Bei den XX. Olympischen Winterspielen 2006 in Turin fanden zwölf Wettbewerbe im Skilanglauf statt.

Auf einer Höhenlage von 1530 bis 1620 Metern gab es zwei Langlaufstrecken; die „rote“ war 6,2 km lang, die „gelbe“ 3,8 km. Die Zuschauerkapazität im Zielgelände betrug 8000 (davon 5400 Sitzplätze).

Die Verfolgungsrennen über 20 km bei den Herren und 10 km bei den Frauen wurden weiterentwickelt und nun jeweils an einem Stück – erste Streckenhälfte klassisch, zweite Hälfte im Freistil – gelaufen. Die moderne Bezeichnung hierfür ist Skiathlon. Dabei waren Skiwechsel erlaubt und beim Wechsel von der klassischen zur Skating-Stilart auch notwendig. Die Streckenlängen betrugen nun 30 km für die Männer und 20 km für die Frauen. Bei den Männern entfiel der bei früheren Veranstaltungen in einer Stilart ausgetragene Wettbewerb über 30 km, bei den Frauen der über die 5-km-Distanz. Dafür war bei Frauen und Männern zum ersten Mal der Team-Sprint im olympischen Programm.

Bei den Langläufern gab es in diesem Jahr keine so dominante Figur. Der Schwede Björn Lind wurde immerhin Sieger im Einzel- und dem neu eingeführten Team-Sprint. Bei den Frauen gewann die Estin Kristina Šmigun-Vähi zwei Langlaufgoldmedaillen, die später durch – nicht geahndete – Dopingvorwürfe etwas in Zweifel gerieten.

Dopingproblematik Auch nach den geahndeten Dopingvorfällen der Winterspiele 2002 in Salt Lake City hatten zumindest einige Sportler daraus nichts gelernt. So wurden nach einer Razzia bei österreichischen Langläufern und Biathleten wiederum 30 Schachteln mit Medikamenten, mehr als 100 Spritzen und verschiedene Apparate für Bluttests und Transfusionen gefunden. Außerdem hatte sich der eigentlich gesperrte Trainer Walter Mayer unerlaubterweise nahe dem Team befunden und floh dann schnell. Diese Vorkommnisse zogen nachträgliche lebenslange Sperren – später reduziert bis 2010 – für die beiden Biathleten Wolfgang Perner und Wolfgang Rottmann sowie für ihre vier Langläuferkollegen Roland Diethart, Johannes Eder, Jürgen Pinter und Martin Tauber nach sich. 2009 erhob dann die Staatsanwaltschaft in Österreich Anklage wegen Verstoßes gegen die österreichischen Anti-Doping-Gesetze gegen weitere Funktionäre des ÖSV, u. a. Präsident Peter Schröcksnadel sowie Biathlon-Direktor Markus Gandler. Schröcksnadel, Gandler, Mayer, Sportmediziner Peter Baumgartl sowie die beiden Langläufer Tauber sowie Pinter kamen 2012 mit Freisprüchen davon. Der frühere Langlauf-Trainer Emil Hoch sowie die betroffenen Biathleten Perner und Rottmann wurden in erster Instanz zu bedingten Haft- und unbedingten Geldstrafen verurteilt. Im Rahmen der Doping-Nachtests für Olympiasportler ergaben sich auch für die Winterspiele 2006 vier weitere positive Befunde. Darunter soll sich nach Rundfunkberichten des Senders Deutschlandfunk auch die Langlauf-Doppelolympiasiegerin Kristina Šmigun-Vähi aus Estland befunden haben – inzwischen Vizepräsidentin des Nationalen Olympischen Komitees Estlands. Folgen ergaben sich daraus keine.

Bilanz Medaillenspiegel PlatzLand20x20px|Gold20x20px|Silber20x20px|BronzeGesamt13–2523––33223742–24512–3611–27–3148–3149–1–110––1111––1112––11

Medaillengewinner +MännerKonkurrenzGoldSilberBronzeSprint Freistil Björn Lind Roddy Darragon Thobias FredrikssonTeamsprint klassisch Björn Lind, Thobias Fredriksson Tor Arne Hetland, Jens Arne Svartedal Iwan Alypow, Wassili Rotschew15 km klassisch Andrus Veerpalu Lukáš Bauer Tobias Angerer30 km Skiathlon Jewgeni Dementjew Frode Estil Pietro Piller Cottrer50 km Massenstart Giorgio Di Centa Jewgeni Dementjew Michail Botwinow4 × 10 km Staffel Giorgio Di Centa, Pietro Piller Cottrer, Fulvio Valbusa, Cristian Zorzi Tobias Angerer, Jens Filbrich, Andreas Schlütter, René Sommerfeldt Mathias Fredriksson, Mats Larsson, Johan Olsson, Anders Södergren+FrauenKonkurrenzGoldSilberBronzeSprint Freistil Chandra Crawford Claudia Künzel Aljona SidkoTeamsprint klassisch Lina Andersson, Anna Olsson Sara Renner, Beckie Scott Virpi Kuitunen, Aino-Kaisa Saarinen10 km klassisch Kristina Šmigun Marit Bjørgen Hilde Gjermundshaug Pedersen15 km Skiathlon Kristina Šmigun Kateřina Neumannová Jewgenija Medwedewa30 km Massenstart Kateřina Neumannová Julija Tschepalowa Justyna Kowalczyk4 × 5 km Staffel Natalja Baranowa, Larissa Kurkina, Jewgenija Medwedewa, Julija Tschepalowa Viola Bauer, Stefanie Böhler, Claudia Künzel, Evi Sachenbacher-Stehle Antonella Confortola, Arianna Follis, Gabriella Paruzzi, Sabina Valbusa

Ergebnisse Männer Sprint Freistil

PlatzLandSportlerZeit (min)1Björn Lind2:26,5 (F)2Roddy Darragon2:27,1 (F)3Thobias Fredriksson2:27,8 (F)4Cristian Zorzi2:31,7 (F)5Freddy Schwienbacher2:23,9 (KF)6Loris Frasnelli2:25,2 (KF)7Johan Kjølstad2:25,6 (KF)8Anti Saarepuu2:27,9 (KF)9Ola Vigen Hattestad2:29,0 (HF)10Tor Arne Hetland2:43,2 (HF)20Martin Stockinger2:27,1 (VF)24Harald Wurm2:23,4 (VF)30Christoph Eigenmann2:25,6 (VF) Datum: 22. Februar 2006, 10:30 Uhr (Qualifikation)/14:00 Uhr (Finale) Streckenlänge: 1325 m; Höhenunterschied: 26 m; Maximalanstieg: 26 m; Totalanstieg: 47 m 80 Teilnehmer aus 34 Ländern, alle in der Wertung.

F = Finale; KF = Kleines Finale; HF = Halbfinale; VF = Viertelfinale

Nach einer Qualifikation erreichten 30 Läufer die Viertelfinals (5 Läufe mit je 6 Läufern) und die Halbfinalläufe (2 Läufe mit je 5 Läufern). Es folgten ein B-Finale um die Plätze 5 bis 8 und das Finale von 4 Läufern um die Medaillen. Die Schweden Lind und Fredriksson setzten mit dem Olympiasieg sowie dem dritten Platz die guten Ergebnisse der schwedischen Mannschaft in Sprintwettbewerben fort. Favorit Lind, der bereits im Qualifikationsrennen deutlich Schnellster gewesen war, gewann auch seine weiteren Läufe. Enttäuschend war das Ergebnis für die mitfavorisierten Läufer aus Norwegen, von denen keiner das A-Finale erreichte.

Das B-Finale um die Plätze 5 bis 8 war schneller als das A-Finale um die Medaillen.

Teamsprint klassisch

PlatzLandSportlerZeit (min)1Thobias Fredriksson Björn Lind17:02,9 (F)2Tor Arne Hetland Jens Arne Svartedal17:03,5 (F)3Iwan Alypow Wassili Rotschew17:05,2 (F)4Jens Filbrich Andreas Schlütter17:14,0 (F)5Keijo Kurttila Lauri Pyykönen17:21,5 (F)6Jewgeni Koschewoi Nikolai Tschebotko17:25,1 (F)7Maciej Kreczmer Janusz Krężelok17:26,3 (F)8Martin Bajčičák Ivan Bátory17:30,9 (F)9Giorgio Di Centa Freddy Schwienbacher17:31,3 (F)10Dušan Kožíšek Martin Koukal17:49,6 (F)15Reto Burgermeister Christoph Eigenmann17:49,6 (HF) Datum: 14. Februar 2006, 11:40 Uhr Streckenlänge: 1325 m; Höhenunterschied: 26 m; Maximalanstieg: 26 m; Totalanstieg: 47 m 48 Teilnehmer aus 24 Ländern, davon 44 in der Wertung.

F = Finale; HF = Halbfinale

Der Wettbewerb wurde in sechs Runden ausgetragen. Er bestand aus zunächst zwei Vorläufen bzw. den Halbfinals, denen das Finalrennen folgte, für das sich die fünf erstplatzierten Teams aus jedem Vorlauf qualifizierten. Die Teams bestanden aus je zwei Läufern, die sich in jeder Runde abwechselten.

Es siegte das schwedische vor dem norwegischen Tandem, das damit die einzige Medaille für die norwegische Mannschaft in Langlaufsprintwettbewerben gewann. Das deutsche Team hatte sich Hoffnungen auf eine Medaille gemacht, verpasste diese jedoch. Das auf Platz 17 rangierte österreichische Teams (Johannes Eder, Jürgen Pinter) wurde im April 2007 nachträglich disqualifiziert.

15 km klassisch PlatzLandSportlerZeit (min)1Andrus Veerpalu38:01,32Lukáš Bauer38:15,83Tobias Angerer38:20,54Wassili Rotschew38:24,45Jaak Mae38:35,26Johan Olsson38:38,87Andreas Schlütter38:44,78Sergei Nowikow39:15,09Sami Jauhojärvi39:15,310Anders Södergren39:17,111René Sommerfeldt39:17,229Christian Stebler40:38,643Franz Göring41:29,9 Datum: 17. Februar 2006, 10:00 Uhr Höhenunterschied: 76 m; Maximalanstieg: 54 m; Totalanstieg: 522 m 99 Teilnehmer aus 46 Ländern, davon 96 in der Wertung.

Nach Kristina Šmigun gewann auch Andrus Veerpalu Gold für Estland. Mit Jaak Mae belegte ein weiterer Este Platz 5. Für die erste Medaille des deutschen Teams sorgte Tobias Angerer, nachdem die Wettbewerbe zuvor gemessen an den eigenen Erwartungen und denen der Öffentlichkeit enttäuschend verlaufen waren. Martin Tauber (AUT), ursprünglich als Achter geführt, wurde im April 2007 nachträglich disqualifiziert.

30 km Skiathlon PlatzLandSportlerZeit (h)1Jewgeni Dementjew1:17:00,82Frode Estil1:17:01,43Pietro Piller Cottrer1:17:01,74Giorgio Di Centa1:17:03,25Anders Södergren1:17:04,36Vincent Vittoz1:17:07,57Michail Botwinow1:17:08,58Martin Bajčičák1:17:08,79Maxim Odnodworzew1:17:09,610Lukáš Bauer1:17:10,111Markus Hasler1:17:10,912Tobias Angerer1:17:12,522Jens Filbrich1:18:38,236Remo Fischer1:20:19,740Toni Livers1:21:08,258Reto Burgermeister1:25:49,9 Datum: 12. Februar 2006, 13:45 Uhr Höhenunterschied: 52 m (A)/59 m (B); Maximalanstieg: 40 m (A)/54 m (B); Totalanstieg: 366 m (A)/498 m (B) 77 Teilnehmer aus 27 Ländern, davon 65 in der Wertung.

Das Rennen begann mit einem 15-Kilometer-Lauf im klassischen Stil (Massenstart), nach einem Skiwechsel folgte ein 15-Kilometer-Lauf im freien Stil. Dementjew und Estil sicherten sich ihre Medaillen durch die schnellste und zweitschnellste Zeit im freien Stil, während Piller Cottrer seinen dritten Platz nach dem klassischen Teilstück behaupten konnte. Lukáš Bauer, der beim Skiwechsel geführt hatte, fiel auf Platz 10 zurück. Anders Aukland, der nach dem klassischen Teilstück auf Platz 2 gelegen hatte, verlor sogar zweieinhalb Minuten und belegte Platz 29. Beim Gewinner der Silbermedaille, Frode Estil, war kurz nach dem Start bei einem Massensturz ein Ski gebrochen, wodurch er zwischenzeitlich an das Ende des Teilnehmerfelds zurückgefallen war.

Ähnlich wie für die deutschen Frauen verlief auch für die Läufer des Deutschen Skiverbands das erste olympische Rennen enttäuschend: Während René Sommerfeldt aufgab, verlor Tobias Angerer, der zum engsten Favoritenkreis gehört hatte, kurz vor dem Ziel den Anschluss und belegte nur Platz 12. Einen guten siebten Platz belegte der Österreicher Michail Botwinow. Sein Teamkollege Martin Tauber wurde im April 2007 nachträglich disqualifiziert.

50 km Massenstart Freistil PlatzLandSportlerZeit (h)1Giorgio Di Centa2:06:11,82Jewgeni Dementjew2:06:12,63Michail Botwinow2:06:12,74Emmanuel Jonnier2:06:13,55Pietro Piller Cottrer2:06:14,06Anders Södergren2:06:14,17Martin Koukal2:06:14,98Jiří Magál2:06:15,19Vincent Vittoz2:06:16,410Mathias Fredriksson2:06:17,117Jens Filbrich2:06:31,121Remo Fischer2:06:40,924Tobias Angerer2:07:00,332Toni Livers2:07:25,436René Sommerfeldt2:08:03,039René Sommerfeldt2:08:29,050Christian Stebler2:11:13,0 Datum: 26. Februar 2006, 10:00 Uhr Höhenunterschied: 76 m; Maximalanstieg: 54 m; Totalanstieg: 1810 m 79 Teilnehmer aus 31 Ländern, davon 63 in der Wertung.

Lange Zeit gab es keine ernsthaften Versuche, das große Teilnehmerfeld zu sprengen: Nach 25 km bildeten noch über 50 Läufer die Spitzengruppe, nach 40 km immer noch etwa 40. Erst danach wurde das Tempo verschärft, das geschlossene Führungsfeld löste sich auf und es kam zum für Massenstartwettbewerb charakteristischen Ausscheidungsrennen, bei dem schwächere Läufer nach und nach abgehängt wurden – die letzten am letzten Anstieg kurz vor dem Ziel. Im Ziel kam zu einer Sprintentscheidung, an der noch ca. zehn Läufer beteiligt waren.

4 × 10 km Staffel