Die Liste der Stolpersteine in Ibbenbüren enthält die Stolpersteine, welche von Gunter Demnig in Ibbenbüren verlegt wurden. Sie sollen an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern, die in Ibbenbüren ihren letzten bekannten Wohnsitz hatten, bevor sie deportiert, ermordet, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. In Ibbenbüren wird das Projekt genutzt, um jüdisches Leben im Ort vor und während der Zeit des Nationalsozialismus zu veranschaulichen.Startseite der Initiative "stolpersteine-ibbenbueren.de"
Liste der Stolpersteine Adresse Verlegedatum Inschrift Bild AnmerkungGroße Straße 55 100px HIER WOHNTE LOUIS LÖWENSTEIN JG. 1868 DEPORTIERT 1942 THERESIENSTADT 1942 TREBLINKA ERMORDET 140pxweitere Bilder | 16px|verweis=d:Q138788120 Louis Löwenstein war reisender Textil-Händler. Ab 1936 hatte er kaum noch Kunden, er wurde systematisch boykottiert. In seiner Not nahm er für die Ernährung der Familie Hypotheken auf. Im Mai 1938 verstarb seine Frau Johanna Löwenstein. Im gleichen Jahr war er gezwungen, sein baufälliges Haus an die Stadt zu verkaufen. In der „Reichskristallnacht“ vom 9. November 1938 begab sich der Mob zu seinem Haus gegenüber der Metzgerei Agnischock. Mit Pflastersteinen wurden die Scheiben eingeworfen, man jagte die Familie auf die Straße, zertrümmerte Hab und Gut. Im Keller warf man volle Einmachgläser an die Wand, alle Waren aus dem Lagerraum wurden auf die Straße geworfen. 1939 bat Louis Löwenstein den Bürgermeister zum wiederholten Mal, ihm endlich das Geld für den Hausverkauf zu geben.
Zu dem Zeitpunkt war er obdachlos, ohne Haushalt und Möbel, außerdem hatte er 4000 Mark Schulden. Tochter Henriette in Hameln nahm ihn auf, er wünschte sich die baldige Auswanderung nach Palästina. 1939 wurde er mit seiner Tochter Rosa gewaltsam nach Köln gebracht, 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert und in Treblinka ermordet. Rosa Löwenstein wurde 1942 ebenfalls deportiert, sie kam in das KZ Theresienstadt und wurde dort ermordet. Über das Schicksal von Mathilde Löwenstein und vorn Bertha Weinberg nach deren Wegzug aus Ibbenbüren ist hier nichts bekannt.
Henriette Kamenetzky geb. Löwenstein führte mit ihrem Mann Salomon ein Schuhgeschäft in Hameln. Sohn Hermann, geboren 1920, konnte 1934 nach Palästina ausreisen. Aufgrund des Boykotts jüdischer Kaufleute musste das Geschäft 1936 schließen. 1938 wurde die Ausweisung nach Bentschen in Polen angeordnet, weil Salomon polnischer Staatsbürger war. 1939 kamen Salomon, Henriette und die Tochter Eva, geboren 1928, in das Ghetto Wolomin. 1942 wurden sie in das Vernichtungslager Treblinka deportiert und dort ermordet.Familie Louis Löwenstein auf "stolpersteine-ibbenbueren.de" HIER WOHNTE JOHANNA LÖWENSTEIN GEB. JACOBS JG. 1859 GEDEMÜTIGT/ENTRECHTET TOT 26.5.1938 140pxweitere Bilder | 16px|verweis=d:Q138788146 HIER WOHNTE BERTHA WEINBERG GEB. LÖWENSTEIN JG. 1897 SCHICKSAL UNBEKANNT 140pxweitere Bilder | 16px|verweis=d:Q138788149 HIER WOHNTE ROSA LÖWENSTEIN JG. 1900 DEPORTIERT 1942 THERESIENSTADT ERMORDET 27.4.1944 140pxweitere Bilder | 16px|verweis=d:Q138788150 HIER WOHNTE HENRIETTE KAMENETZKY GEB. LÖWENSTEIN JG. 1895 'POLENAKTION' 1938 BENTSCHEN/ZBASZYN 1942 TREBLINKA ERMORDET 140pxweitere Bilder | 16px|verweis=d:Q138788151 HIER WOHNTE MATHILDE LÖWENSTEIN JG. 1879 SCHICKSAL UNBEKANNT 140pxweitere Bilder | 16px|verweis=d:Q138788152 Synagogenstraße 10 100px 100px HIER WOHNTE MEYER ROSENTHAL JG. 1869 ZWANGSUMZUG 1942 HOPSTEN 'JUDENHAUS' DEPORTIERT 1942 THERESIENSTADT 1942 TREBLINKA ERMORDET 140pxweitere Bilder | 16px|verweis=d:Q138784335 Rechts neben der Synagoge stand das Wohnhaus der Familie Rosenthal: Meyer Rosenthal und seine Ehefrau Rika Rosenthal wohnten dort mit ihrem Sohn Karl Rosenthal. Von März bis Oktober 1936 lebte Paul Abrahamsohn als Mieter in ihrem Haus, ihm gelang 1936 die Flucht nach Südafrika. Meyer Rosenthal war Viehhändler, der überwiegend mit Ziegen handelte. Die Boykottmaßnahmen des Jahres 1935 schränkten seine Berufsausübung erheblich ein. Vor dem Wohnhaus stellten SA-Leute ein Schild auf: „Hier wohnt ein Viehjude. Kein Deutscher handelt mit ihm. Nur Lumpen.“ Als direkte Nachbarn hielten die Rosenthals den Schlüssel der Synagoge in Verwahrung, sie übten also den Küsterdienst aus. Der 25-jährige Karl Rosenthal wurde mit gebrochenem Arm und Kopfverletzungen nicht etwa ins Krankenhaus, sondern am 14. November in das KZ Sachsenhausen eingewiesen. „Schutzhaft“ lautete die verharmlosende Bezeichnung im Rahmen der „Judenaktion“.
Während seine Eltern aus Altersgründen den Gedanken an eine Flucht verwarfen, bereitete sich Karl Rosenthal nach seiner Entlassung aus dem KZ auf die Ausreise nach Palästina vor. Von Juli bis November 1939 nahm er an einem Schulungslager in Paderborn teil und reiste danach über Wien auf einem Flüchtlingsschiff in Richtung Schwarzes Meer. Doch der Zweite Weltkrieg und die deutsche Wehrmacht holten die Flüchtlinge ein. Den Schiffen wurde die Weiterfahrt verweigert; für die Flüchtlinge wurde ein Gefangenenlager in Šabac / Jugoslawien errichtet. Als Vergeltungsmaßnahme für einen Partisanenangriff, bei dem 21 deutsche Soldaten getötet wurden, erschoss die Wehrmacht am 11. Oktober 1941 alle 400 Gefangenen des Lagers in der Nähe des Ortes Zasavica.
Mittlerweile war die Zahl der jüdischen Mitbürger in Ibbenbüren von knapp 90 vor 1933 auf drei gesunken. Zwei von den verbliebenen waren Meyer und Rika Rosenthal, die ihr Haus verkaufen mussten und Anfang 1942 völlig verarmten. Zwangsweise mussten sie in das „Judenhaus“, eine Art Dorf-Ghetto, in Hopsten ziehen, übrigens zusammen mit der dritten als „Jüdin“ bezeichneten Person, Klara Dieckmann, die zwar der katholischen Kirche angehörte, aber durch die Ehe mit einem Juden ebenfalls in das Verfolgungsprogramm der Nationalsozialisten geriet. Meyer und Rika Rosenthal wurden dann im Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert und im September des gleichen Jahres im Vernichtungslager Treblinka ermordet.
Von März bis Oktober 1936 lebte dort mit ihnen auch ein Mieter. Paul Abrahamsohn (* 5. April 1917). Ihm gelang 1936 die Flucht nach Südafrika. Meyer Rosenthal handelte vorwiegend mit Ziegen. Die Boykottmaßnahmen von 1935 schränkten ihn erheblich in seiner Berufsausübung ein. SA-Leute stellten vor seinem Haus ein Schild auf: „Hier wohnt ein Viehjude. Kein Deutscher handelt mit ihm. Nur Lumpen.“Familie Meyer und Rika Rosenthal auf "stolpersteine-ibbenbueren.de" HIER WOHNTE RIKA ROSENTHAL GEB. PRAG JG. 1869 ZWANGSUMZUG 1942 HOPSTEN 'JUDENHAUS' DEPORTIERT 1942 THERESIENSTADT 1942 TREBLINKA ERMORDET 140pxweitere Bilder | 16px|verweis=d:Q138784399 HIER WOHNTE KARL ROSENTHAL JG. 1913 'SCHUTZHAFT' 1938 SACHSENHAUSEN FLUCHT 1939 JUGOSLAWIEN 1941 SABAC ERMORDET 12.10.1941 ZASAVICA 140pxweitere Bilder | 16px|verweis=d:Q138784403 HIER WOHNTE PAUL ABRAHAMSOHN JG. 1917 FLUCHT 1936 SÜDAFRIKA 140pxweitere Bilder | 16px|verweis=d:Q138784402 Unterer Markt 10 100px 100px HIER WOHNTE SALLY GOLDSCHMIDT JG. 1874 GEDEMÜTIGT/ENTRECHTET TOT 1.3.1936 140pxweitere Bilder | 16px|verweis=d:Q138776236 Nach dem Besuch der evangelischen Schule, die sich damals neben der Christuskirche befand, erlernte Walter Goldschmidt das Metzgerhandwerk. Später übernahm er gemeinsam mit seinem Bruder Josef Goldschmidt den Metzgerbetrieb des Vaters. Nachdem die Nationalsozialisten den Metzgern jüdischen Glaubens verboten hatten, Viehhandel mit den Bauern zu treiben, verkaufte Walter Goldschmidt nach dem Tod seines Vaters Sally Goldschmidt 1936 die Metzgerei. Der Verkaufspreis wurde von den Nazis vorgeschrieben. Walter verließ 1936 Deutschland. Er floh dann über Holland und Italien nach Südafrika. Sein Bruder Josef verstarb 1939 in Köln. Im gleichen Jahr konnte die Mutter, Rosalie Goldschmidt, ihrem Sohn nach Südafrika folgen. Johanna Rosenthal wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert. Sie fand dort den Tod. Auch alle anderen Verwandten sind in Konzentrationslagern ums Leben gekommen. 1976 erhielt Walter, genannt Kiki, eine Einladung seiner früheren Sportkameraden der ISV in seine Heimatstadt. Mit ihnen hatte er in seiner Jugend viele Jahre gemeinsam Fußball gespielt. Im September 1981 besuchte er auf Einladung seines alten Freundes Willi Bendiek seine Heimatstadt zum zweiten Mal. Kiki verstarb am 5.10.1983 in Worcester / Südafrika.Familie Goldschmidt auf "stolpersteine-ibbenbueren.de" HIER WOHNTE ROSALIE GOLDSCHMIDT GEB. MOSES JG. 1882 FLUCHT 1939 SÜDAFRIKA 140pxweitere Bilder | 16px|verweis=d:Q138776303 HIER WOHNTE JOHANNA ROSENTHAL GEB. MOSES JG. 1878 DEPORTIERT 1942 THERESIENSTADT ERMORDET 28.9.1942 140pxweitere Bilder | 16px|verweis=d:Q138776304 HIER WOHNTE JOSEF GOLDSCHMIDT JG. 1908 UNFREIWILLIG VERZOGEN 1938 KÖLN TOT 22.6.1939 JÜDISCHES KRANKENHAUS 140pxweitere Bilder | 16px|verweis=d:Q138776305 HIER WOHNTE WALTER GOLDSCHMIDT JG. 1910 FLUCHT 1936 SÜDAFRIKA 140pxweitere Bilder | 16px|verweis=d:Q138776307 Unterer Markt 2 100px 100px HIER WOHNTE SALLY LÖWENSTEIN JG. 1865 FLUCHT 1938 SÜDAFRIKA 140pxweitere Bilder | 16px|verweis=d:Q138777300 Die Familie Löwenstein führte über mehrere Generationen ein Kaufhaus im Zentrum Ibbenbürens am Unteren Markt. Die Eltern Sally und Bertha Löwenstein hatten drei Kinder: Manfred, Julius und Lilly. Manfred heiratete Emma Poppert, Julius und Eleonore Wilhelmine Lange trauten sich und Lilly war mit Walter Poppert verheiratet.
Während der Weltwirtschaftskrise geriet auch ihr Geschäft in eine finanzielle Schieflage, 1928 musste Sally schließlich Konkurs anmelden. Manfred eröffnete nach dem Konkurs der Eltern ebenfalls am Unteren Markt 2 ein Kaufhaus.