mini|Flügelaltar von ca. 1510 mit der neugotischen Büste der hl. Gertrud, in der Mittelkapelle bzw. Gertrudskapelle des Augsburger Doms mini|hochkant|Epitaph des Kanonikers von St. Gertrud Georg Hösle im Kreuzgang des Augsburger Doms St. Gertrud war eine kleine Stiftskirche in Augsburg auf dem Areal des Ostchors des heutigen Augsburger Doms, die Mitte des 14. Jahrhunderts abgetragen wurde. Das gleichnamige Kollegiatstift bestand bis zur Säkularisation.
Geschichte Der Augsburger Bischof Embriko Graf von Leiningen († 1077) stiftete 1071 östlich des Doms ein kleines Kollegiatstift mit Kapelle als Oratorium und stattete es mit reichlich Grundbesitz aus. Das Patrozinium zu Ehren der hl. Gertrud von Nivelles weist auf eine ältere Kapelle außerhalb der Stadtmauern hin, die aufgegeben wurde. Das Stift, das dem Domkapitel unterstand, zählte anfangs drei und später fünf Kanonikerstellen. St. Gertrud besaß kein Stiftsgebäude. Da es eng an den Dom gebunden war, blieb es unbedeutend. Die Einkünfte wurden in Personalunion von Angehörigen des Domkapitels verwaltet.
Da die Kirche der Erweiterung des romanischen Doms im Wege stand, wurde sie Mitte des 14. Jahrhunderts abgetragen. An ihrer Stelle errichtete man 1356 den Ostchor des heutigen Doms. Als Ersatz erhielten die Chorherren im neuen 1431 fertiggestellten Hochchor die Gertrudkapelle, heute auch als Mittelkapelle bekannt. Das ehemalige Altarblatt, das die Kommunion der Hl. Gertrud zeigt, befindet sich seit 1859/63 in der Kirche St. Bartholomäus in Diedorf. Im Zuge der Säkularisation wurde das Stift 1802 aufgehoben.
Liegenschaften Die Güter bestanden zeitweise aus Besitzungen in Konradshofen, Waltenhausen, Lauben, Mühlhausen, Bobingen, Inningen, Wald, Münster (Lech)Felix Guffler / Gerhard Pfitzmaier: Münster oder Münsterhausen? Diskussion der Stiftungsurkunde von St. Gertrud in Augsburg in Bezug auf die Erstnennung der beiden Orte, in: Zeitschrift des historischen Vereins für Schwaben, 117. Band, Jahrgang 2025, Seite 127–134 Westendorf, Ringingen, sowie Weingütern und weitere Gütern in Bozen, Osten, Ober- und Untermiemingen, Absam, Müllen, Garmisch. Bis zur Aufhebung beschränkte sich der Besitz im Landkreis Augsburg auf einzelne Güter, wie ein Hof in Neusäß, sowie ein Gut in Kutzenhausen.Joachim Jahn: Augsburg Land (= Historischer Atlas von Bayern. Reihe 1: Schwaben, Heft 11). Lassleben, Kallmünz 1984, ISBN 3-7696-9924-6, S. 343 (Zugl.: München, Univ., Diss., 1981).
Persönlichkeiten Ludwig von Helfenstein († 1285), Dompropst, Propst bei St. Gertrud Matthäus von Pappenheim (1458–1541), Kanoniker, Domherr, seit 1492 Probst bei St. Getrud Gregor Aichinger (1564–1628), Domkapellmeister, Domchorvikar, Kanoniker bei St. Gertrud Zacharias von Furtenbach († 1633), Domdekan, Generalvikar, seit 1600 Probst bei St. Getrud Georg Hösle (1649–1727), Pfarrer in Ettelried, Chorvikar, seit 1703 Kanoniker bei St. Gertrud Thomas Joseph von Haiden (1739–1813), fürstbischöflich Geheimer Rat, Kanoniker bei St. Gertrud
Literatur Albert Haemmerle: Die Canoniker der Chorherrenstifte St. Moritz, St. Peter und St. Gertrud bis zur Säkularisation. Privatdruck, München 1938.
Weblinks Eintrag in Stadtlexikon Augsburg
Einzelnachweise
Gertrud Kategorie:Kollegiatstift Kategorie:Kollegiatstiftskirche in Deutschland Gertrud Kategorie:Kirchengebäude in Europa Gertrud Kategorie:Gründung einer religiösen Organisation 1071 Kategorie:Zerstört im 14. Jahrhundert Kategorie:Gertrud-von-Nivelles-Kirche Gertrud