Die Terra Foundation for American Art ist eine 1978 durch den Unternehmer und Kunstsammler Daniel J. Terra gegründete Stiftung. Sie hat ihren Sitz in Chicago und widmet sich der Kunst der Vereinigten Staaten seit der Kolonialzeit. Die Stiftung besitzt eine bedeutende Kunstsammlung und verfügte zeitweilig über zwei eigene Museen. Heute stellt sie anderen Museen Kunstwerke als Leihgabe zur Verfügung und unterhält ein umfangreiches Bildungs- und Stipendienprogramm.
Geschichte Anfang der 1970er Jahre erwarb der Unternehmer Daniel J. Terra für seine Privatsammlung erste Werke amerikanischer Kunst. Seine schnell wachsende Sammlung übertrug er 1978 in die Terra Foundation for American Art, deren Ziel es ist, die Kunst der Vereinigten Staaten seit der Kolonialzeit zu sammeln, zu erforschen und der Öffentlichkeit zu zeigen. Zur Präsentation der Sammlung wurde 1980 das Terra Museum of American Art gegründet, das sich zunächst in Evanston, einem nördlichen Vorort von Chicago, befand. 1987 bezog das Museum größere Räume an der Magnificent Mile im Stadtzentrum von Chicago. Im selben Gebäude an der East Erie Street Nr. 120 Ecke North Michigan Avenue befindet sich auch der Sitz der Terra Foundation for American Art. Ein zweites Museum, das Musée d’Art Américain, wurde 1992 als europäischer Standort in Giverny, dem letzten Wohnort des französischen Malers Claude Monet, eröffnet. Dort hatte sich Ende des 19. Jahrhunderts eine amerikanische Künstlerkolonie gebildet, deren Werke einen Sammlungsschwerpunkt der Terra Foundation of American Art bilden. Nach dem Tod des Stiftungsgründers Daniel J. Terra bestanden beide Museen zunächst weiter fort und zeigten eine rege Ausstellungstätigkeit. 2004 schloss das Terra Museum of American Art in Chicago, Ende 2008 kam es auch zur Schließung des Musée d’Art Américain in Giverny. Seit 2009 dient das neugegründete Terra Foundation Paris Centre als europäischer Stützpunkt der Terra Foundation for American Art, während in Chicago weiterhin der Hauptsitz der Stiftung ist und von dort die amerikanischen Programme koordiniert werden. Darüber hinaus wird von Chicago aus der Verleih von Kunstwerken organisiert.
Aktivitäten der Stiftung Chicago Die Terra Foundation of American Art unterhält am Standort Chicago ein umfangreiches Bildungsprogramm. Mit den Chicago K–12 Education Grants fördert die Stiftung den Kunstunterricht in Chicagos Schulen, indem Lehrmaterialien für den Kunstunterricht zur Verfügung gestellt werden und Lehrer Weiterbildungen erhalten. Parallel dazu gibt es mit den Chicago Public Program Grants ein Bildungsprogramm für Erwachsene. Diese Bildungsangebote sollen das Verständnis für amerikanische Kunst in breiten Bevölkerungskreisen fördern.
Weiterhin vergibt die Terra Foundation of American Art Stipendien an Wissenschaftler und Studenten, die sich mit Kunst der Vereinigten Staaten beschäftigen. Gefördert werden Vorträge, Symposien, Forschungsarbeiten und Publikationen. Mit Exhibition Grants unterstützt die Terra Foundation of American Art durch finanzielle Zuschüsse verschiedene Museen bei der Durchführung von Ausstellungen. Zudem wird vom Sitz der Terra Foundation of American Art der Verleih von Kunstwerken aus der eigenen Sammlung organisiert. Ein Teil der Sammlung befindet sich als Dauerleihgabe im Art Institute of Chicago.
Frankreich Auch nach der Schließung des Musée d’Art American in Giverny ist die Terra Foundation for American Art weiterhin in Europa aktiv. Das 2009 eröffnete Terra Foundation Paris Centre koordiniert akademische Programme, Ausstellungen und Partnerschaften der Stiftung in Europa. Der Pariser Sitz befindet sich im Hôtel Lévis-Mirepoix in der Rue de Lille Nr. 121, dem Sitz der Fondation Custodia des Kunsthistorikers Frits Lugt. Beide Institutionen verfügen über bedeutende Präsenzbibliotheken und nutzten hierfür einen gemeinsamen Lesesaal. Die Bibliothek der Terra Foundation for American Art ist die einzige Fachbibliothek in Europa, die sich ausschließlich der Kunst der Vereinigten Staaten widmet. Sie umfasst thematisch den Zeitraum vom 18. Jahrhundert bis 1980, der Schwerpunkt liegt auf Kunst des 19. und beginnende 20. Jahrhunderts. Die Bibliothek verfügt über 10.000 englischsprachige Bände und steht Interessierten kostenlos zur Verfügung.
In Giverny besitzt die Terra Foundation for American Art mehrere Gebäude – beispielsweise die Häuser Mansuy und Champrenault – in denen sich seit 2001 Künstler und Wissenschaftler zu Konferenzen, Künstlerworkshops und Veranstaltungen wie der Terra Summer Residency treffen. Ziel dieser Veranstaltungen ist die Erforschung und Förderung der amerikanischen Kultur und die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Europa und den Vereinigten Staaten. Hierzu vergibt die Terra Foundation for American Art Forschungs- und Lehrstipendien.
Kunstsammlung der Terra Foundation for American Art 1971 legte Daniel J. Terra mit dem Erwerb erster Werke des Malers John Singer Sargent den Grundstock für seine Sammlung amerikanischer Kunst. In den Folgejahren trug er – zunächst als Privatsammlung – weitere Werke zusammen; seit 1978 sind diese Werke in der Sammlung der Terra Foundation for American Art zusammengefasst. Auch nach dem Tod des Stiftungsgründers ist die Sammlung nicht abgeschlossen, sondern wird von der Terra Foundation for American Art kontinuierlich ausgebaut. 2019 verfügte sie über rund 800 Gemälde, Drucke, Zeichnungen Fotografien und Skulpturen, die von 235 verschiedenen Künstlern stammen.Zahlen zum Sammlungsumfang auf der Internetseite der Terra Foundation of American Art (abgerufen am 9. Januar 2019)
Frühe amerikanische Malerei Die frühesten Werke in der Sammlung der Terra Foundation of American Art stammen aus der Kolonialzeit vor der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten und aus den ersten Jahren nach ihrer Gründung. Gemälde dieser Zeit sind beispielsweise das um 1770 im Stil der englischen Bildnismalerei entstandene Portrait of Mrs. John Stevens von John Singleton Copley, das nach 1824 gemalte Porträt des Präsidenten George Washington von Rembrandt Peale oder das Bildnis einer Frau (möglicherweise Clarissa Gallond Cook) vor einer Hafenstadt des Malers Erastus Salisbury Field von 1838. Eine idyllische Landschaft zeigt William Groombridge in seiner Darstellung View of a Manor House on the Harlem River, New York von 1793. An niederländische Genremalerei erinnert die 1814 entstandene Alltagsszene Blind Man's Buff des aus Württemberg stammenden Malers John Lewis Krimmel. Ein Höhepunkt der Sammlung bildet das 1831–33 gemalte Bild Gallery of the Louvre des später auch als Erfinder erfolgreichen Samuel F. B. Morse. Er zeigt mit der Innenansicht der Pariser Louvre nicht nur thematisch ein Motiv aus Europa, sondern unterstreicht damit auch, wie sehr die frühen amerikanischen Maler in Europa ihre Vorbilder suchten.
Landschaftsmalerei der Hudson River School Die Hudson River School stellt die erste große Malerbewegung der Vereinigten Staaten dar. Von europäischer Landschaftsmalerei beeinflusst, suchten die Maler ihre Motive auf dem amerikanischen Kontinent und verklärten sie meist in romantischer Manier. Ein frühes Beispiel ist das von einer Romanvorlage beeinflusste Motiv Landscape with Figures: A Scene from "The Last of the Mohicans" von Thomas Cole aus dem Jahr 1826. Spätere Motive zeigen häufig eine weite menschenleere und paradiesisch wirkende Landschaft in harmonischer Farbgebung. Beispiele hierfür sind Almy Pond, Newport von John Frederick Kensett, Autumn Afternoon, the Wissahickon von Thomas Moran, Brace's Rock, Brace's Cove von Fitz Henry Lane, Hunter Mountain, Twilight von Sanford Robinson Gifford, Paradise Valley von John La Farge und Newburyport Marshes: Approaching Storm von Martin Johnson Heade. Die Erkundung des Landes durch die Maler wird dabei durch immer entferntere Motive deutlich, wie die Motive The Sidewheeler "The City of St. Paul" on the Mississippi River, Dubuque, Iowa von Alfred Thompson Bricher und The Iceberg von Frederic Edwin Church zeigen. Nur selten mischt sich die Landschaftsmalerei mit einem patriotischer Aussage, wie in Our Banner in the Sky von Frederic Edwin Church, das 1861 zu Beginn des Amerikanischen Bürgerkrieges entstand und die Flagge der Vereinigten Staaten symbolreich am Himmel erscheinen lässt.
Genre- und Stilllebenmalerei Die amerikanische Genremalerei des 19. Jahrhunderts ist in der Sammlung Terra mit verschiedenen Beispielen vertreten. So gibt es Darstellungen eines häuslichen Familienidylls in Werken wie Fiddling His Way von Eastman Johnson und The Blind Fiddler von John Lewis Krimmel. Das einfache Leben der ländlichen Bevölkerung findet sich in Bildern wie Apple Picking und The Whittling Boy von Winslow Homer, The Yankee Pedlar von Thomas Waterman Wood oder The Jolly Flatboatmen von George Caleb Bingham. Das Gemälde Ships Unloading, New York von Samuel Colman zeigt hingegen eine städtische Szene. Darüber hinaus gibt es verschiedene Beispiele der amerikanischen Stilllebenmalerei des 19. Jahrhunderts. Hierzu gehören klassische Motive wie Harvest of Cherries von Robert Spear Dunning und Still Life with Apple Blossoms in a Nautilus Shell von Martin Johnson Heade. Darüber hinaus gibt es Werke im Trompe-l’œil-Stil wie One Dollar Bill von John Haberle und Old Time Letter Rack von John Frederick Peto.
Gilded Age