Die Association for the Conservation of Threatened Parrots e. V. (ACTP) ist eine deutsche Nichtregierungsorganisation (NGO), die sich nach eigenen Angaben für Artenschutz von Papageien einsetzt. 2018 wurde die 2006 gegründete ACTP international wegen umstrittener Importe hochbedrohter Papageien Gegenstand der Medienberichterstattung und Objekt von Kritik australischer und dominikanischer Politiker sowie von Artenschützern.
Gründung, Ziele & Standorte mini|Zuchtstätte in Tasdorf Gründer und „Mann hinter der ACTP“ ist seit 2006 der nahe Berlin lebende Privatmann Martin Guth.Simon Degenhard: ACTP – ein Jahrzehnt Einsatz für die Papageien. In: Papageien, Nr. 2/2017, S. 55–57; . Er hatte bereits ein gutes Verhältnis zu Irina Sprotte, der für CITES-Genehmigungen zuständigen deutschen Beamtin, die später zu einer Beraterin von ACTP wurde und zuvor beim Bundesamt für Naturschutz angestellt war. Sobald Vögel in Deutschland waren, konnten sie sie frei in andere Länder der Europäischen Union bringen. Nach eigenen Angaben führt ACTP weltweit mit Partnern vor Ort Projekte zur Rettung bedrohter Papageien und deren Lebensräume durch. Dazu gehören sowohl In-situ- als auch Ex-situ-Maßnahmen.act-parrots.org
Kritiker der ACTP sehen ihre Hauptaktivität in der Zucht und dem Handel von lebenden Papageien von Deutschland aus, was unter dem Deckmantel eines Aufbaus von „Sicherheitspopulationen“ zum Überleben der Art betrieben werde.
Die ACTP betreibt nach eigenen Angaben (Stand 2017) an mehreren Standorten in Deutschland Papageienhaltung: eine Zuchtstätte im brandenburgischen Tasdorf, ein Quarantänezentrum in Schöneiche bei Berlin und eine Winterstation im nordrhein-westfälischen Weeze, außerdem eine Tierklinik im baden-württembergischen Achern. Der Verein sitzt seit 2018 in Hannover.
Geldgeber und Transparenz Geldgeber, laut eigenen Angaben, sind zum Beispiel Deli Nature und Knutis Shop, zwei Futtermittelproduzenten, sowie der Zoo Pairi Daiza. Auf der Webseite wird ebenso die ZGAP wird gelistet wie Instituto Chico Mendes de Conservação da Biodiversidade als Kooperationspartner genannt. Exakte Auflistungen wer wie viel Geld gibt und ob es weitere Geldgeber gibt, werden nicht veröffentlicht. Es gibt auch keine Angaben im Rahmen der Initiative Transparente Zivilgesellschaft. Der Zoologe Paul Reillo, Gründer und Präsident der Rare Species Conservatory Foundation und Direktor des Tropical Conservation Institute in den USA kritisiert das und fragte bereits in den Medien: „Woher kommt das Geld der ACTP? Es muss klar sein, wer ihre Spender sind, wie ihr Geld investiert wird, und es ist wichtig, dass ein vollständiges Inventar ihrer Vögel zur Verfügung gestellt wird – mit Auflistung von Geschlecht, Alter, Anzahl der Geburten und Todesfälle sowie der Ein- und Ausfuhrverfahren.“ Dieser Forderung kam der Verein bislang nicht nach.
In die Ausführungen und aufgebrachten Fragen Reillos stimmten auch Menschen vor Ort in Brasilien ein. Gegenüber Mongabay äußerte sich zudem ein brasilianischer Biologe, der es vorzog, dass sein Name nicht genannt wurde, der aber in die staatlichen Prozesse involviert war. „Es ist gewagt, diesen Deutschen in Brasilien zu haben“, sagte der Biologe unter der Bedingung der Anonymität. „Er hat nur Tiere, die in Deutschland extrem selten sind, die auf dem Schwarzmarkt ein Vermögen kosten. Über Guth will keiner reden, weil alle Angst vor ihm haben.“ ACTP konterte dies mit dem argumentativen Aufbau einer Neiddebatte. Das brasilianische Umweltministerium schwieg.
Beteiligung am Spixara-Projekt Bis in die 1980er- und 1990er-Jahre wurden Spixaras für den internationalen Vogelhandel bis an die Ausrottung gewildert. Pro Vogel wurden bis 80.000 Dollar erzielt. Auch die letzte Freilandbrut 1987 wurde gewildert.Anita Albus: Von seltenen Vögeln. S. Fischer Verlag 2016 Die einzige Hoffnung auf Überleben der Art bot ein Zuchtprogramm in Gefangenschaft. Brasilien besaß hierzu aber keinen eigenen Bestand. Die brasilianische Regierung, beraten vom Instituto Brasileiro do Meio Ambiente e dos Recursos Naturais Renováveis (IBAMA) und seit 1989 ein permanenter Ausschusses für die Rettung des Spixaras (CPRAA), boten daher 1990 Spixara-Haltern, die sich am Zuchtprogramm beteiligen wollten, eine Amnestie an und verzichtete im Gegenzug auf die Beschlagnahme im Ausland. Der Handel mit der Art wurde unter allen Umständen ausgeschlossen.Artenschutz: Die Loro Parque Fundación bringt vier weitere Spixaras nach Brasilien zurück. In: Gefiederte Welt vom 25. Juni 2013Noel F. R. Snyder, Philip McGowan: Parrots: Status Survey and Conservation Action Plan 2000–2004. IUCN 2000, S. 130f. Mitte der 1990er-Jahre besaß der Schweizer Roland Messer mehrere Spixaras, wobei es zu zweifelhaften Transaktionen kam.Tony Juniper: Spix’s Macaw: The Race to Save the World’s Rarest Bird. 2004 z. B. S. 211 Ende 2008 soll Messer laut Medienberichten in Brasilien für einen Tag festgenommen worden sein, da er in einer speziellen Weste zehn Papageieneier mitgeführt habe – offenbar bestimmt für den Schmuggel ins Ausland.Timo Nowack, Christian Bütikofer: Bushido und der IV-Rentner – Pleiten und Papageien. In: Handelszeitung, 16. Mai 2013.
Bis 2001 wurde der letzte freilebende Spixara, ein Einzelvogel beobachtet, nach seinem Verschwinden gilt die Art im Freiland als erloschen. 2005 waren die Besitzverhältnisse an Spixaras unklar. Messer verkaufte Spix Aras sowohl an Martin Guth als auch eine größere Zahl Vögel an die Al Wabra Wildlife Preservation (AWWP) in Katar, wobei für die Zeit danach unklar ist, wie viele Vögel Guth besaß.Paul Donald, Nigel Collar, Stuart Marsden, Deborah J. Pain: Facing Extinction: The World’s Rarest Birds and the Race to Save Them. 2. Auflage. A&C Black, 2013, hier: S. 207 f.; books.google.de 2005 genehmigte das BfN Guth den Import von 3 Spixara. 2009 verfügte die ACTP nur über zwei Spixaras, beides Weibchen. In der Folge kam es zum Tausch bzw. Weitergabe Richtung ACTP. 2011 lebten bei der ACTP 7 Spixaras. 2011 schlüpften in der ACTP zwei Jungtiere., Im Jahr 2015 gelang bei mehreren Teilnehmern des Zuchtprojektes die Nachzucht von insgesamt 20 Jungtieren, 2016 vermeldet Katar mindestens 17 Jungvögel. Die ACTP erbrütete zwei Jungtiere, zwei Jungtiere wurden Brasilien übergeben.Spix Aras sollen in Brasilien bald wieder heimisch werden. BfN, Pressemitteilung, 2016. Die Halter haben sich 2016 verpflichtet für fünf Jahre jeweils 70 Prozent ihrer Nachzuchten nach Brasilien abzugeben. Am 12. Juli 2016 gehörte die ACTP neben AWWP, den Betreibern der Facenda Cachoeira in Brasilien sowie der Verein Parrots International zu den Unterzeichnern eines Vertrages mit dem Staat Brasilien, der die Zusammenarbeit „für die nächsten zehn Jahre konkret vereinbart und finanziell sicherstellen soll.“ 2018 wurde, vier Jahre nach dem plötzlichen Tod des AWWP-Gründers, deren Tierbestand aufgelöst. Unter anderem wurden eine größere Zahl Spixaras zur ACTP überführt.Spixaras von Katar zur ACTP nach Berlin gebracht. In: PAPAGEIEN 07/2018 Nach Angaben der ACTP sahen sich die Erben gezwungen 120 Spixaras außer Landes zu bringen.Bastian Henrichs, Monika Keiler: In: Greenpeace Magazin Ausgabe 5/2018. Vier Spix Aras wurden 2018 von der ACTP an den belgischen Privatzoo Pairi Daiza weitergegeben,| Spixaras im Tierpark Pairi Daiza/Belgien In: Gefiederte Welt 11/2018 der die Aktivitäten der ACTP auf Dominica mindestens teilfinanziert.Heike Kalbus: 22.Tagung des Fonds für bedrohte Papageien. In: Papageien, 12/2018.
Bezüglich eines geplanten Auswilderungsprojekts, zu dessen Zweck Spixaras von ACTP nach Brasilien transportiert wurden, äußerten Experten in Brasilien deutlich Besorgnis. Die Hälfte der Spixaras, die von ACTP nach Brasilien gebracht worden waren, sei positiv auf Mykoplasmen getestet worden. Ebenso wurden ernsthafte Bedenken in Bezug auf die genetische Diversität der Gruppe geäußert. Die Einhaltung der Quarantäne-Vorschriften wurde ebenfalls bezweifelt. Darüber hinaus bemängelten die Experten, dass die Tiere, sowie auch das für das Projekt gebaute Zentrum, anders als üblich, nicht im Besitz des Brasilianischen Staates wären, sondern dem Verein ACTP gehörten. Zu den Projektpartnern der ACTP beim Spix-Ara gehört auch die ZGAP.
Im Rahmen der Zusammenarbeit mit Brasilien gelangte die ACTP auch an eine weitere in Brasilien endemische Papageienart und züchtet Leararas. Beide Arten waren auch Thema eines Dokuments, das unter anderem verschiedene Umweltschutzorganisationen unterzeichneten und das primär an Astrid Schomaker, Direktorin für Strategie bei der Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission, gerichtet war. Dabei ging es um den kommerziellen Charakter von Einrichtungen und Transaktionen im Zusammenhang mit diesen äußerst seltenen Arten, die wohl nur angeblich Schutzzwecken dienen. „Die deutsche Zuchtstation“, wie ACTP im Papier bezeichnet wird, hätte „offenbar erhebliche Geldbeträge für die Übertragung von in Gefangenschaft gezüchteten Vögeln an Privatpersonen und Zoos erhalten“. Während die deutschen Behörden dies als zulässig erachteten, weisen die unterzeichnende Organisationen hin, dass dies weder im Einklang mit CITES, noch den EU-Richtlinien stünde. Spixaras mit CITES-Papieren seien daher bereits im Dezember 2022 auf privaten Händlerforen in Indien zum Verkauf angeboten. Auch Lear-Aras stünden dort zu Verkauf, obgleich es keine legale Einfuhr der Tiere zuvor gegeben habe. Damit war für die Autoren des Dokuments klar, dass ACTP „in den Handel mit Spix- und Lear-Aras verwickelt“ sei.
Darüber hinaus wird im Dokument die dubiose Herkunft der Gründerpopulation der Tiere im Besitz des ACTP kritisiert. Von den 137 Spixara-Exemplaren, die zwischen 2005 und 2021 überwiegend aus Katar nach Deutschland importiert wurden, stammten nur 2 Exemplare legal aus Brasilien. Für alle anderen sei der legale Erwerb höchst fraglich. Die Unterzeichner des Dokuments geben zu bedenken, dass der EU-Markt aktuell die Möglichkeit bietet, illegal erworbene Exemplare zu „legitimieren“, weil eine Rückverfolgung des Zuchtbestand kommerziell gehandelter Exemplare bis zur Quelle gar nicht verpflichtend sei. Sie fordern die EU dringend auf, sicherzustellen, dass der Gründerbestand jeder registrierten Population auf eine legale Quelle zurückgeführt werden kann.
Im Juli 2024 entschied sich die Brasilianische Regierung die Kooperation mit dem ACTP nicht weiter fortzuführen. ICMBio, Brasiliens Bundesbehörde für die Verwaltung der Artenvielfalt, behauptete, dass die ACTP kommerzielle Geschäfte mit Spix-Aras getätigt habe, indem sie einige davon an einen privaten Zoo in Indien übergab. Zwanzig Organisationen, darunter der World Parrot Trust, unterzeichneten einen Brief, in dem sie diese Tat und die Übergabe weiterer 50 Spix-Aras durch den ACTP an Einrichtungen in Belgien, Dänemark und der Slowakei sowie die ihrer Meinung nach mangelhafte Umsetzung der Vorschriften für den Wildtierhandel durch die Europäische Union verurteilten. Obwohl die deutschen Behörden die Transaktion als nicht kommerziell einstuften, erhielt die deutsche Zuchteinrichtung, laut dem Brief, offenbar erhebliche Geldsummen für die Übergabe von in Gefangenschaft gezüchteten Vögeln an Privatpersonen und Zoos. ICMBio erklärte gegenüber Mongabay, Brasilien sei „entschieden gegen den Handel mit dieser Art, selbst wenn die Finanzierung von Artenschutzmaßnahmen als Begründung dient. Der Handel mit Spix-Aras schadet dem Artenschutz und begünstigt private Interessen zum Nachteil des Gemeinwohls.“
Laut SZ wurden dutzende Spix-Aras an andere Halter in Europa gegeben. Zum Teil wurden sie mit Genehmigung der zuständigen deutschen Behörden für fünfstellige Summen verkauft. Von Beginn an hatte das ACTP durch Martin Guth über Irina Sprotte, die erst für solche Genehmigung selbst zuständig war und später als Beraterin beim Verein sowie beim beendeten, kooperativen Auswilderungsprojekt arbeitete, entsprechende Verbindungen zu den Behörden.