Edward Anders (* 21. Juni 1926 in Libau, Lettland, als Eduards Alperovičs; † 1. Juni 2025 in San Mateo, Kalifornien) war ein lettisch-amerikanischer Geochemiker und Holocaustforscher.
Leben Anders wuchs in einer deutsch-baltisch assimilierten jüdischen Familie in Libau auf. Nach der deutschen Besetzung Lettlands 1941 setzte die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung ein. Seine Mutter Erica und er überlebten den Holocaust, weil die Mutter angab, als arisches Findelkind in einer jüdischen Familie aufgezogen worden sein. Anders’ Vater Adolph wurde Ende 1941 erschossen und weitere 24 Familienmitglieder wurden im Holocaust ermordet. Der Bruder Georg starb 1944 an Diphtherie. Anders und seine Mutter flohen 1944 nach Deutschland. Von 1946 bis 1949 studierte Anders als Displaced Person mit einem Programm der UNRRA Chemie an der Universität München. Als Zeuge sagte er bei den Nürnberger Prozessen aus.
Edward Anders emigrierte 1949 in die USA, wo er an der Columbia University 1951 einen Master in Chemie und 1954 einen Ph.D. erwarb. 1955 wurde er US-amerikanischer Staatsbürger und änderte seinen Nachnamen von Alperovitch zu Anders. Er war von 1955 bis 1991 Professor für Chemie an der University of Chicago, ab 1968 war er zusätzlich für das Field Museum of Natural History tätig. Gastprofessuren führten ihn unter anderem an das California Institute of Technology, die Universität Turin und mehrfach an die Universität Bern.
Anders befasste sich mit dem Ursprung, dem Alter und der Zusammensetzung von Meteoriten und Planeten, mit interstellarem Staub in Meteoriten, mit Massenverlust in der Erdgeschichte und mit dem Vorkommen verschiedener Elemente. Anders konnte nachweisen, dass Meteoriten meist aus Asteroiden entstanden sind, und dass organische Substanzen auf Meteoriten abiotischen Ursprungs sind.
Anders veröffentlichte rund 270 wissenschaftliche Publikationen. Er hatte im September 2026 einen h-Index von 94.
Nach seiner Emeritierung befasste er sich unter anderem mit dem Holocaust in Lettland. Er veröffentlichte eine Autobiographie mit detailreichen Schilderungen der Judenverfolgung in Lettland und des eigenen Überlebens. Außerdem betreute er eine Internetseite zur Dokumentation des jüdischen Lebens seiner Heimatstadt mit einer Datenbank von über 7.000 Juden zum Zeitpunkt der Besetzung.
Anders war ab 1955 mit Joan Fleming († 2019) verheiratet. Das Paar hatte einen Sohn und eine Tochter. Edward Anders starb am 1. Juni 2025 im Alter von 98 Jahren in San Mateo in Kalifornien.
Auszeichnungen (Auswahl) 1959: Newcomb Cleveland Prize der American Association for the Advancement of Science für Meteorites and Asteroids 1961: Fellow der American Association for the Advancement of Science 1971: J. Lawrence Smith Medal der National Academy of Sciences 1973: Guggenheim-Stipendium 1973: Mitglied der American Academy of Arts and Sciences 1974: Mitglied der National Academy of Sciences 1990: V. M. Goldschmidt Award der Geochemical Society 1991: Gerard P. Kuiper Prize der American Astronomical Society 1995: Harry H. Hess Medal der American Geophysical Union 2000: Ehrendoktor der Lettischen Akademie der Wissenschaften 2001: Benennung des Asteroiden (4815) Anders 2012: Atzinības krusts (lettisches Verdienstkreuz) 4. Klasse
Veröffentlichungen (Auswahl) Zeitschriftenbeiträge
Monografien
Literatur
Weblinks Kurzbiographie und tabellarischer Lebenslauf (PDF; 103 kB) bei liepajews.org Edward Anders: Amidst Latvians During the Holocaust bei der Arbeitsstelle Holocaustliteratur (holocaustliteratur.de) Oral history interview with Edward Anders beim United States Holocaust Memorial Museum (ushmm.org)
Einzelnachweise
Kategorie:Geochemiker Kategorie:Holocaustforscher Kategorie:Hochschullehrer (University of Chicago) Kategorie:Fellow der American Association for the Advancement of Science Kategorie:Mitglied der American Academy of Arts and Sciences Kategorie:Mitglied der National Academy of Sciences Kategorie:Lette Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1926 Kategorie:Gestorben 2025 Kategorie:Mann