Das Potsdamer Stadtschloss ist ein Profanbau am Alten Markt in Potsdam. Es diente ab 1670 als Residenz der brandenburgischen Kurfürsten und preußischen Könige sowie ab 1918 als Sitz des Potsdamer Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung. Im Auftrag Friedrichs II. und nach Plänen von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff in den Jahren 1747–1750 umgebaut, galt es als ein Hauptwerk des Friderizianischen Rokoko.

Im Zweiten Weltkrieg 1945 vollständig ausgebrannt, wurde das Stadtschloss in der Deutschen Demokratischen Republik 1959–1960 abgerissen. Auf einen Beschluss des Landtags Brandenburg wurde es 2010–2013 nach Plänen von Peter Kulka unter Verwendung von Spolien äußerlich wiederaufgebaut und dient seitdem als Sitz des Landesparlaments. Das Stadtschloss ist eines der größten Bauwerke Potsdams und prägt im Ensemble mit dem Alten Markt, dem Marstall und dem Lustgarten das Stadtbild.

Überblick mini|Stadtschloss mit Nikolaikirche im Hintergrund

Das Bauwerk ist das flächengrößte Gebäude Potsdams. Die Lage zwischen dem Stadtkern im Norden und der Havel im Süden macht es aus allen Richtungen zu einem markanten Gebäude, das einen wichtigen Orientierungspunkt innerhalb der Stadt darstellt.

Als Ensemble aus Lustgarten mit Neptunbassin, Marstall und mit den umliegenden Lustschlössern hatte das Alte Stadtschloss überregionale Bedeutung. Gärten, Architektur und originale Raumausstattungen zeigten mit Gestaltungsformen des Barock (Schlüter), friderizianischen Rokoko (Knobelsdorff), und Klassizismus (Schadow) die unterschiedlichen Auffassungen verschiedener Epochen.

Das neue Stadtschloss ist äußerlich eine weitgehende Rekonstruktion unter Verwendung von Spolien des 1945 ausgebrannten und zu DDR-Zeiten abgetragenen Schlossbaus, der 1747–1750 im Auftrag des Königs Friedrich II. nach Plänen des Architekten Knobelsdorff entstand. Der im Januar 2014 eingeweihte Wiederaufbau dient als Sitz des Landtages Brandenburg und hat einen von Peter Kulka entworfenen, funktionalen Innenausbau. Die Rekonstruktion der barocken Fassaden wurde durch bürgerschaftliches Engagement ermöglicht, vor allem durch Günther Jauch (Fortunaportal) und eine Großspende über 20 Millionen Euro des SAP-Gründers Hasso Plattner.

Altes Stadtschloss Von der Burg zum Schloss mini|Grundriss der mittelalterlichen Burg von Potsdam

Im Jahre 993, der ersten urkundlichen Erwähnung Potsdams, befand sich am Havelufer eine Festung. Sie war zeitgleich mit der kleinen Siedlung Poztupimi am Havelufer entstanden und sollte es gegen Feinde schützen. Als 1157 die Askanier ihren Einflussbereich von Magdeburg ausdehnten und die Mark Brandenburg eroberten, vertrieben sie die Slawen und begannen von hier aus die Wanderströme zu kontrollieren. Die Havel verlief nahe der Festung sehr flach, was viele Wanderer vom Havelland nach Teltow zum Übertritt an dieser Stelle bewog. Zudem befand sich hier ein Holzsteg, die spätere erste Brücke Potsdams. Erst wurde die Festung den anderen Burgen der Askanier angeglichen, um in den darauffolgenden Jahrhunderten zu einer massiven Anlage ausgebaut zu werden. Durch die ständigen Verpfändungen des Gutes Potsdam verfiel das Gebäude jedoch immer mehr, trotz seiner regelmäßigen Nutzung zu Jagdzwecken.

Als Kurfürst Joachim Friedrich 1598 das Gut seiner Frau Katharina von Brandenburg-Küstrin schenkte, entschloss man sich dann zu dessen Abbruch und Neubau als Dauerwohnsitz. Dieser konnte durch den frühen Tod der Kurfürstin jedoch nicht vollständig fertiggestellt werden. Da Katharinas Nachfolgerin Eleonore ebenfalls früh starb, ging das Interesse am Schloss schließlich ganz verloren. 1606 zog der Kurfürst wieder aus und weilte fortan in Joachimsthal, nördlich von Berlin. Das noch junge Gebäude geriet wieder in Verpfändung, diesmal unter dem Junker Wolf Dietrich von Hacke, der es als Schafstall und Scheune nutzte, wodurch es erheblich herunterkam.Hans-Joachim Giersberg, Hartmut Knitter: Aus der Geschichte Potsdams. In: Potsdam Atlas. VEB Tourist Verlag, (1978), S. 9.

Im Kurfürstentum Brandenburg mini|Stadtschloss Potsdam 1702 von Peter Schenk dem Älteren mini|Parkseite des Stadtschlosses, Stich von Jean Baptiste Broebes, um 1705

Der Dreißigjährige Krieg hatte dem Gebäude weiter schwer zugesetzt. Dennoch versuchte Kurfürst Friedrich Wilhelm (der Große Kurfürst) mehrfach das Gut Potsdam mit dem Schloss aus der Verpfändung einzulösen. Seine Jagdleidenschaft, vor allem aber das Vorbild seines Statthalters in Kleve, Johann Moritz von Nassau-Siegen, trieben ihn voran. Dieser hatte durch die Anlage verschiedener Parks rund um die SchwanenburgElke Kimmel, Ronald Oestereich: Potsdam im Dreißigjährigen Krieg und als Residenz der Hohenzollern. In: Potsdam Eine kurze Stadtgeschichte. S. 19, 20, 24. maßgeblich an der Entwicklung der Stadt Kleve zu einer Kulturlandschaft beigetragen. Ab 1660 ließ er sich dann nach seinen Vorgaben einen Lustgarten anlegen.

Der frühbarocke Neubau des Schlosses erfolgte in den Jahren 1662 bis 1674 nach Vorbildern der niederländischen Schlossarchitektur, wie dem Schloss Honselaarsdijk (bei Westland), mit Dachreitern ähnlich den heute noch auf Schloss Bensberg vorhandenen durch Johann Gregor Memhardt. Ab 1671 hielt sich der Kurfürst regelmäßig und dauerhaft in seinem neuen Schloss auf, sodass der Bau einen gewissen Grad der Fertigstellung erreichte.Hans-Joachim Giersberg: Das Potsdamer Stadtschloss. Potsdamer Verlagsbuchhandlung, Potsdam 1998, ISBN 3-910196-01-2, S. 21. Als der Kurfürst seinen gesamten Hofstaat nach Potsdam holen wollte, musste das Gebäude erweitert werden, wobei auch eine Vielzahl von Bürgerhäusern abgerissen wurde, deren Besitzer erst Jahre später eine Entschädigung erhielten. Die Vierflügelanlage wurde durch das dreigeschossige Corps de Logis beherrscht, das durch einen Mittelrisalit, in dem sich ein durch zwei Stockwerke gehender Saal befand, und zwei flankierende Pavillons gegliedert wurde. Zwischen Corps de Logis und Hauptportal war ein Ehrenhof angelegt, der von niedrigeren zweigeschossigen Flügeln umgeben war, die wiederum durch Eckpavillons akzentuiert wurden. Das Schloss wurde durch einen Graben und der Lustgarten durch eine niedrige Umfassungsmauer von der Umgebung abgeschlossen.

Die ehemalige Drap d’argent-Kammer war vermutlich das Sterbezimmer des Großen Kurfürsten. Der Raum wurde unter den Nachfolgern umgestaltet. Wegen der gelben Seidentapeten und Bezüge mit bunten Blumen, wurde der Raum dann Gelbe Paradekammer genannt.Hans Huth: Das Stadtschloss in Potsdam. Hrsg.: Verwaltung der staatlichen Schlösser und Gärten. Leonhard Preiss Verlag, Berlin 1933, S. 15b.

Im Königreich Preußen mini|Stadtseite des Stadtschlosses mit dem Fortunaportal nach der Umgestaltung von Knobelsdorff, Stich von Johann David Schleuen, um 1755 mini|Lustgarten und Stadtschloß in Potsdam, Gemälde von Johann Friedrich Meyer, 1773 mini|Marstall, Nikolaikirche und Stadtschloss, vor 1945 mini|Havelkolonnade, Stadtschloss und Garnisonkirche, vor 1945

Im Jahre 1688 folgte Friedrich III. von Brandenburg seinem Vater. Im Innern des Schlosses ließ dieser den Marmorsaal im Jahre 1695 durch Andreas Schlüter als Ruhmeshalle für den Großen Kurfürsten dekorieren. Der plastische Schmuck der Deckenkehle hatte sich trotz der späteren Veränderung erhalten.Hans Huth: Das Stadtschloss in Potsdam. Hrsg.: Verwaltung der staatlichen Schlösser und Gärten. Leonhard Preiss Verlag, Berlin 1933, S. 4.

Seine Selbstkrönung zum König Friedrich I. in Preußen, 1701 in Königsberg, hatte Veränderungen am Schloss zur Folge. Es entstand ein neues Eingangstor, geschaffen von Jean de Bodt, dessen Figur auf der Spitze, die Fortuna, ihm den Namen „Fortunaportal“ gab. Das Stadtschloss wurde zum Ort von Festen, Bällen und im Juli 1709 Schauplatz des „Dreikönigstreffens“ der Könige von Polen, Dänemark und Preußen.

Im Jahr 1713 bestieg Friedrich Wilhelm I. den preußischen Thron. Er verfolgte ein Sparprogramm, verkaufte oder verpachtete 18 seiner 24 geerbten Schlösser. Unter anderen behielt er die Stadtschlösser in Berlin und Potsdam.

Friedrich Wilhelm I. machte das Potsdamer Stadtschloss zu seinem Hauptwohnsitz.Hans-Joachim Giersberg: Die Zeit des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. In: Das Potsdamer Stadtschloss. S. 51. Dieser bestand aus dem Vorzimmer,Hans Huth: Das Stadtschloss in Potsdam. Hrsg.: Verwaltung der staatlichen Schlösser und Gärten. Leonhard Preiss Verlag, Berlin 1933, S. 17a. dem Wohnzimmer, dem Schlafkabinett mit VorraumHans Huth: Das Stadtschloss in Potsdam. Hrsg.: Verwaltung der staatlichen Schlösser und Gärten. Leonhard Preiss Verlag, Berlin 1933, S. 17b. sowie einem Korridor, mit „stufenloser Treppe, die Friedrich Wilhelm I. im Rollstuhl“Hans Huth: Das Stadtschloss in Potsdam. Hrsg.: Verwaltung der staatlichen Schlösser und Gärten. Leonhard Preiss Verlag, Berlin 1933, S. 16b. nutzte. Dort befand sich eine Gemälde-Fensterwand mit Porträts des gesamten Offizierkorps des Kürassier-Regiments Kurprinz Nr. 2 aus dem Jahre 1681. Gegenüber befanden sich Gemälde folgender Offiziere aus der Zeit Friedrich Wilhelms I.: Prinz Christian Ludwig (Gemälde von Friedrich Wilhelm Weidemann); Wartensleben (Weidemann); Markgraf Albrecht Friedrich (Weidemann); Arnim; Pannwitz; Schwendy; Lilien; Prinz Friedrich Wilhelm von Holstein; Goltz; Friedrich August Rutowski (Sohn Augusts des Starken); Kleist; Bredow; Waldow; Kröcher (gemalt von Georg Lisiewski, 1731); Dohna; Botzheim; Dörfling; Dewitz; Heyden; Wensen (Weidemann); Eseln; Sonsfeld; Lepell; Waldau; Strauß; Schenkendorf; Montecuculi. Weiter die Gemälde von „Langen Kerls“ aus der Riesengarde: Wagenführer aus Neuwied und Jonas Henrichson aus Norwegen, gemalt von Johann Christof MerckFriedrich Nicolai: Beschreibung der königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam. Band 2. Berlin 1779, S. 70 f.; books.google.de (aktiv 1695–1726) gebürtig aus Schwäbisch Hall, 1718. Dazu ein Porträt des Giacomo Casanova (1717).

Im Jahr 1740 wurde Friedrich II. König in Preußen. In seinen ersten Regierungsjahren bewohnte er im Schloss Charlottenburg den von seinem Hofarchitekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff errichteten Flügel. In den Jahren 1742 bis 1743 ließ er für sich im Potsdamer Stadtschloss eine Wohnung im südwestlichen Eckpavillon einrichten. Etwa 1744 entschied sich Friedrich mit der Anlage des Sommerschlösschens Sanssouci für Potsdam als Dauerwohnsitz und engagierte Knobelsdorff für eine umfassende Umgestaltung, wodurch eines der Hauptwerke des Friderizianischen Rokokos entstand.

Im Jahr 1752 entstanden im westlichen Kopfbau Gästewohnungen anstelle der beseitigten Schlosskapelle. Diese hatte 1735 Friedrich Wilhelm I. nach Errichtung der Hof- und Garnisonkirche den Potsdamer Hugenotten überlassen, die 1752 mit der Französischen Kirche ein eigenes Kirchengebäude erhielten.Hans-Joachim Giersberg: Die Residenz Friedrich des Großen. In: Das Potsdamer Stadtschloss. S. 67.