Das Museum für Naturkunde Berlin (auch Naturkundemuseum Berlin) ist das größte Naturkundemuseum in Deutschland. Die Bestände umfassen mehr als 30 Millionen Objekte. Ursprünglich Teil der Humboldt-Universität zu Berlin, ist es seit 1. Januar 2009 eine Stiftung des öffentlichen Rechts mit dem vollständigen Namen Museum für Naturkunde – Leibniz-Institut für Evolutions- und BiodiversitätsforschungGeschichte des Museums. Museum für Naturkunde; abgerufen am 26. August 2016. (häufig kurz Naturkundemuseum genannt; vor 1945: Zoologisches Museum der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin). Es ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft und befindet sich in der Invalidenstraße, in der Oranienburger Vorstadt im Ortsteil Mitte (Bezirk Mitte) von Berlin. Das Naturkundemuseum ist unter anderem über einen gleichnamigen U-Bahnhof zu erreichen. Seit dem 1. Januar 2009 ist das Museum für Naturkunde wegen der überregionalen Bedeutung und des gesamtstaatlichen Interesses an seiner Forschungsarbeit Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es versteht sich als ein integriertes Forschungsmuseum und strebt durch seine Aktivitäten hinsichtlich Bürgerwissenschaft und digitaler Erschließung seiner Sammlung an, ein „offenes integriertes Forschungsmuseum“ zu werden, das mit dem Aufgabendreiklang von Sammeln, Forschen und Vermitteln eine Funktion als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft einnimmt. Im englischsprachigen Raum ist auch die Kurzbezeichnung als Humboldt-Museum in Gebrauch, was jedoch irreführend ist, da sich ebenfalls in Berlin im Schloss Tegel ein Humboldt-Museum befindet, das sich den Brüdern Wilhelm und Alexander von Humboldt widmet.Humboldt-Museum – Schloss Tegel. In: Museumsportal Berlin, abgerufen am 26. August 2016.
Sammlungsgeschichte 19. Jahrhundert bis 1945 Als die Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, heute Humboldt-Universität zu Berlin, im Jahr 1810 eröffnete, wurden die bereits existierenden naturwissenschaftlichen und medizinischen Sammlungen zusammengefasst und erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. So gründeten sich das Geologisch-Paläontologische Museum, das Mineralogisch-Petrografische Museum und das Zoologische Museum und standen allen Interessenten für einen Besuch offen. Die stetig wachsenden Sammlungen aufgrund von Schenkungen, Ankäufen und Expeditionsfunden nahmen um 1880 rund zwei Drittel der Räumlichkeiten im Hauptgebäude Unter den Linden ein und „bildeten eine drückende Last“. Die königliche Staatsregierung beschloss daher 1874, am Ort der bereits geschlossenen Königlichen Eisengießerei in der Invalidenstraße Neubauten für die landwirtschaftliche Hochschule und die Sammlung des Museums für Naturkunde zu errichten. Der ausgeschriebene Architektenwettbewerb enthielt die Vorgaben, alle Sammlungselemente in möglichst einheitlicher Aufstellung zu ermöglichen. Gewinner des Wettbewerbs war der Architekt August Tiede, der anfangs noch eine gesonderte Magazinierung der Exponate vorgeschlagen hatte, dies aber dann aufgeben musste.
Als Folge entstand zwischen 1875 und 1880 unter der Oberbauleitung von Friedrich Kleinwächter und der Bauleitung des Regierungsbaumeisters Hein in der Invalidenstraße 43 ein mehrflügeliges Bauwerk. Die Eröffnung konnte am 2. Dezember 1889 gefeiert werden.Das Museum für Naturkunde der Königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin zur Eröffnungs-Feier. Ernst & Korn, Berlin 1889 (Digitalisat in der Zentral- und Landesbibliothek Berlin).
Entgegen ersten Planungen machte das Naturkundemuseum der Öffentlichkeit nur einen Teil seiner Bestände als Schausammlung zugänglich, während die Hauptsammlung der interdisziplinären Forschungsarbeit vorbehalten war. Diese heute gängige Praxis galt damals als revolutionär. Von 1914 bis 1917 wurde ein erster Gebäudeanbau errichtet.
In den 1910er und 1920er Jahren trug die Einrichtung in der Invalidenstraße den Namen Museum für Naturkunde und Zoologisches Institut. Sie untergliederte sich in das Geologisch-Paläontologische Institut und Museum, Mineralogisch-Petrographisches Institut und Museum, das Zoologische Institut und Museum und verfügte über mehrere Beschäftigte wie Hochschullehrer, Präparatoren, Kastellane, Heizer, Maschinenmeister, Diener, Hausmeister, Bibliotheksdiener.
Im Zweiten Weltkrieg wurde der Ostflügel des Museumsgebäudes am 3. Februar 1945 bei einem Tagesangriff der United States Army Air Forces stark beschädigt. Während große Teile des Gebäudes einstürzten, starben im Luftschutzraum mehrere Menschen. Von der Sammlung wurden große Wal-Skelette verschüttet und die Ausstellungssäle für Insekten und Säugetiere zerstört. Etwa 75 Prozent der Sammlung wurden in Sicherheit gebracht.
Nach dem Krieg bis 2015 Am 16. September 1945 wurde das Naturkundemuseum, das sich nun im sowjetischen Sektor Berlins befand, als erstes Berliner Museum nach Kriegsende wiedereröffnet. Im Oktober/November 1945 fand dort die erste Kollwitz-Ausstellung nach dem Ende des NS-Regimes statt.Ulrich Kuhirt (Hrsg.): Kunst der DDR. 1945–1959. E. A. Seemann Verlag, Leipzig 1982, S. 31 Die Jahre nach dem Krieg waren durch die Beseitigung der Kriegsschäden am Gebäude sowie der Sicherung der Sammlungen geprägt. Ab den 1950er Jahren zeigte das Museum neue Dauerausstellungen. Zur DDR-Zeit wurden die Sammlungen durch Funde aus Forschungsreisen nach Kuba, in die Mongolei und die Sowjetunion erweitert, so zum Beispiel durch versteinerte Pflanzen aus der mongolischen Steppe oder einem Korallenriff aus Kuba. Besuche von Vertretern westlicher Länder blieben dagegen die Ausnahme.
Im wiedervereinigten Deutschland wurde das Museum zunächst in die drei Institute Mineralogie, Paläontologie und Systematische Zoologie reorganisiert. Das Gebäude wurde renoviert und umfassenden Modernisierungen unterworfen. Im Jahre 2006 folgte eine weitere Umgestaltung in drei Abteilungen für Forschung, für Sammlungen sowie für Ausstellungen und Öffentliche Bildung.
2005 wurden die ausgestellten Saurierskelette vorläufig abgebaut, um Platz für die anstehende Sanierung des Daches und des gesamten großen Ausstellungssaales zu schaffen, die aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), des Landes Berlin und der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin finanziert wurde. Insgesamt wurden mit einem Volumen von rund 16 Millionen Euro vier Säle und ein Treppenhaus saniert und vollständig mit multimedialen Komponenten neu gestaltet. Am 13. Juli 2007 fand die Wiedereröffnung mit neuen Ausstellungen zur Evolution des Lebens und der Erde statt. Innerhalb eines Jahres nach dieser Wiedereröffnung besuchten über 731.000 Besucher das Museum.
Aufgrund seiner überregionalen Bedeutung erhielt das Museum für Naturkunde Berlin am 1. Januar 2009 per Gesetz den Status einer Stiftung öffentlichen Rechts und wurde als Mitglied in die Leibniz-Gemeinschaft aufgenommen.
Seit den 2020er Jahren Am 23. Dezember 2022 startete ein internationaler Architektenwettbewerb zur grundlegenden Instandsetzung des historischen Baubestandes, zu einer Ergänzung und Erweiterung der verfügbaren Flächen durch Neubauten. Der Auftrag lautet Museum für Naturkunde – Zukunftsplan Wissenschaftscampus, d. h. es soll ein neuer Wissenschaftscampus entstehen. Basis dieses Wettbewerbs ist die durch die Museumsleitung im Jahr 2018 erarbeitete Agenda „Zukunftsplan – konzeptionelle und bauliche Entwicklungsperspektiven für das Museum für Naturkunde Berlin“. Das Museum soll seiner Verantwortung als „Ort der Information, Reflexion und Diskussion mit der Gesellschaft“ gerecht werden. Die drei wesentlichen funktionalen Bereiche – Sammlungen und Sammlungsinfrastruktur, Forschungsinfrastruktur sowie Wissenschaftskommunikation / Besucherinfrastruktur – sollen gestärkt werden.
Baugeschichte Überblick mini|links|Grober Übersichtsplan des Bauensembles, Stand um 1910 Als Folge der kontinuierlich wachsenden naturwissenschaftlichen Sammlungen wurde ein komplexes neues Ausstellungsgebäude auf dem Gelände der ehemaligen Königlichen Eisengießerei in der Invalidenstraße geplant, in dem die drei oben genannten Museen vereinigt werden sollten. Das neue Gebäudeensemble erhielt bereits in der Planungsphase die Bezeichnung Museum für Naturkunde, bestehend aus der entsprechenden Zentralen Sammlung und den Teilen Preußische Geologische Landesanstalt mit Bergakademie (Geologische Landesanstalt und Bergakademie) und Landwirtschaftliche Hochschule Berlin.
Die Universitätsleitung schrieb zusammen mit dem Berliner Magistrat einen Architektenwettbewerb aus, den August Tiede mit seinem mehrflügeligen Projektvorschlag gewann.
Alle Baukosten einschließlich der Inneren Einrichtung betrugen etwa 3,2 Millionen Mark.
Baubeschreibungen mit An- und Umbauten mini|Grundriss des Naturkundemuseums mit Geologischer Landesanstalt und Bergakademie, 1886
August Tiede hatte die Bauten in Anlehnung an den Pariser Louvre einheitlich in historisierenden Klassik-Formen („im hellenistischen Sinne“) geplant. Die drei Gebäudeteile entlang der Invalidenstraße als Schauseite sind großzügig um einen ehrenhofartigen Vorplatz gruppiert. Verbindende Elemente waren Vorgärten, die 1883 bis 1889 nach Plänen des Gartenarchitekten Richard Köhler angelegt wurden und vor dem Zentralgebäude ein Springbrunnen. Außerdem wurde vom früheren Gießereigelände eine Fläche von rund 500 m² freigelassen, die für eine Verbreiterung der Invalidenstraße vorgesehen war. Und es sollten entsprechend den Bauplänen nach Fertigstellung des Komplexes alle drei Teile durch seitliche Hallen miteinander verbunden werden.
Alle Elemente des Bauensembles wurden von einem zentralen Kesselhaus beheizt, das auf dem dritten nördlichen Hof des Naturkunde-Bauwerks stand. Für die Ausstattung mit Möbeln (Schränke, Schubkästen, Konsolen, Querträger, Glasplatten) und Gerätschaften und der gesamten Farbgebung mussten individuelle Lösungen geschaffen werden.
Museum für Naturkunde Die Baufläche mit einem Umfang von 20.071 m² liegt auf der Parzelle Invalidenstraße 43. Bereits 1915/1916 erhielten die drei nördlichen Flügel des Hauptbaus einen Anbau zur Aufnahme der zoologischen Sammlung. (Was auch in der Namensgebung erkennbar wurde.)
Es handelt sich um einen fast quadratischen Hauptbau mit einer Frontlänge von 85 m, dem auf der Rückseite ein etwa 140 m langer vierflügeliger Quertrakt angefügt wurde, als einfacher Ziegelbau ausgeführt. Die nordwärts zeigenden Flügelbauten haben eine Länge von zirka 37 m und dazwischen liegen drei 23 m breite Höfe. Die Fassaden des Hauptbaus sind mit Tuffstein und Rackwitzer Sandstein verkleidet. Als weitere Wandmaterialien kamen Ziegelsteine, Alt-Warthauer Sandstein, Mainsandstein, polierter schwedischer Granit, belgischer Kalkstein und Kunstmarmor zum Einsatz.
Ein dreiachsiger leicht plastisch gegliederter überhöhter Mittelrisalit prägt die Straßenfassade des Gebäudes. Das oberste Geschoss ist geschmückt mit korinthischen Doppelsäulen, zwei Standbildern und drei Reliefbildnissen berühmter Naturwissenschaftler: Johannes Müller und Leopold von Buch sowie von Chr. G. Ehrenberg, Alexander von Humboldt und Chr. Sam. Weiß über den Fenstern des zweiten Stockwerks in lorbeerbekränzten Medaillons, geschaffen vom Bildhauer August Ohrmann. Eine breite Freitreppe führt in das Innere mit einem Foyer, gefolgt von einem Lichthof, der den großen Exponaten der Tiersammlung vorbehalten ist.
Die Sammlungs- und Arbeitsräume im Inneren sind weitgespannte Hallen auf Eisenstützen, die Gewölbe zwischen den Eisenträgern sind mit porigen Steinen gebildet. An den beiden Giebelseiten des Hauptgebäudes befinden sich große Treppenanlagen in Eisenkonstruktionen und Arbeitsräume für Aufsichtsbeamte der einzelnen Abteilungen des Museums. Die hinteren Flügelbauten sind mit Gipsgusskappen zwischen den Eisenträgern und einem tragenden Wellblechbelag abgeschlossen.