Simon Gogräve oder Gogreve (* 1593 in Minden; † in Bremen) war ein erzbischöflich bremischer Rat und verdischer Vizekanzler.

Leben Herkunft Simon Gogräve entstammte dem westfälisch-waldeckschen Adelsgeschlecht der Gaugreben. Sein Vater war Bernhard Gogreve (* um 1569; † nach 1611)Vgl. Wolfgang Bonorden: Dr. jur. Simon Gogräve, gest. 1648. (Die Gräber im Bremer St. Petri Dom 10 = Blätter der Maus. Gesellschaft für Familienforschung e. V. Bremen 22). Bremen 2000, S. 18f.Er ist wahrscheinlich nicht identisch mit dem bremischen Amtmann, Sekretär und Notar Bernhard Gogreve, der zwischen 1591 und 1595 in Neuenwalde, Bremen und Burg Hagen erwähnt wird; vgl. Emil Sehling: Die evangelischen Kirchenordnungen des XVI. Jahrhunderts. Band VII/1. Niedersachsen, Hälfte 2, Halbbd. 1 Erzstift Bremen … . Mohr, Tübingen 1963, S. 30 +Anm. 3; Erich Weise: Geschichte des Niedersächsischen Staatsarchivs in Stade. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1964, S. 22–24. aus Minden oder Oldendorf unter Schaumburg, ein „illegitimer“ Sohn des römisch-katholischen Klerikers Georg Gogreve (* um 1534; † 1575/76). Bernhard Gogreve erbte ein Haus bei St. Johann in Minden und einen der zwölf Edelhöfe (Burgmannenhöfe) in Oldendorf.Vgl. Lupold von Lehsten: Die hessischen Reichstagsgesandten im 17. und 18. Jahrhundert. Anhang Listen und biographisch-genealogische Blätter der hessischen Gesandten zu den Reichstagen im 17. und 18. Jahrhundert. (Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 137,2). Hessische Historische Kommission, Darmstadt 2003, S. 314. Er war seit 1593 Brauer in Minden und Notar (Notarius publicus Caesareus), verheiratet mit Künna (Kunigunda) Greifenstroh (Griepenstro) († nach 1600).

Ausbildung Studium in Helmstadt, Marburg und Gießen Nach dem Besuch der Lateinschule in HerfordZum Lebenslauf vgl. die Leichenpredigt des Dompredigers Johannes Fürsen. bezog Simon Gogräve am 29. März 1610 die Universität Helmstedt. Als Simon Gogrevius Minda Westphal. schrieb er sich am 18. September 1613 in die Matrikel der Universität Marburg ein, und am 28. September 1614 immatrikulierte er sich in Gießen, wo er Rechtswissenschaft und evangelische (lutherische) Theologie studierte. Simon Gogräve war ein Schüler von Balthasar Mentzer d. Ä. Im März 1618 erfolgte Gogräves juristische Doktorpromotion mit einer zivilrechten Disputation über Fragen der Pandektenexegese. Zwei Monate danach brach der Dreißigjährige Krieg aus.

Informator der Junggrafen von Solms-Hohensolms-Lich Auf die Empfehlung von Balthasar Mentzer d. Ä. hin wurde Simon Gogräve Informator (Hauslehrer) der Junggrafen Otto Sebastian (1614–1632) und Ludwig Christoph von Solms-Lich (1618–1650).Leichenpredigt, S. 51.Vgl. Friedrich Uhlhorn: Die böhmische Linie des Hauses Solms-Lich. In: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte. (1959), S. 86–119, bes. S. 106–108. Sie waren Söhne des Grafen Ernst II. von Solms-Hohensolms-Lich (1565–1619) und der Gräfin Anna von Mansfeld (1580–1620).Grabmale in der evangelischen Marienstiftskirche Lich. 1619 – nach dem Tode Graf Ernsts II. – wohnte Otto Sebastian mit seinem Lehrer in Mentzers Haus in Gießen. Als der Marburger Student Johann PfeilAm 3. Februar 1620 immatrikuliert in Marburg. Zum westfälischen Zweig der Pfeil vgl. Heinrich Merz: Das Leben des christlichen Dichters und Ministers Christoph Carl Ludwig v. Pfeil. Steinkopf, Stuttgart 1863, S. 8f (Google-Books). Eine verwandtschaftliche Verbindung der westfälischen Freiherren von Pfeil mit der schlesischen Familie der Grafen von Pfeil ist jedoch nicht gesichert.Ein Bruder oder naher Verwandter Heinrich Justus (Jobst) Pfeil († 1675), Sohn von Georg Pfeil oder (niederdeutsch) Piel aus Minden (1619 in Stolzenau), studierte zeitgleich Rechtswissenschaft in Gießen und Hemstedt, später Amtmann in Petershagen; vgl. Johannes Brüning, Johann Scriver (Schreiber), Anton Minsche, Heinrich Justus Pfeil: Discursus Palaestrae Imperialis. Caspar Chemlinus, Gießen (1615–) 1616 (Digitalisat der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel); Johannes Brüning, Heinrich Justus Pfeil: De obligationibus in genere et in specie de iis quae re contrahuntur. Chemlin, Gießen 1616; Helfrich Ulrich Hunnius, Heinrich Justus Pfeil, Statius Fabricius: De materia αντιχρησεως nobilissima. Nikolaus Hampel, Gießen 1619 (Google-Books); Johann Stucke, Heinrich Justus Pfeil: Disputatio Inauguralis De Iure Austregarum. Jakob Lucius, Helmstedt 1621 (Google-Books). aus Minden im Mai 1620 in Gießen gewaltsam zu Tode kam, beteiligte sich Simon Gogreve mit einem Epicedium (Trauergedicht) an einer akademischen Gedenkschrift. Auch zu den Disputations-Festschriften für Wilhelm Anton von Freudenberg (* um 1597; † nach 1637)Auch Guilhelmus Antonii de Freundeberg; 1608 immatrikuliert in Gießen, Jurist, Sohn des Professors Gottfried Anton von Freudenberg (1571–1618), erwähnt schon 1633 lobend die Cautio Criminalis von 1631, Rat und Oberschultheiss in Marburg, seit 1637 Reichskammergerichts-Assessor in Speyer; vgl. Hugo Zwetsloot: Friedrich Spee und die Hexenprozesse. Paulinus, Trier 1954, S. 284.Vgl. Art. Anton. In: Friedrich Wilhelm Strieder: Grundlage zu einer Hessischen Gelehrten und Schriftsteller Geschichte. Band I. Barmel, Göttingen 1781, S. 79–88 (Google-Books). aus Marburg und Justus (Jobst) d. Ä. von Dransfeld (* um 1592; † 1679)1626/27 Bürgermeister von Göttingen, Ratsherr in Mühlhausen, braunschweigisch-lüneburgischer Amtmann im Stift Walkenried, gestorben in Herzberg am Harz, ⚭ I. 1623 Dorothee Catherina Rumann († um 1626) aus Göttingen, ⚭ II. 1628 Dorothea Susanne Hugold († 1640) aus Mühlhausen, ⚭ III. Anna Maria Hattorf (* 1610; † nach 1644) aus Osterode. aus Göttingen steuerte er Gedichte bei.

Gogreve veröffentlichte 1620 eine wissenschaftliche Untersuchung der „theologisch-politischen“ Frage, ob es ein kriegerisches Widerstandsrecht (armis defendi ius) gegen die Verhinderung der Religionsausübung durch die Obrigkeit gebe.

Advokat in Minden Nach Studium und Tätigkeit als Hauslehrer arbeitete Simon Gogräve als Advokat in Minden. 1624 heiratete er Anna Hinrichking.

Verwaltungsjurist Stift Minden Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg, der das von kaiserlichen Truppen besetzte Minden als schwedischer General im Sommer 1634 belagert und erobert hatte, ernannte Simon Gogräve zum Kanzleirat im Stift Minden. In einem Prozess von Graf Otto zur Lippe gegen seinen Neffen Graf Simon Ludwig zur Lippe um Schatzungen und andere Fragen führten der braunschweigisch-lüneburgische und mindische Rat zu Petershagen Jonas Riese († 1634)Sein Sohn Hieronymus Riese († 1650) erhielt 1626 ein Kanonikat in Lübbecke; Maria Spahn: Das Kollegiatstift St. Andreas zu Lübbecke. (Mindener Beiträge zur Geschichte, Landes- und Volkskunde des ehemaligen Fürstentums Minden 17). Mindener Geschichtsverein, Minden 1980, S. 101f. und Simon Gograve im Mai 1634 in Lemgo als Kommissare des Reichskammergerichtes ein Zeugenverhör durch, um den Inhalt eines mit Ottos Bruder Graf Simon VII. zur Lippe († 1627) geschlossenen Vergleichs festzustellen.Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe (L 82 Lippische Reichskammergerichtsakten, Nr. 518, 544 und 545). Bei dem Verhör im Lemgoer Rathaus wirkten die kaiserlichen Notare Caspar LangenCaspar Langen Westph. wurde 1618 in Marburg immatrikuliert. und Hermann Schmackepeper (Schmackpfeffer) (* 1596; † vor 1661)Aus Herford, 1636–1647 Ratsherr zu Herford, 1646 als Kirchenprovisor auf der Inschrift der großen Betglocke der Johanniskirche genannt, 1647–1654 (1658?) sitzender (= zweiter) Bürgermeister von Herford. mit. Befragt wurden Drost Hans Adam von Hammerstein (1579–1653) zu Equord,Um 1596 immatrikuliert in Heidelberg, wurde 1605 lippischer Hofmeister, später lippischer Rat und Landdrost, 1629 braunschweigisch-lüneburgischer Drost zu Bruchhausen, 1653 verstorben als braunschweigisch-lüneburgischer Landdrost der Grafschaft Hoya.Ein entfernter Cousin von Simon Gogräve; vgl. Anton Fahne: Geschichte der Westphälischen Geschlechter. Heberle / Lempertz, Köln 1858, S. 198f (Google-Books). Levin Moritz (d. Ä.?) von DonopVermutlich ist der lippische Landdrost Levin von Donop (1567–1641) gemeint. und Kammersekretär Walter Busch (1579–1641),1615, 1619, 1636 hochgräflich lippischer Kanzlei- und Geheimer Sekretarius zu Detmold.Vgl. August Hermann Lucanus: Historische Nachricht von dem Lucanischen Geschlecht. Friderich, Halberstadt 1753, S. 162f und 235 (Google-Books). die drei ehemaligen Schiedsleute, die den Vergleich vermittelt hatten.Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe (L 82 Lippische Reichskammergerichtsakten, Nr. 544; vgl. Nr. 518 und 543).

Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Beck 1636 war Simon Gogrewe Verwalter von Haus Beck und Rat des Herzogs Johann Christian von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Beck (1607–1653), der ihn und Dietrich CostedeWohl aus der Mindener Familie Kostede. mit einer Prozessführung gegen Anton Fürstenau („Dr. Fürstenow“) beauftragte.Regest einer Urkunde vom 19. Juli 1636 aus dem Münchhausen-Archiv zu Hess. Oldendorf (Nr. 747). In: Gustav von Buchwald: Beiträge zur Geschichte der letzten Schauenburger. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holstein-Lauenburgische Geschichte. Band 10, 1881, S. 97–142, bes. S. 142 (Digitalisat der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg).Weiterführung des Prozesses durch den Bruder von Herzog Johann Christian: Ludwig Philipp Herzog zu Holstein contra Bernd Fürstenau (Sohn des Anton Fürstenau zu Herford), 1652; Stadtarchiv Lemgo (Rats- und Magistratsgericht – Prozess- und Sammelakten, A 7641). Anton Fürstenau († 1653) war zum Dr. promoviert.

Stadt Minden Am 2. Januar 1638 wurde er als Nachfolger seines späteren Schwiegervaters Heinrich Grave (* 1589; † 1640 oder eher 1642),Aus Osnabrück, Kammergerichtsadvokat, führte in den 1630er Jahren als städtischer Syndikus Hexenprozesse in Minden; vgl. Barbara Gross: Hexerei in Minden. Zur sozialen Logik von Hexereiverdächtigungen und Hexenprozessen (1584–1684). (diss. phil. 2007). Aschendorff, Münster 2007, S. 82–84 und 303. der dieses Amt neun Jahre lang versehen hatte,Heinrich Rimphoff: Predigt … Zum Valete. S. 82. für drei Jahre Syndikus der Stadt Minden.Erwähnung 1639 bei Ernst Friedrich Mooyer: Miscellen zur Geschichte Herfords 9. Die Familie von Gogreve. In: Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde 5 (1842), S. 60–85, bes. S. 85 (Google-Books). Sein Nachfolger wurde 1641 Conrad Hoyer.Hans Nordsiek (Bearb.): Kommunalarchiv Minden. Archiv der Stadt Minden und des Kreises Minden-Lübbecke. Kommunalarchiv, Minden 1993, S. 34.

Gegen Johann Büsing († nach 1643), den Amtmann und Vorwerkpächter der Grafen vom Nassau-Dietz und Spiegelberg zu Coppenbrügge,1643 als nassauischer Amtmann und Vorwerkpächter in Koppenbrügge abgesetzt. erwarb Simon Gogrebe eine Schuldforderung.Referentenbuch der fürstlich Braunschweig-Lüneburgischen Kanzler und Räte im Fürstentum Calenberg; Niedersächsisches Landesarchiv Hannover (Hann. 69 C, Nr. 189, S. 173–299).

Stifte Bremen und Verden Seit 1641 amtierte Gogräve unter dem protestantischen Erzbischof Friedrich II. von Schleswig-Holstein-Gottorf, Prinz von Dänemark, als erzbischöflich bremischer Rat und verdischer Vizekanzler.Bestallungsurkunde, 1641; Niedersächsisches Landesarchiv Stade (Rep. 8 Hochstift Verden, Nr. 433). Er folgte in dieser Funktion wiederum Heinrich Grave,Leichenpredigt, S. 55: Grave war sein antecessor als Procancellarius Verdensis. der das Amt bis 1640 ausgeübt hatte.Vgl. Verzeichnis der beim „verstorbenen“ (wahrscheinlich ungenau, s. Heinrich Rimphoff: Predigt … Zum Valete, Druckjahr: 1642) Vizekanzler Dr. Heinrich Graven in Verden vorhandene Akten, 1640; Niedersächsisches Landesarchiv Stade (Rep. 8 Hochstift Verden, Nr. 432). Erzbischöflich bremischer Kanzler war Dietrich Reinkingk, der Gogräve aus seiner Zeit in Gießen bekannt war.Vgl. Brief von Vizekanzler Simon Gogräfen aus Verden an Kanzler Dietrich Reinking in Vörde, 1543; Niedersächsisches Landesarchiv Stade (Rep. 8 Hochstift Verden, Nr. 12).