mini|hochkant|Stammwappen derer von der Schulenburg Das Geschlecht derer von der Schulenburg ist ein zunächst markbrandenburgisches, später brandenburg-preußisches Adelsgeschlecht. 1237 taucht es erstmals in der Altmark mit dem Ritter Wernerus de Sculenburch auf. Stammsitz der sich später weit verzweigenden Adelsfamilie war im 13. Jahrhundert die kleine Burganlage Schulenburg an der Jeetze bei Salzwedel. Der Adelsfamilie entstammten Feldmarschälle, Generäle und zahlreiche hohe Offiziere der preußischen Armee. Andere Vertreter erlangten hohe Positionen wie Staatsminister und Bischof. Zwei Angehörige des Geschlechts, Fritz-Dietlof und Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg, gehörten bei der Erhebung gegen Hitler zum Verschwörerkreis des 20. Juli 1944 und wurden hingerichtet.

Die Familie ist zu unterscheiden von dem wappenverschiedenen niederrheinischen Adelsgeschlecht von der Schulenburg.

Ursprünge Das Geschlecht von der Schulenburg trat im 13. Jahrhundert aus dem Dunkel der Geschichte hervor. Eventuell stammt es von dem alten holsteinischen Adelsgeschlecht Scharpenberg ab, das in den Elbmarschen ansässig war und im 13. Jahrhundert verschwand.Detlef Detlefsen: Geschichte der holsteinischen Elbmarschen. 1. Band, Selbstverlag, Glückstadt 1891, S. 269. Reprint: Norderstedt 2016, ISBN 978-3-7411-9044-5.Detlef Detlefsen: Die Rittergeschlechter der holsteinischen Elbmarschen, insbesondere der Wilstermarsch. In: ZSHG. 1897, Band 27, S. 171–190 (OPAC der Regesta Imperii). Angehörige des Geschlechts wurden in Urkunden dieser Zeit als Ritter und Burgmannen genannt. Sie erschienen im heutigen östlichen Niedersachsen und in der Altmark, dem nordwestlichen Teil des heutigen Sachsen-Anhalts. Durch eine bischöfliche Urkunde von 1237 wird als Erster des Adelsgeschlechts im Bereich der Altmark der Ritter Wernerus de Sculenburch bekannt. In weiteren Dokumenten aus den Jahren 1264 und 1271 werden der Ritter Thidericus de Sculenborch und Wernerus de Sculenburg genannt. Seit Ende des 13. Jahrhunderts dienten Familienmitglieder als Burgmannen auf der askanischen Burg Salzwedel.

Namensgebende Stammburg Der Name des Geschlechts beruht auf der Stammburg Schulenburg an der Jeetze bei Stappenbeck in der Altmark, wenige Kilometer südöstlich von Salzwedel. Die Namensgebung der Schulenburg leitete sich aus ihrer geographischen Lage und dem Wort schulen, sich verstecken (engl. skulk – im Verborgenen lauern) ab. Die Redewendung te der sculenden borch bedeutete bei der versteckten Burg und daraus wurde Schulenburg.

mini|hochkant=1.8|Reste der Turmhügelburg Schulenburg in der Altmark Die kleine Burgstelle mit den Ausmaßen von 20 × 25 Meter lag verborgen in den Jeetzesümpfen und hatte den Charakter einer Turmhügelburg. Davon ist heute nur noch ein Erdhügel zu sehen. Sie war bereits im 14. Jahrhundert wüst gefallen. Bei Nachforschungen im 19. Jahrhundert waren noch Reste von Burgturm, Wohnhaus und Keller vorhanden. Landesdirektor Wilhelm von der Schulenburg (langjähriger Vorsitzender des Altmärkischen Vereins für Vaterländische Geschichte und Industrie) grub seinerzeit mittelalterliche Waffen sowie Geräte aus und richtete die Burgstelle wieder her.

Im Jahr 2016 nahm die Universität Göttingen archäologische Untersuchungen an der Burgstelle vor. Dabei wurden Reste des achteckigen Burgturms mit 12 Meter Durchmesser und des Palas entdeckt sowie zum Teil freigelegt.

Neue Familiensitze Nachdem die kleine, im Sumpf gelegene Turmhügelburg Schulenburg bei Stappenbeck zum großen Teil zerfallen war, wurde 1345 die bereits bestehende Burg Beetzendorf etwa 12 km südwestlich der Schulenburg zum Hauptsitz derer von der Schulenburg; sie hatte sich schon seit 1204 zeitweise in ihrem Pfandbesitz befunden. Diese wesentlich größere Burg wertete das Geschlecht auf. Von da an galt es als schlossgesessen und gehörte zu den bedeutendsten Familien des märkischen Adels.Erich Neuß: Handbuch der historischen Stätten. Provinz Sachsen Anhalt. Hrsg.: Berent Schwineköper (= Handbuch der historischen Stätten. 11. Band). 2., überarbeitete und ergänzte Auflage, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1987, ISBN 3-520-31402-9, Beetzendorf (Kr. Salzwedel/Klötze), S. 33–34. Zu dieser Schicht zählten in der Altmark daneben die von Alvensleben, Bartensleben, Bismarck, Jagow, von dem Knesebeck, Platen sowie Schenck von Flechtingen (und Schenck von Dönstedt). Diese acht Geschlechter unterstanden unmittelbar dem Landeshauptmann und bekamen vom Kaiser und den Markgrafen als zum Heeresstande gehörend das Prädikat Edle.

Über Jahrhunderte war der Familienmittelpunkt die Burg Beetzendorf. Weiteren Machtzuwachs erlangten die von der Schulenburg 1351 durch das Lehen über Burg und Ort Apenburg in der Altmark, das östlich benachbart zu Beetzendorf liegt. Die Besitzungen Beetzendorf und Apenburg waren die Stammgüter des Geschlechts, die den Kern ihrer Grundherrschaft bis ins 19. Jahrhundert bildeten. Die 1343 zerstörte Burg Apenburg wurde bis 1363 wieder aufgebaut. Auch Teile des nordöstlich von Apenburg gelegenen Gutes Winterfeld kamen in Schulenburg’schen Besitz, nachdem der dortige Zweig der Familie von Winterfeld 1361 erloschen war.

Die Burg Beetzendorf war bis um 1600 mit umgebenden Wassergräben festungsartig ausgebaut. Danach siedelten sich die Mitglieder der adligen Familie im Dorf Beetzendorf und der Umgebung an, so dass die Befestigungsanlage nutzlos wurde. Im Dreißigjährigen Krieg war sie nicht mehr verteidigungsfähig. Die letzte Kanone war 1642 verkauft worden und 1780 wurden die letzten Burggebäude abgerissen. Heute sind davon noch einige Ruinen vorhanden. Ab 1648 verfiel auch die Apenburg, der Gutsbetrieb wurde in das Dorf verlegt.

Diese Stammgüter befanden sich bis 1945 in Schulenburg’schem Besitz, aufgeteilt in die Rittergüter Beetzendorf I (Großer oder Altenhäuser Hof), Beetzendorf II (Lieberoser Hof) und Beetzendorf III (Apenburger Hof) sowie das Rittergut Apenburg.

Familienstämme Im 14. Jahrhundert teilte sich in der Altmark die Familie in zwei Linien. Dietrich II. (1304–1340) begründete die Schwarze Linie, sein jüngerer Bruder Bernhard I († nach 1340) die Weiße Linie. Beide Linien teilten sich im Laufe der Jahrhunderte weiter auf und werden genealogisch nach „Ästen“, „Zweigen“ und „Häusern“ sortiert. Heute befindet sich das Geschlecht in der 22. Generation. Die Weiße Linie dominiert heute zahlenmäßig. Von allen Zweigen breitete sich der Wolfsburger Zweig am stärksten aus, der auf Adolph Friedrich zurückgeht.

Das Weiterbestehen des Geschlechts war wegen hoher Kindersterblichkeit, Seuchen, Kriegen und durch den Eintritt von Mitgliedern in den geistlichen Stand nicht immer gesichert. 1499 gab es nur 42 männliche Vertreter, 1610 waren es schon 70 Personen. Der Rückgang auf 58 männliche Erben im Jahr 1700 erklärt sich aus den Verlusten durch den Dreißigjährigen Krieg. Während es um 1800 70 männliche Schulenburger gab, waren es um 1900 trotz der allgemeinen Bevölkerungszunahme nur 100 Personen. 1983 betrug die Zahl der männlichen Familienmitglieder 91 Personen. Im 20. Jahrhundert nahm das Aussterben einzelner Häuser des Geschlechts zu. Trotz des Verlustes von 15 Angehörigen im Zweiten Weltkrieg war die Ursache des Rückgangs vielmehr Ehe- und Kinderlosigkeit.

Familiensitze Schwarze Linie: Barchnau (Gut im Kreis Preußisch Stargard) Apenburger Hof in Beetzendorf (bis 1945) Lieberoser Hof in Beetzendorf Standesherrschaft Lieberose (Niederlausitz) (1519–1946) Radach (Gut im Landkreis Weststernberg) Gut Tucheim (1602–1834) Weiße Linie: Altenhausen mit Emden (Landkreis Börde) Angern (im Landkreis Börde) Großer Hof in Beetzendorf Bisdorf Bodendorf (Gut und Schloss im Kreis Börde) Burg Brome Burgscheidungen (Gut und Schloss mit dem Rittergut Kirchscheidungen) Dehlitz (Saale) Fahrenhorst Burg Falkenberg, Oberpfalz Farsleben (Gut) Grüntal b. Berlin (Barnim) Filehne (Gut und Schloss in der Provinz Posen) Wasserschloss Hehlen (Gut und Schloss) Rittergut Hovedissen in Leopoldshöhe Gut Kehnert Klosterrode Lodersleben (Rittergut bei Querfurt) Schloss Neumühle (neue Wolfsburg, bis 1945) Rittergut Nordsteimke (seit 1846) Osten-Altendorf bei Cuxhaven Osterwohle Philippsburg (Leer), Ostfriesland Schloss Sandau (1485–1560) Schloss Schochwitz bei Halle (16.–18. Jh.) Trampe und Altendorf (Herrenhaus und Gut im Kreis Oberbarnim) Schloss Tressow mit Bobitz, Groß Krankow, Petersdorf und Köchelstorf (Mecklenburg) Triebusch, Rittergut in Schlesien (1863–1885) Schönbrunn (Denkendorf), Oberbayern Schloss Vitzenburg (bei Querfurt) Schloss Wolfsburg (1746/47–1942/43)

Standeserhöhungen

Am 4. Dezember 1713 bestätigte Kaiser Karl VI. dem hannoverschen Generalleutnant Alexander von der Schulenburg (1662–1733) aus dem Hause Altenhausen die seinem Urgroßvater Daniel verliehene Erhebung zum Freiherrn. 1715 zeichnete er dessen Vettern, den venezianischen Feldmarschall Matthias Johann und seinen Bruder, den sächsischen Generalleutnant Daniel Bodo mit dem Reichsgrafentitel aus, ferner auch deren Schwester Melusine, die langjährige Mätresse des hannoverschen Kurfürsten und britischen Königs Georg I. Aus der Verbindung mit dem König stammten drei uneheliche Töchter, welche Melusine ihren beiden Schwestern als Ziehtöchter (und offiziell deren Kinder) anvertraute. Die beiden älteren kamen zu Anna Luise, verheiratet mit Friedrich Achaz von der Schulenburg-Hehlen, und erhielten folglich den Namen von der Schulenburg, die jüngste kam zu Sophia Juliana, verheiratet mit Raban Christoph von Oeynhausen, und erhielt den Namen von Oeynhausen. 1721 wurde diese Jüngste, Margarethe Gertrud, in den persönlichen Reichsgrafenstand erhoben, um den Erbgrafen Albrecht Wolfgang zu Schaumburg-Lippe standesgemäß heiraten zu können. Ihre Zieheltern, das Ehepaar Oeynhausen, wurden im Jahr darauf ebenfalls in den Reichsgrafenstand erhoben. Deren eigener Sohn, Ferdinand Ludwig Graf von der Schulenburg-Oeynhausen (1699–1754), wurde kaiserlicher General-Feldzeugmeister und erhielt 1724 von seinem Onkel, dem venezianischen Feldmarschall Matthias Johann Graf von der Schulenburg, die Erlaubnis, seinem eigenen Familiennamen Oeynhausen den am Wiener Kaiserhof bekannteren Namen Schulenburg voranzustellen. So entstand für drei Generationen eine gräfliche Linie Schulenburg-Oeynhausen (des Stammes Oeynhausen).

1644 wurde Heinrich Joachim von der Schulenburg (1610–1665), Herr auf Lieberose, durch Kaiser Ferdinand III. mit einem Freiherren-Diplom ausgezeichnet. Seine beiden Ehen blieben jedoch kinderlos. Testamentarisch hatte er verfügt, dass der als sein Universalerbe vorgesehene Achaz von der Schulenburg aus dem Hause Beetzendorf (1610–1680) den Freiherrentitel erhalten solle. Dies erreichte Achaz am 21. März 1667 bei Kaiser Leopold mit gleichzeitiger Wappenmehrung.

Lebenswege Die Lebensweg der männlichen Familienangehörigen der Adelsfamilie waren vorgezeichnet und entsprachen den üblichen wirtschaftlichen Grundlagen des deutschen Adels. Neben der Verwaltung ihrer Güter betätigten sie sich in großer Zahl beim Militär: im Mittelalter als Burgmannen und als Hauptleute der Lehnsaufgebote in der Mark Brandenburg, in der frühen Neuzeit als Führer von Söldnertruppen und später als Offiziere, vor allem in der preußischen Armee, aber auch in anderen Ländern. Am bekanntesten wurde Matthias Johann von der Schulenburg, der im Dienste der Republik Venedig zum Feldmarschall aufstieg und von Kaiser Karl VI. 1715 als erstes Mitglied der Familie in den erblichen Reichsgrafenstand erhoben wurde.

Etliche Mitglieder der Adelsfamilie erlangten hohe Positionen. Dazu gehörten vier Feldmarschälle, 25 Generäle, drei Herrenmeister des Johanniterordens, sechs Staatsminister und vier Bischöfe.