Die Wirtschaft der Philippinen ist eine überwiegend von Dienstleistungen geprägte Volkswirtschaft in Südostasien. Das Land gehört seit 2026 nach der Klassifikation der Weltbank zur Gruppe der Staaten mit oberem mittlerem Einkommen und wird zu den Schwellenländern gezählt. International bedeutsam sind die Elektronikindustrie, die Auslagerung von Geschäftsprozessen und IT-Dienstleistungen sowie die Beschäftigung philippinischer Arbeitskräfte im Ausland. Deren Rücküberweisungen tragen erheblich zu den Einkommen privater Haushalte bei. ADB Economics Working Paper Series No. 366. Einer wachsenden Dienstleistungswirtschaft stehen eine vergleichsweise geringe Produktivität vieler Betriebe, unzureichende Infrastruktur und ausgeprägte regionale Unterschiede gegenüber. Aufgrund des vorhandenen Aufholpotenzials und der jungen Bevölkerung werden die Philippinen zu den Pantherstaaten gezählt, denen ein hohes Potenzialwachstum und eine wachsende Rolle in der Weltwirtschaft zugetraut wird.

Geschichte Mit der spanischen Kolonisierung seit 1565 und der Eroberung Manilas 1571 wurden die Inseln in ein Handelsnetz eingebunden, das Ostasien mit Amerika und Europa verband. Im Mittelpunkt stand der Galeonenhandel zwischen Manila und Acapulco. Über ihn gelangten vor allem chinesische Seide, Porzellan und andere asiatische Waren nach Neuspanien, während amerikanisches Silber nach Asien floss. Manila fungierte damit zunächst vor allem als Umschlagplatz; der Handel bestand nicht überwiegend aus Erzeugnissen der Inseln. Zur Finanzierung der langen und riskanten Überfahrten entstand ein lokaler Kapitalmarkt, an dem auch religiöse Bruderschaften und Stiftungen beteiligt waren. Sie sammelten Kapital und stellten Mittel für Handelsgeschäfte bereit.

Nach dem Ende des Galeonenhandels 1815 gewann die Ausfuhr eigener Agrarerzeugnisse an Bedeutung. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts entwickelten sich Zucker, Abacá, Tabak und Kaffee zu wichtigen Exportgütern. Ausländische Handelshäuser, insbesondere britische und amerikanische, finanzierten Ernten, führten Maschinen ein und erschlossen neue Absatzmärkte. Chinesische Kaufleute vermittelten zwischen dem Überseehandel und den lokalen Märkten. Zugleich geriet die einheimische Textilproduktion unter den Druck ausländischer Importe, und Unterschiede zwischen Regionen und Einkommensgruppen nahmen zu.

Die Spanier führten ein feudales Agrarsystem rund um große Landgüter ein. Im Rahmen des bis ins 18. Jahrhundert praktizierten Encomienda-Systems mussten alle einheimischen Männer neben der Entrichtung von Abgaben 40 Tage Zwangsarbeit leisten, was später auf 15 Tage reduziert wurde. Die Exportlandwirtschaft brachte unterschiedliche Besitz- und Produktionsformen hervor. Auf Negros expandierten Zuckerhaciendas mit Unterstützung ausländischer Handelshäuser; in Calamba bewirtschafteten Pächter dagegen Land eines großen kirchlichen Grundbesitzes. Grundbesitz, Handelskapital und der Zugang zu Krediten wurden zu wesentlichen Grundlagen wirtschaftlicher und politischer Macht.

Unter der 1898 begonnenen amerikanischen Herrschaft richtete sich der Außenhandel zunehmend auf die USA aus. Zollgesetze von 1909 und 1913 schufen weitgehenden gegenseitigen Freihandel zwischen Kolonie und Mutterland. Für die philippinische Zuckerwirtschaft bot der amerikanische Markt einen großen Absatzmarkt. Während der Weltwirtschaftskrise schützte diese Sonderstellung Teile der Exportwirtschaft vor einem ebenso starken Einbruch wie in anderen südostasiatischen Kolonien. Die 1934 eingeführten amerikanischen Zuckerquoten bevorzugte die Philippinen gegenüber konkurrierende Lieferländer wie Kuba. Dennoch blieben die Regionen unterschiedlich stark von den sinkenden Weltmarktpreisen betroffen. Eine Konstante der amerikanischen Zeit blieb, dass sich das meiste Kapital weiterhin in den Händen von Ausländern befand.

Der Zweite Weltkrieg hinterließ schwere Zerstörungen, Lebensmittelknappheit und eine hohe Inflation. Unter diesen Bedingungen erfolgte am 4. Juli 1946 der Übergang zur Unabhängigkeit; der wirtschaftliche Wiederaufbau gehörte zu den vordringlichen Aufgaben des neuen Staates. Um 1950 lag das reale BIP pro Kopf bei knapp 1070 US-Dollar, etwas über dem Wert von Indonesien und Thailand und weitgehend auf dem Niveau von 1900.

Die Regierung setzte in der Folgezeit auf den Aufbau einer eigenen Industrie und staatliche Entwicklungprogramme. Auf eine Zahlungsbilanzkrise reagierte sie 1949 mit Import- und Devisenkontrollen. Aus dieser Regulierung entwickelte sich eine Politik der Importsubstitution. Hohe Zölle und Einfuhrbeschränkungen schützten Hersteller von Konsumgütern, während Rohstoffe und Investitionsgüter vergleichsweise günstig eingeführt werden konnten. Die Politik begünstigte zunächst industrielle Investitionen, erschwerte jedoch den Wettbewerb und benachteiligte Exporte. Viele Unternehmen blieben von importierten Vorleistungen abhängig. Die Aufhebung von Kontrollen und die Abwertung des Peso Anfang der 1960er Jahre beseitigten diese Strukturprobleme nicht dauerhaft.

Unter Ferdinand Marcos, besonders nach Verhängung des Kriegsrechts 1972, wurden staatliche Investitionen und kreditfinanzierte Entwicklungsprojekte stark ausgeweitet. Ausländische Darlehen ermöglichten zunächst ein hohes Wachstum. Zugleich begünstigte die Regierung ihr nahestehende Unternehmer durch Kredite, Monopole und die Übernahme bestehender Unternehmen. Die geringe Rentabilität vieler Investitionen, Kapitalflucht und die schwache Exportbasis verschlechterten die Schuldentragfähigkeit. Ölpreisschocks und steigende internationale Zinsen verschärften die Lage. In: Jeffrey D. Sachs (Hrsg.): Developing Country Debt and the World Economy.

1983 geriet das Land in eine schwere Schulden- und Zahlungsbilanzkrise. Die anschließende Stabilisierung ging mit Kreditverknappung, sinkenden Investitionen und einem starken Rückgang der Produktion einher. So sank das reale Pro-Kopf-Einkommen zwischen 1983 und 1986 um 18 %. Die wirtschaftliche Krise trug der zum Verlust der gesellschaftlichen Unterstützung für Marcos und zu seinem Sturz 1986 bei.

Seit den späten 1980er und in den 1990er Jahren wurden Einfuhrbeschränkungen abgebaut, Zölle gesenkt und weitere Wirtschaftsbereiche für private und ausländische Investitionen geöffnet. Reformen betrafen unter anderem Banken, Telekommunikation und Verkehr. Die stärkere Weltmarktintegration führte jedoch nicht zu einer ebenso breiten industriellen Entwicklung wie in mehreren ostasiatischen Nachbarländern. In den 2000er Jahren entstand mit dem Business Process Outsourcing ein neuer Exportzweig. Der Strukturwandel verlagerte Beschäftigung und Wertschöpfung zunehmend in Dienstleistungen.

Zwischen 2010 und 2023 wuchs die Wirtschaft im Jahresdurchschnitt um 5,2 %, besser als viele vergleichbare Schwellenländer. Die Weltbank führt diese Entwicklung vor allem auf eine höhere Kapitalbildung, öffentliche Investitionen und investitionsfördernde Reformen zurück; die Produktivitätsfortschritte blieben begrenzt. Die COVID-19-Pandemie unterbrach den Aufschwung: 2020 schrumpfte das reale BIP um 9,5 %. Auf die Erholung 2021 und 2022 folgte eine Abschwächung des Wachstums auf 4,4 % im Jahr 2025.

Wirtschaftsstruktur Dienstleistungen erwirtschafteten 2025 zu laufenden Preisen 64,4 % des BIP, die Industrie einschließlich Bauwirtschaft und Versorgung 27,0 % und die Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei 8,6 %. Zu den größten einzelnen Wirtschaftszweigen gehörten Handel, verarbeitendes Gewerbe und Finanzdienstleistungen. Große, häufig familienkontrollierte Konglomerate nehmen eine beherrschende Stellung ein, welche sich meistens im Besitz von Angehörigen der chinesischen Minderheit der befinden. Hohe Energie- und Transportkosten, komplizierte Genehmigungsverfahren und Wettbewerbsbeschränkungen erschweren insbesondere kleineren Unternehmen den Marktzugang und das Wachstum.

Landwirtschaft und Fischerei mini|Reisfeld in Bulacan Die Landwirtschaft ist trotz ihres gesunkenen Anteils an der Wirtschaftsleistung für Beschäftigung und Ernährungssicherung bedeutend. Reis bildet das wichtigste Grundnahrungsmittel; hinzu kommen Mais, Kokosnüsse, Zuckerrohr und tropische Früchte. Kokosöl, Bananen und Ananas gehören zu den wichtigen Agrarausfuhren. Gleichzeitig ist das Land ein Nettoimporteur von Agrar- und Nahrungsmittelerzeugnissen, insbesondere von Getreide. Damit ist die Versorgung auch von Weltmarktpreisen und der Handelspolitik abhängig.

Kleine Betriebe und zersplitterter Landbesitz prägen große Teile des Sektors. Die durchschnittliche Betriebsgröße betrug nach der Landwirtschaftszählung 2022 etwa 0,8 Hektar. Die seit 1988 durchgeführte Landreform verteilte umfangreiche Flächen an Landlose und Landarbeiter; vielfach blieben jedoch kollektive statt individueller Eigentumstitel bestehen. Die OECD verweist auf geringe Produktivitätszuwächse und einen Beschäftigungsanteil, der deutlich über dem Beitrag zum BIP liegt. Fischerei und Aquakultur ergänzen die landwirtschaftliche Produktion; Fisch und andere Meeresprodukte, darunter Thunfisch, werden auch exportiert. Dieser als Blue Economy bekannte Wirtschaftszweig hat einen Anteil von vier Prozent am Gesamt-BIP.

Verarbeitendes Gewerbe Das verarbeitende Gewerbe trug 2025 rund 15,3 % zum nominalen BIP bei. Seine internationale Bedeutung beruht besonders auf der Halbleiter- und Elektronikindustrie. Die Philippinen sind in grenzüberschreitende Produktionsketten eingebunden und auf Montage, Prüfung und Gehäusefertigung von Halbleitern spezialisiert. Daneben werden Fähigkeiten im Chipdesign und in anspruchsvolleren Verpackungsverfahren ausgebaut. Elektronische Erzeugnisse stellten 2025 mit 54,3 % mehr als die Hälfte der Warenausfuhren. 2023 lagen die Textilexporte bei ca. einer Milliarde US-Dollar, wurden allerdings von Importen aus der Volksrepublik China übertroffen. Weitere Industriebranchen sind die Nahrungsmittelverarbeitung, Fahrzeugproduktion und Pharmaindustrie. Neben japanischen Herstellern lassen zunehmend auch chinesische Autobauern im Land produzieren. Die Stahl- und Zementindustrie wird durch private Investitionen erweitert.

Die Exportproduktion wird durch Sonderwirtschaftszonen mit steuerlichen Vergünstigungen und vereinfachten Verwaltungsabläufen unterstützt. Die relativ hohe Einfuhr von elektronischen Komponenten und anderen Vorleistungen verdeutlicht, dass der Bruttoexportwert nicht mit der im Inland erzeugten Wertschöpfung gleichgesetzt werden kann.

Energie und Bergbau mini|Geothermales Kraftwerk in Negros Oriental Die Stromerzeugung ist stark von Kohlekraftwerken abhängig. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur entfielen 2024 etwa 62 % der Erzeugung auf Kohle und 22 % auf erneuerbare Energien. Solar- und Windenergie werden ausgebaut; zugleich bleibt die Versorgung durch den steigenden Strombedarf und den erforderlichen Netzausbau belastet. Das seit 2020 geltende Moratorium für neue Kohlekraftwerksprojekte erfasst zuvor genehmigte Anlagen nicht. Die Strompreise gehören nach Einschätzung der Weltbank zu den höchsten innerhalb der ASEAN und beeinträchtigen sowohl Unternehmen als auch Haushalte.

Zu den seit Langem genutzten heimischen Energiequellen gehört die Geothermie. Für die Gasversorgung war das Offshorefeld Malampaya entscheidend. Wegen seiner rückläufigen Reserven gewinnt importiertes Flüssigerdgas an Bedeutung; entsprechende Einfuhren begannen 2023.

Im Bergbau besitzen Nickel, Gold und Kupfer besondere Bedeutung. Die Philippinen waren 2024 mit 9,5 % der weltweiten Förderung der zweitgrößte Nickelproduzent. Außerdem werden unter anderem Kobalt, Chrom und Silber gewonnen. Gemessen an der gesamten Wirtschaftsleistung bleibt der Sektor klein: Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden erwirtschafteten 2024 etwa 0,9 % des BIP. Abbauvorhaben sind wegen Umweltschäden, der Verdrängung indigener Gemeinschaften und der Verteilung von Einnahmen zwischen Zentralstaat und lokalen Gebietskörperschaften umstritten.

Dienstleistungssektor