mini|hochkant=0.9|Wappen derer von Gogreve im Wappenbuch des Westfälischen Adels Gogreve (Gogravius, Tribunus) ist der Name eines westfälischen Adelsgeschlechts, das im Herforder und Minden-Ravensberger Raum verbreitet war.
Wahrscheinlich besteht keine Stammesverwandtschaft mit dem westfälisch-waldeckschen Adelsgeschlecht der Gaugreben,Wappen: In Silber drei schwarze Pfähle. das in räumlicher Nähe in Holzhausen (Hudenbeck, Brüggehof) und in der Grafschaft Schaumburg ebenfalls belehnt war.Schaumburgische Lehen der v. Gogreve, 1558–1768, und Hessen-kasselische und schaumburgische Lehen der v. Gogreve (v. Gaugrebe), u. a. zu Rinteln, 1650–1709; Hessisches Staatsarchiv Marburg (Bestand 17 c Landgräflich Hessische Regierung Kassel: Lehnhof, Nr. 3977 und Nr. 6699) u. a. Auch die Familien der Gogreve zu Telgte und Gogreve zu Ahlen sind zu unterscheiden.Leopold von Ledebur: Dynastische Forschungen, Bd. II. Ludwig Rauh, Berlin 1855, S. 17.
Geschichte Herforder Gogericht miniatur|Gogreve, zwölf Schöffen und Schreiber bei einer Gerichtssitzung unter freiem Himmel (auf Grasboden), Miniatur (rechts) aus dem Rechtsbuch der Stadt Herford, um 1375 Der Name Gogreve rührt vom Besitz des Herforder Gogerichtes her, das die Familie bereits im 12. Jahrhundert als allodiales Erbeigentum innehatte.Vgl. Karl Nitzsch: Die Ravensbergische Territorialverfassung im Mittelalter (bis 1535). (diss. phil.). Halle 1902, S. 42 und 44 Anm. 1 (Google-Books). Der Gogreve richtete unter Königsbann über „Hand und Hals“.Rechtsbuch der Stadt Herford, S. 24. Der Gerichtsbezirk erstreckte sich über Altstadt und Neustadt Herfords. Das Schöffen-Gericht tagte unter Vorsitz des Gogreven ursprünglich auf dem Alten Markt,Rainer Pape: Vom Roten Wik zum Alten Markt, dem Versammlungsplatz der Heinrichsburg Herford mit dem Roland. In: Wolfgang Otto (Hg.): Aus drei Jahrtausenden. Beiträge zur Herforder Stadtgeschichte. (Freie und Hansestadt Herford 17). Bad Oeynhausen 2001, S. 63–100, u. a. zur Zeit des Kurkölner Gerichtsherren seit 1360 auf dem Rathaus in der Neustadt (uppe deme rathus uppe der nyenstad)Rechtsbuch der Stadt Herford, S. 17, 22, 23. und „ungeboten“ (unangesagt) zu festgelegten Terminen dreimal im Jahr als „echtes Vogt-Thing“ (voghettyngh)Rechtsbuch der Stadt Herford, S. 26. auf dem Rathaus der Altstadt.Rainer Pape: Sancta Herfordia. Geschichte Herfords von den Anfängen bis zur Gegenwart. Busse, Herford 1979, S. 111. Sieben Kirchspiele außerhalb Herfords – die außen wohnenden (de buten wanet) Feldmärker der Altstadt, St. Mariae auf dem Berge (mit Exter), Schildesche (mit Jöllenbeck), Heepen (mit Bielefeld), Schötmar (mit Salzuflen), Oerlinghausen und Brackwede – bildeten das Gogericht Hengeloh (auf dem Heyenloh, heute Heidenloh zwischen Biemsen und Lockhausen), das sich ebenfalls der Herforder Ministerialenfamilie Gogreve zugeordnet hatte.Vgl. im Einzelnen August Theodor Holscher: Die ältere Diöcese Paderborn, nach ihren Grenzen, Archidiaconaten, Gauen und alten Gerichten. In: Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde 37 II (1879), S. 3–90, bes. S. 98f (Digitalisat im Internet Archive). Berufungen von „ungebotenen“ (regelmäßigen) Sitzungen und „gebotene“ Dinge des Gogerichts Hengeloh wurden beim Achter-Goding uppe de wellen (= Quelle) vor de renneporten verhandelt,Rechtsbuch der Stadt Herford, S. 27f. wo sich früher der altsächsische Hof Olden-Hervorde befunden hatte. In Zweifelsfällen ging das Hengeloher Gogericht bei der Herforder Gerichtsbank „zu Haupt“, oder es wurden als Obergericht die Dortmunder Schöffen angerufen.Vgl. Karl Nitzsch: Die Ravensbergische Territorialverfassung im Mittelalter (bis 1535). (diss. phil.). Halle 1902, S. 43–45 und 113f.
Hermannus plebis tribunus (= „Volkstribun“ = Gogreve)Vgl. zur Übersetzung die Urkunden der Äbtissin Pinnosa vom 3. Februar 1265 („Reinardus et Hermannus senior Gogravii Hervordenses“) und 3. April 1268 („Reynardus, Hermanus et Hermannus Tribuni“); Roger Wilmans (Bearb.): Die Urkunden des Bisthums Paderborn vom J. 1201–1300, Heft II. (Westfälisches Urkundenbuch 4,2). Regensberg, Münster 1880, Nr. 1022 und 1135, S. 515 und 562 (Digitalisat im Internet Archive); vgl. auch Nr. 334, 349, 427, 478, 557, 880, 1135. wird 1191 in einer Urkunde des Konvents des Stiftes Herford und der Ministerialin ChristinaUrkunde von 1191 als Beilage zu einer Urkunde von 1217; Roger Wilmans (Bearb.): Die Urkunden des Bisthums Paderborn vom J. 1201–1300. (Westfälisches Urkunden-Buch 4,1). Regensberg, Münster 1874, Anm. 1 zu Nr. 72, S. 50f; vgl. Nr. 73, S. 51 (Google-Books). und in einer undatierten Urkunde des Abtes Liborius († 1214) von Kloster MarienfeldRoger Wilmans, Ludwig Perger (Bearb.): Die Urkunden des Bisthums Münster von 1201–1300. (Westfälisches Urkunden-Buch 3). Regensberg, Münster 1871, Nr. 1709, S. 894f, datiert „um 1219“ (Google-Books). erwähnt. Er und sein Bruder Heinrich waren Söhne des Reinhard, Besitzer der Villikation Hartum („Harthem; Hartheim“).Hof Meyer zu Hartum, Diebrock Nr. 2, südwestlich von Herford.Vgl. Hermann Aubin: Die Verwaltungsorganisation des Fürstbistums Paderborn im Mittelalter. (Abhandlungen zur mittleren und neueren Geschichte 26). Berlin 1911, S. 18. Am Ende des 13. Jahrhunderts verkaufte die Familie Güter in Dehme an das Stift St. Martini in Minden.Vgl. Urkunden vom 30. April 1276 und 23. April 1277; Heinrich Finke (Bearb.): Die Urkunden des Bisthums Paderborn vom J. 1201–1300, Heft III. (Westfälisches Urkundenbuch 4,3). Regensberg, Münster 1890, Nr. 1434 und 1435, S. 687f, und Nr. 1467, S. 702 (Digitalisat im Internet Archive). Heinrich (Hinrike) GogreveAuch „Gogreve genannt Krebs (Crevet, Cancer)“, Amtmann zu Vlotho; vgl. Urkunde vom 3. Juni 1285, ausgestellt in Wiedenbrück; Heinrich Finke (Bearb.): Die Urkunden des Bisthums Paderborn vom J. 1201–1300, Heft III. (Westfälisches Urkundenbuch 4,3). Regensberg, Münster 1890, Nr. 1840, S. 851 (Digitalisat im Internet Archive) = Max Bär (Bearb.): Osnabrücker Urkundenbuch, Bd. IV Die Urkunden der Jahre 1281–1300. Rackhorst, Osnabrück 1902, Nr. 155, S. 105–107 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). trug das Herforder Gogericht dem Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg („Sifrid van Runkel“) gegen eine Zahlung von 500 Mark zu Lehen auf.Bestand des Marschall-Amts in Westfalen, S. 637; Rechtsbuch der Stadt Herford, S. 31; Theodor Ilgen: Zur Herforder Stadt- und Gerichtsverfassung In: Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde 49 (1891), S. 1–58, bes. S. 45 (Digitalisat im Internet Archive). 1295 bestellte Erzbischof Siegfried den Ritter Heinrich Gogreve zum Gografen.Urkunde vom 30. Juli 1295, ausgestellt in Bonn; Heinrich Finke (Bearb.): Die Urkunden des Bisthums Paderborn vom J. 1201–1300, Heft III (= Westfälisches Urkundenbuch 4,3). Regensberg, Münster 1890, Nr. 2350, S. 1065f. Erzbischof Heinrich II. von Virneburg setzte 1319 Ritter Heinrich genannt Gogreve von Herford (Gogravius de Hervorde) und dessen Sohn Reiner gegen ein Pfand von 150 Mark Soester Pfennige als Amtleute in Herford ein.Urkunde vom 18. Mai 1319, ausgestellt in Godesberg; Manfred Wolf (Bearb): Die Urkunden des Kölnischen Westfalen, Heft II. (Westfälisches Urkundenbuch 11,2). Aschendorff, Münster 2000, S. 902. 1327/28 stritten sich Ritter Reynerus Gogravius und Äbtissin Luitgard II. von Bicken (reg. 1325–1360) um Abgaben auf die Einkünfte aus dem Officium (Amtsbezirk) Hartum (Hartham).Urkunden vom 24. Januar 1327 und 28. Februar 1328; Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen Münster (Fürstabtei Herford, Landesarchiv, Urkunden 189 und 197).
1390 reversierte Dietrich von Horne, Bischof von Osnabrück, über das ihm vom Kölner Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden anbefohlene Amt und Gericht Herford, das er für 100 Schilde von Hermann Gogreve einlösen soll.Urkunde vom 1. Januar 1390; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (AA 0006 Kurköln I, Nr. 2).
Lehen der Reichsabtei Herford Die Familie hielt umfangreichen Lehensbesitz von der Reichsabtei Herford in Händen:Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen (Fürstabtei Herford, Lehen – Akten, Nr. 57).Vgl. z. B. Einträge von 1324–1360, 1488 oder 1494; Franz Darpe (Bearb.): Einkünfte- und Lehns-Register der Fürstabtei Herford sowie Heberollen des Stifts auf dem Berge bei Herford (= Codex Traditionum Westfalicarum, 4). Theissing, Münster 1892, S. 157f, 160, 187f, 197, 219, 223, 231, 252, 256, 259, 269, 282f. u. ö. (Google-Books). ein Hof der Gogreven am Steintor im Stadtteil Radewig, an der Aa gelegen,Eintrag von 1464; Franz Darpe (Bearb.): Einkünfte- und Lehns-Register der Fürstabtei Herford sowie Heberollen des Stifts auf dem Berge bei Herford (= Codex Traditionum Westfalicarum, 4). Theissing, Münster 1892, S. 265 (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf). weitere Güter und Rechte in Herford, zwei Höfe zu Bobeke bei Herford),Der Hof Burigbeke lag wahrscheinlich vor dem Steintor von Herford und hieß später Borbeke, heute Bornbrede. Hof, Mühle und zwei Häuser in Diebrock/Diekenbrook, Hof und zwei Häuser in Sulbecke (Sylbach bei Salzuflen), Haus zu Aspe, Haus und Hof zu Werl, drei Häuser zu Lockhausen, Südbrüntrup („Sutbruninktorp“ bei Talle, heute Ortsteil von Lemgo),Vgl. Regesten der Urkunden vom 12. November und 13. Dezember 1324, 27. Juni 1327 und 6. Juni 1328; Otto Preuß, August Falkmann (Bearb.): Lippische Regesten, Bd. II. Meyer, Lemgo / Detmold 1863, Nr. 697–698a, 710 und 717, S. 111–113, 118f und 121f (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München). Schiesshof, Uthof, Kotten, ein SalzhausVgl. Urkunden von 1224 (Gograf Hermann von Herford) und vom 17. März 1281 (Gograf Heinrich zu Herford und seine Brüder Hermann, Werner und Reyner, dapifer); Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen (Kloster Marienfeld, Urkunden 37 und 225).Regest einer Urkunde vom 7. April 1336; Otto Preuß, August Falkmann (Bearb.): Lippische Regesten, Bd. II. Meyer, Lemgo / Detmold 1863, Nr. 780, S. 148.Vfelen musste „dat Gogreuen solt (= Gogreven-Salz)“ liefern; Rechtsbuch der Stadt Herford, S. 19. und den Friedeschilling (Censum arearum; Gerichtsgebühr) in Salzuflen, Amt Westerenger, Mühle und zwei Häuser in Edelsen (Elsterhöfe bei Löhne), Amt und ein Haus zu Häver, Haus Lindemann (bei Eickum), Eickhof in Schweicheln („Sueghelen; Swechelen“), Meershaus und ein weiteres Haus in Werther, Haus Siekermann zu Heepen, acht Höfe in Vahrenbrede (bei Eickum), vier Höfe zu Rauschenbusch (bei Diebrock), Kregenbrocke, Acker beim Yshus (vor dem Herforder Renntor), zwei Höfe am Gogrevenfeld, sieben Höfe an der Wehmühle („Wedemolen“ an der Werre vor dem Herforder Lübbertor), drei Höfe zu Milse, Haus in Sorenhagen (bei Biemsen), Haus zu GlösinghausenNicht zu verwechseln mit Glösinghausen bei Preußisch Oldendorf. (Glosinckamp bei Westerenger), Weide, Feld, Hof to den Worden, weitere Ländereien und alle Häuser an der Aa vor dem Herforder Deichtor („Dikport“) – bis auf zwei Häuser bei Bexterlau –, zwei Häuser zu Riessen („Rettersen; Rotterschen“), Haus zu Echolte (Eickel bei Lübbecke), Amt und Hof Hartum, Hof zu Ramsloh (zwischen Ummeln und Senne), Horenbrede, Wulferkamp (bei Diebrock), Schelenbrink, Quadenkamp, Lockhof und dat Goltland vor dem Herforder Steintor, der Volkwinschen Haus und das Sanderhaus zu Hillewalsen (bei Elverdissen),Franz Darpe (Bearb.): Einkünfte- und Lehns-Register der Fürstabtei Herford sowie Heberollen des Stifts auf dem Berge bei Herford (= Codex Traditionum Westfalicarum, 4). Theissing, Münster 1892, S. 252 (Google-Books). Fischerei in der Aa bei Brake, 1233 bis 1334 auch die Vogtei über die Villikation Hunnebrock.Seit 1233 in Lehnsbesitz, 1334 an Graf Bernhard von Ravensberg verkauft, der damit die Familie von dem Bussche belehnte; vgl. Friedhelm Biermann: Der Weserraum im hohen und späten Mittelalter (= Veröffentlichungen des Instituts für Historische Landesforschung der Universität Göttingen 49). Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2007, S. 435, 495.