Die Bundesmarine verfügte in den ersten Jahren ihres Bestehens über eine große Zahl kleinerer Küstenwach-, Sicherungs- und Schulboote, die neben ihren operativen Aufgaben eine bedeutende Rolle für die Ausbildung der Besatzungen neuer Schiffe und Boote hatten.Fritz Poske: Der Seegrenzschutz 1951–1956. Erinnerung – Bericht – Dokumentation. Koblenz/Bonn 1982, ISBN 3-7637-5410-5 Die Boote waren teilweise als Kriegsschiffe, teilweise als zivil besetzte Hilfsschiffe und zum Teil als Schwimmendes Gerät ohne feste Besatzung im Einsatz.
Die Fahrzeuge stammten aus der Kriegsmarine, aus den zwischen 1945 und 1956 unter alliierter Führung bestehenden deutschen Seeverbänden, dem Seegrenzschutz oder aus anderen Beständen. Außerdem wurden einige Fahrzeuge von der Bundesmarine in Auftrag gegeben.Weil viele Fahrzeuge während ihrer Dienstzeit in der Bundesmarine ihre Funktion wechselten, werden sie in diesem Artikel in der Reihenfolge ihrer unveränderten Klassennummern gemäß Schiffsnummernverzeichnis behandelt.
Klasse 339 Die sechs Boote der Klasse 339 waren ehemals britische Motor Minesweeper, die im Zweiten Weltkrieg in Kanada gebaut worden waren. Details dieser frühen Geschichte der Boote wie Bauwerften und Namen sind nicht überliefert. Nach dem Krieg wurden sie in Frankreich zur Fischerei eingesetzt und später nach Belgien verkauft.
Von dort kaufte der Seegrenzschutz diese Fahrzeuge 1952 auf und rüstete sie als Wachboote aus. Nach der Übernahme des Seegrenzschutzes in die Bundesmarine kamen die Boote zunächst zum Schulgeschwader Ostsee. Nach dessen Auflösung wurden sie verschiedenen Schulen zugeteilt.Siegfried Breyer, Gerhard Koop: Die Schiffe, Fahrzeuge und Flugzeuge der deutschen Marine von 1956–1976, Bonn 1978, ISBN 3-7637-5155-6, S. 266 ff.
Name in der französischen Fischerei Bezeichnung im Seegrenzschutz Bezeichnung in der Bundesmarine, (Rumpf-Nr. im Schulgeschwader/Rumpfnummer anschließend) Dienstzeit in der Bundesmarine Unterstellung nach Auflösung des Schulgeschwaders Ostsee Verbleib Bemerkungen Miss Andree W 7 FM 1 (FM 1/W 54) 1. Juli 1956 bis 10. Oktober 1965 Marineausbildungsbataillon 2 ausgesondert, Verbleib? Adrien Magnier W 8 FM 2 (FM 2/W 55) 1. Juli 1956 bis 2. August 1963 Marineausbildungsbataillon 2 nach Hamburg verkauft, dort verrottet Miss Jeanne W 10 FM 3 (FM 3/W 56) 1. Juli 1956 bis ca. 1961 Marinefernmeldeschule am 1. August 1963 ausgesondert, Verbleib? Pierre Mene W 12 UW 1 (UW 1/W 44, ab 1968 Y 843) 1. Juli 1956 bis 30. November 1970 Marineunterwasserwaffenschule Am 17. Mai 1971 verkauft an Fa. Rosch, Tübingen Malgre Tout W 11 UW 2 (UW 2/W 45) 1. Juli 1956 bis 28. Oktober 1964 zunächst Marineunterwasserwaffenschule, später Schiffssicherungslehrgruppe ausgesondert, Verbleib? Nr. 168 W 9 UW 3 (UW 3/W 53), später TM 1 (Y 826) 1. Juli 1956 bis 3. April 1974 zunächst Marineunterwasserwaffenschule, später Schiffssicherungslehrgruppe Am 29. Juli 1974 verkauft an Fa. Droste, Kiel
Klasse 359 mini|Die später an die Bundesmarine übergebenen Räumboote der Labor Service Unit (B) 1952 in Bremerhaven
Die Bundesmarine übernahm 1956 von der Labor Service Unit (B) der United States Navy 26 ehemalige Minenräumboote, die für die Kriegsmarine gebaut worden waren. Die meisten von ihnen wurden wieder als Minenabwehrfahrzeuge eingesetzt, einige wurden unmittelbar oder später zu Schul-, Wohn- oder Sicherungsbooten umgebaut. Als Sicherungs- und Schulboote wurden eingesetzt:Siegfried Breyer, Gerhard Koop: Die Schiffe, Fahrzeuge und Flugzeuge der deutschen Marine von 1956–1976, Bonn 1978, ISBN 3-7637-5155-6, S. 195 ff. Aldebaran, Schul- und Taucherhilfsboot der Minentaucherkompanie (1962–1970) AT 1, Schulboot der Marineartillerieschule (1957–1961), anschließend bis 1968 Übungshulk bei der Schiffssicherungslehrgruppe AT 2, Versuchs- und Erprobungsboot der Marineartillerieversuchsstelle und Schulboot der Marineartillerieschule (1957–1963) Capella, stationäres Schulboot der Technischen Marineschule II in Bremerhaven (1959–Mitte der 1960er Jahre) Merkur, Sicherungsboot für das 1. Ubootgeschwader (1963–1968) OT 1 (ex-R 406), Schulboot der Marineortungsschule (1957–1959) OT 1 (ex-Jupiter, ex R 137), Schulboot der Marineortungsschule (1959–1967) UW 4, Versuchs- und Erprobungsboot der Erprobungsstelle 71 (1964–1969) UW 5, Schulboot der Marineunterwasserwaffenschule (1956–1967) UW 6, Versuchs- und Erprobungsboot der Marine-Ujagdversuchsstelle und Schulboot der Marineunterwasserwaffenschule (1956–1963)
Klasse 360/361 mini|Hansa 1972 in Rendsburg
Die beiden Küstenwachboote der Klassen 360 und 361 Hansa und Niobe waren Prototypen für die 18 Küstenwachboote der Klasse 362, die sich später in die Klassen 393 (Ariadne-Klasse) und 394 (Frauenlob-Klasse) aufteilte.Siegfried Breyer, Gerhard Koop: Die Schiffe, Fahrzeuge und Flugzeuge der deutschen Marine von 1956–1976, Bonn 1978, ISBN 3-7637-5155-6, S. 214 ff.
Hansa und Niobe waren äußerlich ähnlich, unterschieden sich jedoch in ihrer Antriebsanlage. Beide Boote wurden 1958 im 3. Hafenschutzgeschwader in Dienst gestellt und wechselten 1960 zum 2. Küstenwachgeschwader, das 1965 in 10. Minensuchgeschwader umbenannt wurde. Sie wurden mehrfach umklassifiziert und später unterschiedlichen Aufgaben zugeführt.Siegfried Breyer, Gerhard Koop: Die Schiffe, Fahrzeuge und Flugzeuge der deutschen Marine von 1956–1976, Bonn 1978, ISBN 3-7637-5155-6, S. 211 ff. Im Einzelnen: Niobe, Klasse 361, ab 1968 Klasse 391, Küstenwachboot bis 1969, anschließend Umbau zum Sperrwaffen-Lenkboot (Erprobungsboot Klasse 740) und Dienst bei der Marinesperrwaffenversuchsstelle und der Erprobungsstelle 71. 1976 außer Dienst gestellt und verkauft. Hansa, Klasse 360, ab 1968 Klasse 392, Küstenwachboot bis 1968, anschließend Umbau zum Minentaucherboot Klasse 732, Schulboot der Minentaucherkompanie bis Außerdienststellung.
Klasse 368 mini|Ehemaliger KFK nach Ende seiner Dienstzeit in der Bundesmarine aufliegend
Die Bundesmarine übernahm am 1. Juli 1956 zehn als Wachboot eingesetzte Kriegsfischkutter des Seegrenzschutzes und das auf demselben Typ basierende Segelschulboot Nordwind. Die Wachboote bildeten das 1. Hafenschutzgeschwader, das 1960 in 1. Küstenwachgeschwader umbenannt wurde. Ab 1963 wurden sie als militärische Einheiten außer Dienst gestellt und zum größten Teil verkauft. Die Nordwind, zuletzt zivil besetzt, wurde 2006 außer Dienst gestellt und dem Deutschen Marinemuseum in Wilhelmshaven als aktives Museumsschiff übergeben.Siegfried Breyer, Gerhard Koop: Die Schiffe und Fahrzeuge der deutschen Bundesmarine. 1956–1976. Bernard und Graefe, München 1978, ISBN 3-7637-5155-6. S. 169 ff
Klasse 369 mini|KW 16 1972 in Kiel mini|KW 19 als Ausstellungsstück in Horumersiel
Die sechs Küstenwachboote der Klasse 369 sind von der Labor Service Unit (B) der United States Navy bei der Lürssen-Werft in Vegesack gebaut und 1953 in Dienst gestellt worden. Sie bildeten die Weser River Patrol und waren unbewaffnet. Am 30. November 1956 wurden die Boote von der Bundesmarine als H 15 bis H 20 übernommen und dem 3. Hafenschutzgeschwader in Kiel zugeteilt. Nach dessen Umbenennung in 3. Küstenwachgeschwader wurden die Bezeichnungen der Boote etwa 1960 in KW 15 bis KW 20 geändert.
Während ihres Diensts in der Bundesmarine hatten die Boote eine Besatzung von 17 Mann. Sie waren mit zwei 20mm-Flak in Einzellafetten (KW 19: 4 20mm-Flak in Doppellafetten) bewaffnet. Ihre Höchstgeschwindigkeit betrug 25 Knoten.Siegfried Breyer, Gerhard Koop: Die Schiffe, Fahrzeuge und Flugzeuge der deutschen Marine von 1956–1976, Bonn 1978, ISBN 3-7637-5155-6, S. 173 ff.
Im Einzelnen: Vier Boote (15, 16, 17, 20) wurden 1963 außer Dienst gestellt und aufgelegt. Sie wurden 1964 als BG 1 bis BG 4 an den im Aufbau befindlichen Bundesgrenzschutz (See) ausgeliehen und anschließend an die Bundeswehr zurückgegeben, wo sie unter dem Wehrbereichskommando I als Sicherungsboote des Schießplatzes Todendorf eingesetzt wurden. Sie wurden etwa 1993/4 durch die Boote der Todendorf-Klasse ersetzt. KW 18 wurde 1965 außer Dienst gestellt und anschließend als zivil besetztes Verbindungsboot der Wehrbereichskommandos I eingesetzt. Ab 1967 wurde es wie die vorgenannten Boote zur Sicherung des Schießplatzes Todendorf abgestellt und ebenfalls 1993 außer Dienst gestellt. Seitdem liegt es als Museumsschiff und Café im hessischen Singliser See. KW 19 diente nach der Zeit im 3. Küstenwachgeschwader zunächst als Schulboot der Marineartillerieschule, später als Verbindungsboot des Marinestützpunktkommandos Borkum, bis es 1981 außer Dienst gestellt wurde. Seit 1985 liegt es in Horumersiel und fungiert als Kameradschaftsheim einer Marinekameradschaft.
Klasse 438/439 mini|Ein ehemaliges Torpedofangboot der Kriegsmarine in amerikanischen Diensten. Diese Boote wurden ab 1956 von der Bundesmarine übernommen
Bei den Torpedofangbooten der Klassen 438/439 handelt es sich um ehemalige Arbeitsboote der Kriegsmarine und eventuell der Luftwaffe aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Boote fielen anschließend in alliierte Hände, größtenteils der USA. Die United States Navy setzte sie als Patrouillenboote auf Rhein und Weser ein, z. B. in der Rhine River Patrol. In dieser Zeit führten sie als Kennung P-60XX. Einige waren zeitweise in privatem Besitz. Bei Aufstellung der Bundesmarine 1956 übernahm diese 19 der Boote für verschiedene Aufgaben, darunter Ausbildung, Unterstützung von Erprobungs- und Versuchsstellen, Vermessungen oder Absicherung des Schießplatzes Todendorf. Die meisten führten an Stelle von Namen nur Kennungen, nur wenige Boote führten einen Namen. Sie waren unbewaffnet und hatten meist eine zivile Besatzung von etwa 7 Mann. Es handelte sich um folgende Boote:Siegfried Breyer, Gerhard Koop: Die Schiffe, Fahrzeuge und Flugzeuge der deutschen Marine von 1956–1976, Bonn 1978, ISBN 3-7637-5155-6, S. 291 ff. TF 1, Marinefernmeldeschule, Erprobungsstelle 71, 1973 verkauft TF 2, Marinefernmeldeschule, Erprobungsstelle 71, zu unbekanntem Zeitpunkt verkauft TF 3, Marinefernmeldeschule, Erprobungsstelle 71, 1974 verkauft TF 4, Marinefernmeldeschule, Erprobungsstelle 71, 1970 ausgesondert TF 25, Marineunterwasserwaffenschule, als AM 1 (II) zu Erprobungsstelle 72, 1967 Abgabe an Griechenland, dort in Dienst als BB 15 Idi TF 26, Marineunterwasserwaffenschule, als AM 2 (I) zu Erprobungsstelle 72, umbenannt in Dienstboot Seefalke, 1971 über VEBEG verkauft TF 101, ab 1959 bei Erprobungsstelle 71, Verbleib? TF 102, ab 1959 bei Erprobungsstelle 71, Verbleib? TF 103, ab 1959 bei Erprobungsstelle 71, 1976 ausgesondert TF 105, ab 1959 bei Erprobungsstelle 71, Verbleib? B 1, Marineartillerieversuchsstelle, dann als TF 109 Erprobungsstelle 71, Verbleib? B 2, Marineartillerieversuchsstelle, dann TF 110 Erprobungsstelle 71, ca. 1970 umbenannt in Woge, 1976 ausgesondert B 3, Marineartillerieschule, umbenannt in Barbara, 1974 verkauft B 4, Marineunterwasserwaffenschule, umbenannt in MV 1, als AM 1 (I) zu Erprobungsstelle 72, 1967 Abgabe an Reservistenverein Düsseldorf B 5, Marineunterwasserwaffenschule, 1966 außer Dienst, als AK 5 zu Marinearsenal Kiel, dort später Radarbeschickungsboot Welle, 1975 ausgesondert Todendorf, Sicherheitsboot Schießplatzkommando Todendorf, 1970 verkauft Putlos, Sicherheitsboot Schießplatzkommando Todendorf, 1972 verkauft Hohwacht, Sicherheitsboot Schießplatzkommando Todendorf, 1974 abgegeben an Marine-Reservistenverband Bremen Heiligenhafen, Sicherheitsboot Schießplatzkommando Todendorf, 1976 verkauft
Klasse 906