mini|Opel-Hauptportal und Portalgebäude in Rüsselsheim in der Nähe des Bahnhofs, davor das Denkmal des Unternehmensgründers Adam Opel mini|Blick auf die ältesten Werksgebäude, die nach dem großen Brand von 1911 nach Plänen von Paul Meissner errichtet wurden, am linken Bildrand das Hauptportal, vorn Adam’s Bistro und einige dem Publikum zugängliche Ausstellungsflächen mini|Aktie über 10.000 RM der Adam Opel AG vom 20. August 1941 mini|Opel Doktorwagen von 1908
Die Opel Automobile GmbH ist ein deutscher Kraftfahrzeughersteller mit Sitz in Rüsselsheim am Main. Gegründet wurde das Unternehmen 1862 als Nähmaschinenhersteller, später war Opel ein bedeutender Fahrradproduzent. Der Automobilbau begann im Jahr 1899.
Der Stammsitz von Opel in Rüsselsheim ist zugleich Sitz der deutschen Niederlassung von Stellantis, der Muttergesellschaft von Opel, welche im Jahr 2019 noch als Groupe PSA von Köln dorthin umgezogen ist. Die ehemalige FCA Deutschland AG zog zum 1. Oktober 2021 von Frankfurt am Main auch zu deren Sitz um, wo sie im gleichen Jahr mit Stellantis verschmolzen wurde.stellantis.com: Pressemeldung vom 4. Oktober 2021. Opel ist dabei die einzige deutsche Marke im Konzern.
Geschichte 1862: Adam Opel beginnt mit der Nähmaschinenherstellung mini|Adam und Sophie Opel im Jahr ihrer Hochzeit (1868) mini|Werbung für Opel-Perfecta Nähmaschinen (1901)
Adam Opel war der älteste Sohn des Schlossermeisters Philipp Wilhelm Opel in Rüsselsheim. Nach einer Lehre im väterlichen Betrieb ging Opel 1857 als Geselle auf Wanderschaft, die ihn über Lüttich, Brüssel und England nach Paris führte. Zunächst arbeitete er dort in einer Tresorfabrik, dann mit seinem Bruder Georg Opel in der Nähmaschinenfabrik von Journaux & Leblond. Anfang 1862 wechselten sie in die Nähmaschinenfabrik von Huguenin & Reimann. Im August 1862 kehrte Adam Opel nach Rüsselsheim zurück und baute in der väterlichen Werkstatt die erste Opel-Nähmaschine.
Im Frühjahr 1863 machte sich Adam Opel in einem ehemaligen Kuhstall selbstständig. Der in Paris gebliebene Bruder Georg versorgte ihn mit den notwendigen Spezialstählen, Greifern und Nadeln. Die Fertigung der Nähmaschinen beanspruchte viel Zeit. So verdiente Opel seinen Lebensunterhalt mit der Herstellung von Weinverkorkmaschinen und dem Verkauf von Nähmaschinen des Pariser Herstellers Plaz und Rexroth (diese Nähmaschinen werden oft fälschlich als Opel Nr. 1 bezeichnet). 1864 waren auch Nähmaschinen aus London nach dem Patent von Elias Howe im Angebot von Opel.
Die 1868 geschlossene Ehe mit der Gastwirtstochter Sophie Marie Scheller ermöglichte Opel im gleichen Jahr die Errichtung der Nähmaschinenfabrik von Adam Opel und den Erwerb von Fabrikanteilen der Gießerei Lallement & Cie. Bis 1880 wurden insgesamt 20.000 Nähmaschinen hergestellt. Mit dem Fabrikumbau von 1882 wurde auf das Singer-System umgestellt. Bis dahin hatte Opel gebaut: Opel-Nähmaschine nach Plaz und Rexroth, Thomas-Schneidernähmaschine, 1864 Delphin-Nähmaschine nach Grover und Baker, 1870 Titannähmaschine Sophia und Cylinder-Elastique-Nähmaschine für Schuhmacher. 1885 produzierten 300 Arbeiter 18.000 Nähmaschinen. 1895 starb der Unternehmensgründer und seine Witwe Sophie führte gemeinsam mit den fünf Söhnen Carl, Wilhelm, Heinrich, Fritz und Ludwig das Unternehmen weiter.
Spätestens um 1900 wurde deutlich, dass die Zukunft des Opel-Werkes nicht bei den Nähmaschinen liegen würde. Die gesamte deutsche Produktion war fast höher als der mögliche Weltabsatz. So stagnierte der Nähmaschinenverkauf, Opel verkaufte billigst an Großhändler und nach Übersee. In den Jahren zwischen 1863 und 1911 hatte Opel insgesamt eine Million Nähmaschinen hergestellt und verkauft. Nach einem großen Brand im Opelwerk 1911 beendete das Unternehmen den Bau von Nähmaschinen und stellte nur noch Fahrräder und Motorwagen her.
1886 bis 1940: Fahrräder von Opel Opels Söhne begeisterten den Vater von der Idee des Fahrrades. Dank ihrer Hartnäckigkeit ließ sich der Vater überzeugen; 1886 verließ das erste Opel-Fahrrad, ein Hochrad, die Fabrik an der Trasse der Bahnstrecke Mainz–Frankfurt. Im Jahr 1898 stellten 1200 Beschäftigte fast 25.000 Nähmaschinen und 15.000 Fahrräder her. Der Fabrikbrand 1911 bedeutete eine Pause für die Fahrradproduktion, doch bereits 1912 war der Betrieb wieder aufgenommen. Auch waren es die fünf Opel-Brüder, die als erfolgreiche Radrennfahrer zur Popularität der Opel-Fahrräder beitrugen. In den 1920er Jahren stieg Opel zum größten Fahrradhersteller der Welt auf. Es wurden auch motorbetriebene Fahrräder gebaut. 1936 wurde die Fahrradproduktion an die NSU Motorenwerke in Neckarsulm verkauft. NSU- und Opel-Fahrräder wurden bis etwa 1940 als NSU bzw. NSU-Opel angeboten.
1898 bis 1928: Aufstieg zum größten Automobilhersteller Deutschlands mini|Opel Patentmotorwagen „System Lutzmann“ (1899–1901)
1898, drei Jahre nach dem Tod des Unternehmensgründers, der nie Automobile produzieren wollte, begann Sophie Opel mit dem Automobilbau. Auf Betreiben der Söhne übernahm Opel am 21. Januar 1899 die Anhaltische Motorwagenfabrik des Dessauer Hofschlossermeisters, Automobilpioniers und Konstrukteurs Friedrich Lutzmann, der zum Direktor ernannt wurde. Der Opel Patentmotorwagen „System Lutzmann“ wurde im Stammwerk in Rüsselsheim produziert. Dieser war im September 1897 von Lutzmann im Hotel Bristol in Berlin auf der ersten IAA ausgestellt worden. Opel produzierte von Anfang an verschiedene Karosserie- und Motorvarianten, unter anderem auch einen Lieferwagen. Die Motorisierung erlaubte eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 40 km/h. Allerdings konnten sie nicht mit den damals hochentwickelten französischen Motorwagen konkurrieren, und so wurde die Automobilproduktion vorerst eingestellt.
1902 unterzeichnete Opel einen Kooperationsvertrag mit dem französischen Automobilbauer Darracq und produzierte Voiturette-Fahrzeuge unter dem Markennamen Opel-Darracq. Die Kooperation wurde bis 1907 aufrechterhalten. Im Jahr 1902 gab es die erste Opel-Eigenkonstruktion, den 10/12 PS, der mit einem 1,9-Liter-Zweizylindermotor ausgerüstet war. Mit dem Opel-Darracq 30/32 PS stellte das Unternehmen 1904 seinen ersten Wagen mit Vierzylindermotor vor. Im Juni 1907 erreichte Opel-Werksfahrer Carl Jörns beim Kaiserpreis-Rennen im Taunus nach einem harten Kampf mit dem späteren Sieger Felice Nazzaro auf Fiat den dritten Platz, was Opel als Hersteller des bestplatzierten deutschen Fahrzeugs den Titel kaiserlicher Hoflieferant für Automobile einbrachte.
mini|Opel 8/30 von 1911 (2012), Heidi Hetzer mit ihrer Tochter Besonders beliebt war der ab 1909 angebotene Opel 4/8 PS, ein zweisitziges Cabriolet, das von vielen Ärzten für Hausbesuche benutzt wurde. Er erhielt den Spitznamen „Doktorwagen“.
1911 brachte Opel neben den Automobilen den Opel 60-PS-Motorpflug auf den Markt, der sich auf Landgütern großer Beliebtheit erfreute. Im Jahr 1912 produzierten 3000 Arbeiter 30.000 Fahrräder und 3000 Automobile. Das Werksgelände war rund 73.000 m² groß. Beim Brüsseler Autosalon 1912 war die Limousine 24/30 PS ausgestellt.Salon de Bruxelles 1912, limousine Opel 24/30 HP (Bibliothèque Nationale de France)
mini|„Opel-Ei“ nach Max Lochner (1913) mini|Mit dem „Laubfrosch“ wurde Opel zum größten Automobilhersteller Deutschlands
1913 entwickelte Opel nach Konstruktionsvorlagen von Max Lochner den Prototyp eines Stromlinienfahrzeugs, das sogenannte „Opel-Ei“, das auf dessen Kosten für 120.000 Mark gebaut wurde. Mit Ausnahme eines Versuchswagens der französischen Firma Automobiles André Dubonnet ist dies zu damaliger Zeit der einzige Wagen mit richtiger Stromlinienform geblieben. Der Querschnitt war fast kreisrund und man konnte im Ei, aufgrund der guten Straßenlage und Federung, auch bei Höchstgeschwindigkeit von 95 km/h aufrecht stehen (dies trotz Ballonreifen sowie fehlender Stoßdämpfer und Schwingachsen, die es damals noch nicht gab). Sogar mit Zylinderhut war das Ein- und Aussteigen unbehindert und dank einer guten Abdichtung des Innenraumes verstaubte dieser in Anbetracht der damaligen Straßenverhältnisse auch nur geringfügig. Das rot lackierte und unter der Steuerformel 13/30 PS patentierte „Opel-Ei“ wurde während des Ersten Weltkrieges beschlagnahmt und ist seitdem verschwunden.
Nach Kriegsausbruch 1914 hielt Opel die Pkw-Produktion aufrecht und fertigte unter anderem die Modelle 8/22 bzw. 9/25 PS. Das 1919 vorgestellte Modell 21/55 PS war der erste Opel-Sechszylinder-Pkw und wurde bis 1924 gebaut. Für das Jahr 1916 ist der Einsatz französischer Zwangsarbeiter im Werk Rüsselsheim dokumentiert.Dokument vom 29. August 1916, Gallica
1924 wurde das Opel-Werk in Rüsselsheim als erster Automobilproduzent im Deutschen Reich mit Fließbändern ausgestattet, um preisgünstiger zu produzieren. Das Erfolgsmodell Opel 4 PS („Laubfrosch“) wurde nun in rationeller Massenfertigung produziert. Fritz von Opel, der sich bereits als Testfahrer einen Ruf erarbeitet hatte, experimentierte unterdessen an Autos mit Raketenantrieb und erreichte 1928 auf der AVUS mit seinem Modell RAK 2 die Rekordgeschwindigkeit von 238 km/h. Ein Jahr später unternahm er mit dem Flugzeug Opel-Sander RAK.1 auf dem Frankfurter Rebstock-Gelände einen der weltweit ersten bemannten Raketenflüge. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs von 2400 im Jahr 1924 auf 9400 im Jahr 1928. Die Adam Opel KG war damals mit 42.771 hergestellten Automobilen größter deutscher Automobilhersteller. Warenzeichenschutz für die Marke „Opel“ wurde erst am 13. Dezember 1927 beantragt und unter der Nummer 407.582 zum 13. September 1929 durch das Reichspatentamt erteilt.Vgl. Warenzeichenblatt 1929, S. 2059.
Motorradproduktion Kurz nachdem die Automobilproduktion aufgenommen worden war, baute Opel motorisierte Zweiräder. Das erste Opel-Motorrad war das 2-PS-Motorzweirad, das ab 1901 die Fabrik in Rüsselsheim verließ und für 700 Mark zu haben war; die Motorradproduktion wurde 1907 eingestellt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Opel Motorfahrrad produziert. 1922 wurde die Opel Bahnrennmaschine speziell für schnelle Zementbahnen entwickelt. In diesem Jahr wurden auch leichte Opel-Motorräder mit 1½ PS (1,1 kW) von Opel & Beyschlag in Wien inseriert (Details: Gesteuerte Ventile, Kupplung, Leerlauf, Spezialrahmen).
Mitte der 1920er Jahre verlagerte Opel die Motorradproduktion nach Sachsen. Im Jahr 1928 übernahm Opel dann die Aktienmehrheit an dem Fahrradhersteller Elite Diamant in Reichenbrand, einem Ortsteil der Stadt Siegmar bei Chemnitz. Als neue Produktionsstätte dienten die Elite-Werke in Brand-Erbisdorf (Sachsen). Ein 16 PS (12 kW) starkes Modell der Diamant-Werke mit Kühne-Motor, 500 cm³ Hubraum und Stahlrohrrahmen wurde kurze Zeit unter dem Opel-Logo angeboten. Im selben Jahr erwarb Fritz von Opel die Lizenz für den sogenannten „Neander-Rahmen“ von Ernst Neumann-Neander. Bald darauf ging das mit diesem Pressstahlrahmen ausgestattete Motorrad Opel Motoclub 500 in die Serienproduktion. Es war nur in der Farbkombination Silbergrau/Rot erhältlich. Trotz des Erfolges der Motoclub 500 beschloss GM nach der endgültigen Übernahme, sich von den verlustbehafteten Elite-Diamant-Werken zu trennen. Damit endete nach knapp 6000 Einheiten und fast 20 Modellen die 1901 gestartete Motorradproduktion bei Opel. Ein bereits im Prototypenstadium befindliches Nachfolgemodell wurde nicht verwirklicht. Bis Anfang 1930 wurden in Rüsselsheim aus vorhandenen Teilen noch einige Motorräder montiert. Nach der Trennung von Opel produzierten auch die Elite-Diamant-Werke aus vorhandenen Teilen noch einige Motoclub-Maschinen, die ein Elite-Emblem erhielten.
Lastkraftwagen und Flugmotoren mini|Flugmotor Argus As III (O)