Die Weinbergs-Traubenhyazinthe (Muscari neglectum), auch Übersehene Traubenhyazinthe oder Verkannte Traubenhyazinthe genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Traubenhyazinthen (Muscari) in der Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae).
Beschreibung Vegetative Merkmale Die Weinbergs-Traubenhyazinthe ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von meist 10 bis 20 (4 bis 30) Zentimetern erreicht. Die Zwiebel ist ungefähr 1 Zentimeter dick, hat eine braune Hülle, und bildet zahlreiche Nebenzwiebeln. Der Stängel ist rund und kahl. Die selten zwei, meist drei bis sieben Laubblätter bilden eine grundständige Rosette. Die einfache Blattspreite ist bei einer Länge von 15 bis 40 Zentimetern sowie einer Breite von 0,2 bis 0,8 Zentimetern linealisch, ausgebreitet bis niederliegend, rinnig, rein grün, am und oberen Ende absterbend.
mini|Weinbergs-Traubenhyazinthe (Muscari neglectum) mini|links|Weinbergs-Traubenhyazinthe (Muscari neglectum), Fruchtstand mini|Fertile Blüte (unten aufgeschnitten) mini|Sterile Blüte (unten aufgeschnitten) Generative Merkmale Die Blütezeit reicht von März bis Mai. Der dichte, 2 bis 6 Zentimeter lange, traubige Blütenstand enthält schwarzblaue fertile Blüten sowie kleinere, blassere sterile Blüten darüber. Die fertilen Blüten sind eiförmig, an der Vorderseite verengt, messen 3,5 bis 7,5 × 1,5 bis 3,5 Millimeter und duften. Sie haben einen Saum aus sechs kleinen, weißen Zähnen und sind durch abstehende bis hängende Stiele mit dem Stängel verbunden.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18, 36, 45, 54 oder 72.
Ökologie Die Weinbergs-Traubenhyazinthe ist eine herbstfrühjahrsgrüne Zwiebelpflanze. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten. Die Samen verbreiten sich durch Autochorie (Selbstausbreitung), Endochorie (Verdauungsausbreitung) und Anemochorie (Windausbreitung).
Parasiten In Kroatien wurden die beiden parasitischen Pilzarten Antherospora vaillantii und Urocystis muscaridis an Muscari neglectum gefunden.
Vorkommen Die Weinbergs-Traubenhyazinthe kommt ursprünglich vom Mittelmeergebiet bis Afghanistan und Pakistan vor. Im südlichen Mittel- und Westeuropa sowie in den USA wurde sie eingebürgert. In Deutschland gilt sie als Archäophyt. Sie wächst in Mitteleuropa in Wäldern, Weiden, Weinbergen und auf Felsen. Sie ist gebietsweise eine Charakterart des Geranio-Allietum vinealis aus dem Verband Fumario-Euphorbion, kommt aber auch in anderen Gesellschaften diese Verbands oder in denen des Convolvulo-Agropyrion oder Mesobromion vor.
Taxonomie Die Erstbeschreibung von Muscari neglectum erfolgte 1841 in Ann. Civili Regno Due Sicilie, Band 26, S. 49. Synonyme für Muscari neglectum sind: Botryanthus neglectus , Hyacinthus neglectus , Muscari racemosum var. neglectum , Hyacinthus racemosus, Muscari atlanticum , Muscari bootanensis , Muscari breviscapum , Muscari bucharicum , Muscari compactum , Muscari dolioliforme , Muscari elwesii , Muscari flaccidum , Muscari fontqueri , Muscari granatense , Muscari grandifolium , Muscari grossheimii , Muscari letourneuxii , Muscari leucostomum , Muscari macranthum , Muscari mordoanum , Muscari neumayeri , Muscari nivale , Muscari odoratum , Muscari populeum , Muscari racemosum nom. illeg., Muscari skorpili , Muscari speciosum , Muscari strangwaysii , Muscari szovitsianum nom. illeg., Muscari vandasii , Muscari neglectum subsp. atlanticum , Muscari neglectum subsp. odorum , Muscari neglectum subsp. speciosum , Muscari botryoides var. bucharicum , Muscari grandifolium var. populeum , Muscari grandifolium var. rifanum , Muscari neglectum var. atlanticum , Muscari neglectum var. fontqueri , Muscari neglectum var. valentinum , Muscari racemosum var. alpinum .
Nutzung Die Weinbergs-Traubenhyazinthe wird verbreitet als Zierpflanze in Rabatten und Umrandungen genutzt. Sie ist seit spätestens 1568 in Kultur, vermutlich aber schon viel länger.
Quellen Einzelnachweise Dario Ivic, Zdravka Sever, Christian Scheuer, Matthias Lutz: A preliminary checklist of smut fungi of Croatia. In: Mycotaxon. (online; PDF; 232 kB)
Rafaël Govaerts: Datenblatt bei WCSP = World Checklist of Selected Plant Families.
Literatur Ehrentraud Bayer, Karl-Peter Buttler, Xaver Finkenzeller, Jürke Grau: Pflanzen des Mittelmeerraums (Die farbigen Naturführer). Mosaik Verlag GmbH, München 1986. Eckehart J. Jäger, Friedrich Ebel, Peter Hanelt, Gerd K. Müller (Hrsg.): Rothmaler Exkursionsflora von Deutschland. Band 5: Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum Akademischer Verlag, Berlin Heidelberg 2008, ISBN 978-3-8274-0918-8.
Weblinks
Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben)
Kategorie:Traubenhyazinthen