mini|Generalmajor Günther Meinhold (ca. April 1942) Günther Meinhold (* 12. Mai 1889 in Altdamm, Kreis Randow; † 21. Februar 1979 in Göttingen) war ein deutscher Generalmajor im Zweiten Weltkrieg, zuletzt 1944/1945 Festungskommandant der von der deutschen Wehrmacht besetzten Hafenstadt Genua und Kommandeur einer deutsch-italienischen Division („Kampfgruppe Meinhold“) dort. Vor Kriegsende verweigerte er die befohlene Sprengung der Hafen- und Industrieanlagen und verhandelte im April 1945 konspirativ mit der CLN Liguriens, mit der er am 25. April 1945 die Kapitulation seiner Truppen vereinbarte. Die dadurch – erstmals in einer europäischen Großstadt – vor dem Eintreffen der alliierten Truppen durch einheimische Kräfte erreichte Befreiung von deutscher Besatzung und die Verhinderung von weiteren Zerstörungen und Opfern von Menschenleben wird bis heute in Genua am jährlichen Tag der Befreiung Italiens öffentlich gewürdigt.

Herkunft Günther Meinhold wurde in Altdamm bei Stettin in Pommern geboren. Sein Vater Julius Philipp Bogislaw Meinhold (1844–1889) war Oberstabsarzt in der Preußischen Armee.

Militärkarriere Meinhold trat am 11. Januar 1908 als Fahnenjunker in das Infanterie-Regiment „von der Goltz“ (7. Pommersches) Nr. 54 der Preußischen Armee in Kolberg ein und avancierte bis Mitte Juli 1909 zum Leutnant. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde er im selben Regiment zunächst als Kompanieführer an der Ostfront eingesetzt und am 24. Juli 1915 zum Oberleutnant befördert. Von 29. Mai 1917 bis zum 12. November 1918 war Meinhold an der Westfront, stieg am 15. Juli 1918 zum Hauptmann auf und diente zuletzt als Bataillonsführer und Regimentsadjutant. Für sein militärisches Verhalten hatte man ihn mit beiden Klassen des Eisernen Kreuzes, dem Hamburger Hanseatenkreuz sowie dem Österreichischen Militärverdienstkreuz III. Klasse mit Kriegsdekoration ausgezeichnet.

Am 11. Juni 1920 wurde Meinhold aus dem Heer entlassenPersonalakte im Bundesarchiv Berlin R 52 IV 89 und trat am 22. Juni 1920 zur Schutzpolizei Berlin über. Er wurde zunächst als Hauptmann a. D. in den Polizeiverwaltungen München, Cottbus und Gleiwitz/Oberschlesien verwendet. Am 4. April 1928 wurde er zum Polizeimajor und nach seiner Übernahme in die preußische Landespolizei am 20. April 1935 zum Oberstleutnant der Landespolizei befördert.

Am 1. Oktober 1935 wurde Meinhold als Oberstleutnant in das Heer der Wehrmacht übernommen und Kommandeur des II. Bataillons des Infanterie-Regiments 50 in Küstrin. Am 1. August 1937 zum Oberst befördert, diente er im Stab des Infanterie-Regiments 50 in Landsberg an der Warthe und wurde am 10. November 1938 zum Kommandeur des Grenz-Infanterie-Regiments 122 in Meseritz ernannt.

Diese bei Beginn des Zweiten Weltkriegs in Infanterie-Regiment 122 umbenannte Einheit, die der neu gebildeten, von General der Infanterie Karl-Adolf Hollidt geführten 50. Infanterie-Division unterstellt war, führte Meinhold auch im Polen-, Balkan- und Russlandfeldzug der Wehrmacht über Odessa am Schwarzen Meer bis zur Halbinsel Krim, wo er auch an der Schlacht um die Festung Sewastopol beteiligt war. Am 1. April 1942 wurde er zum Generalmajor befördert und mit Rücksicht auf seine angegriffene Gesundheit ab dem 1. Juni 1942 bis Januar 1944 als Kommandant und später Kampfkommandant in Dnjepropetrowsk und Kriwoij-Rog/Ukraine eingesetzt.Peter Bamm: Die unsichtbare Flagge. Im Kapitel: Friedlicher Alltag.

Einsatz in Genua und Kapitulation mini|General Günther Meinhold vor einer Karte der Bucht von Genua (Jan. 1945) Am 16. März 1944 wurde Meinhold als Festungskommandant nach Genua/Italien versetzt und übernahm dort ab 1. November 1944 Teile der 148. Infanterie-Division mit ihrem Gefechtsstand in Savignone, die als „Kampfgruppe Meinhold“ dem Armeekorps „Lombardia“ unter General der Artillerie Kurt Jahn unterstellt war und zu einer gemischt deutsch-italienischen Division mit Gebirgsartillerie umgeformt den Frontabschnitt Genua-La Spezia halten sollte. Für den Fall eines Aufstands der Bevölkerung oder eines alliierten Angriffs auf Genua hatte Hitler in einem sog. Z-Plannicht zu verwechseln mit dem Z-Plan zur Aufrüstung der Kriegsmarine („Nero-Befehl“) die Zerstörung sämtlicher Industrie- und Hafenanlagen Genuas befohlen und bereits von Pionieren und Marineeinheiten für die Sprengungen vorbereiten lassen. Diese Pläne waren bei einigen betroffenen Betrieben durchgesickert und sorgten für zunehmende Beunruhigung in der Bevölkerung.maschinenschriftlicher Bericht des Generalmajor a. D. Günther Meinhold von 1949, archiviert im BAMA unter MSG 2/261, im Institut für Zeitgeschichte (IfZ) München unter www.ifz-muenchen.de/archiv/zs/zs-0103 sowie für das Istituto ligure per la Storia della Resistenza e dell‘Eta (ILSREC), Genua, beglaubigt und übersetzt durch Frau E. Müller-Giampalmo sowie zusammen mit dem Bericht des Vertreters der CLN Remo Scappini veröffentlicht unter: Günther Meinhold - Remo Scappini, „Il Generale E L’Operario, La Liberatione di Genova nei memoriali dei protagonisti“, Genova 2009

Als außerdem die willkürlichen Verhaftungen angeblicher Partisanen durch den auch in Genua rücksichtslos agierenden Sicherheitsdienst (SD) unter dem berüchtigten SS-Obersturmbannführer Friedrich Engel weiter zunahmen, wandten sich wiederholt der Genueser Medizinprofessor A. Giampalmo und dessen deutsche Ehefrau E. Müller hilfesuchend an Meinhold.Meinhold forderte daraufhin von Engel die Freilassung der Gefangenen, woraufhin dieser sich bei Generalfeldmarschall Kesselring über Meinhold's angebliche Verweigerung der Unterstützung bei der Partisanenbekämpfung beschwerte, was allerdings nicht weiter behandelt wurde, vgl. "Bericht Meinhold" Nachdem sie den General bei einer solchen Gelegenheit auch nachdrücklich auf die katastrophalen Folgen einer Sprengung der Hafenanlagen, insbesondere der für Genua existenziellen Außenmole hingewiesen hatten, versprach Meinhold, den Sprengungsbefehl nicht zu erteilen, sondern nach Möglichkeit zu unterbinden, sofern seine Soldaten nicht von Partisanen angegriffen würden.Später erfuhr Meinhold vom Generalkonsul in Genua, Hasso von Etzdorf, dass sich auch dieser auf Drängen des Bischofs Siri über den deutschen Botschafter in Italien, Rahn bei der Armeeführung und Großadmiral Dönitz um Aufhebung oder zumindest Abmilderung des Zerstörungsbefehls bemüht hatten; die Verantwortung für die Ausführung blieb aber nach kurzzeitiger Verlagerung auf Marinedienststellen in Genua wieder bei Meinhold (vgl. "Bericht Meinhold").

alt=|mini|Raum der Kapitulations-unterzeichnung in der Villa MigoneDeshalb nahm Meinhold auf Vermittlung von Giampalmo Anfang April 1945 konspirativ Kontakt zu dessen Kollegen A. Romanzi auf, der als Vertrauensmann der Partisanen im CLN (Comitato di Liberazione Nazionale) Liguriens zunächst nur als „Stefano“ auftrat; mit diesem verhandelte Meinhold am 11., 17. und 23. April zunächst erfolgreich über ein Unterbleiben der Zerstörungen und ließ ihm über Prof. Giampalmo eine Karte vom Hafen mit Angabe der ggf. von den Partisanen zu entfernenden Sprengladungen zukommen; Im Gegenzug wurde ihm über Romanzi ein von den Partisanen ungestörter Abzug seiner Division zugesichert. Während die Etappe einschließlich der SD- und SS-Leute am 23. April abends noch ohne Angriffe der Partisanen aus Genua nach Norden abrücken konnte, kam der Abzugsbefehl des Armeekorps für die Kampfeinheiten in und um Genua zu spät, um noch rechtzeitig vor den bereits an der Stadt vorbei nach Norden vorgerückten Alliierten die deutschen Stellungen in der Po-Ebene erreichen zu können.Bericht Meinhold, wie vor

mini|Kapitulationsvereinbarung vom 25. April 1945 in der Villa Migone (Genua)Daraufhin weihte Meinhold am 24. April seinen vertrauenswürdigen Generalstabsoffizier, Hauptmann Asmus, in seinen Entschluss ein, seine Soldaten nicht mehr in einem aussichtslos gewordenen Kampf „für Hitler“ opfern, sondern die Waffen strecken zu wollen. Sodann gab Meinhold den Befehl an seine Soldaten aus, keinesfalls die inzwischen offen auftretenden Partisanen anzugreifen, um keinen Kampf zu provozieren. Außerdem bestellte er über Giampalmo dringend den inzwischen bewährten Unterhändler Romanzi zu seinem Gefechtsstand in Savignone, der dort mit einem weiteren Partisanenvertreter in einem Sanitätsfahrzeug nach einer gefährlichen Fahrt zwischen den Fronten erst am 25. April früh eintraf. Romanzi übergab Meinhold einen Brief des Kardinals Boetto, in dem dieser den General um Schonung der Stadt Genua bat, sowie eine Verhandlungsvollmacht des CLN und schlug eine baldige Zusammenkunft mit deren Führern am neutralen Sitz des Kardinals in der Villa MigoneVilla Migone: Storia (italienisch). im alten Stadtteil San Fruttuoso vor. Dies akzeptierte Meinhold und erklärte gegenüber Romanzi, dass er trotz seines Rückzugsbefehls und der weiterhin den Partisanen überlegene Kampfkraft seiner Truppen sowie der Einsatzbereitschaft der Gebirgsartillerie zur Vermeidung sinnloser Opfer und Zerstörungen nicht weiter „für Hitler kämpfen“ wolle. Sodann erläuterte er den versammelten Offizieren seines Gefechtsstands die militärisch aussichtslose Lage, verwarf ein ihm vorgeschlagenes Abwarten der alliierten Truppen oder einen Ausbruch einzeln oder in kleinen Gruppen als untauglich, und teilte nun seinen Entschluss mit, die Waffen niederzulegen, wofür er die volle Verantwortung übernehme. Dies wurde trotz der berüchtigten Pauschalermächtigung Hitlers, einen kapitulationsbereiten Vorgesetzten sofort zu verhaften oder notfalls zu erschießen, von seinen Offizieren akzeptiert.Bericht Meinhold , wie vor

mini|Gedenkstätte für die Opfer vor der Befreiung unter der monumentalen Brücke in der Via XX Settembre (Genua)Anschließend fuhr Meinhold mit Romanzi in dessen Sanitätswagen mit einer Serviette als Parlamentärsflagge, dahinter Hauptmann Asmus mit einem Dolmetscher und dem weiteren Partisanenvertreter im eigenen Wagen zurück nach Genua. Unterwegs konnten sie gemeinsam mehrere kritische Konfliktsituationen zwischen deutschen Einheiten und aufständischen Partisanen entschärfen; jedoch vermochte er es nicht, die Marineeinheiten unter dem Seekommandanten Kapitän zur See Max Berninghaus, die sich im Hafenbereich verschanzt hatten und heftige Kämpfe mit den Partisanen lieferten, zur Aufgabe zu bewegen.

Schließlich erreichten Meinhold und seine Begleitung am frühen Abend die Villa Mignone und wurde dort von Kardinal Boetto freundlich empfangen; dieser lud in seine Räumlichkeiten zu „Friedensverhandlungen“ ein, an denen er selbst als Kirchenmann jedoch nicht mitwirken könne. Ebenfalls eingetroffen waren die Repräsentanten der CLN Liguriens, die Herren Remo Scappini, Giovanni Savoretti, der Anwalt Errico Martino und der Platzkommandant Mauro Aloni. Meinhold, der ihnen zunächst einen nervösen und noch unentschlossenen Eindruck machte, erläuterte nunmehr seinen Entschluss, trotz seiner intakten und kampfbereiten Einheiten sowie der schweren Batterien im Gebirge die Waffen strecken zu wollen, um die Stadt und ihre Bewohner sowie auch die eigenen ca. 9000 Soldaten nicht mehr in einem offensichtlich verlorenen Krieg „für Hitler“ zu opfern. Dies nahmen die CLN-Vertreter erleichtert zur Kenntnis, so dass über die Übergabe-Modalitäten, insbesondere zur kriegsrechtlich korrekten Behandlung der Soldaten, rasch Einigkeit erzielt und die entsprechend zweisprachige Kapitulationsvereinbarung bereits gegen 19:30 Uhr allseits unterzeichnet werden konnte; das Dokument ist heute noch in der Villa Migone zu besichtigen.