mini|alternativtext=|Das nachgebaute Amphitheater: In den 1970er Jahren entstanden in der Südost-Ecke des Parkes Nachbauten und Besuchereinrichtungen. Im Hintergrund sind die Türme von St. Viktor im Stadtkern von Xanten erkennbar. (Foto: 2016)
Der Archäologische Park Xanten (APX) ist ein Freilichtmuseum bei Xanten am Niederrhein (Nordrhein-Westfalen). Träger ist der Landschaftsverband Rheinland (LVR), der 1973 die Gründung des Parks beschlossen hat. Eröffnet wurde er im Jahr 1977 und seitdem wiederholt erweitert.
mini|Auf dem Bild ist links das LVR-RömerMuseum. Rechts schließt sich daran der Schutzbau über den Überresten der Thermen an. (Foto: 2018)
Der Park liegt über der früheren Colonia Ulpia Traiana (CUT), einer der bedeutendsten römischen Siedlungen in Deutschland. Im Park wird dauerhaft gegraben, um die Bodendenkmäler zu erfassen und zu erforschen. Dazu wurde eine sogenannte Sommerakademie eingerichtet, die Studierenden die Gelegenheit bietet, die Praxis archäologischer Arbeit kennenzulernen.
Um den Parkbesuchern einen Eindruck vom Aussehen der Colonia zu geben, wurden einige römische Gebäude und deren Inneneinrichtung rekonstruiert oder zumindest teilweise nachgebaut. Dazu gehören Teile der repräsentativen Stadtmauer der Colonia Ulpia Traiana, der sogenannte Hafentempel, die römische Herberge und das Amphitheater der Stadt. Die Struktur der planmäßig errichteten Colonia war ein Schachbrettmuster; dies machen die Wege und Alleen im Park erkennbar.
Lange Zeit befand sich das Regionalmuseum Xanten (RMX) in der Innenstadt von Xanten. Dieses wurde schließlich in den Schutzbau der Thermen integriert und infolgedessen im Jahr 2008 in LVR-RömerMuseum Xanten umbenannt. Gezeigt werden Exponate aus der lokalen und regionalen Römergeschichte.
Geschichte Vorgeschichte
Die Colonia Ulpia Traiana war etwa 73 Hektar groß, hatte rund 10.000 Einwohner und war eine der zentralen Städte der Provinz Niedergermanien. An der Ostseite der Stadt lag an einem heute verlandeten Seitenarm des Rheins (heute Parkplatz) der bislang nicht ausgegrabene Hafen der Stadt. Die Versorgung der Stadt mit frischem Wasser erfolgte über Grundwasser-Brunnen, Becken zum Auffangen von Regen und ein Aquädukt, während die Abwässer über ein unterirdisches Kanalisationssystem in den Rheinarm geleitet wurden. Neben dem Hafen verfügte die Stadt über eine Herberge, überdachte Bürgersteige, einen Tempel am Hafen, den Capitolstempel, einen Matronentempel, ein Forum, ein Amphitheater und eine große Thermenanlage. Im späten 3. oder frühen 4. Jahrhundert wurde im zentralen Bereich der Stadt eine starke Befestigung errichtet, die aufgrund der geringeren Größe leichter zu verteidigen und instand zu halten war. Diese Festung wird aufgrund spätantiker Schriftquellen als Tricensimae bezeichnet; die Gleichsetzung mit diesem Ortsnamen ist allerdings in der Forschung umstritten. Zu Beginn des 5. Jahrhunderts nahmen die Überfälle durch germanische Stämme jedoch so stark zu, dass die Siedlung endgültig aufgegeben wurde.
Da das mittelalterliche Xanten auf einem römischen Friedhof errichtet wurde, wurden die Ruinen der römischen Stadt zunächst als Steinbruch für die Errichtung der mittelalterlichen Stadt genutzt. Die so nach und nach von Ruinen befreiten Flächen wurden schließlich in Ackerland umgewandelt. Interesse an der römischen Geschichte kam etwa in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts auf. Systematische Grabungen auf dem Areal führte im 19. Jahrhundert der Niederrheinische Altertumsverein durch. Dabei fand man Teile der Stadtbefestigung und des Capitols sowie 1500 Gräber. 1887 entdeckte man auch erste Spuren des Amphitheaters, da ein Landwirt beim Pflügen an den unterirdischen Resten hängen blieb.
Im Jahr 1930 erfolgte die Errichtung der Bundesstraße 57 bei Xanten. Im Zuge der Bauarbeiten wurden vom Rheinischen Landesmuseum Bonn Notgrabungen entlang der Trasse durchgeführt. 1934 begannen größere planmäßige Grabungen, bei denen man im Osten der Römerstadt einen verlandeten Rheinarm entdeckte und das Amphitheater vollständig freilegte, konservierte und zur Besichtigung freigab.
Erste Grabungen nach dem Zweiten Weltkrieg fanden 1957 statt, da die Stadt auf Teilen der bisher landwirtschaftlich genutzten Fläche der Colonia ein Beton-Industriewerk ansiedeln wollte. Bei diesen Grabungen wurden die Großen Thermen, das Handwerker- und Gewerbeviertel, einige Straßen und ein Gebäudekomplex mit unbekannter Funktion ausgegraben und dokumentiert. Danach wurden die Reste teilweise abgetragen und anschließend überbaut.
Um 1970 plante man die Auskiesung des neben der früheren Römerstadt gelegenen Altrheinarmes und die anschließende Errichtung von Freizeitanlagen in der Umgebung des so entstandenen Gewässers und des Amphitheaters. Damit wäre auch der bisher unberührte Ostteil der Römerstadt mitsamt dem Hafen zerstört worden. Die Idee wurde aber verworfen. Darüber hinaus entschied die Stadt Xanten, das bereits vorhandene Industriegebiet zwischen Stadt, B 57 und Rhein nicht zu erweitern und die dortigen Betriebe umzusiedeln, sodass die dortigen Flächen für die Errichtung des APX frei waren.
Gründung und Aufbau des Parks mini|Ausdehnung des Archäologischen Parks zwischen 1980 und 2009 mini|Übersichtsplan des LVR-Archäologischen Parks Xanten Stand 2025
Am 14. September 1973 beschloss der Landschaftsausschuss des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) die Einrichtung des Parks auf dem Areal der ehemaligen Colonia, für den im folgenden Monat der LVR als Träger eingesetzt wurde. Der Aufbau des Parks begann wenig später in der Umgebung des Amphitheaters, während die übrigen Flächen noch bis 1974 landwirtschaftlich genutzt wurden. Der südöstliche 6 ha große Teil des Parks wurde schließlich nach vier Jahren am 8. Juni 1977 eröffnet.
Die Ausrichtung der Landesgartenschau 1980 war im Vorfeld heftig diskutiert worden, da man befürchtete, dass dadurch die unterirdischen Reste der Colonia beschädigt werden könnten. Nachdem die Bedenken ausgeräumt waren, fand die Landesgartenschau schließlich vom 4. Juni bis zum 17. Juni 1980 unter dem Motto „Vom Nutzen und Zierwert der Pflanze in zwei Jahrtausenden“ statt. Mit der Eröffnung der Landesgartenschau wurde der Park von 6 auf 27 Hektar erweitert und bedeckte so den gesamten Ostteil der Stadt. Nach dem Ende der Gartenschau wurden viele Gärten jedoch wieder entfernt, nur der Steingarten und der ebenfalls zur Landesgartenschau errichtete Spielplatz blieben bestehen. Der Spielplatz wurde 2003 erneuert. Leiter des Archäologischen Parks war über viele Jahre bis zum Jahr 2002 der Bauforscher Gundolf Precht.
Nach der Umsiedlung der auf dem Areal der Großen Thermen befindlichen Industrie wurden diese schließlich freigelegt und 1999Gebäude – LVR RömerMuseum mit einem gläsernen Schutzbau überdacht, der die Dimensionen des Hauptgebäudes mit Ausnahme der Vorhalle nachahmt. Dieser Schutzbau war lange Jahre eine Art eigenes Museum, da er durch die B 57 vom Rest des Parks getrennt war. Diese Abgeschiedenheit endete mit der Verlegung des Regionalmuseums 2007 in den neuerrichteten Schutzbau über der Thermenvorhalle, wodurch die Thermen in das nun als RömerMuseum (eröffnet am 16. August 2008) bezeichnete Regionalmuseum integriert wurden.RömerMuseum Zahlen und Fakten des Gebäudes
Nach der feierlichen Eröffnung des letzten Teilstücks der Nord-Westumgehung 21. Dezember 2008Xanten: Der Schlüssel zu allem konnte schließlich die B 57, welche die Römerstadt bis dahin teilte, verlegt werden. Die feierliche Erweiterung des Parks auf das bis dahin abgetrennte Areal erfolgte am 15. Mai 2009, wodurch der Park nun eine Fläche von 60 ha bedeckt. Zur Verbindung des alten Parkareals mit der Erweiterung, in der sich auch das RömerMuseum befindet, wurde zunächst nur die alte B 57 im Bereich der Einmündung der Trajanstraße durchstochen und so die Verbindungsstraße von Hafen- und Maastor wiedererrichtet.
Wenig später wurde die B 57 auch für die Fortführung der Straße südlich der römischen Herberge durchstochen, welche nun das Areal zwischen Siegfriedstraße und alter B 57 an den Park anschließt. Der eigentliche Rückbau der dem APX zugeschlagenen Straßen begann 2011 mit dem Rückbau des Orwatersweges, der Verbindung zwischen Trajanstraße und Trajanring nahe den Großen Thermen, die Trajanstraße zwischen APX-Verwaltung und Siegfriedstraße und die Siegfriedstraße zwischen Trajanstraße und alter B 57 folgten wie auch die alte B 57 in den Jahren danach. Darüber hinaus wurden in den Jahren 2011 und 2012 über 450 Linden gepflanzt, die den antiken drei Kilometer langen Straßenverlauf in der Erweiterung des APX nachzeichnen und das neue Areal auf diese Weise auch gestalterisch an das alte Areal anzuschließen.Der APX forstet auf – RP Online
Im November 2013 begann am bisherigen südlichen Nebeneingang der Bau eines Besucherzentrums / Eingang Stadtzentrum an der ehemaligen römischen Stadtmauer nahe dem Amphitheater. Nach dessen Fertigstellung Anfang 2015Xanten: Neuer APX-Eingang vor der Eröffnung rp-online.de wurde auch der Haupteingang vom Molenturm, welcher an der von der Stadt abgewandten Seite des Parks liegt, zum Eingang Stadtzentrum verlegt, um den Park besser an die Xantener Innenstadt anzubinden. Der bisherige Nebeneingang am Römermuseum und der bisherige Haupteingang am Hafentor blieben aber weiterhin erhalten.Xanten: APX und Xanten wachsen zusammen – RP Online Vor dem Eingang Stadtzentrum, an der Straße Am Rheintor, wurde darüber hinaus auf dem Areal einer im Sommer 2014 abgerissenen Tankstelle ein neuer Parkplatz eingerichtet.
Dieser von Anfang an als provisorisch gekennzeichnete Eingang wurde im April 2019 wieder geschlossen zugunsten eines neuen Eingangs an der Trajanstraße, der ebenfalls Parkplätze für Busse, PKW und Fahrräder und eine nähere Anbindung an den Bahnhof Xanten bietet.Neuer APX-Eingang vor LVR-RömerMuseum öffnet – Lokalkompass.de Dieser Eingang trägt ebenfalls den Namen „Römermuseum“. Ein Parkleitsystem der Stadt Xanten ist eingerichtet.
Leitung des Parks mini|Beispiel für Kooperation mit Universitäten
Martin Müller ist seit 2003 Leiter des Archäologischen Parks. Ihm liegt die Weiterentwicklung der archäologischen Präsentationen und der Ausbau familienfreundlicher Besucherangebote am Herzen. Sie haben eine zentrale Rolle in der so genannten Entwicklungskonzeption des APX, die er für den Ausbau des Parks verfasst hat. Darüber hinaus fördert Martin Müller die Kooperationen mit Forschungseinrichtungen aus dem In- und Ausland und beschäftigt sich mit wissenschaftlichen Arbeiten über die Archäologie der römischen Stadt.Vorstellung des aktuellen Leiters des APX auf der Website des Parks, abgerufen am 8. September 2018.
Öffentlichkeitsarbeit Ein kleines Team von Archäologen kümmert sich um die immer wichtiger werdende Öffentlichkeitsarbeit, die den Park bekannt machen und für ihn werben soll. Deren Arbeitsgebiet umfasst wissenschaftliche Publikationen und Veröffentlichungen aller Art, Gestaltung der eigenen Website, Fotoarbeiten und das Marketing. Außerdem werden von ihnen Kontakte zu Presse, Funk und Fernsehen gepflegt.Vorstellung der aktuellen Öffentlichkeitsarbeiter des APX auf der Website des Parks, abgerufen am 8. September 2018.
Bauwerke