Jón lærði Guðmundsson (Jón Guðmundsson der Gelehrte oder der Weise) (* 1574 in Ófeigsfjörður; † 1658) war ein isländischer Autodidakt und Dichter, der auch als großer Magier angesehen wurde. In seinen Schriften vereinen sich christlich-heidnischer Volksglaube mit aufklärerischen Gedanken und einem ganzheitlichen Naturverständnis. Man schrieb ihm zu, dass er türkische Piraten oder Sklavenjäger von der Küste Islands ferngehalten habe.
Leben Der Bauernsohn Jón Guðmundsson lebte die längste Zeit seines Lebens im Bezirk Strandir an der Ostküste der Westfjorde. Als Kind lernte er die Bücher im Hause seines Großvaters mütterlicherseits, des ehemaligen katholischen Priesters Indriði Ámundason, kennen. Auch Bilder aus deutschen Botanikbüchern kopierte er sorgfältig. Im Jahr 1600 heiratete er Sigríður Þorleifsdóttir.
Als im September 1615 bei Strandir eine baskische Walfang-Expedition ihre Schiffe im Sturm verloren hatte, wurden die über 40 (bis zu 80?) überlebenden Schiffbrüchigen, die alle Lebensmittel verloren hatten, nach verschiedenen Zwischenfällen auf Befehl des Amtmanns Ari Magnússon von Ögur, der sich wohl selbst am Besitz der Basken bereichert hatte, im Oktober brutal ermordet; ihre Körper wurden verstümmelt. Dem Massaker vorausgegangen waren Piratenüberfälle und Konflikte mit den Basken, die seit etwa 1613–1614 regelmäßig in den Westfjorden operierten. Auch spielte wohl eine heftige Propaganda gegen die Walfänger aufgrund der religiösen Differenzen zwischen den spanischen Katholiken und den einheimischen Lutheranern eine Rolle.
Um die Ehre der Opfer wiederherzustellen, schrieb Jón einen Bericht mit dem Titel Sönn frásaga af spanska manna skipbrotum of slagi („Die wahre Geschichte der Spanier, die Schiffbruch erlitten und erschlagen wurden“).Xavier Irujo, Viola Miglio (Hrsg.): Jón Gudmundsson Laerdi’s True Account and the Massacre of Basque Whalers in Iceland in 1615. Center for Basque Studies, Reno (Nevada) 2017. ISBN 978-1-935709-83-1. Wegen der Kritik an dem mächtigen Amtmann musste Jón aus den Westfjorden fliehen. Sein Bericht stellt das erste Dokument des isländischen Journalismus dar.
1617 erließ der dänische König Christian IV. einen Erlass gegen Hexerei, der auch in Island seine Wirkung tat, auch wenn unklar ist, ob er von der Hauptversammlung in Þingvellir unterzeichnet wurde. 1631 wurde auch Jón der Hexerei und Blasphemie beschuldigt, da er bei seinen Heilungsversuchen den Namen Gottes missbräuchlich verwendet habe. Jón konnte die Todesstrafe abwehren und wurde aus dem Land verbannt, doch wurde ihm nach einer Anhörung vor dem Gericht in Kopenhagen und einer zweiten Gerichtsverhandlung, bei dem der erste Urteilsspruch bestätigt wurde, erlaubt, die restlichen Tage seines Lebens im Osten des Landes zu verbringen.
Werk Jóns Dichtung gibt einen Einblick in die isländische Folklore. Im Asyl im Osten des Landes schrieb er eine Reihe von Büchern, die meisten für den Bischof in Skálholt, Brynjólfur Sveinsson, so eine Naturgeschichte Islands mit Zeichnungen von Walen und anderen Lebewesen. In einigen Schriften setzt er sich mit der Natur des Teufels auseinander. Paläographen schreiben ihm auch das Manuskript Lbs fragm. 14 der National- und Universitätsbibliothek Islands zu, ein Vellum in lateinischer und isländischer Sprache, das einen Zauber gegen Koliken und Gicht enthält. Der lateinische Text ist der Übersetzung des Neuen Testaments durch Erasmus von Rotterdam entnommen (Johannes 1:1–4; Matthäus 8:1–13 und 9:1–8) und durch isländische Beschwörungsformeln ergänzt.
Mit zwei seiner Gedichte soll er Geister getötet haben. Fast alle Pergamente mit Zauberformeln und Exorzismen gingen in den vom dänischen Adel initiierten Hexenverfolgungen des 17. Jahrhunderts verloren, bei denen 21 Menschen verbrannt wurden.
Literatur Bengt Ankarloo, Gustav Henningsen, Gustav (Hrsg.): Häxornas Europa 1400–1700: historiska och antropologiska studier (=Skrifter, Bd. 13). Nerenius & Santérus, Stockholm 1987.
Weblinks Website der Ausstellung im Kulturhaus Reykjavik 2018/19 The story of Jón lærði Guðmundsson aufviking-sorcery.com Hexerei und Magie in Island
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