanischen Kommission 80, 1999, S. 359–569.
Paola Ruggeri: Un signifer della Cohors Ligurum in Sardegna In: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik, Band 101 (1994), S. 193–196, hier S. 195 (PDF).
Ziegel aus Obernburg am Main: Stempel COH III AQ (). Ziegel aus Stockstadt: Stempel COH III AQ (), COH III AQUI () und COH III AQUITAN ().
Kategorie:Kohorte (Hilfstruppe) Kategorie:Aquitanier