Die Liste der Stolpersteine im Landkreis Emmendingen enthält eine Übersicht der Stolpersteine im baden-württembergischen Landkreis Emmendingen. Stolpersteine sollen an das Schicksal der Menschen erinnern, die von den Nationalsozialisten ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine wurden von Gunter Demnig verlegt. Im Regelfall werden sie vor dem letzten freigewählten Wohnort des Opfers verlegt.

Stolpersteine im Landkreis Emmendingen Denzlingen Die Stolpersteine in Denzlingen wurden im Rahmen des Projekts des Künstlers Gunter Demnig am 9. Juli 2018 verlegt. Zuvor hatte sich der Denzlinger Gemeinderat in seiner Sitzung vom 25. Juli 2017 einstimmig für die Verlegung von Stolpersteinen ausgesprochen, die vom Arbeitskreis „NS-Zeit in Denzlingen“ initiiert wurde.

Am Vortag der Verlegung hielt Demnig in der Michaelskirche einen Vortrag zum Thema „Stolpersteine – Spuren und Wege“, in dem er sein Lebenswerk als Künstler und die Motive für die Stolperstein­verlegungen erläuterte.

Die Tabelle ist teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen.

StolpersteinÜbersetzung Standort Name, Leben120px HIER GEBORENANNA BASSINGERGEB. REITZELJG. 1891ZEUGIN JEHOVASSEIT 1935 INHAFTIERT1940 RAVENSBRÜCK'VERLEGT‘ 8.5.1942BERNBURGERMORDET 8.5.1942 Hauptstraße 233verlegt am 9. Juli 2018 , geborene Reitzel, wurde am 11. Oktober 1891 als Tochter von Carl Reitzel und dessen Ehefrau Wilhelmine geboren. Ihre Eltern führten das Gasthaus Hirschen, welches bis Ende 2019 bestand. Im Mai 1911 heiratete Anna Reitzel den Eisenbahninspektor Otto Bassinger. Das Paar hatte zwei Kinder, Heinz und Anneliese. 1920 wurde der Ehemann versetzt und die Familie zog nach St. Georgen/Schwarzwald. Dort kam sie mit sogenannten Bibelforschern in Kontakt, 1923 wurde Bassinger Zeugin Jehovas. Am 18. November 1924 starb der Ehemann. 1930 zog sie mit den Kindern in das thüringische Gera und verlobte sich mit Erich Conrad, einem Schriftsetzer der „Geraer Nachrichten“, auch er Zeuge Jehovas. 1935 begannen massive Repressalien des NS-Regimes gegen die Glaubensgemeinschaft, die Wehrdienst und Krieg strikt ablehnt. Anna Bassinger wurde erstmals verhaftet, 1937 erneut, auch ihr Verlobter kam in Haft. Im Juni 1938 wurden neun Zeugen Jehovas vom Sondergericht Weimar abgeurteilt, Anna Bassinger bekam zweieinhalb, Erich Conrad viereinhalb Jahre Haftstrafe. Sie wurde in das Frauengefängnis Leipzig-Kleinmeusdorf überstellt. Während der Haft wurde sie Großmutter. Die Tochter, seit 1937 verheiratet, hatte eine Tochter zur Welt gebracht. Anna Bassinger korrespondierte mit Erich Conrad, der jedoch nicht alle ihre Briefe bekam. Weil sie sich weigerte, sich von der Glaubensgemeinschaft loszusagen, wurde sie nach Ende der regulären Haft in das Konzentrationslager Ravensbrück überstellt. Ihr Sohn, inzwischen Offizier der Wehrmacht, konnte die Freilassung seiner Mutter nicht bewirken. Sie wurde zu schwerer Arbeit eingeteilt und das Wachpersonal hetzte – als sie eines Tages erschöpft zusammenbrach – Hunde auf sie. Aufgrund der Verletzungen war sie nicht mehr arbeitsfähig und wurde in die Tötungsanstalt Bernburg überstellt. Am 8. Mai 1942 wurde Anna Bassinger dort in einer Gaskammer ermordet. Ihrer Tochter wurde als Todesursache Herz-Kreislaufschwäche in Folge von Magenbluten bekannt gegeben.

Heinz Bassinger fiel auf der Krim. Erich Conrad überlebte die NS-Zeit. Er starb in den 1970er Jahren. 2013 wurde in der Reinhold-Straße 3 von Gera der erste Stolperstein für Anna Bassinger verlegt.Spuren suchen - Denzlingen: 12.1 Hauptstraße 233 / Im Konzentrationslager ermordet, abgerufen am 14. August 2020120px HIER WOHNTEJAKOB BÜHLERJG. 1897VERHAFTET 1938ALS ASOZIAL STIGMATISIERT1938 DACHAU1941 RAVENSBRÜCK'VERLEGT‘ 23.3.1942BERNBURGERMORDET 23.3.1942 Hauptstraße 53verlegt am 9. Juli 2018 wurde am 17. März 1897 in Eichstetten am Kaiserstuhl geboren. 1923 heiratete er in Denzlingen Anna Scherberger. Das Paar lebte im Elternhaus seiner Frau und bekam drei Kinder. Die Familie betrieb eine kleine Landwirtschaft, hielt Schweine, Hühner und eine Kuh, die Einkünfte waren bescheiden. Bühler belieferte den Markt und private Kunden, jedoch ohne behördliche Genehmigung. Es folgten Repressionen, der Entzug des Führerscheins und die Zuweisung einer Arbeitsstelle im Bauwesen. Da er nicht regelmäßig zur zugewiesenen Arbeitsstelle kam, sondern weiterhin mit seinem Motorrad landwirtschaftliche Produkte auslieferte, wurde er verhaftet und als „asozial“ stigmatieisert. Er bekam selbst dann keinen Freigang, als seine Frau am 5. August 1938 nach einer Operation verstarb. Bühler durfte sich nicht um seine Kinder kümmern, die bei Verwandten im Ort untergebracht wurden. Im August 1938 wurde er in das Konzentrationslager Dachau überstellt, später in das Konzentrationslager Ravensbrück. Jakob Bühler wurde am 23. März 1942 in einer Gaskammer der Tötungsanstalt Bernburg an der Saale ermordet.Spuren suchen - Denzlingen: 12.2 Anwesen Hauptstraße 53 / Im Konzentrationslager ermordet, abgerufen am 14. August 2020120px HIER LEBTE ZWANGSWEISEKAZIMIERZ DWORAKJG. 1917POLNISCHERKRIEGSGEFANGENERZWANGSARBEITERMORDET 14.9.1943 Im Untergraben 63verlegt am 9. Juli 2018 wurde am 20. Oktober 1917 in Korytów, Polen, geboren. Seine Eltern waren Jan Dworak und dessen Ehefrau, eine geborene Kaluze. Er wurde als polnischer Kriegsgefangener in Denzlingen interniert und zur Zwangsarbeit in Betrieben des Ortes eingeteilt. Dworak lebte mit anderen Zwangsarbeitern verschiedener Nationalitäten in einer Lagerbaracke der Reichsbahn. Den Kriegsgefangenen war es strengstens untersagt, Beziehungen mit deutschen Frauen einzugehen. Liebesbeziehungen wurden mit dem Tode bestraft. Am 14. September 1943 wurde Kazimierz Dworak „um 19.45 Uhr wegen Meuterei und Widerstand“ von einem Wachmann erschossen. So wurde es im Sterberegister des Standesamtes der Gemeinde Denzlingen verzeichnet. Es fanden weder eine Untersuchung des Tötungsaktes noch ein Strafverfahren statt. Kazimierz Dworak wurde östlich der Georgskirche am Denzlingen Friedhof beerdigt, im Eingangsbereich des Friedhofs.RegioTrends: 3. Stolperstein für Kazimierz Dworak, abgerufen am 14. August 2020Spuren suchen - Denzlingen: 12.3 Friedhof / Erschossen von einem Wachmann, abgerufen am 14. August 2020

2013 besuchte eine Delegation aus Konstancin-Jeziorna, einer Partnerstadt von Denzlingen, das Grab. 2016 kamen auch Verwandten zu Besuch. Sie wussten bis dahin nicht, dass Kasimierz Dworak in Denzlingen begraben liegt.

Herbolzheim In Herbolzheim wurde der folgende Stolperstein verlegt:

StolpersteinÜbersetzung Standort Name, Leben 120px HIER WOHNTEALOIS ZÄHRINGERJG. 1921AUSJOSEFSANSTALT HERTENEINGEWIESEN 6.9.1940GRAFENECKERMORDET 6.9.1940AKTION T4 Adresse?Stolperstein verlegt am 11. Juli 2010 wurde am 29. September 1921 im Herbolzheimer Stadtteil Bleichheim geboren. Seine Eltern waren der Schreiner Friedrich Zähringer und Maria, geborene Ochsner. Er hatte die Geschwister Hilda und Anna Cäcilie (geboren 1919). Anna starb bereits kurz nach der Geburt. Nach dem Tod seiner Mutter 1924 heiratete sein Vater ein weiteres Mal, aus der zweiten Ehe gingen drei Kinder hervor. Am 9. August 1929 wurde Zähringer in der St. Josephs-Anstalt Herten aufgenommen, laut seiner Schwester litt er unter „Anfällen“. Sein Großneffe recherchierte, dass Alois Zähringer als Baby mit dem Kinderwagen umgefallen wäre und er von diesem Sturz Schäden behalten hätte, zumindest war das die Information seitens der Familie. Im Krankenakt stand wiederum: »Epilepsie, hochgradiger Schwachsinn« und »Angeborene Idiotie mit Epilepsie und Seelenstörung«. Am 20. August 1940 wurde er zusammen mit 74 weiteren Jungen und Männern in die Heil- und Pflegeanstalt Emmendingen verlegt. Die St. Josephs-Anstalt verweigerte die Hilfe beim Transport, der Trsndportleiter und seine Mitarbeiter versuchten die 75 Mitzunehmenden in den Transport zu bringen, es kam zu so viel Aufregung, dass auch Bewohner der Stadt Herten das Ganze mitbekamen und die Verladung beobachteten. Zum Schluss mussten Schwestern der Anstalt Herten wieder die aus dem Transport waren raussuchen, die verladen worden waren, aber nicht auf der Liste standen und gegen diejenigen austauschen, die mit mussten. Die Anstalt Emmendingen lag nur wenige Kilometer vom Wohnort seiner Familie entfernt, diese erfuhr aber nichts von der Umverlegung. Am 6. September 1940 wurde er von der Anstalt Emmendingen in die Tötungsanstalt Grafeneck verlegt. Alois Zähringer wurde dort noch am selben Tag kurz nach seiner Ankunft im Rahmen der Aktion T4 mit Gas ermordet. Seine Familie erhielt seine Urne einige Tage später, als offizielle Todesursache wurde „Gehirnhautentzündung“ und das Todesdatum mit 16. September 1940 angegeben. Am 28. Oktober 1940 wurde seine Urne im Grab der Mutter beigesetzt. Seine Schwester Hilda heiratete wenige Tage nach dem Bekanntwerden des Todes ihres Bruders, in schwarz.

Alois Zähringers Fürsorgeakt wurde erst nach 1947 vernichtet. Am 4. September 2010 veröffentlichte die Familie in der Badischen Zeitung eine Todesanzeige für Alois Zähringer und lud zu einer Gedenkveranstaltung unter dem Motto »Das Vergessen der Vernichtung ist Teil der Vernichtung selbst.« ein. Auf dieser Gedenkveranstaltung trafen sich viele Familienmitglieder das erste Mal, der Direktor des St. Josefshauses Herten und der Bürgermeister von Herbolzheim erschienen.

Kenzingen StolpersteinÜbersetzung Standort Name, Leben120px HIER WOHNTEBERTHA DREIFUSSJG. 1870DEPORTIERT 1940GURSERMORDET 7.11.1940 Brotstraße 15verlegt am 27. Sept. 2007 wurde am 20. Juni 1870 in Kenzingen geboren. Ihre Eltern waren Abraham Dreifuss und Auguste, geborene Hirsch. Sie hatte vier Geschwister, darunter Anna, Ludwig und Theo. Sie blieb unverheiratet und wohnte in Kenzingen im Haushalt des Bruders. Bertha Dreifuss wurde am 22. Oktober 1940 in das Camp de Gurs deportiert, ein NS-Konzentrationslager in der französischen Ortschaft Gurs nördlich der Pyrenäen. Bertha Dreifuss wurde am 7. November 1940 vom NS-Regime ermordet.Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945: Dreifuß, Berta, abgerufen am 15. August 2020The Central Database of Shoah Victims’ Names: BERTHA DREIFUSS, beruhend auf einer Todesfallmeldung ihrer Nichte Alice Dreifuss Goldstein (darin wird berichtet, sie sei über Drancy nach Auschwitz deportiert worden und als Geburtstag der 23. Juni angegeben).