Walter Renz (geb. 1908 in Stuttgart; gest. 1998 in Tecklenburg) war ein deutscher Maler, Fotograf und Restaurator.
mini|rechts|Walter Renz: Wandrelief Mauerbild mini|hochkant|rechts
Biografie Renz war der jüngste Sohn des Malers Alfred Renz. Er lebte und arbeitete in Stuttgart. Die berufliche Basis seiner Arbeit als freier Künstler war die Mitarbeit im Familienunternehmen Renz Bilderrahmen. Die Firma war 1925 während seines Studiums von seinem Vater und seinem älteren Bruder Erich Renz vorsorglich auch in seinem Namen gegründet worden. Er wurde nach seinem Kunststudium und einer Qualifizierung als Vergoldermeister und Restaurator verantwortlich für den künstlerischen Bereich des Unternehmens.Anja Rumig: Subjektive Dinglichkeit, Katalog Verband bildender Künstler Württemberg, Stuttgart 1995, ISBN 3-929419-04-1, Biografie Walter Renz.
Nach Besuch des Gymnasiums hat er von 1925 bis 1927 an der Kunstgewerbeschule und an der Kunstakademie in Stuttgart studiert. Sein Vater, bis 1922 Lehrer an der Kunstgewerbeschule, hat ihn früh selbst unterrichtet und seine künstlerische Entwicklung nachhaltig geprägt und gefördert. Landschaftsdarstellungen und Stadtansichten, die zentralen Themen seines Vaters, waren 1928 auf einer gemeinsamen Studienreise nach Italien/Sizilien der Schwerpunkt ihrer künstlerischen Arbeit. Nach dem frühen Tod des Vaters entwickelte Renz diese Themen für sich eigenständig weiter. 1933 wegen missglückter Fluchthilfe kurzzeitig inhaftiert, reiste er 1934 vorsichtshalber nach Paris und Sanary-sur-Mer, wo er nicht nur malte, sondern parallel dazu auch fotografierte. Neben solchen Fotografien sind außerdem immer wieder Stillleben entstanden, denen später zunehmend abstrakte Kompositionen folgten. Das waren auch die Schwerpunkte weiterer längerer Reisen u. a. nach Paris (1937) und London (1952).
Ebenso wichtig wie seine Reisen waren für Renz die Kontakte zu Künstlern seiner schwäbischen Heimat, u. a. HAP Grieshaber, Fritz Ruoff, Werner Oberle, Willi Baumeister.
Grieshaber war er bereits beim gemeinsamen Studium an der Kunstgewerbeschule begegnet. Beide waren seitdem lebenslang freundschaftlich verbunden und haben mehrmals an gemeinsamen Projekten zusammen gearbeitet.Rudolf Mayer: Tagröte – Der junge Grieshaber und seine Freunde, Hatje Cantz Verlag 1998, S. 85, 93, 100, 108, 110ff.Akademie der Künste Berlin: Walter-Renz-Archiv > Bildende Kunst.Ludwig Greve: Malgré Tout - Grieshaber mit seinen Freunden, in: Marbacher Magazin, 29/1984, S. 18f., 25, 29f, 34. Selbstbehauptung gegen die NS-Willkür wurde seit 1933 zu einem der wesentlichen Motive ihrer Zusammenarbeit. Günther Wirth: Verbotene Kunst 1933-1945 - Verfolgte Künstler im deutschen Südwesten, Hatje Verlag 1987, S. 157.
Im Umfeld von entschiedenen Gegnern der Nationalsozialisten hat Renz seine spätere Ehefrau Josefa Schuler und deren Ehemann, den Wirtschaftswissenschaftler Erwin Schuler kennengelernt.Erwin Schuler: Katalog der Deutschen Nationalbibliothek Bekanntschaft mit Friedrich Wolf, Eugen Eberle, Wolfgang Abendroth Zu beiden entwickelte sich insbesondere unter dem Verfolgungsdruck im „3. Reich“ eine besonders enge BeziehungDokumentationszentrum Oberer-Kuhberg-Ulm, Mitteilungen Nr. 73, November 2020, S. 29f und Gedenkstunde zu Erwin Schuler, November 2021, . Walter und Josefa Renz haben 1944 nach dem Tod von Erwin Schuler geheiratet. Dessen Sohn Michael folgten nach Kriegsende der Sohn Thomas und die Töchter Claudia und Vera.
1945 war Renz als Kraftfahrer auf der Schwäbischen Alb stationiert. 1946 aus der französischen Kriegsgefangenschaft entlassen, boten sich für ihn zunehmend Gelegenheiten seine Bilder auszustellen: Unter dem Vorzeichen der Rehabilitation „entarteter Kunst“ kamen mehrere Ausstellungen zustande, in die seine Arbeiten aufgenommen wurden: in Dresden Allgemeine Deutsche Kunstausstellung, Dresden 1946, Katalog, Verzeichnis der Werke, in Baden-BadenAusstellung Deutsche Kunst der Gegenwart, Baden-Baden, 1947, Katalog, S. 20, in Bern Ausstellung rheinischer und südwestdeutscher Kunst, Bern 1947, Die Neue Zeitung, 15. September 1947, S. 4, in Stuttgart Württembergischer Kunstverein, Ausstellung Neue Grafik, Stuttgarter Zeitung, 17. September 1947, S. 3 und in TübingenAusstellung Stuttgarter Schule, Tübingen 1948, Die Neue Zeitung, 18. April 1948, S. 4. In Stuttgart wurden seit 1946 außerdem seine Arbeiten in der Galerie Lutz & Meyer sowie der Galerie Herbert Herrmann gezeigt.
Mit Grieshaber ergaben sich in der Nachkriegszeit neue Gemeinsamkeiten in der Bernsteinschule, in der neu gegründeten Künstlergruppe Die Freunde und bei Projekten wie dem Engel der Geschichte. Die Erfahrungen von Verfolgung und Widerstand und das Interesse an einer engagierten künstlerischen Arbeit verbanden Renz seit dieser Zeit mit den engen Freunden Margot und Max Fürst, Lutz Greve und Robert (Bob) Gutmann.Robert Gutmann yvesvincentgrossmann.info. Aus dem Freundeskreis um Grieshaber entwickelte sich die Zusammenarbeit mit Helmut Heißenbüttel und Gerd Hatje zur Veröffentlichung seiner Fotografien, die in den späteren Lebensjahren zum Schwerpunkt seiner künstlerischen Arbeit geworden sind. Von 1957 bis 1959 unterrichtete er als Lehrbeauftragter an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Beim Bau einiger öffentlichen Gebäude der Stadt Stuttgart hat er zur Gestaltung der Fassaden beigetragenZugang U-Strab-Bahnsteig, Charlottenplatz Stuttgart, Stuttgarter Zeitung, 10. April 1971, S. 28Walter Renz: Wandrelief "Mauerbild", Schulgebäude, Engelbergstr., Stuttgart, 1960. Seit 1981 war er Träger des Verdienstordens des Landes Baden-Württemberg.
Ausstellungen (Auswahl) Arbeiten von Renz wurden in Sammlungen der Staatsgalerie Stuttgart, des Württembergischen Kunstvereins Stuttgart, der Galerie der Stadt Stuttgart, des Museums Folkwang Essen und privater Sammler aufgenommenHugo Borst, siehe Die Sammlung Hugo Borst, J. Fink Verlag, Stuttgart 1970, S. 103, 160; Dieter und Martha Keller; Woldemar Klein, siehe Das Kunstwerk, Jg. 1946-47, H. 8–9, S. 50, 60 und Jg. 1948, H. 7, S. 33f 1947 Ausstellungsbeteiligung Die Freunde, Galerie Herbert Herrmann, StuttgartStuttgarter Zeitung, 1. November 1947, S. 3, Frankfurter Rundschau, 9. Dezember 1947, S. 3 1950 Ausstellung Ida Kerkovius und Walter Renz, Zimmergalerie Franck, Frankfurt a. M.Frankfurter Rundschau 28. April 1950, S. 5 und FAZ, 25. April 1950, Feuilleton. 1955 Ausstellung Werke von Walter Renz, Stuttgart, Herbert Herrmann, StuttgartStuttgarter Nachrichten, 5. November 1955, S. 18 1964 Ausstellungsbeteiligung 10. Jahresausstellung des Künstlerbunds Baden-Württembergs, Stuttgart Malerei und Plastik im Gebäude des Württembergischen Kunstvereins, Katalog, S. 146 und Grafik in der Galerie Maercklin, Katalog, S. 78 1984 Ausstellungsbeteiligung Malgré tout – Grieshaber mit seinen Freunden, Schiller-Nationalmuseum, Marbach Katalog: Deutsche Schillergesellschaft, Marbacher Magazin 29/1984 1986 Ausstellung Walter Renz – Fotografien, Württembergischer Kunstverein StuttgartKatalog: Walter Renz - Fotografien. (Vorwort H. Heißenbüttel). ISBN 37757 0228 8, Hatje 1986 1986 Ausstellung 25 Jahre Galerie der Stadt Stuttgart Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts in Baden-Württemberg, Erwerbungen seit 1961Katalog, S. 102, 169 1987 Ausstellung Walter Renz, Fotobilder 1927–1957, Museum Folkwang, Essen 1987 Ausstellung Walter Renz – Fotografien aus der Vor- und Nachkriegszeit, Kunstverein Koblenz 1989 Ausstellungsbeteiligung Bild und Lichtbild – 150 Jahre Photographie, Städtische Galerie, SaulgauSchwäbische Zeitung, Feuilleton 5. Juli 1989 1995 Ausstellungsbeteiligung Subjektive Dinglichkeit, Rathaus der Stadt Stuttgart Katalog: Verband bildender Künstler und Künstlerinnen ISBN 3-929419-04-1 2001 Ausstellung HAP Grieshaber und Walter Renz, Dokumente einer Freundschaft, Galerie Schlichtenmaier, Schloss Dätzingen, GrafenauKatalog zur Grieshaber-Sammlung von Walter Renz bzw. zum Grieshaber-Nachlass, Galerie Schlichtenmaier, Grafenau 2001, ISBN 3-89298-132-9, Katalog zum fotografischen Werk von Walter Renz, Galerie Schlichtenmaier, Grafenau 2001, ISBN 3-89298-133-7, Stuttgarter Zeitung, 7. Juli 2001, Wochenendbeilage 2019 Museum Folkwang, Essen, Neue Welten (neue Präsentation der Sammlung ab Juni 2019)
Veröffentlichungen (Auswahl) Walter Renz, HAP Grieshaber: Pariser Läden, Sautter, Reutlingen 1938. Walter Renz, Stilleben, Sammlung Woldemar Klein, in: Das Kunstwerk, 1948, H. 7, S. 33f. Grafikbeiträge zu HAP Grieshaber u. a.: Hommage à Werkman – the next call, Eggert, Stuttgart 1958. HAP Grieshaber: Malbriefe (Hg. Margot Fürst), Hatje 1967 und Deutscher Taschenbuch Verlag 1969. Walter Renz – Fotografien (Vorwort H. Heißenbüttel). ISBN 37757 0228 8, Hatje 1986. Fotobeiträge zum Engel der Geschichte. Nr. 1(1964), Nr. 12(1969), Hrsg. HAP Grieshaber, Manus Presse, Stuttgart 1964–1981 und Nr. 26, Karlsruhe 1982 (Nachdruck der Folgen 1–13 (Hg. HAP Grieshaber) Harenberg TB, 1980). Interviewbeitrag zur Entstehungsgeschichte der Reihe Engel der Geschichte. In:
Literatur Kleines Lexikon der abstrakten Maler, in: Das Kunstwerk, Woldemar Klein, Jg. 1946–47, H. 8–9, S. 50 und 60. Ludwig Greve: Malgré Tout – Grieshaber mit seinen Freunden, in: Marbacher Magazin, 29/1984, S. 18f, 25, 29f, 34. Rudolf Mayer: Tagröte – Der junge Grieshaber und seine Freunde, Hatje-Cantz-Verlag, 1998, ISBN 978-3-7757-0759-6, S. 85, 93, 100, 108, 110ff. Rudolf Mayer: Der Läufer – Die Galerie Herbert Herrmann, 1947-1948, Schriften des Freundeskreises HAP Grieshaber, 2, 1994, S. 19, 26, 28, 43, 53, 61, 64f, 78. Petra von Olschowski: HAP Grieshaber – Was ich als Freiheit bezeichne – die schöne Abhängigkeit, Katalog zur Grieshaber-Sammlung von Walter Renz bzw. zum Grieshaber-Nachlass, Galerie Schlichtenmaier, Grafenau 2001, ISBN 3-89298-132-9, S. 7ff. Wolf Strache, Otto Steinert (Hg): Das deutsche Lichtbild 1961, Stuttgart 1960, S. 98, 121, 123, 211, 216, 246. Harry Schlichtenmaier: Walter Renz – Der stille Blick des Fotografen, Grafenau 2001, ISBN 3-89298-133-7. Günther Wirth: Verbotene Kunst 1933-1945-Verfolgte Künstler im deutschen Südwesten, ISBN 37757 0243 1, Hatje Verlag 1987, S. 157, 163, 170, 312, 322, 324.
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