Der Raum Schweinfurt hat aufgrund der Furt über den Main, fruchtbarer Böden und seiner zentralen Lage im Heiligen Römischen Reich eine lange Geschichte durch nahezu alle prähistorischen und historischen Epochen Mitteleuropas. Die die Stadt umgebenden Dörfer zählen zu den ältesten Deutschlands (siehe: Dittelbrunn und Schwanfeld).
Schweinfurt war schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt und wurde 791 als „Suuinfurtero marcu“ erstmals urkundlich erwähnt. Die Markgrafen von Schweinfurt (10. bis 11. Jahrhundert) unterstützten zweimal ostfränkische Könige auf ihrem Weg auf den Kaiserthron, so den ersten römisch-deutschen Kaiser Otto I. Bereits spätestens 1057 endete die große Zeit der Markgrafen, die keine männlichen Nachkommen hatten. Im Machtvakuum in der Reichsmitte entstand das Hochstift Bamberg. Im 12. Jahrhundert wurde einen Kilometer mainabwärts der bisherigen Siedlung (Dorf Altstadt) und des Burgbergs Peterstirn der Markgrafen die Reichsstadt Schweinfurt gegründet, die der heutigen Altstadt entspricht.
Etymologie Es ist erwiesen, dass nicht das Schwein der Stadt ihren Namen gab (siehe: Schweinfurt, Etymologie).
Anfänge Urgeschichte Siedlungsspuren lassen sich innerhalb des heutigen Stadtgebietes an unterschiedlichen, bis zu mehreren Kilometern voneinander entfernten Orten, seit 7500 Jahren nahezu lückenlos nachweisen, von der Linearbandkeramischen Kultur (5500 bis 5000 v. Chr.), der Jungsteinzeit (5500 bis 2200 v. Chr.), der Stichbandkeramik (4900 bis 4500 v. Chr.), der Urnenfelderzeit (1300 bis 800 v. Chr.), der Hallstattzeit (800 bis 450 v. Chr.), bis zur Latènezeit (450 v. Chr. bis zur Zeitenwende).
Siehe auch: Suuinfurtero marcu, Urgeschichte
Frühgeschichte Der Name der Wüstung Affeltrach im nordwestlichen Stadtgebiet am Ufer der Wern an der Bellevue, leitet sich wahrscheinlich vom althochdeutschen Wort für Apfelbaum, aphaltar, her. Affeltrach war somit die Siedlung bei den Apfelbäumen.Anton Oeller: Die Ortsnamen des Landkreises Schweinfurt. 1955, S. 52. Wahrscheinlich wurde das Dorf bereits in vorchristlicher Zeit gegründet, als germanische Stämme nach Franken vorstießen; die Endung weist jedenfalls auf ein hohes Alter der Siedlung hin. Um 500 v. Chr. ist die Besiedlung durch Kelten nachgewiesen, unter anderem am Biegenbach zwischen dem Stadtteil Bergl und Geldersheim und während der Römischen Kaiserzeit an selber Stelle eine Besiedlung durch Germanen. Aus der Merowingerzeit (5. Jahrhundert bis 751) ist ebenfalls eine Siedlung nachgewiesen.
Frühmittelalter Thüringer und Franken Die Thüringer beherrschten das nördliche Mainfranken, bevor sie ab dem 6. Jahrhundert von den Franken zurückgedrängt bzw. überlagert wurden. Erste Siedlungen im Raum Schweinfurt wurden von den Thüringern wohl bereits im 5. Jahrhundert gegründet. Ortsnamen mit der Endung -ungen wie Schonungen, Rannungen oder Jeusungen deuten auf thüringischen Ursprung hin.
Die Anfänge der Schweinfurter Geschichte gehen auf eine einen halben Kilometer mainaufwärts der heutigen Altstadt gelegenen frühmittelalterlichen Stadtwüstung zurück. Sie wird heute Altstadt genannt oder auch Dorf Altstadt, um eine Verwechslung mit der heutigen Altstadt zu vermeiden. Die Franken besiegten die Thüringer 531 und überlagerten daraufhin auch die erste Schweinfurter Siedlung. Damit war auch die Christianisierung verbunden, die in Franken Ende des 7. Jahrhunderts einsetzte.
Furt über den Main
Die naturgegebene Verbreiterung des Mains bei Schweinfurt mit Nebenarmen und Inseln brachte seit ältesten Zeiten seichtes Wasser. Dies war bereits den Menschen in der Frühzeit bekannt. Nördlich einer Furt liefen überregionale Nord-Süd-Verbindungen zusammen. Sie kreuzten unweit nördlich, in der Schweinfurter Rhön, den Hochweg, später (1195) als Königsstraße recta strata bezeugt. Eine wichtige West-Ost-Verbindung war von Frankfurt am Main über das schweinfurtische Banz nach Böhmen. Einer der ersten Furten oder die erste Furt wird auf Höhe eines Altwassers des Mains, im heutigen Sennfelder Seenkranz vermutet, einem Sumpf- und Quellengebiet.
Erste urkundliche Erwähnungen Erstes schriftliches Indiz für die Existenz der Schweinfurter Siedlung ist die Nennung im Codex Edelini des Klosters Weißenburg.Heinrich Wagner: Zur Gründung der Klöster Weißenburg und Echternach und ihrem Wirken in Mainfranken. In: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte. 55 2003, S. 123 f., 127. Wahrscheinlich wurde damals in „Suinuurde“ bereits Weinbau betrieben. Diese erste sicher datierbare Erwähnung erfolgte im Jahr 791.Schweinfurt|Stadt|Kultur|Themen. Publikation des Schweinfurter Tagblatts und Sonderausgabe für das Handelsblatt und die ZEIT: Mikro-Schauplatz der deutschen Geschichte. 20. Mai 2009, S. 4 f. Hiltrih übereignete einen Besitz in Suuinfurtero marcu dem Kloster Fulda.Grundlegend zur Entwicklung bis 1300 und als Nachweis für alle Angaben: Achim Fuchs: Schweinfurt. Die Entwicklung einer fränkischen Villula zur Reichsstadt. (= Mainfränkische Studien. 2). Würzburg 1972.
Im ersten Jahrtausend gab es zwei weitere urkundliche Erwähnungen des Stadtgebiets, beide im Jahre 951, und zwar der Wüstungen Affeltrach und Hilpersdorf, während die Reichsstadt (heutige Altstadt) erst 1254 urkundlich erwähnt wurde.
Markgrafschaft Schweinfurt
Bedeutung erlangte Schweinfurt im Jahre 941Informationsbroschüre Stadt Schweinfurt. Weka Info-Verlag, Mering 2002, S. 5. mit dem Grafen Berthold als erstem Glied des Hauses der Grafen von Schweinfurt. Die Herkunft der Familie ist umstritten. Schweinfurt lag in der Mitte des Ostfrankenreichs wie auch in der Mitte des nachfolgenden Heiligen Römischen Reichs. Bertholds hauptsächliche Herrschaften lagen jedoch im Nordgau und im Radenzgau, die durch eine Kette von Burgen gesichert waren, der Volkfeldgau enthielt Streubesitz. Dadurch nahm er eine wichtige Position im zentralen Reichsgebiet, dem Herzogtum Franken, ein. Berthold gab dem König des Ostfrankenreichs Otto I. (936–973), der 962 römisch-deutscher Kaiser wurde, gegen aufständische Stammesherzöge wertvolle Waffenhilfe. Als Dank erhielt Berthold von Otto I. die Grafschaften für den Volkfeld- und den Radenzgau sowie die Markgrafschaft des Nordgaus, in etwa die heutige Oberpfalz.Rudolf Endres: Die Rolle der Grafen von Schweinfurt in der Besiedlung Nordostbayerns. In: Jahrbuch für fränkische Landesforschung. 1972, S. 7 und F. Stein: Das Markgräfliche Haus von Schweinfurt. S. 27 ff. Dadurch war er und ab 980 sein Sohn Heinrich der mächtigste weltliche Adelige auf dem Gebiet des heutigen Nordbayerns. Der Machtbereich erstreckte sich bis in den Bayerischen Wald. Die Hauptburg war zunächst Sulzbach im Nordgau, weshalb die Adelsgeschlechtbezeichnung von Schweinfurt eigentlich erst auf Otto, den Sohn von Heinrich, zutrifft.
Schweinfurter Fehde
Später unterstützte Graf Heinrich, von den Geschichtsschreibern zur Unterscheidung mit einem Kinderrufnamen „Hezilo“ genannt, den ostfränkischen König Heinrich II. (1002–1024, ab 1014 römisch-deutscher Kaiser) bei der Königswahl 1002 und bekam dafür die Herzogswürde von Baiern zugesagt. Nach der Wahl löste jedoch Heinrich II. (HRR) das Versprechen nicht ein. Daraufhin kam es 1003 zur sogenannten Schweinfurter Fehde. Graf Heinrich verlor dieses schlecht vorbereitete Unternehmen, verlor seinen gesamten Besitz, die Königsgüter im Rangau sowie die Grafschaften in Volkfeld-, Radenz- und Nordgau und flüchtete zum Herzog von Polen, Boleslaw Chobry, seinem Verbündeten. Die entzogenen Königsgüter bildeten den Kern des neuen Bistums Bamberg, das unmittelbar darauf von Heinrich II. gegründet und 1007 von Papst Johannes XVIII. bestätigt wurde. Nach Verhandlungen über Vermittler stellte sich Graf Heinrich und wurde von König Heinrich auf Burg Giebichenstein gefangen gesetzt. Nach intensiver Fürsprache, z. B. durch Bischof Gottschalk von Freising am 8. September 1004 in einer Predigt vor dem König, begnadigte er ihn ca. ein Jahr später (1004). Ob Graf Heinrich tatsächlich seine königlichen Lehen ganz verlor oder sie großteils restituiert wurden, ist umstritten. Die gräfliche Klosterburg in Schweinfurt war jedoch durch das persönliche Engagement von Graf Heinrichs Mutter Eila von Walbeck (siehe Die Grafen von Walbeck) von den beiden Gesandten des Königs, Bischof Heinrich von Würzburg und Abt Erkanbald von Fulda, nur symbolisch beschädigt worden. Es ist davon auszugehen, dass sie ihr Versprechen, die Schäden nach einer Begnadigung auf eigene Kosten wieder zu beheben, gehalten haben.
Hezilo behielt jedoch unumstritten seinen Besitz um den Burgberg Peterstirn, wo um 1015 Eila unterhalb der Burg ein Nonnenkloster stiftete. Nach einigen Besitzwechseln wurde das Frauenkloster um 1055 in ein Benediktinerkloster namens Stella Petri (zu deutsch Peterstern) umgewandelt, worauf im Laufe der Zeit Peterstirn wurde.
Hochmittelalter Aussterben der Markgrafen mini|links|Judith von Schweinfurt (Mitte)(Darstellung aus dem 14. Jahrhundert)
Hezilos Sohn Otto von Schweinfurt wurde von König Heinrich III. (1039–1056) zum Herzog von Schwaben (Otto III.) ernannt. Eine seiner zahlreichen Töchter, Judith von Schweinfurt, wurde zu einer zentralen Figur der Alt-Schweinfurter Stadtgeschichte, mit der sich historische Überlieferungen und Legenden verbinden. Sie soll in zweiter Ehe Königin von Ungarn geworden sein und fand ihre letzte Ruhestätte im Veitsdom in Prag.
Otto von Schweinfurt heiratete aus reichspolitischen Gründen eine Tochter des Markgrafen Ulrich Manfred von Turin (Manfred von Susa), womit Verbindungen der Reichsteile nördlich und südlich der Alpen gestärkt werden sollten.Paul Friedrich von Stälin: Otto III., Herzog von Schwaben. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB), Band 24. Duncker & Humblot, Leipzig 1887, S. 726 f. Nach Otto starb das Geschlecht im Mannesstamm 1057 aus und spätestens dieses Jahr markiert das Ende der bedeutenden Rolle der Markgrafen von Schweinfurt. Das Gut um Schweinfurt erbte Ottos Tochter Beatrix. Der Besitz bestand damals aus der Burg auf der Peterstirn und dem Dorf Altstadt. Beatrix’ letzter männlicher Nachkomme, der Fürstbischof von Eichstätt Eberhard I. von Hildrizhausen, vermachte 1112 seinen Besitz um Schweinfurt dem Hochstift Eichstätt. Dadurch kam Schweinfurt bis zur späteren Reichsunmittelbarkeit als Freie Reichsstadt unter geistliche Herrschaft.Mehrere Autoren: Bikeline-Radtourenbuch Main-Radweg. Esterbauer Verlag, Rodingersdorf 2005, ISBN 3-85000-023-0, S. 60. 1263/65 wurde das heruntergekommene Benediktinerkloster an der Peterstirn samt Dorf auf Betreiben des Würzburger Bischofs Iring von Reinstein-Homburg dem Deutschen Orden übergeben.
Aufstieg zur Reichsstadt mini|hochkant=0.7|St. Johannis, ältestes bestehendes Gebäude der Reichsstadt; Brauttor, romanisch (1240)
Zu den Anfängen der Reichsstadt aus dem 12. Jahrhundert einen halben Kilometer mainabwärts (westlich) von Suuinfurtero marcu gibt es unterschiedliche Ansichten, die von einem allmählichen Aufbau bis zu einer geplanten Civitas Imperii (Reichsstadt), also einer Gründungsstadt, durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa unter Verwendung von vorhandenem Königsgut reichen. Die klassische mittelalterliche Stadtanlage mit Straßenkreuz am Marktplatz, vier Vierteln und vier Stadttoren, zeugt von einem planmäßigen Aufbau. An dieser neuen Stelle der Stadt konnten die Furt über den Main und die Straßen nach Frankfurt, zum Obermain und nach Erfurt besser kontrolliert werden.
Erstes Stadtverderben und Stadtrechte