In der Liste der Stolpersteine im Landkreis Waldshut sind alle besonderen Pflastersteine in Gehwegen – sogenannte Stolpersteine – aufgeführt, die an die Opfer der nationalsozialistischen Diktatur in der Stadt Waldshut-Tiengen und naher Umgebung, im baden-württembergischen Landkreis Waldshut erinnern sollen.

Stolpersteine im Landkreis Waldshut Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Mit diesen kleinen Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die während des Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Sie werden in der Regel vor dem letzten frei gewählten Wohnsitz eines NS-Opfers niveaugleich in den Gehweg eingelassen.

Die ersten 14 Stolpersteine in Waldshut und Tiengen wurden am 14. und 15. September 2012 von Gunter Demnig verlegt. Am 7. September 2013 kamen weitere zehn Steine dazu, die ebenfalls von Demnig verlegt wurden. Fünf Steine wurden am 19. Oktober 2013 vom Bauamt verlegt. Die nächsten zehn setzte wieder Demnig persönlich am 22. August 2016 ein, davon je einen in Dogern, im Weilheimer Teilort Nöggenschwiel und im Albbrucker Teilort Unteralpfen. Die Verlegung des Stolpersteins für Willy Aufrichtig in Waldshut wurde am 9. November 2016 vom Bauamt vorgenommen. Am 5. März 2020 wurden die nächsten elf Steine, wieder von Gunter Demnig, in Tiengen, Waldshut, Unteralpfen und Laufenburg verlegt. Es folgte die Verlegung eines Stolpersteins in Birkendorf am 23. Juni 2022, sowie die Verlegung von neun Stolpersteinen am 23. Mai 2023 und zwei weiterer am 11. Dezember 2023 in St. Blasien. Insgesamt wurden bisher 63 Stolpersteine im Landkreis Waldshut in den Boden eingelassen.

Albbruck Bild Inschrift Adresse Verlege-datum Kurzbiographie 120px HIER WOHNTEPFARRERMAX GRAFJG. 1884DENUNZIERTVERHAFTET 1944VORWURF KANZELMISSBRAUCHGEFÄNGNIS WALDSHUT1945 DACHAUERMORDET 25.4.1945 Kirche Max Graf ist am 8. November 1884 in Hambrücken geboren. Am 6. Juli 1910 wurde er Priester. In den Jahren 1921–1926 wirkte Max Graf als Kaplaneiverweser in Kuppenheim und übernahm 1926–1937 die Pfarrei Wyhl am Kaiserstuhl. Ende 1933 fanden erste Überfälle der Hitlerjugend auf Mitglieder der katholischen und evangelischen Jugend statt. Wer sich zur Kirche bekannte, wurde verspottet und lächerlich gemacht. Durch den fast aussichtslosen Kampf um die Gesinnung der deutschen Jugend, nervlich bereits stark geschwächt, trat Max Graf 1937 in der kleinen Gemeinde Unteralpfen bei Waldshut seinen Dienst als Pfarrer an. Im Religionsunterricht versuchte er zu retten, was noch zu retten war. Die für seine spätere Verhaftung entscheidende Predigt hielt Pfarrer Max Graf am 14. Mai 1944, am Bittsonntag, worin er sich zum Sinn und Zweck des Bittgebetes äußerte. Diese Predigt bot für die Personen, für die Pfarrer Max Graf schon längst ein Dorn im Auge war, die Gelegenheit. 6 Wochen nach der verhängnisvollen Predigt erhielt Pfarrer Max Graf dann die Aufforderung, sich am 3. Juli 1944 bei der Gestapo in Waldshut einzufinden. Am 10. Oktober 1944 erschien die Gestapo gegen 22.30 Uhr vor dem Pfarrhaus in Unteralpfen und nahm Pfarrer Max Graf fest und am 7. Februar 1945 wurde er ins KZ Dachau eingeliefert. Max Graf starb am 25. April 1945 an Flecktyphus, 4 Tage vor der Befreiung des Konzentrationslagers. 120px HIER WOHNTEAUGUSTA JEHLEGEB. EBNERJG. 1901VERHAFTET 1943'VERBOTENER UMGANG'GEFÄNGNIS WALDSHUT1944 RAVENSBRÜCKERMORDET Leiterbachstraße 12 Augusta Jehle wurde 1901 in Happingen bei Dachsberg geboren und ist 1928 nach Unteralpfen gezogen. Nach dem Tod ihres Mannes arbeitete sie in der Mühle, um für den Unterhalt für ihre 5 Kinder zu sorgen. Bei dieser Arbeit lernte sie einen polnischen Kriegsgefangenen kennen, von dem sie einen Sohn gebar. Gegen diesen sogenannten Verstoß gegen die Rassengesetze wurde sie ins KZ Ravensbrück verschleppt, wo sie 1945 verstarb.Augusta Jehle

Dogern Bild Inschrift Adresse Verlege-datum Kurzbiographie 120px IN DOGERN GEBORENBENEDIKTINER-PATERATHANASIUSGERSTERJG. 1877VERHAFTET 1944'WEHRKRAFTZERSETZUNG'GEFÄNGNIS BERLINZUCHTHAUS BAYREUTHVERHUNGERT 15.3.1945 Pater-Gerster-Haus Pater Athanasius Gerster wurde am 4. August 1877, als August Gerster in Dogern geboren. In der Benediktinerabtei Seckau erhielt er den Namen Athanasius Gerster. Nach Aufhebung der Abtei und der Vertreibung der Mönche fand er Obdach in der Abtei Neuburg bei Heidelberg. Nach einer schicksalhaften Bahnfahrt im Sommer 1944 mit einem Gespräch mit Werkmeister wurde er von der Gestapo denunziert und am 24. Juli 1944 verhaftet und im Januar 1945 zu 3 Jahren Haft verurteilt. Am 15. März 1945 starb Athanasius Gerster, völlig entkräftet an Unterernährung.Athanasius Gerster

Laufenburg Bild Inschrift Adresse Verlege-datum Kurzbiographie 120px HIER WOHNTESIEGFRIEDLÖWENSTEINJG. 1875SCHUTZHAFT 1938UNFREIWILLIG VERZOGEN1939 STUTTGARTDEPORTIERT 1942TRANSIT-GHETTO IZBICAERMORDET Stadtweg 1 Siegfried Löwenstein ist 1875 in Rexingen bei Horb geboren. Mit seiner Frau Emilie zieht er nach dem 1. Weltkrieg von Cannstatt nach Laufenburg. 1920 erwirbt er mit seinen Brüdern Siegfried und Salomon das Ende der 1870er Jahre erbaute Dampfsägewerk. In der Reichskristallnacht 1938 wurde er in Schutzhaft genommen und nach Dachau gebracht. Er trug die Häftlingsnummer 20690. Am 7. Dezember 1938 wird er entlassen um 10 Tage später sein Sägewerk zu verkaufen. Der Erlös über 1,98 Millionen Reichsmark kam auf ein Sperrkonto. Er zieht, zusammen mit seiner Frau, am 6. April 1939 nach Stuttgart. Am 26. April 1942 wurden sie zusammen 626 anderen Personen, mit dem Reichsbahnzug DA56 nach Izbica ins dortige Transit-Ghetto gebracht. Nach Ankunft des Zuges, drei Tage später, verliert sich seine Spur.Siegfried Löwenstein 120px HIER WOHNTEEMILIELÖWENSTEINGEB. ROSENTHALJG. 1883UNFREIWILLIG VERZOGEN1939 STUTTGARTDEPORTIERT 1942TRANSIT-GHETTO IZBICAERMORDET Stadtweg 1 Emilie Löwenstein ist 1883 in Beerfelden im Odenwald geboren. Zusammen mit ihrem Man zog die damals 35-jährige Emilie ins badische Laufenburg. Ihre Ehe blieb kinderlos. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, musste sie, zusammen mit ihrem Mann, unfreiwillig nach Stuttgart ziehen. 1942 wurde sie ins Transit-Ghetto Izbica gebracht. 1949 ist sie, zusammen mit ihrem Mann, für tot erklärt worden.Emilie Löwenstein St. Blasien

Ühlingen-Birkendorf

Waldshut-Tiengen Tiengen Bild Inschrift Adresse Verlege-datum Kurzbiographie 120px HIER WOHNTEMORITZ MEIERJG. 1893FLUCHT 1933FRANKREICHINTERNIERT GURSFLUCHT 1942SCHWEIZÜBERLEBT Hauptstraße 2 Moritz Meier wurde am 19. August 1893 in Nonnenweier, bei Lahr, geboren. Er erlernte den Beruf des Viehhändlers und wurde 1914 in den Kriegsdienst einberufen. 1919 ließ er sich in Grießen als Landwirt und Viehhändler nieder. Er war der einzige Jude im Dorf. In Grießen fand er freundliche Aufnahme. 1923 heiratete Moritz Meier Martha Abraham aus Rust. Dem Ehepaar wurden zwei Kinder geboren. 1926 zog Moritz Meier mit Frau und Sohn nach Tiengen, wo sich die Gelegenheit bot, westlich der Altstadt ein landwirtschaftliches Anwesen zu kaufen. Meiers lebten vom Viehhandel und dem Milchverkauf an die Zentrale in Tiengen und an privat. Der Viehbestand konnte mit der Zeit beträchtlich erhöht werden. Zuletzt hatten sie 19 Milchkühe im Stall. Bis zu zwei Knechte halfen aus und auch ein Auto besaß Meier. Auch in Tiengen waren sie gut integriert. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten änderte sich das schnell. Er durfte seine Milch nicht mehr verkaufen. Nach mehrmaligen Verhaftungen setzte sich Meier Ende Juli 1933 in die Schweiz ab. Seine Familie folgte Anfang August. In Zürich fanden sie bei einer Schwester seiner Frau vorerst Unterschlupf. Von hier aus führte der Weg nach Frankreich. Im Tal der Loire, nahe Saumur und Angers, gelang es, das allerdings arg heruntergekommene landwirtschaftliche Anwesen St. Radegonde zu erwerben. Bis zum Beginn des 2. Weltkrieges verlief das Leben wieder normal. Danach wurde Moritz Meier als feindlicher Ausländischer interniert und im Herbst 1940 nach Gurs gebracht. Nach einem Jahr konnte er das Lager verlassen, aber nicht zu seiner Familie nach St. Radegonde, weil diese Region von den Deutschen besetzt war. Unter großen Gefahren fand er einen Fluchtweg in die Schweiz. Am 16. Dezember 1942 überwand er die Grenze im Jura und erreichte die Schweiz, in die Freiheit. 1948 emigrierte Moritz Meier in die USA. Dort starb er im Jahre 1995.Moritz Meier 120px HIER WOHNTEMARTHA MEIERGEB. ABRAHAMJG. 1904FLUCHT 1933FRANKREICHGUT ST. RADEGONDEDEPORTIERT 1942AUSCHWITZERMORDET 1942 Hauptstraße 2 Martha Meier geb. Abraham, wurde am 30. Januar 1904 in Rust geboren. Zusammen mit ihrem Ehemann Moritz hatten sie 2 Kinder. Ernst am 20. Juli 1924 in Grießen geboren und Ilse-Jeanette kam am 22. Januar 1927 in Tiengen zur Welt. Gemeinsam konnte die Familie über die Schweiz nach Chênehutte-les-Tuffeaux in Frankreich fliehen, wo sie das Gut St. Randgonde bewirtschafteten. Ihr Mann wurde im Herbst 1940 nach Gurs gebracht. Sie konnte mit ihren Kindern bleiben. Sie wurden dann in der Nacht vom 15. auf den 16. Juni 1942 abgeholt und nach Auschwitz gebracht, wo sie umgebracht wurden.Martha Meier 120px HIER WOHNTEJEANETTE ILSE MEIERJG. 1927FLUCHT 1933FRANKREICHGUT ST. RADEGONDEDEPORTIERT 1942AUSCHWITZERMORDET 1942 Hauptstraße 2 Jeanette Ilse Meier wurde am 22. Januar 1927 in Tiengen geboren. Sie ist die Tochter von Moritz und Martha Meier. Sie wurde im Juni 1942 zusammen mit ihrem Bruder und ihrer Mutter nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.Jeanette Ilse Meier 120px HIER WOHNTEERNST MEIERJG. 1924FLUCHT 1933FRANKREICHGUT ST. RADEGONDEDEPORTIERT 1942AUSCHWITZERMORDET 1942 Hauptstraße 2 Ernst Meier wurde am 12. Oktober 1924 in Grießen geboren. Er war der älteste Sohn von Moritz und Martha Meier. Auch er spürte die Veränderungen nach der Reichskristallnacht. Als einziger Jude in der dritten Klasse durfte er beim morgendlichen Begrüßungsritual nicht aufstehen. Am Tag des Schulausflugs wurde ihm vom Lehrer erklärt, Juden seien beim Ausflug nicht erwünscht. Dazu hetzte der Lehrer, ein Parteimitglied, Ernst noch die Klasse hinterher, die ihn verprügelte. Eine Beschwerde von seinem Vater wurde vom Rektor abgeschmettert und Meier nahm daraufhin seinen Sohn von der Schule. Danach zog die ganze Familie über Zürich nach Frankreich. Von dort wurde dann Ernst mit seiner Mutter und Schwester nach Auschwitz gebracht, wo er ermordet wurde.Ernst Meier 120px HIER WOHNTEJULIUS GUGGENHEIMJG. 1879VERHAFTET 1938DACHAUTOT 1938 Hauptstraße 48 Julius Guggenheim wurde am 26. Oktober 1879 in Tiengen geboren. Seine Eltern waren der Kaufmann Samson Guggenheim und Bertha Guggenheim, geb. Rothschild. Im 1. Weltkrieg war er Soldat und in der Stadt war er ein integriertes Gemeindemitglied. Sein Schuhgeschäft lief gut, bei ihm konnte man auf Kredit einkaufen. Er war bis 1929 Mitglied des Männergesangsvereins. In der Pogromnacht 1938 wurde er mit seiner Frau verhaftet und von Waldshut aus nach Dachau gebracht, wo er am 28. November 1938 ermordet wurde.Julius und Telly Guggenheim 120px HIER WOHNTETELLY GUGGENHEIM GEB. LICHTENBERGERJG. 1889DEPORTIERT 1940GURSERMORDET INAUSCHWITZ Hauptstraße 48 Telly Guggenheim geb. Lichtenberger wurde am 6. März 1889 in Bretten geboren und ist die Ehefrau von Julius Guggenheim, den sie nach dem 1. Weltkrieg heiratete. Sie haben zwei Kinder, am 30. März 1921 kam Tochter Anna zur Welt, ein Jahr später am 5. Juni 1922 Sohn Ernst. Beide verließen Tiengen 1936 bzw. 1937. 1938 wurde sie mit ihrem Mann nach Waldshut ins Gefängnis gebracht. Sie wurde tags darauf entlassen und durfte nach Tiengen. 15 Monate später musste sie ihren Besitz verkaufen und reiste nach Freiburg. 1940 wurde sie von dort nach Gurs deportiert und 1942 nach Auschwitz wo sie gleich nach der Ankunft umgebracht wurde.Julius und Telly Guggenheim