mini|Bergbaugebiet (blau umrandet) Bergbau auf Kupfer und im geringen Umfang auf Silber fand bei Hain-Gründau in einem breit gefächerten Gebiet am Fuße des Großen Reffenkopf nördlich und nordwestlich des Ortes statt. Es gab zahlreiche urkundlich belegbare Bergbauperioden zwischen (spätestens) 1400 und dem 19. Jahrhundert, die durch ebenso zahlreiche Betriebspausen unterbrochen waren.
Lagerstätte Die Lagerstätte beinhaltet 30 bis 50 cm mächtige Flöze von Kupferletten sowie Kupferschiefer und führt Kupfer-Arsen-Sulfide (Tennantit, Enargit, Silber-führend), Kupfer-Eisen-Sulfide (Kupferkies, Bornit) und Arsenide (Löllingit, Arsenkies).
Das geologische Profil bei Hain-Gründau setzt sich am Großen Reffenkopf und dem die westliche Flanke bildenden Kreischberg wie folgt zusammen (von oben nach unten):
Schichtdicke Gestein 25 m feinkörniger unterer Buntsandstein 60 m unterer Buntsandstein, Bröckelschiefer 15 m Kalkmergel, Tonschiefer 20 m grünlichgrauer, auch gelber Mergelschiefer 3 bis 5 m Zechsteinkalk, dolomitisch 1 bis 3 m bituminöse Mergelschiefer, dünn geschichtet 0,3 bis 0,5 m schwarzbrauner Kupferletten, bei höherem Kalkgehalt Kupferschieferdarunter Zechsteinkonglomerat
1400 bis 1500
Kupferbergbau in Hain-Gründau wird erstmals urkundlich im Jahr 1400 erwähnt – zusammen mit dem Kupferbergbau im weiter südlich gelegenen Hailer. Das Bürgerbuch der Stadt Gelnhausen verzeichnet, dass die Adelsfamilie Wickern von Selbold Bergbau betreibt und die Schandelmühle (heute: Wackermühle in Altenhaßlau) zu einer Schmelzhütte umgebaut worden war.
Der Grubenbetrieb kam kurz darauf zum Erliegen, wurde aber wahrscheinlich wieder aufgenommen. Erst ab 1490 gibt es wieder Nachrichten, als der Mainzer Erzbischof Berthold allen aktiven Gruben in und vor dem Spessart Bergfreiheit zusicherte.
1610 bis 1656 – Grafen von Ysenburg und Büdingen mini|Schachtförderung im 16. und 17. Jahrhundert Spätestens ab 1610 betrieb Graf Wolfgang Ernst I. von Ysenburg Gruben in Hain-Gründau und im benachbarten Hailer. Im Jahr 1610 war bereits eine erste Schmelzhütte bei Hain-Gründau in Betrieb, die neben den lokalen Kupfererzen auch solche aus Cleeberg im Taunus einschmolz (Grube Silbersegen bei Espa). Die genaue Lage der Hütte ist unbekannt, Köbrich berichtet, dass sie zwischen Hain-Gründau und Gettenbach stand, nahe der alten Mühle bei . Ab 1615 wurden die Führungskräfte (Steiger und Verwalter) aus Ilmenau, Schmalkalden und Mansfeld eingeworben, die Berg- und Hüttenknechte kamen aus der näheren Umgebung. Mit Beginn des Dreißigjährigen Krieges 1618 verfielen die Kupferpreise und ein Abbau war nicht mehr rentabel, die Landesherren zu Ysenburg hielten den Betrieb noch einige Jahre aufrecht, obwohl er keinen Gewinn abwarf. Im Jahre 1633 verstarb Graf Wolfgang Ernst. Zudem erreichte der Hessenkrieg in den Jahren 1633 bis 1635 Hain-Gründau, was zu starken Verwüstungen und dramatischen Verlusten bei der Bevölkerung führte. Gegen 1635 traf eine Pestepidemie die Region, wodurch verheerende Verluste an Menschenleben zu beklagen waren. Krieg und Pest führten dazu, dass über 60 % der Bewohner der Region verstarben. Als Folge aller drei Ereignisse wurde der Bergbau Mitte der 1630er Jahre eingestellt. Die Kriegs-Ereignisse führen zu einer Zerstörung des Ortes, weswegen er 8 Jahre nach Kriegsende an anderer Stelle neu aufgebaut werden musste (siehe dazu: Der Dreißigjährige Krieg und die Zerstörung des Dorfes).
Ab 1656 wurde begonnen den Ort neu zu errichten. Zeitgleich gab es nach langer Pause den Versuch, den Bergbau wieder zu beginnen. Dieser blieb erfolglos, da zu hohe Investitionen hätten getätigt werden müssen.
1680 bis 1700 – Erste Ysenburger Gewerkschaft Ab 1680 erwachte das Interesse am Bergbau wieder. 1682 und 1683 veranlassten die Grafen zu Ysenburg-Büdingen umfangreiche Untersuchungen, Prospektionen und Versuchsgrabungen wurden durchgeführt. Die hohen Investitionskosten und der geringe Erfolg führten 1697 dazu, dass die Grafen das finanzielle Risiko nicht weiter allein tragen wollten, es wurde die aus 16 Gewerken bestehende Ysenburger Gewerkschaft gegründet, die auch die Bergwerke in Sommerkahl betrieb.
Ab 1699 erreichten zwei Schächte das Kupferflöz in 24 m Teufe, teilweise im Alten Mann. Drei Bergleute aus der Region und ein Steiger aus Sachsen verrichteten die Arbeiten. Der Abbau erfolgte durch Krummhälserarbeit. Die angetroffenen Erze erwiesen sich von guter Qualität, so dass der Kurmainzische Bergmeister Johann Georg Wild – der auch die Gruben in Sommerkahl leitete, es unternahm das Werk regelmäßig zu besichtigen und zu überwachen. Im November 1699 befuhr als zweiter Sachverständiger Probierer Peter Becker aus Hanau das Werk und befand es gleichfalls als aussichtsreich. Die Mächtigkeit des Erzganges sei zwar nicht sehr groß, dafür ließen sich die Erze gut schmelzen. Schließlich wurde im April 1700 als dritter externer Sachverständiger der sächsische Hüttenverwalter Georg Siegfried Trier aus Ilmenau hinzugezogen. Er befuhr die Gruben bei Hain-Gründau und bei Hailer und befand die Vorkommen für gut und empfahl den Abbau. Er erklärte sich bereit einige Kuxe selbst zu übernehmen und das Werk zu leiten.
mini|Schmelzofen im 16. und 17. Jahrhundert Georg Siegfried Trier lieferte auch die Pläne für eine neue Schmelzhütte, diesmal direkt östlich von Hain-Gründau. Das zu errichtende Schmelzhaus hatte eine Breite von 42 Schuh und eine Länge von 56 Schuh (etwa 14 m mal 19 m), der Ofen hatte die Grundfläche von 35 mal 8 Schuh (), die Hütte ging 1700 in Betrieb.
1700 bis 1702 – Zweite Ysenburger Gewerkschaft Am 1. Juli 1700 erhielt die zweite Ysenburger Gewerkschaft ein förmliches Bergwerksprivileg verliehen, die Einzelbestimmungen lehnten sich an das Bergrecht bedeutenderer Bergbauregionen an. Die Gewerkschaft hatte das ausschließliche Schürf- und Gewinnungsrecht in Hain-Gründau und in Hailer, zudem hatte sie für alle anderen Orte in der Grafschaft ein Vorrecht auf Metalle und Mineralien anderen Abbau-Interessierten gegenüber. Die Grube wurde nach Graf von Ysenburg-Meerholz Zum Georg Albrecht benannt, die Aufsicht übernahm Steiger Schürbaum. Die Grube in Hain-Gründau wurde zusammen mit der Grube in Hailer betrieben, beschäftigt waren auf beiden Gruben 10 bis 15 Bergleute. Die Verhüttung des gewonnenen Erzes erwies sich als technisch sehr aufwändig, da es nur mit teuren Zuschlagstoffen gelang, das Kupfererz aufzubereiten. Die zusätzliche Errichtung einer Saigerhütte zur Gewinnung von Garkupfer wäre notwendig geworden. Die Gewerken wollten diese aber nicht mehr finanzieren. Bereits am 1. November 1700 wurde deswegen mit Grubenleiter Trier ein Vertrag aufgesetzt, in dem er sich verpflichtet, das Schwarzkupfer anderweitig zu Mindestpreisen zu vertreiben, zudem auch noch 1000 Reichstaler Vorschuss zu leisten habe.
Grubenleiter Trier kam unmittelbar in finanzielle Schwierigkeiten, da sowohl der Abverkauf des Kupfers nicht wie gewünscht lief, als auch der hohe Vorschuss nicht beschafft werden konnte. Aus diesen Gründen versuchte er seinen (früheren) Vorgesetzten, den sächsischen Berghauptmann Georg Christoph von Utterodt zu Scharfenberg auf Schwarzhausen und Schmerbach für die Gruben zu interessieren. Dieser besichtigte die Gruben im Jahr 1701 und versprach diese ab dem 1. Januar 1702 für 6 Jahre zu pachten, alle notwendigen Bauten zu finanzieren und für jeden in Betrieb befindlichen Schmelzofen jährlich 325 Reichstaler zu entrichten. Kurze Zeit später, wahrscheinlich im Herbst 1701 stockten die Verhandlungen, da er neue Konditionen verlangte, die die Ysenburger Grafen nicht akzeptieren wollten. Es gab dauerhaft keine Einigung, so dass die Schächte und Stollen in den kommenden Jahren verfielen. Grubenleiter Trier bot zwar wiederholt seine Dienste an, es war ihm aber kein Erfolg beschieden.
1709 bis 1713 – Leipziger Gewerkschaft Der Gräflich Hanauische Bauverwalter Otto führte im März 1709 eine zweiwöchige Schmelzprobe auf der Hütte bei Hain-Gründau durch. Er verwendete dabei Kupfererz von den Bergwerken bei Bieber. Das Ergebnis wurde für gut befunden.
Ab Sommer 1709 bewarb sich daher eine Gewerkschaft aus Ilmenau für die Belehnung der Gruben bei Hailer und Hain-Gründau.
Im Jahr 1710 wurde eine neu gegründete Gewerkschaft von den Grafen Ernst Casimir I. zu Ysenburg-Büdingen-Büdingen und Georg Albrecht zu Ysenburg-Büdingen-Meerholz mit dem Abbau beauftragt, es kamen nicht die Gewerke des Angebotes aus dem Vorjahr zum Zug, sondern Johann Wilhelm Dunckler, sein Sohn, Andreas Otto Mahn, sowie weitere Personen wurden benannt, die wohl überwiegend aus Leipzig stammten. Hohe Kosten, erneute Probleme mit dem Schmelzen und Streitigkeiten über Verhüttungsfragen brachten den Betrieb jedoch bereits 1713 oder 1714 wieder zum Erliegen.
1716 bis 1750er – Zeitweiser Betrieb Ab dem Jahr 1716 begann die Schmelzhütte zu verfallen. Es gab einige Bewerber für den Bergbau, u. a. aus Frankfurt am Main (Christian Metzger, der auch Anteile an Grube Silbersegen hatte), es wurden Untersuchungsarbeiten durchgeführt und auch neue Erz-Fundpunkte vermeldet. Unterlagen fehlen weitgehend aus dieser Zeit. Um das Jahr 1728 hat Betrieb stattgefunden, wie aus einer anderweitigen Belehnungsurkunde hervorgeht, die ausdrücklich den Betrieb in Hain-Gründau erwähnt. Die Kirchenbücher erwähnen im Zeitraum 1717 bis 1746 immer wieder einzelne Anwohner mit Berufsbezeichnungen, die auf aktiven Bergbau hinweisen. Wie kontinuierlich er war und wie groß die Betriebsunterbrechungen, ist nicht bekannt.
1758 bis 1773 – Dritte Ysenburger Gewerkschaft Erst ab 1758 erfahren wir wieder genaueres, es wird eine dritte Ysenburger Gewerkschaft gegründet. Unter der Leitung des Hanauischen Bergmeister Johann Heinrich Cancrin, dem Vater des später gleichfalls beteiligten Franz Ludwig Cancrin und dem Bergverwalter Otto Christoph Pauly (aus Bieber) wurden in den folgenden fünf Jahren 17 Schächte niedergebracht, zudem mindestens ein Stollen aufgefahren. Betrieben wurden Gruben am Kreischberg (später als Geräuschberg bezeichnet), im Wolfsgraben und an der Fuchshecke – alle nördlich bzw. nordwestlich von Hain-Gründau am Fuße des Reffenkopfes gelegen. Die durchschnittliche Erzförderung betrug 3200 Zentner pro Jahr. Der Kupfergehalt des gewonnenen Erzes schwankte beträchtlich zwischen 1,5 % und 8,5 %.
Das Hain-Gründauer Erz war ertragreich, aus 157 Zentnern Erz wurden 13¾ Lot Silber, ein Zentner 61½ Pfund Kupfer, drei Zentner 79¼ Pfund Blei gewonnen; gefördert wurde aus 17 Schächten
Noch 1758 führte Cancrin verschiedene Schmelzproben auf der Hütte in Bieber durch, die Hütte in Hain-Gründau war bereits lange Zeit vollständig verfallen. Er kam zu dem Ergebnis, dass die Errichtung einer neuen Hütte vor Ort wirtschaftlich nicht tragfähig wäre, deswegen sollten alle Erze nach Bieber transportiert werden, um dort verhüttet zu werden. Am 24. Juni 1759 wurde ein Vertrag zwischen den Hain-Gründauer Gewerken und der Bieberer Hütte geschlossen, das Grafenhaus und etliche seiner Beamten beteiligten sich an einer neuen Gewerkschaft. In den folgenden Jahren findet ein regelmäßiger Betrieb statt. Der Siebenjährige Krieg (1756 bis 1763) brachte den Bergbau nicht zum Erliegen, behinderte ihn allerdings. Ein Grubenbericht aus dem Jahr 1763 beschreibt einen Stollen im "Craißberg" (= Kreischberg, später als Geräuschberg bezeichnet – an der Westflanke des Reffenkopfes), der 40 Lachter (ca. 80 m) in den Berg getrieben worden sei. Das Erz habe dort eine Mächtigkeit von 4 Zoll. Zu diesem Stollenbetrieb gehörte auch ein Schacht. Es wurden zu diesem Zeitpunkt bereits 3000 Zentner Kupferschiefer aus dem Stollen gewonnen. Auch andernorts, in der Grube "Im Wolfsgraben" seien schon viele tausend Zentner Kupferschiefer gewonnen worden. Der Kupfergehalt beider Betriebspunkte wird mit 4,5 bis 5 Pfund Kupfer, sowie 3 Lot Silber pro Zentner Kupferschiefer angegeben. Ein Hauer erwirtschaftete 4 bis 5 Zentner Erz pro Schicht. Um 1768 waren bereits 17 Schächte abgeteuft worden.