Die brasilianisch-portugiesischen Beziehungen beschreiben das zwischenstaatliche Verhältnis zwischen Brasilien und Portugal. Die Beziehungen gehen auf die Ankunft des portugiesischen Entdeckers Pedro Álvares Cabral im Jahr 1500 zurück, der als erster Europäer im bis dahin hier unbekannten Südamerika landete. Brasilien gehörte danach mehr als drei Jahrhunderte zum portugiesischen Kolonialreich.

Bis heute verbinden die beiden Länder engste Beziehungen, wobei Brasilien mit seiner fast zwanzigmal größeren Bevölkerung und fast hundertmal größeren Fläche die international größere Rolle spielt. Neben der gemeinsamen portugiesischen Sprache und den engen Beziehungen in Wirtschaft, Kultur, Sport und Politik bestehen auch auf allen anderen Ebenen eine Fülle weitergehender Verbindungen, angefangen von vielfältigen Beziehungen zwischen Bürgern beider Länder bis hinauf zu internationalen Institutionen wie der gemeinsamen Mitgliedschaft in der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder und der Iberoamerikanischen Konferenz der Nationen. Auch die gegenseitige Migration ist von großer Bedeutung.

Geschichte mini|Die Landung Cabrals in Porto Seguro 1500, Gemälde des brasilianischen Malers Oscar Pereira da Silva mini|Karte Brasiliens von 1519 Bis zur Unabhängigkeit 1822

Mit der Landung des portugiesischen Entdeckers Pedro Álvares Cabral in Porto Seguro am 22. April 1500 begann die Besitznahme des bisher unbekannten Brasiliens für die portugiesische Krone. Nach dem 1494 geschlossenen portugiesisch-spanischen Vertrag von Tordesillas stand das Gebiet dem König Portugals zu, der es 1534 in Capitanias aufteilte und an portugiesische Adlige vergab, den Capitães-Mor.

Die Portugiesen trafen auf die friedliche Indigene Bevölkerung Brasiliens. Einerseits versuchten sie danach erfolglos, die Eingeborenen zu versklaven. Andererseits kam es aber auch zu Vermischungen und kultureller Annäherung. So blieb Guaraní lange die lingua franca in weiten Teilen der Kolonie, bis Portugiesisch sich durchsetzte. Der Portugiese Caramuru gehört zu den bekanntesten Kolonisten, die brasilianische indigene Frauen heirateten und zu wichtigen Verbindungspersonen zwischen alter und neuer Bevölkerung Brasiliens wurde. Später wurde der Jesuitenpadre António Vieira der bekannteste Fürsprecher der indigenen Bevölkerung Brasiliens und kritisierte offen ihre rechtlos gewordene Situation.

Nach dem anfänglichen Export des namensgebenden Brasilholzes wurde der Anbau von Zuckerrohr bedeutendster Wirtschaftsfaktor der neuen Kolonie, die zudem mit ihrer steigenden Nachfrage nach Sklaven aus den portugiesischen Besitzungen in Afrika den portugiesischen Sklavenhandel beflügelten. Die heutige afrobrasilianische Kultur hat hier ihre Wurzeln, etwa mit den afrobrasilianischen Religionen, Musikinstrumenten wie dem Berimbau, dem Batuque oder dem international bekannten Capoeira-Kampftanz.

Mit dem Ende der portugiesischen Erbfolge 1580 kam Portugal in eine Personalunion mit dem Königreich Spanien. In der Folge erlebten die portugiesischen Besitzungen eine Schwächung, und Brasilien erlitt eine Reihe vor allem französischer und niederländischer Angriffe. Mit der wiedererlangten Unabhängigkeit Portugals nach dem Restaurationskrieg ab 1640 verstärkte Portugal seine Aufmerksamkeit auf Brasilien wieder und suchte dort nach neuen Einnahmequellen, die das ausgeblutete Mutterland dringend benötigte.

Der portugiesische König D. João IV. gründete 1649 die Handelskompanie Allgemeine Gesellschaft des Brasilienhandels (port.: Companhia Geral do Comércio do Brasil), die vor allem den Zucker- und Sklavenhandel kontrollieren und optimieren sollte. Sie konnte im weiteren Verlauf zwar die kommerziellen Erwartungen nicht voll erfüllen, spielte jedoch eine wichtige Rolle bei der militärischen Sicherung des Überseehandels zwischen Portugal und Brasilien in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Entscheidende Bedeutung hatte sie im Januar 1654 auch bei der endgültigen Vertreibung der Niederländer aus dem brasilianischen Nordosten, wo sich die Niederländische Westindien-Kompanie ab 1624 festgesetzt hatte.

Der einsetzende Abbau von brasilianischen Bodenschätzen im 17. Jahrhundert, insbesondere von Gold, führte erneut zu einem enormen Reichtum, der sich sowohl im Abfluss immenser Kapitalströme in das Mutterland Portugal, als auch in der Kolonie selbst zeigte. Das architektonische Erbe in barocken Städten wie Ouro Preto oder der damaligen Hauptstadt Salvador (heute beide UNESCO-Welterbestädte) sind in Brasilien als Belege erhalten geblieben, während in Portugal die zahlreichen Herrenhäuser und vergoldeten Kirchenaltäre (Talha dourada) bis heute Zeugnis dieses erneuten Reichtums ablegen.

Ab dem 17. Jahrhundert zogen die sogenannten Bandeirantes weiter ins Landesinnere auf der Suche nach Gold, Diamanten und Sklaven. Sie erweiterten damit das Gebiet Brasiliens über die ursprünglichen Grenzlinien des Tordesillas-Vertrages hinaus. Damit entwickelte sich nun auch zunehmend eine eigene brasilianische Identität. mini|Gliederung Brasiliens im Jahr 1817 Im 18. Jahrhundert kam zudem der Kaffeeanbau nach Brasilien und entwickelte später eine bedeutende Rolle in der Entwicklung Brasiliens. Die wohlhabenden „Kaffeebarone“ waren eine Folge dieses neuen Wirtschaftsfaktors und verlagerten das wirtschaftliche Zentrum Brasiliens nach Süden. In der Folge löste Rio de Janeiro die Hauptstadt Salvador als bedeutendste Stadt der Kolonie ab und wurde 1815 Hauptstadt. Zudem nahm das bürgerlich geprägte São Paulo stark an Bedeutung zu. Die schon länger aufgekommene Tendenz zu einer eigenen brasilianischen Gesellschaft verstärkte sich dabei wesentlich, mit dem Tiradentes-Aufstand 1792 als endgültigem Erweckungssignal der Brasilianischen Unabhängigkeitsbewegung.

Mit der Flucht des portugiesischen Königshauses vor der Napoleonischen Invasion Portugals wurde Rio de Janeiro 1808 de facto Hauptstadt des Königreichs Portugal, somit faktisch erste in einer Kolonie gelegene Hauptstadt eines Kolonialreichs, ein historisch einzigartiger Fall. In der folgenden Entwicklung bis zur Liberalen Revolution in Portugal wurde Brasilien zunächst als Teil des Vereinigten Königreichs von Portugal, Brasilien und den Algarven (1815–1822) aufgewertet. Jedoch hatte sich bereits eine eigene bürgerliche Gesellschaft in Brasilien entwickelt. So wurden auf dem Wiener Kongress 1815 Brasilien und Portugal bereits als gleichgestellte Königreiche festgelegt. Damit war Brasilien nun keine Kolonie mehr.

Nach dem Ende der französischen Bedrohung in Portugal kehrte König D. João VI. 1821 nur widerwillig nach Lissabon zurück und ließ seinen Sohn in Rio de Janeiro als Regenten Brasiliens zurück. Dieser erklärte am 7. September 1822 in São Paulo Brasilien für unabhängig und wurde als D. Pedro I. erster Kaiser des unabhängigen Kaiserreichs von Brasilien. Die Unabhängigkeitserklärung Pedros in der Nähe des Flüsschens Ipiranga in São Paulo mit den dramatischen Worten „Unabhängigkeit oder Tod“ (port.: Indepêndencia ou morte) ging als „Ruf vom Ipiranga“ (Grito do Ipiranga) in die Geschichte ein.

Seit der Unabhängigkeit mini|1895 nahmen Brasilien und Portugal ihre diplomatischen Beziehungen wieder auf, nachdem Brasilien sie 1894 unterbrochen hatte, als die portugiesische Fregatte Mindello brasilianische Aufständische vor der Verfolgung rettete Mit dem bilateralen Vertrag von Rio de Janeiro 1825 besiegelten beide Länder die Unabhängigkeit Brasiliens und schlossen ein enges Bündnis.

Nach antiportugiesischen Bewegungen und Militäraufständen dankte Kaiser Pedro I. 1831 ab und ging nach Portugal, wo er danach in Erbfolge als D. Pedro IV. portugiesischer König wurde. Sein bereits in Rio de Janeiro geborener Sohn D. Pedro II. wurde 1831 zweiter Kaiser Brasiliens. Am 24. Februar 1891 wurde Brasilien zur Republik.

Die 1910 ausgerufene Republik Portugal wurde von Brasilien anerkannt.

Im Ersten Weltkrieg (1914–1918) gehörte Portugal nach der deutschen Kriegserklärung 1916 den Alliierten an. Auch Brasilien gehörte den Alliierten an, trat jedoch nicht aktiv ins Kriegsgeschehen ein.

1930 errichtete Getúlio Vargas eine Diktatur in Brasilien, die er 1937 zum brasilianischen Estado Novo ausrief. Trotz seiner offenen Sympathien für die faschistischen Diktaturen in Europa, zu denen spätestens seit 1932 auch das portugiesische Estado-Novo-Regime zählte, blieb Brasilien politisch auf der Seite der USA. Beide Estado-Novo-Diktaturen blieben dabei freundschaftlich verbunden, ohne ihre Beziehungen zu sehr zu intensivieren. mini|Portugiesisches Straßenpflaster an der Copacabana in Rio de Janeiro: die kulturellen und historischen Verflechtungen verbinden Brasilien und Portugal bis heute auf vielfältige Weise Im Zweiten Weltkrieg (1939–1945) blieb Portugal neutral, während Brasilien 1942 den Achsenmächten den Krieg erklärte und ab 1944 ein brasilianisches Kontingent im Dienst der Anti-Hitler-Koalition aktiv in Europa einsetzte. Das neutrale Portugal war derweil eine wichtige Durchgangsstation für zahllose Flüchtlinge, die vor Nazideutschland auch nach Brasilien flohen. Nach dem Krieg gelang dann ehemaligen Nazi-Größen die Flucht nach Brasilien (darunter später auch Josef Mengele), teilweise auch über Portugal.

Nach dem brasilianischen Militärputsch 1964 unterhielt das autoritäre Salazar-Regime in Portugal gute Beziehungen zur Militärdiktatur in Brasilien (1964–1985), auch im Sinne ihrer Propaganda einer historisch-zivilisatorischen Mission Portugals als ewig fortbestehendem ersten Weltreich der Geschichte. Beide Diktaturen unterstützten sich, etwa im Portugiesischen Kolonialkrieg oder bei international diskutierten Menschenrechtsfragen. Die Beziehungen wurden jedoch, auch mangels gemeinsamer geopolitischer Interessen, nicht zu eng. So fanden etwa politische Flüchtlinge stets im jeweils anderen Land Zuflucht. Daneben blieb der rege Kulturaustausch lebendig. So waren portugiesische Stars wie der komische Schauspieler Raul Solnado oder die später zu Weltruhm gelangte Sängerin Amália Rodrigues häufig in Brasilien auf Tournee oder im Fernsehen zu sehen.

Nach der Nelkenrevolution am 25. April 1974 ging Marcelo Caetano, seit 1968 Regierungschef der portugiesischen Diktatur, nach Brasilien ins Exil. Die brasilianisch-portugiesischen Beziehungen blieben zwar gut, entwickelten sich jedoch wenig intensiv, bis auf den anhaltenden kulturellen Austausch und die Flucht portugiesischen Kapitals nach Brasilien. Während in Brasilien die rechte Militärdiktatur weiter herrschte und eine nach innen gerichtete Politik beibehielt, entwickelte sich die ursprünglich linksgerichtete Revolution in Portugal zunehmend in Richtung Europäischer Gemeinschaft. mini|Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff und Portugals Präsident Cavaco Silva im Palácio de Belém (2013) Mit dem Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft 1986 mit Privatisierungen und Marktliberalisierungen in Portugal und dem gleichzeitigen Ende der rechten Militärdiktatur in Brasilien intensivierten sich die ohnehin nie schwachen Beziehungen wieder deutlich. So stieg Portugal im Verlauf der 1990er Jahre zum zwischenzeitlich zweitgrößten Investor in Brasilien auf und es setzte nun erstmals eine nennenswerte Einwanderung auch aus Brasilien nach Portugal ein.

1996 gründeten Brasilien und Portugal zusammen mit den portugiesischsprachigen Ländern Afrikas die Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder (Comunidade dos Países de Língua Portuguesa, CPLP). Die CPLP ist seither ein weiteres bedeutendes Forum der gegenseitigen Beziehungen.