mini|hochkant=1.9| Bei den XX. Olympischen Winterspielen 2006 in Turin fanden zwei Einzelwettkämpfe und ein Teamwettkampf in der Nordischen Kombination statt. Austragungsorte waren die Sprungschanzen im Stadio del Trampolino und das Skistadion Pragelato Plan. Insgesamt waren 59 Athleten nominiert worden, wobei sich in jedem Wettkampf die Teilnehmerzahl pro Nation auf maximal vier Athleten beschränkte.

Felix Gottwald aus Österreich gewann im Sprint sowie mit seinem Team die Goldmedaille, außerdem wurde er Zweiter im Einzelwettbewerb. Diesen entschied überraschend der Deutsche Georg Hettich für sich, der darüber hinaus noch Silber mit der Mannschaft und Bronze im Sprint für sich verbuchen konnte.

Wettbewerbe und Austragungsmodus Bei den Spielen von Turin gab es im Programm der Nordischen Kombination eine kleine Änderung, die den Sprintwettbewerb betraf. Folgende drei Wettbewerbe wurden nach folgenden Regeln ausgetragen: Sprint: Wie erstmals 2002 in Salt Lake City wurde mit dem Sprint ein zweiter Wettbewerb mit Einzelwertung ausgetragen. Die Teilnehmer absolvierten einen Sprung auf der Großschanze. Entschieden wurde der Wettkampf mit einem Langlauf über 7,5 Kilometer per Gundersen-Methode. Im Unterschied zur ersten Austragung fand der Lauf am selben Tag wie das Springen statt.Olympic Winter Games 2006, Nordic Combined, Sprint, olympedia.org (englisch). Abgerufen am 22. August 2023 Einzelwettbewerb: Diese Disziplin wurde in der schon länger üblichen Form durchgeführt. Die Athleten hatten zwei Sprünge von der Normalschanze, von denen beide in die Wertung kamen. Die Entscheidung im Langlauf über 15 Kilometer am darauffolgenden Tag wurde ebenfalls mittels Gundersen-Methode herbeigeführt.Olympic Winter Games 2006, Nordic Combined, Individual, olympedia.org (englisch). Abgerufen am 22. August 2023 Teamwettbewerb: Jedes Team bestand wie seit den Spielen 1998 aus vier Athleten, die wie im Einzelwettkampf zwei Sprünge absolvierten, von denen beide in die Wertung kamen. Allerdings wurde nicht wie im Einzelwettkampf von der Normalschanze, sondern wie im Sprint von der Großschanze gesprungen. Zur Entscheidung kam es durch eine 4-mal-5-Kilometer-Langlaufstaffel, durchgeführt per Gundersen-Methode.Olympic Winter Games 2006, Nordic Combined, Team, olympedia.org (englisch). Abgerufen am 22. August 2023

Bilanz Medaillenspiegel Platz Land 20px|Gold 20px|Silber 20px|Bronze Gesamt 1 2 1 – 3 2 1 1 1 3 3 – 1 – 2 4 – – 1 1

Medaillengewinner Konkurrenz Gold Silber Bronze Sprint Felix Gottwald Magnus Moan Georg Hettich Einzel Georg Hettich Felix Gottwald Magnus Moan Mannschaft Christoph BielerFelix GottwaldMichael GruberMario Stecher Ronny AckermannJens GaiserGeorg HettichBjörn Kircheisen Anssi KoivurantaAntti KuismaHannu ManninenJaakko Tallus

Sprint Großschanze Ausgangssituation Die letzten beiden Weltmeister waren der im Jahr 2003 überraschende US-Amerikaner Johnny Spillane und Ronny Ackermann aus Deutschland, der im Jahr 2005 gewonnen hatte. Ackermann war auch zusammen mit dem Finnen Hannu Manninen der erfolgreichste Nordische Kombinierer seit den Spielen 2002. Doch im Einzelwettkampf hatte der Deutsche hier in Turin nur den achtzehnten Platz belegt, sodass seine Form schwer einzuschätzen war. Zum Favoritenkreis gehörte auch der Österreicher Felix Gottwald, dreifacher Bronzemedaillengewinner der Spiele 2002.

Ergebnis mini|hochkant=0.9|

Rang Land Athlet Springen Langlauf Endzeit [min] Pkte. (Pl.) Nettozeit [min] (Pl.) 1 Felix Gottwald 112,1 (12) 17:35,0 (1) 18:29,0 2 Magnus Moan 111,8 (13) 17:38,4 (2) 18:34,4 3 Georg Hettich 125,7 (1) 18:38,6 (26) 18:38,6 4 Jason Lamy Chappuis 124,4 (2) 18:46,5 (29) 18:51,5 5 Jaakko Tallus 120,9 (4) 18:39,1 (27) 18:58,1 6 Petter Tande 118,2 (5) 18:29,1 (22) 18:59,1 7 Björn Kircheisen 106,5 (21) 17:48,7 (3) 19:05,7 8 Ronny Ackermann 114,0 (10) 18:20,7 (19) 19:07,7 9 Todd Lodwick 107,3 (19) 17:57,4 (6) 19:11,4 10 Johnny Spillane 109,5 (14) 18:10,2 (11) 19:15,2 13 Michael Gruber 116,9 (6) 18:48,3 (30) 19:23,3 14 Mario Stecher 108,9 (15) 18:23,3 (21) 19:30,3 20 Ronny Heer 105,6 (22) 18:17,7 (17) 19:37,7 21 Andreas Hurschler 98,1 (33) 17:51,6 (5) 19:41,6 23 Christoph Bieler 115,8 (8) 19:04,0 (36) 19:44,0 24 Seppi Hurschler 105,3 (24) 18:29,4 (23) 19:51,4 29 Sebastian Haseney 90,7 (42) 17:49,1 (4) 20:09,1 36 Ivan Rieder 105,5 (23) 19:21,0 (40) 20:42,0 Springen: 21. Februar 2006, 11:00 Uhr / Großschanze; K-Punkt: 125 m

Langlauf 7,5 km: 21. Februar 2006, 15:00 Uhr Höhenunterschied: 59 m / Maximalanstieg: 54 m / Totalanstieg: 270 m

48 Teilnehmer aus 15 Ländern, alle in der Wertung

Das Springen wurde wegen des starken Gegenwindes abgebrochen, nachdem sechzehn Athleten ihre Sprünge absolviert hatten. Anschließend gab es einen Neustart mit verkürztem Anlauf. Das machte auch eine Verschiebung des abschließenden Langlaufs von der ursprünglich geplanten Startzeit (14:00 Uhr) um eine Stunde notwendig.

Der Wettbewerb wurde zehn Tage nach dem Einzelwettkampf ausgetragen. Nach dem Sprung führte der Deutsche Georg Hettich, der ganz überraschend das Einzel gewonnen hatte. Hettichs Landsmann Ronny Ackermann enttäuschte auch in dieser Disziplin mit seinem zehnten Platz von der Normalschanze. Der Österreicher Felix Gottwald lag als starker Läufer auf Rang zwölf vor dem im Laufen ebenfalls stark einzuschätzenden Norweger Magnus Moan.

Gottwald war der Schnellste im Langlauf und sicherte sich damit die Goldmedaille. Moan gewann als zweitbester Läufer nur 5,4 Sekunden hinter Gottwald die Silbermedaille. Bronze ging an Hettich, sodass es dieselben Medaillengewinner gab wie im Einzelwettbewerb zuvor, nur die Reihenfolge sah anders aus. Ackermann und Spillane kamen nie in Reichweite vorderer Platzierungen und belegten die Plätze acht und zehn.

Gundersen-Wettkampf Normalschanze Ausgangssituation Seit den Spielen 2002 hatte der Deutsche Ronny Ackermann sechs Medaillen bei Weltmeisterschaften gewonnen, darunter die Einzeltitel 2003 und 2005. Hinzu kamen drei Siege beim Holmenkollen Ski Festival. Bei den Spielen 2002 in Salt Lake City hatte er je eine Silbermedaille im Sprint und im Teamwettbewerb errungen.

Ergebnis mini|hochkant=0.9|

Rang Land Athlet Springen Langlauf Endzeit [min] Pkte. (Pl.) Nettozeit [min] (Pl.) 1 Georg Hettich 265,5 (1) 39:44,6 (18) 39:44,6 2 Felix Gottwald 234,5 (11) 38:02,4 (2) 39:54,2 3 Magnus Moan 237,5 (9) 38:20,8 (3) 40:00,8 4 Petter Tande 262,0 (2) 39:58,9 (22) 40:00,9 5 Jaakko Tallus 257,0 (=3) 39:39,9 (13) 40:01,9 6 Sebastian Haseney 212,5 (28) 37:15,7 (1) 40:35,7 7 Björn Kircheisen 224,0 (16) 38:21,1 (4) 40:55,1 8 Todd Lodwick 232,0 (13) 38:54,6 (6) 40:56,6 9 Hannu Manninen 238,0 (8) 39:42,2 (14) 41:20,2 10 Sergei Maslennikow 251,0 (=5) 40:44,2 (30) 41:28,2 12 Michael Gruber 248,5 (7) 40:51,9 (34) 41:47,9 13 Christoph Bieler 251,0 (=5) 41:05,3 (36) 41:49,3 18 Ronny Ackermann 213,5 (=26) 39:42,9 (15) 42:58,9 19 Mario Stecher 223,0 (17) 40:21,2 (25) 42:59,2 22 Seppi Hurschler 211,0 (30) 39:52,4 (20) 43:18,4 23 Andreas Hurschler 193,5 (39) 38:45,9 (5) 43:21,9 24 Ronny Heer 213,5 (=26) 40:11,0 (23) 43:27,0 27 Ivan Rieder 230,0 (14) 41:48,6 (39) 43:58,6 Springen: 11. Februar 2006, 10:00 Uhr / Normalschanze; K-Punkt: 95 m

Langlauf 15 km: 11. Februar 2006, 15:00 Uhr Höhenunterschied: 59 m / Maximalanstieg: 54 /; Totalanstieg: 270 m

50 Teilnehmer aus 15 Ländern, davon 48 in der Wertung

Ronny Ackermanns erster Sprung in Turin war weit entfernt von seinem sonstigen Sprungniveau. Er landete bei nur 92,5 Metern, Das waren zehneinhalb Meter weniger als die Weite des nach dem ersten Durchgang führenden Norweger Petter Tande. Ackermanns zweiter Sprung war zwar etwas besser, aber seine Medaillenaussichten waren dahin. Er beendete das Springen auf dem geteilten 26. Platz, 3:16 Minuten hinter seinem Teamkollegen Georg Hettich, der sich in Durchgang zwei an die Spitze schieben konnte. Tande, Junioren-Weltmeister von 2005, lag nach dem zweiten Sprung mit zwei Sekunden Rückstand auf dem zweiten Platz. Der finnische Mitfavorit Hannu Manninen, Führender im Gesamtweltcup, kam auf Rang acht. Auch er hatte mit 1:38 Minuten schon einen gehörigen Rückstand, als der Langlauf startete.

Hettich und Tande arbeiteten auf der Strecke gut zusammen und verteidigten ihre Führungsposition vor den starken Läufern überraschend lange. Kurz vor Ende des Rennens, als die beiden von einem kleinen Verfolgerfeld eingeholt wurden, setzte sich Gottwald an die Spitze und konnte außer Hettich alle anderen abschütteln. Hettich ergriff im Schlussspurt wieder die Initiative und besiegte überraschend den von der Aufholjagd ermüdeten Gottwald. Der Deutsche Sebastian Haseney zeigte die beste Laufleistung im Feld und lief vom 28. Platz nach dem Springen noch auf Rang sechs vor. Der Bronzemedaillengewinner wurde erst im Fotofinish ermittelt. Die beiden Norweger Magnus Moan und Petter Tande trennten lediglich eine Zehntelsekunde, Moan gewann Bronze, Tande blieb als Vierter ohne Edelmetall.

Teamwettkampf Ausgangssituation Österreich und Deutschland waren favorisiert, nachdem sie bei den letzten beiden Weltmeisterschaften auf dem Podium gestanden hatten. Österreich hatte den Titel 2003 gewonnen. Deutschland war 2003 und 2005 jeweils Zweiter geworden – 2005 hinter Norwegen. Österreich hatte 2005 Rang drei belegt. Norwegen wäre hier in Turin als dritter Titelanwärter an den Start gegangen. Doch das Team konnte nicht teilnehmen, weil mehrere ihrer Athleten krank waren.

Ergebnis mini|hochkant=1.9|

Rang Land Athlet Springen Langlauf Endzeit [min] Pkte. (Pl.) Nettozeit [min] (Pl.) 1 Michael GruberChristoph BielerFelix GottwaldMario Stecher 903,2 (2) 49:42.6 (1) 49:52,6 2 Björn KircheisenGeorg HettichRonny AckermannJens Gaiser 913,5 (1) 50:07.9 (4) 50:07,9 3 Antti KuismaAnssi KoivurantaJaakko TallusHannu Manninen 878,6 (4) 49:44.4 (2) 50:19,4 4 Ronny HeerJan SchmidAndreas HurschlerIvan Rieder 839,6 (4) 50:00.9 (3) 51:14,9 5 François BraudLudovic RouxJason Lamy ChappuisNicolas Bal 848,2 (6) 50:19.6 (6) 51:24,6 6 Daito TakahashiTakashi KitamuraNorihito KobayashiYōsuke Hatakeyama 864,2 (5) 50:47.0 (7) 51:36,0 7 Johnny SpillaneCarl Van LoanBill DemongTodd Lodwick 820,6 (8) 50:19.5 (5) 51:52,5 8 Ladislav RyglPavel ChuravýAleš VodseďálekTomáš Slavík 805,1 (9) 52:10.5 (8) 53:58,5 9 Iwan FessenkoAnton KamenewDmitri MatwejewSergei Maslennikow 890,1 (3) 53:42.1 (9) 54:05,1 DNF Davide BresadolaJochen StroblDaniele MunariGiuseppe Michielli DNF DNS DNS Håvard KlemetsenKristian HammerMagnus MoanPetter Tande DNS Springen: 15. Februar 2006, 09:30 Uhr (1. Durchgang) / 16. Februar 2006, 09:00 Uhr (2. Durchgang) Normalschanze; K-Punkt: 95 m

Langlauf 4 × 5 km: 16. Februar 2006, 15:00 Uhr Höhenunterschied: 59 m / Maximalanstieg: 54 m / Totalanstieg: 270 m

10 Teams am Start, davon 9 in der Wertung

Das Springen musste wegen starken Windes nach dem ersten Durchgang abgebrochen werden. Dadurch verschoben sich der zweite Durchgang des Springens und die Langlaufstaffel um einen Tag. Das norwegische Team verzichtete wegen einer Grippe-Erkrankung von drei der vier Athleten auf den Start. Nach der Verschiebung musste auch Italien aus gesundheitlichen Gründen auf eine weitere Teilnahme verzichten. Nach dem ersten Sprungdurchgang hatten die Italiener knapp hinter den Tschechien auf Platz zehn gelegen.

In dem verschobenen Springen übernahm Deutschland die Führung, angeführt von Georg Hettich, der hier bei allen drei Wettbewerben der Kombinierer nach dem Springen vorne gelegen hatte. Der Vorsprung Deutschlands war allerdings nicht groß. Die Mannschaft lag zehn Sekunden vor Österreich und 23 Sekunden vor Russland. Mit einem Rückstand von 35 Sekunden folgte Finnland.