mini|hochkant|Ádám Batthyány (Porträt circa 1650)

Ádám Graf Batthyány von Németújvár [] (* 14. Februar 1609; † 15. März 1659) war ein ungarischer Adeliger und General. Im Stammbaum der ungarischen Magnaten Batthyány wird er als „Adam I.“ geführt. Den heute noch lebenden Batthyánys gilt er „als Stammvater der Familie im engeren Sinn“. auf der Website der Familie Batthyány (abgerufen am 20. März 2010).

Batthyány lebte zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges und beherrschte Gebiete, die sich über Teile der heutigen Staaten Ungarn und Slowenien sowie das südliche Burgenland erstreckten. Südlich des Plattensees verteidigte er die Landesgrenze des von den Habsburgern beherrschten Königlichen Ungarn gegen die Osmanen und betrieb in seinem Herrschaftsgebiet die Rekatholisierung im Sinne der Gegenreformation.

Leben Kindheit und Jugend mini|hochkant|links|Erzieher und Förderer Ádám Batthyánys: Palatin Nikolaus Esterházy

Ádám Batthyány wurde am 14. Februar 1609 als zweiter Sohn von Franz II. Batthyány (1577–1625) und Eva Poppel-Lobkowitz (ca. 1585–1640) geboren. Sein Vater, der bereits 1603 in den Grafenstand erhoben worden war, lebte mit seiner Frau in Güssing. Das Paar hatte insgesamt drei Söhne und drei Töchter. Ádáms Schwestern waren Maria Magdalena († 1664), verheiratet in erster Ehe mit Graf Ladislaus Csáky, sowie Elisabeth, Gattin Graf Georg Erdődys, und Barbara, verheiratet mit dem jüngeren Grafen von Forgács. Der ältere Bruder Balthasar (* 1607 oder 1608) starb mit 14 Jahren und der jüngere Bruder Gabriel (* 1623) im Alter von 11 Monaten.Burgarchiv Güssing, Lade XXVII, Fasc. 1, Nr. 15.

Von Ádám Batthyánys Kindheit ist wenig bekannt. Ádám wurde im calvinistischen Glauben seines Vaters erzogen. Unter dem Einfluss Nikolaus Esterházys, Ádáms Schwagers Ladislaus Csáky und der Jesuiten, vor allem des Erzbischofs von Esztergom Péter Pázmány begann er jedoch, sich mit den Lehren des Katholizismus zu beschäftigen.Peter Jandrisevits: Urkunden und Dokumente über das Burgenland und Umgebung. 5. Band, Hrsg. Burgenländisches Landesarchiv, Eisenstadt 1932–1936, S. 213. Mit Pázmány verband Batthyány eine lebenslange Freundschaft, wie aus deren umfangreichen Briefwechsel hervorgeht. Trotz der unterschiedlichen Glaubensbekenntnisse stand bereits Ádáms Vater Franz, der Calviner war, mit dem katholischen Erzbischof Pázmány in freundschaftlicher Beziehung.Galla Ferenc: Harminckilenc kiadatlan Pázmány levél. (dt. 39 unedidierte Briefe Pázmánys), Hrsg. Galla Ferenc, Vác 1936, in ungarischer Sprache, Brief Nr. 1 und Nr. 2. In einem Brief vom 28. Juni 1625 forderte Pázmány Franz Batthyány auf, „er möge seine Kinder in der wahren Religion unterweisen lassen.“Galla Ferenc: Harminckilenc kiadatlan Pázmány levél. (dt. 39 unedidierte Briefe Pázmánys), Hrsg. Galla Ferenc, Vác 1936, in ungarischer Sprache, Brief Nr. 4.

1629 konvertierte Ádám Batthyány in der Jesuitenkirche am Hof in Wien vom reformierten zum katholischen Glauben.István Fazekas: Die Rekatholisierung [Bekehrung!] Adam Batthyánys im Jahr 1629. in: Gustav Reingrabner, Gerald Schlag (Hrsg.): Reformation und Gegenreformation im pannonischen Raum – Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland. Eisenstadt 1999, S. 26–29. Die Mutter lehnte die Konversion ihres Sohnes ab, und Ádám versuchte daher, diese vor ihr zu verheimlichen.Béla Iványi: Pázmány Péter, kiadatlan levélei. (dt. Pázmány Péter, unveröffentlichte Briefe), Körmend 1943, in ungarischer Sprache, S. 7.

Zur Konversion Ádám Batthyánys schrieb der Kaplan von Pinkafeld Franz Illes 1868 folgende im Volksmund überlieferte Sage nieder:

Beginn der politischen und militärischen Laufbahn mini|hochkant|Aurora Formentini, die erste Ehefrau Ádám Batthyánys

Über Vermittlung des ungarischen Palatins Nikolaus Esterházy kam der junge Batthyány an den Hof des evangelischen Hochadeligen Paul Nádasdy. Die Zeit von etwa 1630 bis 1632 verbrachte er am Hof des Kaisers in Wien. Zu den Kaisern Ferdinand II. und Ferdinand III. von Habsburg und den ungarischen [] hatte Batthyány auch im späteren Leben gute Kontakte. 1630 wurde er in den ungarischen Grafenstand und in den römischen Reichsgrafenstand erhoben. Kaiser Ferdinand II. ernannte ihn am 30. Juni des gleichen Jahres außerdem zum „wirklichen kaiserlichen Kämmerer“ (cubicularii, qui tales de facto sunt). Er leistete daher seinen Dienst in den persönlichen Räumen des Kaisers und war bei Audienzen anwesend. Dieses bezahlte Amt hatte er bis 1635 inne.László Rákóczi: naplója (dt. Tagebuch), Hrsg. Ildikó Horn, Magveto Press, Budapest 1990, in ungarischer Sprache, S. 365. Während dieser Zeit reiste er mit dem kaiserlichen Hof zum Regensburger Kurfürstentag (Juli bis November 1630).

Erste Erfahrungen als Soldat machte Batthyány bei einem Feldzug gegen Heiducken István Bethlens des Jüngeren (Sohn István Bethlens), der die Hoheit des Habsburgerkaisers über die ungarischen Komitate nicht anerkennen wollte. Das Korps unter Nikolaus Esterházy, dem Batthyány angehörte, erlitt dabei eine Niederlage. Am 16. März 1631 nahmen die Heiducken Bethlens die Schanze der Esterházy-Truppe bei Rakamaz ein. Soldaten, Pferde und Dienerschaft Batthyánys gelangten in die Hände der Heiducken. Batthyánys Soldaten wurden am 13. April 1631 wieder freigelassen.

Erste Verlobung und erste Ehe mini|hochkant|Der ältere Sohn Batthyánys: Christoph mini|hochkant|Die erste Tochter Batthyánys: Maria Eleonora

Batthyánys erste Verlobte war Katharina Illesházy. Zu einer Hochzeit der beiden kam es allerdings nicht. Einer Ehe stand zum einen die nahe Blutsverwandtschaft der Verlobten entgegen: Batthyánys Großmutter väterlicherseits und Illesházys Urgroßmutter waren Schwestern. Zum anderen hätte eine Hochzeit des Katholiken Batthyány mit der protestantischen Katharina nur mit einem Dispens der Kurie stattfinden können. Die Kurie machte jedoch den Übertritt der Verlobten zum Katholizismus zur Bedingung für dessen Erteilung. Damit war deren Vater Gaspar Illesházy nicht einverstanden, sodass die Verlobung wieder gelöst wurde. Katharina Illesházy heiratete 1632 Graf Péter Bethlen von Iktari.

Nach der Entlobung lernte Batthyány in Wien die Baroness Aurora Katharina Formentini kennen. Sie war 1610 in Görz geboren worden, katholischen Glaubens und Hofdame in Wien. Batthyány heiratete sie am 4. Februar 1632 in der Wiener Hofburg im Beisein des Kaisers Ferdinand II. und der Kaiserin Eleonora. Batthyánys Mutter lehnte die Hochzeit ab. Die Ehe wird als harmonisch, Aurora Formentini als streng katholisch und sehr fromm beschrieben.

Mit Aurora hatte Batthyány acht Kinder: Christoph, Paul, Eleonora und Barbara; vier weitere erreichten das Erwachsenenalter nicht. Christoph heiratete nach einer Verlobung mit Christina Nádasdy 1661 Annamaria Palocsai. Paul ehelichte Katharina Illesházy, eine Tochter des Bruders der ehemaligen Verlobten Batthyánys. Die beiden Söhne studierten in Ödenburg und Graz. Die erste Tochter erhielt als Zeichen der Ehrerbietung den Namen der Kaiserin Maria Eleonora. Eleonora feierte 1650 Hochzeit mit Ladislaus, Sohn des 1645 verstorbenen Palatins Nikolaus Esterházy. Barbara heiratete um 1650 Peter Széchy.Bibiana Kametler: Graf Adam I von Batthyany, Dissertation an der Universität Wien, Wien 1961, S. 96 ff.

Gegenreformation Eine bedeutende Rolle spielte Batthyány im Zuge der Gegenreformation. 1569 hatte sein Großvater Balthasar Batthyány während der Zeit der Reformation die in Güssing ansässigen katholischen Augustiner vertrieben und die Güssinger Kirche protestantischen Pastoren geschenkt. Nachdem Ádám Batthyány 1629 Katholik geworden war, versuchte er seine Untergebenen nach dem Prinzip cuius regio, eius religio („wessen Gebiet, dessen Religion“) zur katholischen Kirche zurückzuführen. 1632 berief er in nahezu alle seiner Gemeinden die katholischen Jesuiten, Missionen abzuhalten. Er ließ den Propst von Steinamanger die Kirchenschlüssel von Güssing abnehmen und schloss die Protestanten mitsamt dem Güssinger Superintendenten Johann Palfy von Kanizsay aus der Kirche aus.Payr: Geschichte des evang. Kirchendistriktes jenseits der Donau, 1. Band, S. 197. 1633 meldete Johann Kanizsay diese Vorgänge der calvinischen Synode in Köveskut, die das Thema behandelte und erwirkte, dass Kanizsay vorerst in Güssing bleiben konnte. Nach einem Schreiben Ádám Batthyánys an einen seiner Verwalter, in dem Batthyány drohte („Den Prediger Johann will ich weiter nicht in Güssing dulden, weder sonstwo auf meinen Gütern. Weil wenn ich ihn da antreffe wird es ihm schlecht ergehen“), verließ Kanizsay am 14. Dezember 1633 schließlich Güssing.Peter Jandrisevits: Urkunden und Dokumente über das Burgenland und Umgebung, 1932.1936, 4. Band, S. 210 ff.

Am 9. Februar 1634 gab Batthyány den Befehl, dass innerhalb von 15 Tagen alle protestantischen Pastoren entweder zum katholischen Glauben übertreten sollten oder seine Besitzungen zu verlassen hatten. Die Güssinger Prädikanten verließen Güssing umgehend. In anderen Ortschaften rief die Vorgangsweise Batthyánys teilweise heftigen Widerstand hervor und anfangs kehrten nur wenige Protestanten zur katholischen Kirche zurück. Aus Visitationsberichten geht hervor, dass in vielen Orten weiterhin evangelische Prediger wirkten.Arnold Magyar: Güssing: ein Beitrag zur Kultur- und Religionsgeschichte des Südburgenlandes bis zur Gegenreformation, Franziskanerkloster Graz, Graz 1976, S. 67. Über Vermittlung des Bischofs von Raab baten die Bewohner Körmends im Frühjahr 1634 Batthyány, den evangelischen Pfarrer in ihrer Gemeinde zu belassen.Brief des Bischofs Stephan Sennyey an Ádám Batthány, Burgarchiv Güssing, Lade XIV, Fasc. 1, Nr. 4. Ob Batthyány der Bitte der Körmender nachkam, ist nicht bekannt. In Königsdorf blieben die evangelischen Prediger bis mindestens 1668. Sie wurden erst von Àdams Sohn Christoph ausgewiesen. Den Bewohnern der Ortschaften Zahling und Deutsch Kaltenbrunn drohten Beamte Batthyánys jeweils 300 Gulden Geldstrafe an, sollten sie ihre Prediger nicht entlassen. In Deutsch Kaltenbrunn wurde nach Batthyánys Tod wieder ein evangelischer Pastor eingesetzt. Auch in Heiligenkreuz und in der Kirchengemeinde St. Emmerich, die heute zu Kőszeg gehört, blieben die evangelischen Prediger.Bibiana Kametler: Graf Adam I von Batthyany, Dissertation an der Universität Wien, Wien 1961, S. 74 ff.

Der evangelische Superintendent Georg Musay nannte 32 Ortschaften, aus denen Batthyány die Pastoren entfernte.Friedrich Selle: Schicksalsbuch der evangelischen Kirche in Österreich, Furche-Verlag, Berlin 1928, S. 326. Die lutherischen Prediger suchten Schutz bei Batthyánys Mutter auf Schloss Tabor in Neuhaus, der ihnen auch gewährt wurde. In Güssing, dem Stammsitz der Batthyánys, ließ Ádám 1648 auf seine Kosten die heute noch erhaltene katholische Kirche und das ebenfalls noch bestehende katholische Franziskanerkloster erbauen.Michael Hetfleisch: Die Batthyany und das Volk auf ihren Besitzungen des heutigen Südburgenlandes im 17. Jahrhundert, Dissertation an der Universität Graz, Graz 1947, S. 50 f. 1654 begann er mit dem Bau der katholischen Pfarrkirche Rechnitz, der in seinem Todesjahr 1659 aber noch unvollendet war und erst 1679 von Ádáms Enkel Ádám II. fertiggestellt wurde.Die katholische Pfarrkirche Rechnitz. auf der Website der Pfarre Rechnitz (abgerufen am 27. September 2010).

Sicherung der habsburgischen Ostgrenze mini|hochkant|Ádám I. Batthyány: Generalkapitän für die Gebiete in Ungarn diesseits der Donau