Digital Multimedia Broadcasting [], kurz DMB, ist ein digitales Übertragungssystem. Mit DMB werden Mobilgeräte, z. B. Handys, via Satellit (S-DMB) oder terrestrische Übertragung (T-DMB) mit Daten versorgt. T-DMB basiert auf dem Hörfunk-Standard DAB, der um audiovisuelle Inhalte erweitert wurde.
Geschichte 1998 wurden Gert Siegle und Hamed Amor für die sichere Bewegtbildübertragung für den Deutschen Zukunftspreis nominiert und schufen die technischen Voraussetzungen Nominiert 1998 - Sichere Bewegtbildübertragung. DMB als Übertragungstechnik wurde von der Robert Bosch GmbH und dem Heinrich-Hertz-Institut entwickelt, später aber hauptsächlich von asiatischen Mobilfunkanbietern adaptiert und als kommerzielles Produkt vermarktet. In Europa wurde DMB kaum kommerziell verwendet, in einigen Projekten getestet, jedoch in Deutschland vom Markt nicht angenommen. In Österreich und in der Schweiz wurde es nie eingeführt. Frankreich verwendete diesen Standard und die Geräteindustrie hatte durch Mehrnormkompatibilität reagiert. Auch über Satellit gab es eine Radioübertragungsnorm, die nach Jahren wegen zu geringer Verbreitung nicht mehr genutzt wurde.
Technik Technisch gesehen erweitert T-DMB DAB um audiovisuelle Inhalte. Für Video kommt dabei H.264, für Audio BSAC oder AAC+ und für im begrenzten Maße lokal interaktive Inhalte das Binary Format for Scenes (BIFS) zum Zuge. Eine zusätzliche Fehlerkorrektur sorgt für eine hohe Übertragungssicherheit im mobilen Einsatz. Es ist, je nach Fehlerschutz, eine Netto-Datenrate von bis zu 1,5 Mbit/s (typisch 1 Mbit/s) möglich, was zur Übertragung von drei bis vier TV-Programmen zuzüglich Audioprogrammen und Datendiensten in einem DAB-Ensemble ausreicht.
Die Spezifikation von DAB/DMB schließt mit verschiedenen Modi den Einsatz im Bereich von 30 MHz bis 3 GHz ein.
DMB erweitert DAB, wodurch DMB die volle Funktionalität von DAB erbt. Es ist somit zudem ein Mischbetrieb aus konventionellen DAB-Diensten und -Formaten mit neuen DMB-Videodiensten möglich. Jeder Empfänger kann erkennen, um welche Services es sich handelt, und kann entscheiden, ob er sie verwenden kann oder ob er sie ignorieren muss. So kann man ein Ensemble zum Beispiel mit drei DAB-Audioprogrammen (MPEG-1-Audiolayer-2-Codierung) und einem DMB-spezifischen Videoservice (MPEG-Transportstrom mit H.264-Video und AAC+/BSAC-Audio) und zusätzlichen Datendiensten wie beispielsweise MOT-BWS und IP-basierter Übertragung von Multimediadiensten im füllen, die bereits im DAB-Standard spezifiziert sind.
IP-basierte Dienste können über DAB-Ensembles ebenfalls gesendet werden. Da DMB die volle DAB-Funktionalität miterbt, ist auch ein DMB-Ensemble (genauer gesagt ein DAB-Ensemble oder DAB/DMB-Mischensemble) in der Lage, IP-basierte Übertragung von Multimediadiensten im zu übertragen. Ein Beispiel dafür ist BT-Lifetime in England. BT-Lifetime beruht – wie DAB und DMB – auf dem europäischen und weltweiten Standard EUREKA 147 zur Übertragung von digitalen Radio-, Video- und Multimedia-Inhalten. Zur Decodierung ist allerdings eine zusätzliche Dekoder-Software erforderlich, die auch das Internet-Protokoll unterstützt. Umgekehrt sind auch BT-Lifetime-Empfänger heute ohne eine zusätzliche softwareseitige Aufrüstung nicht DMB-fähig; teilweise wird auch eine Umrüstung nicht möglich sein. DAB Audio Services können jedoch empfangen und dekodiert werden. Im Projekt Digital Extended Broadcasting soll dagegen durch eine IP-basierte Lösung für DAB eine standardisierte Schnittstelle für DAB, DVB-H und UMTS/MBMS spezifiziert werden. Sollte diese Schnittstelle eingeführt werden, so könnte sie allerdings nur durch neue Geräte unterstützt werden. Neue sowie alte Geräte können jedoch nach wie vor die bisherigen Programme empfangen, so dass ein weicher Übergang gewährleistet wäre. DxB wurde allerdings in WorldDAB abgelehnt und eine Einführung ist dadurch nicht direkt zu erwarten. Bemühungen zur Harmonisierung und Kombination verschiedener Standards (z. B. auf Basis von Universalempfängern) gibt es aber nach wie vor. Nach eigenen Angaben hat der japanische Elektronikhersteller Sharp den ersten Dual-Empfänger entwickelt, der DVB-H- und DMB-Signale empfangen kann. Die Produktion soll voraussichtlich im Juli 2007 aufgenommen werden.
Eine andere Art von Time Slicing ist mit dem Ziel einer verringerten Stromaufnahme der Empfänger über entsprechende Signalisierungsparameter möglich und im Grundstandard von DAB vorgesehen. Um begriffliche Verwirrungen zu vermeiden, wurde erst kürzlich der Begriff Micro Time Slicing geschaffen. Dieses basiert auf kurzen Bursts von einigen Millisekunden Länge, wobei die Einschaltzeit im Wesentlichen von der Datenrate des Dienstes abhängig ist. Bisher wurde diese Feature bei DMB aber noch nicht eingesetzt, weil man die Energieeffizienz des DMB-Verfahrens bisher als ausreichend empfunden hat.
Die DAB-Abdeckung in Deutschland beträgt circa 80 %, wobei das existierende Angebot bisher von rund 200.000–300.000 (Stand 10/2006) Nutzern angenommen wurde. DMB als Erweiterung von DAB könnte die Kundenakzeptanz steigern und damit die getätigten Investitionen in DAB rechtfertigen. Denkbar wäre unter anderem ein Einsatz im Auto, da über DAB jetzt schon Verkehrsdaten (TMC, TPEG-ML) übertragen werden. DMB-Empfänger können in der Regel auch DAB decodieren. DAB wird weiterhin als reiner Audio-Service erhalten bleiben, und die heutigen DAB-Empfänger können weiterhin verwendet werden.
Einsatz Mitteleuropa Frequenzzuweisungen für DMB sind in Deutschland ab 2006 im Band III und im L-Band erfolgt. Zunächst war die maximale Sendeleistung auf 1 kW für das Band III und 4 kW für das L-Band beschränkt, in Süddeutschland wurde sie versuchsweise auf bis zu 10 kW im Band III und 6 kW im L-Band angehoben. Im Gegensatz zu Korea, wo der VHF-Frequenzbereich verwendet wird, sollte hier primär das L-Band verwendet werden. Allerdings lief das Projekt MI FRIENDS der Bayerischen Landesmedienanstalt auch im Band III, da dieses ebenfalls geeignet war.
Samsung, LG und Perstel hatten 2005 auf der IFA rund 18 verschiedene DMB-Empfängermodelle gezeigt. Da alle Landesmedienanstalten DMB-Lizenzen ausgeschrieben und lizenziert hatten, waren die rechtlichen Grundlagen für Mobiles Fernsehen im DMB-Standard für eine Abdeckung von rund 80 Prozent der Bevölkerung gelegt.
Watcha Das einzige kommerzielle DMB-Angebot in Deutschland war Watcha von MFD Mobiles Fernsehen Deutschland. Es startete 2006 und hatte eine technische Reichweite von mehr als 13 Millionen Menschen. Ausgestrahlt wurden Das Erste, ZDF, N24, ProSiebenSat.1 Mobile und MTV Music. Außerdem kam mit bigFM ein Radioprogramm hinzu, das mit schnell wechselnden Standbildern unterlegt war. Mit dem Samsung SGH-P900 (unterstützte nur L Band) und LG V9000 gab es zwei Handys, die DMB unterstützten und wegen der Abwärtskompatibilität zu DAB auch die freien DAB-Hörfunkprogramme empfangen konnten. Außerdem gab es noch die Multimedia-Player D2 DAB und D2+ DAB von Cowon mit DMB-Empfang sowie den Multimedia-Receiver B20 von iRiver mit einem 2,4-Zoll-TFT-Display, kaum größeren Gehäuse, Gewicht von ca. 75 g, eingebauten UKW-FM-Tuner, DAB- und DMB-Receiver und internen Speicher für Audio- und Video-Dateien, der über die USB2-Schnittstelle (gleichzeitig Akku-Lader) erreichbar war.
MFD gab die DMB-Lizenzen Ende April 2008 wieder zurück. In einem Schreiben an die Landesmedienanstalten teilte das Unternehmen mit, die Verbreitung der Programme von ProSiebenSat.1 Mobile und MTV Mobile einzustellen. Thomas Langheinrich, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten bilanzierte „Leider konnte sich das DMB-Format bei den Kunden nicht durchsetzen. Die Erwartungen haben sich nicht erfüllt“.
WDR-Mobil-TV In Köln lief von 2006 bis 2010 das DMB-Test-Programm WDR-Mobil-TV mit WDR-Fernsehen und Das Erste live in MPEG-4 QVGA 320 × 240 Pixel, 30 fps umcodiert mit 384 kbit/s, das auf dem VHF-Kanal 12 vom Kölnturm am Mediapark mit 10 kW in einem DMB/DXB-Multiplex (1/4 eines terrestrischen Fernsehkanals) ausgestrahlt wurde. 2011 konnte nur noch das Radioprogramm EinsLive mit wechselnden Standbildern (z. B. Musiktitel, News und aktuelle Temperaturen) empfangen werden. Ergebnis des Tests war, dass im portablen und mobilen Betrieb an den kritischen Stellen (z. B. Erdgeschoss im Haus, enge Stadtstraßen) beim DMB-Empfang weniger Tonstörungen und Aussetzer auftraten als beim DAB-Empfang über den gleichen VHF-Kanal.
Projekt MI FRIENDS Zu den umfassendsten Modellprojekten, mit der der Betrieb entgeltfinanzierten mobilen Rundfunks (Audio- und Videodienste) erprobt werden sollte, gehörte das aus vier Teilprojekten bestehende Projekt MI FRIENDS der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) in München. Italien, Österreich, Lichtenstein und die Schweiz nahmen über die Teilprojekte Bodensee und Südtirol/Transalp ebenfalls am Projekt der BLM teil. In: mi-friends.org
Im ersten Teilprojekt wurden in München vor, während und nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 insgesamt 12 DMB- und 19 DAB-Programme – darunter Das Erste, das ZDF und das Bayerische Fernsehen – in den jeweils 1,5 MHz breiten Frequenzblöcken LC und LG (UHF), 11C, 11D, 12A und 12D (VHF) ausgestrahlt. Drei Monate lang wurde beobachtet, wie etwa 190 Handy-Besitzer ihr Mobiltelefon für das Fernsehen nutzen.
Ein zweites zweijähriges Teilprojekt startete am 28. September 2006 in Regensburg mit rund 200 Nutzern. Die Programminhalte lieferten unter anderem der Bayerische Rundfunk, die Antenne Bayern, das Funkhaus Regensburg, das ostbayerische Regionalfernsehen TVA und das Studentenradio der Universität Regensburg sowie mehrere bundesweite Anbieter. Insgesamt wurden jeweils zwei Video- und Radiokanäle ausgestrahlt. Im Einzelnen waren dies Rmobil (ein Fernsehprogramm mit starkem lokalen Bezug für die mobile Nutzung) und Rmix (ein überregionales Fernsehprogramm) sowie Rockantenne2go und GongFM (jeweils ein Hörfunkprogramm mit Bildunterstützung). In Regensburg sollte getestet werden wie lokale Inhalte von den Nutzern angenommen werden.
Das Teilprojekt in der Bodenseeregion, bei dem die Nutzung im Freizeitverhalten getestet werden sollte, wurde nicht verwirklicht. Südtirol wurde als Testregion mit touristischer Nutzung und zur Erprobung in topografischen Problemzonen ausgewählt.
Die drei verwirklichten Teilprojekte wurden inzwischen abgeschlossen und ausgewertet. Die Ergebnisse der Begleitforschung wurden im Rahmen der Schriftenreihe der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien veröffentlicht. Bei der Auswahl der Testregionen stand im Vordergrund, Auswertungsergebnisse zu erhalten, die übertragbar auf nahezu alle europäischen Regionen sein sollten. Die BLM zieht als Fazit, für den Regelbetrieb sei die Frage der Refinanzierung von Infrastruktur- und Programmkosten bislang ungelöst und schreibt wörtlich: „Nicht zuletzt ist die Tatsache von entscheidender Bedeutung, dass eine deutliche Mehrheit der befragten Nutzer nicht bereit ist, für eine mobile Rundfunknutzung zusätzlich Entgelte zu bezahlen.“DMB-Pilotprojekt MI FRIENDS. In: blm.de
Südkorea In Südkorea ging im dritten Quartal 2005 der kommerzielle S-DMB-Service (S=Satellit) in Betrieb; dieser Dienst ist kostenpflichtig. Laut Aussage des MIC (Ministry for Information and Communication) verzeichnet T-DMB zum 1. April 2007 rund 1,3 Mio. Nutzer.
In Korea waren 2006 rund 50 verschiedene DMB-Empfänger-Typen auf dem Markt verfügbar. Die Preise lagen umgerechnet zwischen 80 und 800 € und unterteilten sich in folgende drei Hauptsegmente: Low Price (USB-Empfänger etc.) 80–120 US$ Mid Price (Mobiltelefone) 200–500 US$ High Price (reine DMB-Empfänger mit Bildschirm-Multimedia-Player und Navigation) 200–800 US$
DMB-Empfänger mit integrierter Navigation, MS-Multimedia-Player und Bild-im-Bild-Funktion auf Basis WIN CE 5.0 wurden bereits ab 550 US$ auf dem Markt angeboten. Das deutsche Unternehmen Blaupunkt bot bereits 2007 sein Navigationssystem Lucca 5.2 mit DMB in Korea an.