mini|Demonstration „Fridays for Future“ in Berlin im Januar 2019 mini|hochkant|Greta Thunberg vor dem schwedischen Parlament, 2018

Fridays for Future (deutsch „Freitage für [die] Zukunft“; kurz FFF, auch FridaysForFuture bzw. Schulstreik für das Klima bzw. Klimastreik, im Original ) ist eine globale soziale Bewegung ausgehend von Schülern und Studierenden, die sich für möglichst umfassende, schnelle und effiziente Klimaschutz-Maßnahmen einsetzen. Zentrales Ziel ist das auf der UN-Klimakonferenz in Paris 2015 (COP 21) im Weltklimaabkommen beschlossene 1,5-Grad-Ziel der Vereinten Nationen noch einzuhalten. Fridays for Future ist Teil der weltweiten Klimabewegung. Nach dem Vorbild der Initiatorin Greta Thunberg bestreiken Schüler freitags den Unterricht und gehen auf die Straße, um für eine wirksame Klimapolitik zu demonstrieren. Der Protest verbreitete sich weltweit und wird von den Schülern und Studierenden organisiert. In Wissenschaft und Zivilgesellschaft bildeten sich zahlreiche Unterstützergruppen.

Fridays for Future ist in Deutschland als nicht rechtsfähige Personenvereinigung organisiert und versteht sich als basisdemokratische Graswurzelbewegung (Oktober 2019). Einen durch die Basis legitimierten Vorstand oder Sprecher gibt es nicht. Infolge der Berichterstattung wurden einzelne Personen bekannter gemacht. Diese personenzentrierte Berichterstattung ist in der Bewegung umstritten.

Ziele Generelle Ziele mini|hochkant|Deutscher Slogan: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut“ Ziel der Klimastreiks ist es, auf klimapolitische Missstände aufmerksam zu machen und Maßnahmen für Klimagerechtigkeit einzuleiten. Insbesondere soll die Einhaltung des Übereinkommens von Paris sichergestellt werden.

Die Schulstreiks wenden sich gegen das Versagen der politisch Verantwortlichen gegenüber dem durch Treibhausgasemissionen verursachten menschengemachten Klimawandel. FFF argumentieren, der Klimawandel stelle mit seinen Folgen eine „schon lange bestehende reale Bedrohung für die Erde und die Menschheit“ dar und bedrohe die Zukunft der Demonstranten und nachfolgender Generationen. Sie fordern, dass sich Klimapolitik nicht nur auf Konzerne beziehen soll, die durch Kohleabbau CO2-Emissionen fördern, sondern insbesondere auf die Menschen, die unter den Folgen leiden und keine klare, sichere Zukunft vor sich haben. Klimapolitik wird somit als soziale Politik gesehen. Der Streik ist laut FFF nicht gegen Schulen und Universitäten gerichtet, sondern soll zum Handeln ermahnen. Man brauche nicht für eine Zukunft zu lernen, die nicht lebenswert ist. Den existenziellen Herausforderungen wird seitens FFF mehr Wert beigemessen als dem freitäglichen Schulbesuch. Der Klimawandel warte nicht auf Studien- oder Schulabschluss. Die Kernforderung ist: „Handelt endlich – damit wir eine Zukunft haben!“

Zu den wichtigsten Teilzielen der Proteste gehören: Beendigung des Abbaus fossiler Brennstoffe im Rahmen einer ökologischen Energiewende; Abschaffung der Subventionen für fossile Energieerzeugung; Steigerung der Investitionen in erneuerbare Energien; Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs im Rahmen einer Verkehrswende.

Des Weiteren soll das aktive Wahlrecht bereits mit 16 Jahren erworben werden, um die Partizipationsmöglichkeiten junger Menschen zu erweitern.The grown-ups have failed miserably on climate change. In: The Independent, 14. Februar 2019Ragna, Linus, Ronja und Florian: Sie schwänzen den Unterricht, um die Welt zu retten. In: stern.de, 30. Januar 2019

Ziele für Deutschland Am 8. April 2019 veröffentlichte Fridays for Future Deutschland (FFFD) im Rahmen einer Pressekonferenz einen Forderungskatalog mit kurz- und langfristigen Zielen. Diese Forderungen wurden laut FFFD zusammen mit Wissenschaftlern entwickelt (explizit wurden die HTW Berlin und das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik erwähnt) und sind:Das sind die Forderungen der „Fridays for Future“-Demonstranten. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. April 2019, abgerufen am 8. April 2019.„Fridays for Future“-Vertreter fordern kompletten Umstieg auf erneuerbare Energien. In: Süddeutsche Zeitung, 8. April 2019, abgerufen am 8. April 2019.Unsere Forderungen an die Politik. Website von „Fridays for Future“, abgerufen am 8. April 2019. Die Senkung der Treibhausgasemissionen in Deutschland bis 2035 auf netto null, die Umsetzung des Kohleausstiegs bis 2030 und 100 % erneuerbare Energien in der Energieversorgung bis 2035. Zudem sollten bis Ende 2019 folgende Ziele umgesetzt werden: die Abschaffung der Subventionen für fossile Energien, die Abschaltung eines Viertels aller Kohlekraftwerke und die Einführung einer Kohlenstoffsteuer auf alle Treibhausgasemissionen in Höhe der erwarteten Folgekosten der Erderwärmung, um die Lasten zukünftiger Generationen zu kompensieren. Laut Umweltbundesamt wäre dies ein CO2-Preis von ca. 180 Euro pro Tonne.

Im Juli 2023 veröffentlichte FFFD ein Klimaschutz-Sofortprogramm für den Verkehrssektor, nachdem im Jahr 2022 im deutschen Verkehrs- und Gebäudesektor mehr Emissionen ausgestoßen wurden, als es das Bundes-Klimaschutzgesetz erlaubt.

Ziele für Österreich mini|Innsbruck, 7. Juni 2019

Die FFF-Organisatoren in Österreich nennen als Ziel „radikale Umweltschutzpolitik in Übereinstimmung mit dem 1,5-Grad-Ziel und globale Klimagerechtigkeit“. Dazu wurden 2019 sechs Forderungen ausgearbeitet: Maßnahmen des Klima- und ökologischen Notstands umsetzen Klimaschutz in die Verfassung und Ausstieg aus Öl, Kohle und Gas bis 2030 Senkung der Treibhausgasemissionen bis 2025 auf 50 % gegenüber 2005 und bis 2030 auf netto-null Ökosoziale Steuerreform Artenvielfalt fördern und bei neu erlassenen Maßnahmen berücksichtigen Stopp fossiler Großprojekte (z. B. Neu- und Ausbau von Flughäfen und Autobahnen)

Ziele für die Schweiz Die Schweizer Bewegung Klimastreik sieht ihre Wurzeln in den Aktionen Greta Thunbergs im Spätsommer 2018.Greta Thunberg ist Vorbild für Schweizer Klimastreiks. In: Blick.ch. 25. Januar 2019, abgerufen am 16. April 2019. Die Bewegung fordert, dass die Schweiz den nationalen Klimanotstand ausruft und bis 2030 im Inland netto null Treibhausgasemissionen ohne Einplanung von Kompensationstechnologien erreicht. Eine weitere Forderung ist Klimagerechtigkeit. Falls diesen Forderungen im aktuellen System nicht nachgekommen werden könne, brauche es einen Systemwandel. In: climatestrike.ch.

Aktionsformen mini|„Wer nicht hüpft, der ist für Kohle“. München, Juli 2019

Im Kern der Fridays-for-Future-Bewegung stehen dezentral organisierte Demonstrationen, die freitags – z. T. während der Schulzeit – stattfinden oder beginnen, aber auch in den Ferien weitergeführt werden. Die Kundgebungen und Umzüge werden von Plakaten und Transparenten begleitet. Typische Slogans sind „Wer nicht hüpft, der ist für Kohle“ und der Call-and-Response-Wechselgesang „What do we want? – Climate Justice! – When do we want it? – Now!“Franca Quecke: Aachen – eine Stadt im Ausnahmezustand. Spiegel Online, 21. Juni 2019 Weitere, überregional eingesetzte, Rufe sind „Hoch mit dem Klimaschutz! Runter mit der Kohle!“ – wobei die Plakate und Transparente gehoben und gesenkt werdenSammlung von Sprechgesängen und Plakatsprüchen 1/5, abgerufen am 1. August 2019. – und „1, 2, 3, 4 für das Klima laufen wir / 5, 6, 7, 8 wir brauchen keine Kohlekraft / 9 und 10 der Klimastreik muss weiter geh’n“. Da diese Demonstrationen z. T. während der Schulzeit stattfinden, fallen sie in die Kategorie der non-normativen, gewaltfreien Proteste.

Für den 21. Juni 2019 hatte FFF alle Aktiven nach Aachen eingeladen zu einer internationalen Demonstration gegen den weiteren Braunkohleabbau im Rheinischen Revier und die dortige Braunkohle-Verstromung. In der ersten Augustwoche 2019 trafen sich – während der (NRW-)Schulferien bzw. der vorlesungsfreien Zeit – rund 1400 Teilnehmende in Dortmund zum ersten von den Jugendlichen für Jugendliche organisierten Kongress.Franca Quecke: Sie sind noch da (auch in den Schulferien). Spiegel Online, 1. August 2019.

Vom 5. bis 9. August 2019 versammelten sich 450 Delegierte aus 38 europäischen FFF-Bewegungen zum internationalen Gipfeltreffen „SMILE for Future“ („Summer Meeting in Lausanne Europe“) (englisch). in Lausanne und koordinierten die weiteren Organisationen. Neben Gesprächen mit Gästen ging es vor allem um die Strategie der FFF-Bewegung. Die Teilnehmenden einigten sich auf eine Deklaration, die die Dramatik unterstreicht: „What happens in the next months and years will determine how the future of humankind will look like. Our collective extinction is a scarily realistic outcome.“ (englisch).

Im Jahr 2020 führte FFF Klimacamps als Teil seiner Proteste ein und führte diese Aktionsform im Jahr 2021 weiter.

Während der COVID-19-Pandemie sagte FFF vorübergehend alle Präsenz-Klimastreiks und Straßendemonstrationen ab und verlegte sich auf Online-Aktionen. Am 25. September 2020 und danach ab dem 18. Juni 2021 fanden in Deutschland wieder Präsenz-Klimastreiks statt.

Geschichte Ursprünge Erstmals am 20. August 2018 verweigerte die damals 15-jährige Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg den Unterrichtsbesuch. Sie saß anschließend, zunächst für einen Zeitraum von drei Wochen, täglich während der Unterrichtszeit vor dem schwedischen Reichstagsgebäude in Stockholm und zeigte ein Schild mit der Aufschrift „Skolstrejk för klimatet“ (deutsch Schulstreik fürs Klima). Die taz berichtete bereits am 27. August 2018 über Thunbergs Schulstreik.

Am 8. September kündigte Thunberg an, sie werde nach den Parlamentswahlen am 9. September 2018 ihren Unterrichtsboykott an Freitagen so lange fortsetzen, bis die Klimapolitik Schwedens den Grundsätzen des Pariser Klimaabkommens entspreche. Als Hashtag verwendete sie u. a. #FridaysForFuture.Greta Thunberg: Twitter-Nachricht vom 8. September 2018, 6 Uhr 18 Durch ihren Protest erzeugte sie internationale Aufmerksamkeit, sodass sich in verschiedenen Städten weltweit Gruppen bildeten, die sich der von ihr initiierten Bewegung anschlossen. In Deutschland wurde das erste Mal am 7. Dezember 2018 in Bad Segeberg gestreikt.Andrea Schmidt: Der darauf folgende Streik am 14. Dezember in Kiel und weiteren Städten erlangte erstmals große mediale Aufmerksamkeit.

Ausgehend von Schweden fanden Aktionen in Australien, England, Italien, Deutschland, Niederlande, Belgien, Kanada, Frankreich, Schweiz, Österreich, Irland und Schottland statt. Mitte März 2019 erreichte die Bewegung dann globale Ausmaße mit zusätzlich einigen Hundert Demonstranten in Japan, Mexiko, Chile, Philippinen, Vanuatu und Indien. So sollen nach Angaben der Bewegung beispielsweise am ersten weltweit organisierten Klimastreik am 15. März 2019 fast 1,8 Mio. Menschen an den Demonstrationen von FFF teilgenommen haben.

Am 28. November 2019 hat das Europäische Parlament den Klimanotstand ausgerufen.

Entwicklung in Deutschland mini|Kassel, 1. Februar 2019 mini|Köln, 31. Mai 2019

Fridays for Future in Deutschland (FFFD) nutzte im Januar 2019 eine Webpräsenz, Kanäle in sozialen Medien sowie Plakate und Flugzettel. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen organisieren sich über verschiedene Messenger, hauptsächlich über in Regionalgruppen unterteilte WhatsApp-Gruppenchats.

Am 15. Februar 2019 gab es in Deutschland 155 FFFD-Ortsgruppen. Es nahmen an diesem Tag 30.000 Schüler, Studierende und Auszubildende an FFFD-Demonstrationen teil, davon 3.000 in Hannover und 1.000 in Berlin, wo bereits am 25. Januar 5000 Menschen demonstriert hatten. In Deutschland nahm Greta Thunberg am 1. März 2019 in Hamburg an einer Demonstration vom Gänsemarkt zur Kundgebung auf dem Rathausmarkt teil. Am Freitag, den 15. März, welcher der erste globale Protesttag von Fridays for Future war, waren in Deutschland 220 Proteste angekündigt, an denen laut Veranstaltern 300.000 Menschen teilnahmen, darunter 25.000 in Berlin, 10.300 in München, 10.000 in Hamburg und 6500 in Karlsruhe.