mini|Rheinschanze und Mannheim um 1795 mini|Rheinschanzendenkmal am Rheinufer von Ludwigshafen

Die Mannheimer Rheinschanze war ein Brückenkopf von Mannheim am gegenüberliegenden Ufer des Rheins, aus dem sich später die Stadt Ludwigshafen am Rhein entwickelte.

Der Begriff „Schanze“ Das Wort Schanze bezeichnet eine aus Erde bestehende, geschlossene Wehranlage. Das Wort selbst leitet sich ab von dem mittelalterlichen Wort für die „Reisigbündel“, mit denen solche Anlagen ursprünglich befestigt waren. Schanzen waren aus einem Erdaufwurf bestehende Verteidigungsanlagen. Sie standen entweder für sich alleine oder in Verbindung mit anderen Einrichtungen im Feld (als Teil einer Festung).

Die Rheinschanze im 17. Jahrhundert Gründung im Jahr 1606 mini|Rheinschanze, Zitadelle und Stadt Mannheim im Jahr 1620 Die erste Anlage der Rheinschanze wurde – gleichzeitig mit der Festung Friedrichsburg – im heutigen Mannheim unter Kurfürst Friedrich IV. errichtet. Friedrich, der die Kurpfalz von Heidelberg aus regierte, war zu der Ansicht gekommen, dass Heidelberg auf Grund seiner Lage zwischen zwei hohen Bergen strategisch ungünstig gelegen sei. So erwählte er das Dorf Mannheim, das auf drei Seiten von den Flüssen Rhein und Neckar umflossen war und freien Ausblick nach allen Seiten bot, als Standort für eine Festungsanlage. Er hatte aber nicht mit dem Widerstand der Mannheimer Bauern gerechnet, die sich lange sträubten, hierfür ihre Felder und Weinberge abzutreten. Erst am 11. Februar 1606 kam ein Vertrag zustande, in dem sich die Mannheimer, durch Entschädigungen bewogen, mit dem Bau einer Befestigung einverstanden erklärten. Am 17. März 1606 fand dann die feierliche Grundsteinlegung statt.

Die Rheinschanze auf dem anderen Rheinufer war ein kleines Hornwerk zur Absicherung des Rheinübergangs. Die Topografie war damals nicht die gleiche wie heute. Eine Abbildung aus dem Jahr 1620 zeigt vor der Rheinschanze eine befestigte Insel, die in einem Plan aus dem Jahr 1700 aber nicht mehr eingezeichnet ist. Vermutlich wurde sie bei der Erweiterung der Uferbauten mit dem Festland verbunden.

Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg mini|Belagerung durch Tilly (Diorama im Stadtmuseum Ludwigshafen) Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Rheinschanze von den Truppen Graf von Tillys besetzt, der kurz zuvor Heidelberg eingenommen hatte. Der englische General, den der Schwiegervater des Pfalzgrafen, der englische König Jakob I. gesandt hatte, musste die Stadt aufgeben, nachdem Tilly am 11. September 1622 von der anderen Rheinseite aus die Rheinschanze und die Stadt Mannheim beschießen ließ. Am 13. September machten die Belagerten noch einen Ausfall. Am 23. Oktober aber eröffnete Tilly so heftiges Feuer aus allen Schanzen auf die Stadt, dass der Kommandant die Einwohner in die Festung zurückzog und die Häuser der Stadt in Brand stecken ließ.

Bald stellten sich in der Festung Hunger und Krankheiten ein. Es war aber auch kein Geld zur Bezahlung der Söldner mehr vorhanden. Der Oberkommandant De Vere leitete deshalb am 30. Oktober Kapitulationsverhandlungen ein, die am 2. November zum Abschluss kamen. Die Besatzung erhielt freien Abzug und den Bewohnern wurde der Schutz ihres Eigentums verbürgt. Am 4. November rückte Tilly nach Mannheim ein und ließ Festungswerke sowie Rheinschanze niederreißen. Mannheim wurde daraufhin von seinen Bewohnern verlassen. Die pfälzische Kurwürde wurde zudem von Kaiser Ferdinand an Herzog Maximilian von Bayern übertragen.

Im weiteren Verlaufe des Dreißigjährigen Kriegs war Mannheim mehrfach kriegerischen Ereignissen ausgesetzt. Im Jahr 1649, ein Jahr nach dem Westfälischen Frieden, wurde Mannheim dem pfälzischen Herrscherhaus unter Kurfürst Karl Ludwig, dem Sohn des „Winterkönigs“, zurückgegeben, wobei Festung und Rheinschanze erneuert wurden.

Die „fliegende Brücke“ mini|Fliegende Brücke, Gierfähre über den Rhein Unter Kurfürst Karl Ludwig wurde im Jahr 1669 zur besseren Verbindung der beiden Rheinufer eine so genannte „fliegende Brücke“ eingerichtet. Es handelte sich dabei um eine Gierfähre. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte der Rhein nur auf Kähnen überquert werden. Der Erbauer der Gierfähre, Wilhelm Tautphöus, Bürger zu Bacharach, war auf sein Werk stolz und feierte es in einem Gedicht als eine Brücke, der keine andere sonst wo gleiche; sie bewege sich ohne Segel und ohne Ruder leicht und sicher und könne mehr als 400 Mann Pferde und geladene Wagen auf einmal tragen.

Der Kurfürst Karl Ludwig fuhr am 27. August 1669 als Erster mit der Fähre über den Rhein und schrieb hierüber am 28. August an seine Gemahlin:

Tatsächlich soll die Fähre in der Lage gewesen sein, gleichzeitig 13 schwer beladene Wagen mit drei Pferden aufzunehmen.Mannheim und seine Bauten – Mannheim, 1906, S. 70 ff., abrufbar in Heidelberger historische Bestände, Universitätsbibliothek Heidelberg. Für die Benutzung musste Brückengeld bezahlt werden. Aufschluss hierüber gibt eine 1669 gedruckte „Ordnung der Fracht oder Fahrgeldes, so ein jedweder, der mit der Fliegenden oder Gyrbrücke zu Mannheim über den Rhein fährt, zahlen soll: Eine Person zu Fuß, einheimisch oder fremd: einen doppelten Pfennig, Einer zu Pferd: zwei Kreutzer.“

Die „fliegende Brücke“ war eine fest installierte Fähre, die an Seilen gezogen wurde und als technische Meisterleistung galt. Als Mannheim 1718 kurpfälzische Residenz und Oggersheim ab 1720 Nebenresidenz wurde, machte dies eine feste Straßenverbindung zwischen beiden Orten nötig. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde die „fliegende Brücke“ deshalb durch eine Schiffsbrücke ersetzt. Ihre Holzkonstruktion lag auf verankerten Kähnen auf, sodass sie mit dem Wassergang steigen und fallen konnte. Wenn ein Schiff passieren wollte, musste ein Brückenteil geöffnet werden. Im Winter wurde wegen des damals noch starken Eisgangs die gesamte Brücke abgefahren.

Zerstörung im Pfälzischen Erbfolgekrieg mini|Liselotte von der Pfalz mini|Sturm auf die Rheinschanze durch französische Truppen (Diorama im Stadtmuseum Ludwigshafen) Im Jahr 1671 verheiratete Kurfürst Karl Ludwig seine Tochter Elisabeth Charlotte (Liselotte von der Pfalz) aus machtpolitischen Gründen mit Herzog Philipp von Orléans, dem Bruder des französischen Königs Ludwig XIV. Er erhoffte sich von dieser Verbindung große Vorteile, sah sich aber bald darin getäuscht. König Ludwig XIV. verlangte von ihm, er solle mit ihm gegen Holland vorgehen, was er aber als deutscher Fürst ablehnte: Die französischen Truppen zogen darauf im Winter 1673 verwüstend durch die neutral gebliebene Pfalz. Der Versuch des Kurfürsten, mit Hilfe des Kaisers die Pfalz zu schützen, verschlimmerte die Lage nur noch. 1674 kamen die Franzosen unter General Turenne erneut und behandelten die Pfalz als Feindesland.

Mannheim hatte Vorbereitungen für eine Belagerung getroffen, die jedoch unterblieb. 1677 wurde die Stadt nochmals umzingelt, ohne dass jedoch ein Versuch zur Einnahme gemacht worden wäre. 1679 wurde schließlich zwischen dem Kaiser und dem König von Frankreich Frieden geschlossen.

Nach dem Tode des Kurfürsten Karl Ludwig im Jahr 1680 trat sein Sohn Karl II. dessen Erbe an, starb aber bereits 1685 ohne Nachkommen. Kaiser Leopold übertrug deshalb das Kurfürstentum dem nächsten männlichen Verwandten, dem Pfalzgrafen Philipp Wilhelm. König Ludwig XIV. von Frankreich erhob für seinen Bruder, den Herzog Philipp von Orléans, der die Tochter des verstorbenen Kurfürsten Karl Ludwig, Liselotte von der Pfalz zur Frau hatte, Anspruch auf die Kurpfalz. Die Ansprüche wurden aber nicht anerkannt, weil die pfälzischen Hausgesetze keine Vererbung in der weiblichen Linie vorsahen. Frankreich versuchte aber die Ansprüche des Herzogs von Orleans mit Gewalt durchzusetzen und fiel am 4. September 1688 in die Pfalz ein.

In Mannheim kommandierte der Gouverneur Freiherr von Seeligenkron, dem nur 1.050 Mann zur Verfügung standen. Am 1. November 1688 forderte der französische General Montclar die Festung zur Übergabe auf. Der Kommandant lehnte dies aber ab. Stadtrat und Bürgermeister befürworteten aber die Kapitulation. Am 3. November wurden Flugschriften verteilt, worin Montclar bekannt gab, dass die Stadt geplündert und abgebrannt würde, wenn nicht innerhalb zweier Tage deren Übergabe erfolge.

Am folgenden Tag eröffneten die Franzosen von der Rheinschanze aus das Feuer und die Bürgerschaft öffnete gewaltsam die Tore. Der Gouverneur wollte die 300 Mann starke Besatzung in die Festung zurücknehmen, doch es folgten ihm nur 40 Mann. In der Festung brach bald eine Meuterei aus und am 12. November 1688 wurde auch die Festung den Franzosen übergeben. Nach dem Abzug der pfälzischen Garnison übernahm der französische Obrist Harcourt das Kommando und ließ eine teilweise Plünderung zu. Zwei Monate später wurde auch das Heidelberger Schloss gesprengt. Am 3. März 1689 wurde dem Bürgermeister und dem Rat der Stadt Mannheim ein Dekret des Königs von Frankreich vorgelesen, nach welchem „alle Häuser und Gebäude abgerissen und die Stadt Mannheim unbewohnbar, gemacht werden solle“.

Am folgenden Tage begannen die Soldaten mit der Zerstörung. Weil es ihnen aber zu lange dauerte, wurde ein Brand gelegt und die Stadt, die Festung sowie die Rheinschanze zerstört.

Wiederaufbau unter Kurfürst Johann Wilhelm Kurfürst Johann Wilhelm machte sich im Jahr 1698 daran, die Festung Mannheim und die Rheinschanze wieder aufbauen zu lassen. Dazu erteilte er dem berühmten holländischen General und Ingenieur, Baron Menno van Coehoorn, den Auftrag, einen Plan über den Aufbau anzufertigen, nach welchem die ganze Stadt mit in die Festung eingeschlossen werden und auch die Rheinschanze neu erstehen sollte. Der Bau wurde im Jahr 1700 begonnen und gleich zu Beginn des Baues wurde die Rheinschanze „mit vorliegendem nassen Graben als Hornwerk“ neu errichtet.

Die Rheinschanze im 18. Jahrhundert Zerstörung im Spanischen Erbfolgekrieg mini|Claude-Louis-Hector de Villars, Marschall von Frankreich Nach dem Tod des spanischen Königs Karl II. brach ein Krieg um die Nachfolge aus, in dem sich besonders Prinz Eugen von Savoyen und der John Churchill, 1. Duke of Marlborough als Feldherren hervortaten. Am 19. Juni 1713 griff der französische Marschall Claude-Louis-Hector de Villars die Rheinschanze und Mannheim an, nachdem er bereits Landau, Speyer und andere pfälzische Städte eingenommen hatte.

Marschall de Villars eröffnete am 19. Juni 1713 Laufgräben vor der Rheinschanze. Die Verteidigung der Schanze war dem kurpfälzischen Leutnant Kuhla übertragen, der diese mit 600 Mann besetzt hielt. Obwohl die Beschießung durch die Franzosen heftig war, leistete die Besatzung bis zum 27. Juni Widerstand. Dann erhielt Kuhla den Befehl, sich nach Mannheim zurückzuziehen. In der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1713 ließ er einen Teil der Kanonen und der Munition im Rhein versenken und setzte mit dem größten Teil der Mannschaft auf der fliegenden Brücke über den Rhein. Den Übergang ließ er von 20 Mann durch das Feuer einiger Kanonen maskieren. Bald danach folgten diese 20 Männer dem Rest der Mannschaft nach. Am 29. Juni 1713, bei Tagesanbruch nahmen die Franzosen von der Rheinschanze Besitz, nachdem sie, misstrauisch durch die Stille in der Schanze, diese durch Freiwillige hatten auskundschaften lassen. Am 8. September 1713 brach de Villars mit seiner Armee von Speyer auf und die Besatzung der Rheinschanze schloss sich ihm an, nachdem sie diese völlig demoliert hatten.

Unter bayerischer Herrschaft Als im Jahr 1777 der bayerische Kurfürst Maximilian Joseph ohne Erben starb, musste Kurfürst Karl Theodor seine Stelle als bayerischer Kurfürst in München einnehmen. Mannheim und die Rheinschanze kamen damit zu Bayern und Karl Theodor verlegte seine Residenz nach München. Damit trat die Pfälzer Linie der Wittelsbacher ihre Herrschaft in Bayern an.

Zerstörung während der Französischen Revolution mini|Belagerung Mannheims und der Rheinschanze