Bei der Gattung Poecilochaetus, die gleichzeitig die monogenerische Familie Poecilochaetidae bildet, handelt es sich um Vielborster (Polychaeta), die in Meeren weltweit als Detritusfresser vom Küstensaum bis in die Tiefsee zu finden sind.

Merkmale Die Vielborster der Gattung Poecilochaetus haben ein Paar Palpen mit Wimperrinnen, nach vorn ragende Borsten, die einen „Kopfkäfig“ bilden, und flaschenförmige, hinter den Borsten sitzende Lappen an den zweiästigen Parapodien. Das Prostomium ist vorn abgeschnitten und trägt ventral eine einzelne Mittelantenne, an der Papillen sitzen. Die drei Nuchalorgane haben die Form dreier nach hinten gerichteter fingerförmiger Lappen. Das Peristomium besteht lediglich aus Lippen, an denen die Palpen sitzen. Das erste Segment ähnelt den folgenden Segmenten, kann jedoch etwas größer sein, und die Parapodien und Borsten ragen nach vorn. Dorsale und ventrale Cirren fehlen. Die Kiemen sind als abgeflachte Strukturen der Parapodien ausgebildet. Am Pygidium sitzen zahlreiche Cirren. Die Tiere haben keine Aciculae. Sämtliche Borsten sind einfach, können aber federförmig, modifiziert kapillarförmig oder als dicke Stacheln ausgeprägt sein.

Verbreitung und Lebensraum Die Ringelwürmer der Gattung Poecilochaetus sind weltweit in warmen temperierten Meeren verbreitet, doch sind 3 Arten aus der Tiefsee bekannt. Die Tiere leben in feinen, weichen Sedimentböden.

Entwicklungszyklus Die Vielborster der Gattung Poecilochaetus sind getrenntgeschlechtlich. Ihr Fortpflanzungsverhalten ist bisher nicht bekannt, wenn auch äußere Befruchtung vermutet wird. Die Larven leben, soweit bekannt, lange Zeit als Plankton.

Lebensweise Über die Lebensweise der Poecilochaetidae ist wenig bekannt. Die Tiere leben im Sediment in selbst gegrabenen U-förmigen Gängen, die sie mit Schleim auskleiden und in denen sie einen Wasserstrom aufrechterhalten. Sie ernähren sich als Filtrierer oder weiden Detritus von der Substratoberfläche ab, wozu sie ihre oberhalb der Sedimentoberfläche gehaltenen Palpen verwenden. Die an diesen befindlichen Wimperrinnen befördern die Nahrungspartikel zum Mund. Die Wohnröhren einer Art werden von kommensalischen Krabben der Familie Pinnotheridae bewohnt.

Systematik Die 1875 von René-Édouard Claparède erstbeschriebene Gattung Poecilochaetus wurde zunächst zur Familie Spionidae und 1897 von Félix Mesnil in die Familie Disomidae gestellt, die wiederum 1963 von Marian Hope Pettibone auf Grund einer Homonymie des Namens Disoma den neuen Namen Trochochaetidae erhielt, doch errichtete Lennart Hannerz 1956 eine eigene Familie Poecilochaetidae mit dieser einzigen Gattung.

Arten Zur Gattung Poecilochaetus werden folgende 31 Arten gezählt:Poecilochaetus Claparède in Ehlers, 1875. WoRMS, 2018. Abgerufen am 3. Januar 2019. Poecilochaetus australis Nonato, 1963 Poecilochaetus bermudensis Hartman, 1965 Poecilochaetus bifurcatus Imajima, 1989 Poecilochaetus clavatus Imajima, 1989 Poecilochaetus elongatus Imajima, 1989 Poecilochaetus exmouthensis Hartmann-Schröder, 1980 Poecilochaetus fauchaldi Pilato & Cantone, 1976 Poecilochaetus fulgoris Claparède in Ehlers, 1875 Poecilochaetus gallardoi Pilato & Cantone, 1976 Poecilochaetus granulatus Imajima, 1989 Poecilochaetus hystricosus Mackie, 1990 Poecilochaetus ishikariensis Imajima, 1989 Poecilochaetus japonicus Kitamori, 1965 Poecilochaetus johnsoni Hartman, 1939 Poecilochaetus koshikiensis Miura, 1988 Poecilochaetus magnus Imajima, 1989 Poecilochaetus martini Brantley, 2009 Poecilochaetus modestus Rullier, 1965 Poecilochaetus multibranchiatus Leon-Gonzalez, 1992 Poecilochaetus paratropicus Gallardo, 1968 Poecilochaetus perequensis Santos & Mackie, 2008 Poecilochaetus polycirratus Santos & Mackie, 2008 Poecilochaetus serpens Allen, 1904 Poecilochaetus spinulosus Mackie, 1990 Poecilochaetus tokyoensis Imajima, 1989 Poecilochaetus trachyderma Read, 1986 Poecilochaetus tricirratus Mackie, 1990 Poecilochaetus trilobatus Imajima, 1989 Poecilochaetus tropicus Okuda, 1937 Poecilochaetus vietnamita Gallardo, 1968 Poecilochaetus vitjazi Levenstein, 1962

Literatur Claparède's Bericht über die auf der Lightning-Expedition gesammelten Würmer. In: Ernst Ehlers (1875): Beiträge zur Kenntniss der Verticalverbreitung der Borstenwürmer im Meere. Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie 25, S. 1–102, hier S. 9–13, Tafel I–IV. Félix Mesnil (1897): Études de morphologie externe chez les Annélides. II. Remarques complémentaires sur les Spionidiens. La famille nouvelle des Disomidiens. La place des Aonides (sensu Tauber, Levinsen). Bulletin scientifique de la France et de la Belgique 30, S. 83–100, hier S. 94–98. La famille des Disomidæ. Lennart Hannerz (1956): Larval development of the polychaete families Spionidae Sars, Disomidae Mesnil, and Poecilochaetidae n. fam. in the Gullmar Fjord (Sweden). Zoologiska Bidrag frän Uppsala 31, S. 1–204. Gesa Hartmann-Schröder (1996): Annelida, Borstenwürmer, Polychaeta. Tierwelt Deutschlands 58, S. 1–648, hier S. 295. Familie Poecilochaetidae Hannerz, 1956 Stanley J. Edmonds: Fauna of Australia, Volume 4A. Polychaetes & Allies. The Southern Synthesis 4. Commonwealth of Australia, 2000. Class Polychaeta. S. 264f., Family Poecilochaetidae.

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Einzelnachweise

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