Kloster Wehlau war die Bezeichnung für zwei Niederlassungen von Franziskanern in der Stadt Wehlau, heute Snamensk, im Ordensland Preußen vom 14. bis zum 16. Jahrhundert.

Franziskanerkloster (1349–1525) 1349 gründete der Hochmeister des Deutschen Ordens Heinrich Dusemer nach einem Gelübde nach einer gewonnenen Schlacht ein Franziskanerkloster in Wehlau. Es gehörte zur Sächsischen Franziskanerprovinz (Saxonia) und befand sich in den Resten der von Litauern zerstörten Burg des Deutschen Ordens an der Südseite der Vorstadt.Michael Robson, Stefan Röhrkasten (Hrsg.): Franciscan Organisation in the Mendicant Context. LIT Verlag, Berlin 2010. S. 43–66, hier S. 55 Es wurde 1460 im Dreizehnjährigen Krieg bei der Eroberung der Stadt zerstört und blieb als Ruine liegen.Lucius Teichmann: Die Franziskanerklöster in Mittel- und Ostdeutschland 1223–1993 (ehemaliges Ostdeutschland in den Reichsgrenzen von 1938). (= Studien zur katholischen Bistums- und Klostergeschichte, 37) Benno Verlag, Leipzig 1995, S. 196f. Das bewegliche Inventar ging jedoch in den Besitz des Hochmeisters über, wie aus einem Schreiben des Guardians des Franziskanerklosters Kulm hervorgeht.Arno Mentzel-Reuters: Arma spiritualia – Bibliotheken. Bücher und Bildung im Deutschen Orden. Harrassowitz, Wiesbaden 2003. S. 293

Der Papst forderte den Hochmeister zur Rückgabe des Besitzes und zur Neugründung des Klosters auf. 1477 wurde dieses von Hochmeister Martin Truchsess von Wetzhausen an der alten Stelle wiedergegründet, auch als Reaktion auf den Bau eines zweiten franziskanischen Klosters bei der Stadt.Dieter Berg (Hrsg.): Spuren franziskanischer Geschichte. Chronologischer Abriß der Geschichte der Sächsischen Franziskanerprovinzen von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Werl 1999, S. 197, auch 251, 259Max Toeppen: Urkundenfund. In: Altpreußische Monatsschrift. Band 6. Königsberg 1869. S. 270–280 Es sind Schenkungen von Bürgern für den Konvent bekannt.

Um 1524 fand eine Inventarisierung des Besitzes statt. Das infolge der Reformation weitgehend verlassene Kloster wurde vom samländischen Bischof Georg von Polentz, der evangelisch geworden war, 1525 aufgelöst. 1628 wurde das Gelände an die Stadt übergeben, die die Gebäude abreißen und neue Wirtschaftsgebäude darauf errichten ließ.Friedrich Wilhelm Pirscher: Das Kirchspiel Wehlau in topographischer und statistischer Hinsicht (Schluss): In: Archiv für vaterländische Interessen oder Preußische Provinzial-Blätter. Neue Folge, Band 34. Marienwerder 1845. S. 781

Franziskaner-Observanten-Kloster (1477–1520) Um 1477 wurde ein Kloster der Franziskaner-Observanten (Bernhardiner), die einer strengeren Auslegung der Ordensregel folgten, vor den Toren der Stadt an der St.-Georgs-Kapelle gegründet (die vor 1437 errichtet worden war).Michael Robson, Stefan Röhrkasten (Hrsg.): Franciscan Organisation in the Mendicant Context. LIT Verlag, Berlin 2010. S. 43–66, hier S. 56 Es war das erste preußische Kloster der Kustodie Livland und Preußen. Für die Bernhardiner war es auch eine Raststation auf ihren Reisen zwischen Mitteldeutschland und Livland. Zwischen den beiden Klöstern gab es Spannungen, und die Hochmeister des Deutschen Ordens bemühten sich um Kompromisse. Die schleppenden Verhandlungen wurden jedoch durch den Reiterkrieg mit Polen gegenstandslos.

1519 erließ Hochmeister Albrecht die Anordnung, das Kloster abzureißen, um es im Falle eines polnischen Angriffs nicht durch diese nutzen lassen zu können. Die Ordensbrüder wurden in das alte Kloster in der Stadt verlegt und dem dortigen Konvent eingegliedert, wie eine Zustimmung von diesem aus dem Jahr 1520 ausweist.Erich Joachim, Walther Hubatsch (Hrsg.): Regesta historico-diplomatica Ordinis S. Mariae Theutonicorum 1198–1525. Band 1. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1973. S. 274 Nr. 24242 Um 1523 müssen sie dieses Kloster dann auch verlassen haben.

Der alte Standort wurde 1561 der Stadt übergeben, es wurden dort Kornspeicher errichtet.

Einzelnachweise

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