Hans-Ferdinand Angel (* 1955 in Ottobeuren) ist ein deutscher Religionspädagoge mit dem Schwerpunkt Religionspsychologie.
Akademischer Werdegang Von 1976 bis 1981 studierte er Theologie und Latein für das Lehramt an Gymnasien in Regensburg und Paris. 1984 legte er das zweite Staatsexamen (Unterrichtserlaubnis für die Fächer Theologie, Latein und Geschichte an Gymnasien) ab. Nach der Promotion 1988 zum Thema „Naturwissenschaft und Technik im Religionsunterricht“ gründete er 1988 das Unternehmen EcclesiaData GmbH. Nach der Habilitation 1994 zum Thema „Der religiöse Mensch in Katastrophenzeiten. Religionspädagogische Perspektiven kollektiver Elendsphänomene“ übernahm er 1996 die Vertretung der Professur für Religionspädagogik an der Technischen Universität Dresden. Im Jahre 1997 wurde er als Professor (ordentlicher Universitätsprofessor) für Katechetik und Religionspädagogik an die Universität Graz berufen. Von 2007 bis 2013 war er Mitglied des Editorial Board Encyclopedia of Sciences and Religion (Springer Verlag). 2023 wurde er emeritiert.Fluides Glauben - Hans Ferdinand Angel nimmt Abschied als Professor für Katechetik und Religionspädagogik. In: Sonntagsblatt (Steiermark) vom 27. September 2023.Festakt anl. der Emeritierung von o. Univ.-Prof. Hans-Ferdinand Angel. Universität Graz, 28. September 2023.
Engagement Angel war während der Auseinandersetzungen um den Bau der Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf (WAA) Sprecher des Regensburger Arbeitskreises Theologie und Kernenergie.Technikentwicklung und Persönlichkeit: Anpassung - Deformation - Widerstand? Gastvortrag von Prof. Dr. Hans-Ferdinand Angel an der Uni-Regensburg, SS 2015.Österreichische WAA-Gegner und Unterstützer des Widerstands (PDF; 3,9 MB) auf Kultur gegen die WAA, S. 14. „Über 10.000 Jahre strahlt der Atommüll, das ist eine Ewigkeit und Ewigkeit ist etwas, das nur Gott zukommt“, sagte Angel 1986 als wissenschaftlicher Assistent für katholische Theologie an der Universität Regensburg.Ulrich Stock: Weck die tote Christenheit. – Anfang dieser Woche wurden in Wackersdorf die Besetzer von der Polizei vertrieben. In: Die Zeit vom 10. Januar 1986.Hans-Ferdinand Angel: Das Kreuz von Wackersdorf (Index Theologicus). In: Diakonia 18 (1987), S. 395–398. Damit verwies er auf das Problem potenzieller Irreversibilität technologischer Entwicklung sowie deren gesellschaftliche Langzeitfolgen.Charles Perrow: Normale Katastrophen. Die unvermeidlichen Risiken der Großtechnik. Campus, Frankfurt/M. 1992. Mit dieser in Zeiten von big science brisant gewordenen Problematik beschäftigte sich Angel auch in seiner Dissertation. Seine kritisch-skeptische Sicht auf einen blinden Fortschrittsglauben, die heute etwa auch von den MIT-Ökonomen (Massachusetts Institute of Technology) Daron Acemoglu und Simon Johnson vertreten wirdDaron Acemoglu & Simon Johnson: Macht und Fortschritt. 2023. Campus Verlag. Frankfurt/Main, sensibilisierte ihn ganz generell dafür, welche Bedeutung dem Glauben bei Entscheidungen zu technologisch-ökonomischen Entwicklungen zukommt.Hans-Ferdinand Angel: Technik, in: Henrik Simojoki, Martin Rothgangel, Ulrich H.J. Körtner (Hrsg.): Ethische Kernthemen. Lebensweltlich – theologisch-ethisch – didaktisch, Göttingen 2022, S. 401–411 Hier liegt eine der Wurzeln für das spätere Credition Research Project.
Als Beitrag zur Profilbildung der Karl-Franzens Universität Graz, die sich mit einem expliziten Schwerpunkt auf Südosteuropa ausrichtete, entwickelte Angel das Konzept der Summer University Europa Süd/Ost (EuroS/O). Beeinflusst war sein Ansatz unter anderem von der Versöhnungsarbeit der Nagelkreuzzentren, die an der Kathedrale von Coventry ihren Ursprung hat und vom Benediktinerkloster in Angels Heimatortes Ottobeuren mitgetragen wird. Über zehn Jahre hinweg (2001 – 2011) kamen Jugendliche aus den verschiedenen Ländern Südosteuropas (sowie aus anderen östlichen Ländern wie Tschechien, Polen, Ukraine und Russland) an die Grazer Universität, um sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs mit Jugendlichen aus Österreich und Deutschland zu treffen. Sie entwickelten gemeinsam Überlegungen zu den jährlich wechselnden zukunftsrelevanten Themen wie etwa Vielfalt der Kulturen und Religionen – Last oder Reichtum?https://static.uni-graz.at/fileadmin/kath-institute/Katechetik/Bilder/Institut/Mitarbeiter/Euroso/2001_Programm.pdf, Bewusstsein - Ökologie – Technologiehttps://static.uni-graz.at/fileadmin/kath-institute/Katechetik/Bilder/Institut/Mitarbeiter/Euroso/2006_Programm_Deutsch.pd
f, oder How to create a common future: regional Energy. Die Umsetzung des Konzepts EuroS/O wurde auch zu einem weiteren Impuls für das spätere Credition Research Project. Die internationalen Begegnungen mit ihrer Vielzahl von Muttersprachen machten nämlich erlebbar, wie sehr das kulturelle Selbstverständnis der Jugendlichen von Glauben beeinflusst war – wobei sich Glaube gerade auch in seiner nicht religiösen Erscheinungsform (z. B. als Glaube an die Vorherrschaft von nationalen Entitäten) bemerkbar machte.
Die Profilbildung seiner Universität unterstützte Angel auch dadurch, dass er als Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät (2007 – 2013) intensiv den sogenannten Grazer Prozess förderte.https://static.uni-graz.at/fileadmin/kath/Formulare/Grazer_Prozess/folder_2013_2.pdf Dieser war im Anschluss an die in Graz veranstaltete Zweite Ökumenische Versammlung (1997)2. Europäische Ökumenische Versammlung in Graz - Deutsche Digitale Bibliothek von der Fakultät auf Betreiben von Philipp Harnoncourt und Grigorios Larentzakis ins Leben gerufen worden. Das Anliegen des Grazer Prozesses war es – analog zum Bologna Prozess und mitgetragen von der Konferenz der Europäischen Kirchen (KEK)Viorel Ionita: The Consultation Process Between European Theological Faculties (Graz Process), in: Dieter Werner et al. (Hrsg.): Handbook of Theological Education in World Christianity (2010), S. 594–600. – die strukturelle Zusammenarbeit der europäischen Theologischen Fakultäten konfessionsübergreifend weiterzuentwickeln. Unter Angels Dekanat wurden zwei große Konsultationen veranstaltet: „Gefährdet oder gefragt? Die akademische Theologie in Europa zwischen Bildung, Wissenschaft und Forschung“ (2010)The Graz Process. Ökumenisches Forum. Grazer Jahrbuch für konkrete Ökumene, Jg. 32-35 (2009-2013), Communiqué der Dritten Konsultation, S. 31–34. und „Die Menschenwürde in der Krise? Wirtschaftliche, psychologische und soziale Herausforderungen“ (2013).https://unipub.uni-graz.at/download/pdf/450757.pdf Auf beiden Konsultationen waren jeweils rund sechzig Vertreter von Fakultäten aus ganz Europa vertreten. Um die Friedensinitiative des Serbischen Patriarchen Irinej (1930-2020) zu unterstützen, initiierte Angel im Jahre 2012 eine Konferenz in Sofia. In einer Kooperation von Grazer Prozess und Pro Oriente wurde ein entsprechendes Unterstützungs-Communiqué verabschiedet: „Tolerance within the churches - Tolerance supported by the churches“.https://unipub.uni-graz.at/download/pdf/423142.pdf In diesem Zusammenhang konnte er in seinem Vortrag „Psychodynamics of Tolerance. The Role of Credition“The Graz Process. Ökumenisches Forum. Grazer Jahrbuch für konkrete Ökumene, Jg. 32–35 (2009–2013), Meeting in Sofia, S. 39–42. erstmals darauf aufmerksam machen, dass auch für das ökumenische Gespräch ein großes Potential darin besteht, ein Verständnis für die Dynamik menschlicher Glaubensfähigkeit (Credition) zu entwickeln.
Forschung