Die Könneritzstraße ist eine Innerortsstraße mit Hauptstraßenfunktion im Stadtzentrum von Dresden. Die Bundesstraße liegt in Gänze in der Wilsdruffer Vorstadt in der Gemarkung Altstadt I. Damit verläuft sie im Stadtbezirk Altstadt und zählt zum statistischen Stadtteil Wilsdruffer Vorstadt/Seevorstadt-West. Kennzeichnend für die nach dem sächsischen Finanzminister Leonce von Könneritz (1835–1890) benannte Straße ist ihre Lage an den Hochgleisen der Bahnstrecke Děčín–Dresden-Neustadt. Die Bahnstrecke verläuft in diesem Bereich auf mehreren Viadukten, deren Brückenbögen mit der Bahnbögengalerie die nordwestliche Straßenseite auf ihrer gesamten Länge prägen. Mehrere Linien der Straßenbahn Dresden befahren die Ende des 19. Jahrhunderts angelegte Könneritzstraße, an der sich mit dem Bahnhof Dresden Mitte ein wichtiger Umsteigepunkt im Öffentlichen Personennahverkehr Dresdens sowie mit dem Kraftwerk Mitte (u. a. Theater Junge Generation und Staatsoperette Dresden) eine zentrale Kultureinrichtung der Landeshauptstadt befinden.
Verkehr mini|links|Verschiedene Verkehrsmittel des ÖPNV am Bahnhof Dresden Mitte
Die Könneritzstraße ist Teil des 26er Rings, der um die inneren Dresdner Vorstädte herumführt. Den Namen Könneritzstraße trägt diese Ringstraße von ihrem nordöstlichsten Punkt an der Devrientstraße bis zur Einmündung der Ehrlichstraße. Damit ist sie die Verbindung zwischen Marienbrücke und Ammonstraße. Die Könneritzstraße als Teilstrecke der Verkehrsachse vom Schlesischen zum Wiener Platz leitet den Verkehr nordwestlich um die Innenstadt herum. Von der Devrient- bis zur Magdeburger Straße ist die Könneritzstraße Teil der Bundesstraße 6, in ihrem übrigen Abschnitt Teil der dort beginnenden Bundesstraße 173. Eine weitere wichtige Kreuzung ist die mit der Schweriner Straße. Die Könneritzstraße verläuft überwiegend flach, die einzige geringfügige Steigung gibt es im nordöstlichsten Abschnitt als Rampe zur Marienbrücke.
An der Könneritzstraße liegt der Bahnhof Dresden Mitte, ein Haltepunkt der S-Bahn Dresden. Er bildet gemeinsam mit den benachbarten Straßenbahnhaltestellen in Höhe JahnstraßeDresdner Verkehrsbetriebe: Haltestellenübersicht Dresden Bahnhof Mitte. Abgerufen am 29. Dezember 2018. einen wichtigen Umsteigepunkt im Stadtzentrum. Zusätzlich zu den Fußwegen entlang der Straßen gibt es für Fußgänger unter der Bahnstrecke noch Durchgänge am Bahnhof Dresden Mitte zur Weißeritzstraße, in Höhe Fußgängerampel Kraftwerk Mitte zur Roßthaler Straße sowie seit 2007dresden.de: Neuer Rad- und Gehweg zwischen Bauhofstraße und Könneritzstraße freigegeben. Dresden, 26. November 2007. Abgerufen am 29. Dezember 2018. in Höhe Ehrlichstraße zur Bauhofstraße. Für den motorisierten Individualverkehr stehen pro Fahrtrichtung eine Fahrspur sowie Abbiegespuren vor Kreuzungen zur Verfügung. In Richtung Marienbrücke ist die Fahrbahn zwischen Ehrlich- und Schweriner Straße zweispurig ausgebaut, in der Gegenrichtung jene zwischen Devrient- und Magdeburger Straße.
Die Gleise der Straßenbahn Dresden (Linien 6 bzw. 10 der Dresdner Verkehrsbetriebe) verlaufen in der Straßenmitte, bis sie nahe der Ehrlichstraße auf einen eigenen Bahnkörper neben der Straße geführt werden. Entlang der Straße befinden sich zwei behindertengerecht ausgebaute Straßenbahnhaltestellen: die Haltestelle „Kongresszentrum (Haus der Presse)“ zwischen Devrientstraße und Ostra-Allee, die Haltestelle „Bahnhof Mitte“ zwischen Laurin- und Jahnstraße. Geplant ist der Bau einer dritten Straßenbahnhaltestelle in Höhe Kraftwerk Mitte auf Kosten der linken Fahrspur in Richtung Marienbrücke. Abzweige bzw. Gleiskreuzungen der Straßenbahn gibt es in Höhe Ostra-Allee, Max-/Friedrichstraße und Jahnstraße – letztere ist ein Dreiviertelstern und gilt als „eine der kompliziertesten Schienenkreuzungen der Stadt“Christoph Springer: Könneritzstraße für den Verkehr wieder freigegeben. In: Dresdner Neueste Nachrichten, Ausg. v. 22. Juni 2002, S. 13.. Bis auf wenige Meter nahe der Einmündung Devrientstraße sind Straßen- und Schienenverkehr auf der Könneritzstraße durch separate Spuren voneinander getrennt, lediglich Busse des ÖPNV teilen sich abschnittsweise den Verkehrsraum mit den Straßenbahnen.
Geschichte mini|links|Bahnhof Wettiner Straße im Jahr 1908, rechts die Könneritzstraße mini|links|Könneritzstraße 25 kurz vor dem Abriss, Ende 2018
Der heutige Bereich der Könneritzstraße war bis ins frühe 19. Jahrhundert der unbefestigte und hochwassergefährdete rechte Uferstreifen der Weißeritz. Die Bebauung der Wilsdruffer Vorstadt erreichte dieses Gebiet zunächst an der heutigen Einmündung der Maxstraße, da sie Teil der Hauptverbindung zwischen der Inneren Altstadt und der Friedrichstadt war. Dort lag die jahrhundertelang einzige Weißeritzbrücke unterhalb Löbtaus, die Friedrichsbrücke (vormals Ostrabrücke).Friedrichsbrücke im Stadtwiki Dresden In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand in diesem Bereich – zwischen den heutigen Einmündungen der Maxstraße und der Ostra-Allee – auch der erste rechtsseitige Uferweg der Weißeritz als frühester Vorläufer der Könneritzstraße.
Mit dem Bau der Marienbrücke von 1846 bis 1852 kam es auch zur Anlage der innerstädtischen Bahnverbindung zwischen Dresden Hauptbahnhof und Bahnhof Dresden-Neustadt. Auf Altstädter Seite erforderten die Lage im Elbtal und der damalige Verlauf der Weißeritz für diese Bahn eine 769 Meter lange Vorlandbrücke.Norbert Kempke: In 220 Minuten von Leipzig nach Dresden, Kapitel 1846 begann der Bau der Marienbrücke, S. 58 ff. Hrsg.: Verband der Journalisten des Bezirkes Dresden anlässlich der Solidaritätsaktion 1989, Dresden 1989. In alten Kartenwerken ist sie als „Viaduct der Verbindungsbahn“ vermerkt; nach ihrem Verlauf sollte sich später die Könneritzstraße richten. Der vorhandene Weißeritzuferweg diente nun als Zufahrt zur Marienbrücke, war jedoch durch die neue Bahnstrecke von der Weißeritz abgetrennt. Er erhielt daraufhin den Namen Am Viaduct, unter dem er unter anderem in einem Stadtplan von 1862 vermerkt ist.Friedrich August Lang (Hg.): Specieller Situations-Plan von der Königlichen Haupt- und Residenzstadt Dresden. In Sections-Blättern von 16 Zoll Höhe und 20 Zoll Breite. Selbstverlag, Dresden 1862. In: deutschefotothek.de. Abgerufen am 29. Dezember 2018.
Im Generalbauplan von 1862 war der Bereich der späteren Könneritzstraße als Grenze zwischen der geschlossenen Bebauung der inneren und der offenen Bebauung der äußeren Vorstädte vorgesehen. Nach dem Vorbild anderer Städte sollte sie Teil einer Promenade werden, die ringförmig um die innere Stadt führt und den Personen- und Frachtverkehr zwischen den Dresdner Bahnhöfen aufnimmt.Werner Pampel: Der Generalbauplan 1862 und der Gesamtbauplan 1901 für die Stadt Dresden. In: Forschungsgemeinschaft Kulturgeschichte des Dresdner Raumes (Hg.): Dresdner Hefte 20, Dresden 1989, S. 13–20 (). In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts rückte die Bebauung der Wilsdruffer Vorstadt bis unmittelbar an die Bahnstrecke heran – insbesondere im Bereich des Gaswerks Altstadt am Wettiner Platz. Häufig handelte es sich um als Garten genutzte Grundstücksrückseiten unter anderem von der Schützengasse, die jedoch teilweise eine gemeinsame Fluchtlinie besaßen, denen allenfalls ein schmaler Fußweg folgte.
Erst im Zuge der Planungen zur Umgestaltung des Eisenbahnknotens Dresden wurde auch die Anlage einer Straße auf der Südostseite der Bahnstrecke nachdrücklicher projektiert. In Stadtplänen ab den späten 1880er Jahren ist der Verlauf der damals noch geplanten Straße bereits angedeutet. Von 1891 bis 1893 wurde die Weißeritz nach Cotta verlegt, um damit Bauland zu gewinnen. Dies diente unter anderem der Anlage der Straße, die nach Südwesten bis zur Ammonstraße verlängert wurde. Dafür verkleinerte man das Gelände des Gaswerks, aus dem um 1895 das Lichtwerk als Vorläufer des Kraftwerks Mitte hervorging. Hauptgrund für die Weißeritzverlegung war jedoch die Verbreiterung der Bahnstrecke, für die Mitte der 1890er Jahre neue Viadukte sowie ab 1898 eine zweite Marienbrücke entstanden.
Der Durchgangsverkehr auf den Viadukten startete 1896; diese Jahreszahl findet sich in einem restaurierten Medaillon an einem Brückenpfeiler an der Könneritzstraße, unmittelbar links der Schweriner Straße.Hans Reinecke: Dresden-Altstadt, Könneritzstraße. Hochgleisanlage (Stadtviadukt) der Eisenbahnstrecke Dresden Hauptbahnhof – Bahnhof Dresden-Neustadt. Sandsteintafel mit sächsischer Krone und Jahreszahl 1896 neben der Brücke über die Schweriner Straße (Ostseite links). Dresden, 3. März 1992. In: deutschefotothek.de. Abgerufen am 6. Januar 2019. Am 1. Oktober 1897 wurde in Höhe Jahnstraße unter dem Namen „Haltestelle Wettiner Straße“ der Bahnhof Dresden Mitte mit seiner 100 Meter langen und 36 Meter breiten Bahnsteighalle eröffnet, die alle sechs Gleise überspannte. Auf der anderen Seite der neuen Straße entstanden bis 1896 in geschlossener Bauweise aneinandergereihte fünfstöckige Wohnhäuser mit Ladenzone im Erdgeschoss und repräsentativer Klinkerfassade. Zwischen Ostra-Allee und Bahnhof Dresden Mitte gab es somit spätestens ab 1900 eine geschlossene Reihenhausbebauung.
Südwestlich davon, so auch im Bereich des Kraftwerks, herrschte offene Bauweise vor. Lediglich die Fläche nahe der Einmündung Devrientstraße blieb bis 1945 und in der Folge bis in die Gegenwart (Stand: 2018) unbebaut, wenngleich es bereits im frühen 20. Jahrhundert eine Bebauungsabsicht und entsprechende Parzellierung gab. Zwischen Devrientstraße und Ostra-Allee mündete ab etwa 1900 noch die Pöppelmannstraße ein, die infolge der damaligen Überbauung des Maximiliansgartens angelegt und nach 1945 wieder eingezogen wurde, bevor man dort das Haus der Presse errichtete.
mini|Kreuzung Könneritz-/Magdeburger Straße (abbiegende Bundesstraße 6) mit Viadukt der Bahnstrecke Děčín–Dresden-Neustadt und der Bahnbögengalerie, im Hintergrund die Yenidze mini|Könneritzstraße 5, nordwestlicher Flügel des Gebäudekomplexes Penck-Hotel Die Straße hatte unterdessen bis 1895 den Namen Könneritzstraße erhalten – nach dem 1890 verstorbenen Rittergutsbesitzer, Juristen und konservativen Politiker Leonce von Könneritz, der auch Mitglied des Sächsischen Landtags war und in dessen von 1876 bis 1890 dauernde Amtszeit als Sachsens Finanzminister die Bewilligung zahlreicher Eisenbahnstrecken fiel. Der 22. November 1900 ging als Eröffnungstag der elektrifizierten Straßenbahnstrecke von der Maxstraße bis zur Ammonstraße in die Geschichte des Straßenbahnnetzes Dresden ein, am 16. November 1901 folgte die Strecke von der Maxstraße bis über die Marienbrücke. Ab 1904 verkehrte dort die Ringbahnlinie 26, die dem 26er Ring den Namen gab. Neben dem Lichtwerk wurde 1900 das Westkraftwerk als spiegelbildliches Pendant erbaut, das ebenfalls elektrische Energie erzeugte. Beide wurden 1926 bis 1928 zum Kraftwerk Mitte zusammengelegt und erweitert.