mini|hochkant=2.1|Main mit Altstadt, links das ehemalige Fischerviertel Fischerrain Die Geographie Schweinfurts beschreibt die physische Beschaffenheit des Stadtgebietes von Schweinfurt und seiner Umgebung sowie die hierdurch bedingte Wechselwirkung zwischen diesem Lebensraum und seinen Bewohnern.

Physische Geographie Lage Schweinfurt liegt nahezu in der Mitte der Europäischen Union,Der geographische Mittelpunkt der EU liegt 70 km westlich Schweinfurts in Oberwestern und nach dem Austritt Großbritanniens 35 km südwestlich Schweinfurts in Veitshöchheim des deutschen Sprachraums und der DACH-RegionDer geographische Mittelpunkt (nach der Schwerpunktermittlung) der D-A-CH-Region liegt 45 km östlich Schweinfurts, in Seßlach sowie an der 3.500 km langen Großschifffahrtsstraße, die über den Rhein-Main-Donau-Kanal die Nordsee mit dem Schwarzen Meer verbindet. Die Stadt liegt jeweils etwa 40 km von Baden-Württemberg, Hessen und Thüringen entfernt und ist auf der Deutschlandkarte leicht lokalisierbar am Beginn des Maindreiecks, dem flussabwärts das Mainviereck folgt. Schweinfurt liegt in der Mitte Mainfrankens, das von der Rhön, den Haßbergen, dem Steigerwald und dem Spessart umgeben wird.

Der niedrigste Punkt des Stadtgebietes liegt im Schweinfurter Becken, am Main, auf 202 m ü NN,Informationsbroschüre Stadt Schweinfurt. Weka Info-Verlag, Mering 2002, S. 25. der höchste auf 343 m ü NNTopografische Karte des Bayerischen Landesvermessungsamtes 1:25.000, Blatt 5927 Schweinfurt. in der nordöstlich gelegenen Schweinfurter Rhön, deren letzte Ausläufer bis nahe an die östliche Altstadt reichen. Industrie und Kraftwerke liegen ausschließlich im südwestlichen Stadtgebiet, kompakt um Hauptbahnhof und Hafen. Die Hauptversorgung der Industriestadt verläuft über diesen südwestlichen Korridor, mit Autobahnen, Bahnlinien und Hochspannungsleitungen, im landschaftsschonenden Trassenbündel.

Die Stadt besitzt eine zentrale, aber außerhalb dieses südwestlichen Sektors in Richtung Werneck und Würzburg auch naturnahe Lage. Schweinfurt ist unmittelbar bzw. im weiteren Umfeld umgeben vom Sennfelder Seenkranz, der Schweinfurter Rhön mit dem Nationalen Naturerbe Brönnhof und dem Ellertshäuser See, dem Naturpark Haßberge, dem Naturpark Steigerwald und dem Biosphärenreservat Rhön. In Sichtweite der Stadt liegen Schweinfurter Rhön, Steigerwald, Gramschatzer Wald und Rhön.

Neue Zentralität Infolge des Falls des Eisernen Vorhangs änderte sich die wirtschaftsgeografische Lage Schweinfurts grundlegend. Die Stadt wurde zu einem Autobahnknotenpunkt in der bundesdeutschen Mitte. 2005 wurde die Thüringer-Wald-Autobahn A 71 Erfurt – Schweinfurt als Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 16 (VDE 16) fertiggestellt. Mit den Kost von ungefähr zehn Millionen Euro pro Kilometer ist sie die teuerste Autobahn Deutschlands.Die Welt: Die A 71 ist die teuerste Autobahn Deutschlands, 21. Mai 2014. Die Autobahnen in der Region Schweinfurt sind nahezu staufrei und es gab auf ihren 165 Kilometern 2017 und 2018 jeweils nur halb so viele Unfälle wie auf den nur 144 Autobahn-Kilometern der benachbarten Region Würzburg.

Bei der Bahn erlangte Schweinfurt 2017 durch das 10 Milliarden Euro kostende Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8 (VDE 8) weitere Zentralität. Berlin ist nun von Schweinfurt unter dreieinhalb Stunden erreichbar mit Umstieg im benachbarten Bamberg in den ICE der neuen 300 km/h Hochgeschwindigkeitsstrecke. Über die westlich vorbeiführende Hochgeschwindigkeitsstrecke, mit Umstieg im benachbarten Würzburg, sind München ab 2:33 Stunden und Hamburg ab 3:57 Stunden erreichbar. Berlin und München sind nun von Schweinfurt etwa eine dreiviertel Stunde schneller als von Frankfurt am Main zu erreichen und Paris ab 6:22 Stunden. 2015 kündigte die Deutsche Bahn an, Schweinfurt bis spätestens Dezember 2028 mit einer neuen Intercity-Linie Bamberg–Stuttgart–Tübingen zu bedienen. 2018 wurde der Umbau des Hauptbahnhofs abgeschlossen, zudem besitzt Schweinfurt von allen deutschen Städten das dichteste Netz an Haltestellen im öffentlichen Personennahverkehr.

Schweinfurt liegt an der Gütersverkehrsroute von Nürnberg über die Werntalbahn ins Rhein-Main-Gebiet im Gürtel der Neuen Seidenstraße.

Alle Autobahnen mit der ersten Ziffer 7 führen in Richtung Schweinfurt (bzw. in Gegenrichtung) mit Ausnahme des nördlichen Teils der A 73. Unweit der Stadt kreuzt der 50. Grad nördlicher Breite (siehe oben: N 50 °), der der Mainlinie und der A 70 entspricht, den 10. Meridian östlicher Länge (O 10 °), der identisch mit der Nord-Süd-Achse Europas Dänemark – Norditalien und der A 7 ist. Am Schnittpunkt der beiden Grade, 5,6 km westlich des Autobahnkreuzes Schweinfurt/Werneck an der B 26a befindet sich ein Schnittpunkt-Denkmal.

Topografie Der Naturraum am Stadtrand besitzt vielfältige Ausprägungen mit unterschiedlichem Klima, Bergland, Wäldern, Weinbergen, Wiesen, Auwäldern, Schutzgebieten, fließenden und stehenden Gewässern. Ein großer Teil des kleinen, politischen Stadtgebietes besteht aus Wäldern (500 ha)Informationsbroschüre Stadt Schweinfurt.Weka Info-Verlag, Mering 2002, S. 16. und Wasserflächen (148 ha).

Naturräumliche Gliederung

Der Großteil des Stadtgebiets liegt innerhalb des gering reliefierten Schweinfurter Beckens (Haupteinheit 136), das sich herzförmig beiderseits des Mains erstreckt, mit der Innenstadt nördlich des Flusses. Die östlichen und nördlichen Stadtteile Haardt, Hochfeld und Deutschhof liegen topographisch teils deutlich erhöht auf den südlichen Ausläufern der von zahlreichen Tälern durchschnittenen nördlich des Mains gelegenen Landschaft der Schweinfurter Rhön. Sie ist identisch mit dem Naturraum Hesselbacher Waldland (Haupteinheit 139).

Schweinfurter Becken und Hesselbacher Waldland liegen in der Kernzone der Mainfränkischen Platten (Haupteinheitengruppe 13). Diese gehören zum Südwestdeutschen Stufenland beiderseits des Oberrheingrabens (Großregion 1. Ordnung 07-23) als Fortsetzung des Nordfranzösischen Schichtstufenlands. Das Schichtstufenland zieht sich somit vom Pariser Becken bis nach Franken hin.

Geologie Die Geologie im Stadtgebiet reicht (von älter/unten nach jünger/oben) von den harten Kalk- und Mergelsteinen des Oberen Muschelkalks über den weicheren tonig-mergeligen, von einzelnen Sandsteinen und Kalkbänken unterbrochenen Unterkeuper (Lettenkeuper) bis zu den weichen Tonsteinen des Gipskeupers. Im Bereich zwischen Bergrheinfeld und Schweinfurt befindet sich das Zentrum eines tektonischen Senkungsgebiets (Schweinfurter Mulde). Der Gipskeuper kam in das heutige Niveau des Mains, der im Quartär ein weites Becken ausräumen konnte. Im Stadtgebiet befinden sich Sande und Schotter als Reste höherer Flussniveaus. Am Ostrand des Maintals im Stadtgebiet befinden sich am Schwebheimer Wald Flugsanddünen. Sie sind mit Kiefern bewachsen und inaktiv.

Tektonik Die Tektonik des Stadtgebietes wird von der nordöstlich der Innenstadt von Nordwesten nach Südosten verlaufenden Kissingen-Haßfurter Störungszone geprägt, die das Hebungsgebiet des Kissingen-Haßfurter Sattels von der Schweinfurter Mulde trennt. Im Bereich der Sattelzone wurden harte Kalksteine des Muschelkalks in das heutige Niveau des Mains und seiner Zuflüsse gehoben. Das Relief ist deutlich bergiger, die Flüsse konnten nur schmale Täler formen.

Hydrologie Auf Grund der Topografie gab es innerhalb des bebauten Stadtgebietes, außer kurzzeitigen, kleinräumigen Straßenüberschwemmungen durch Starkregen, bisher kein Hochwasser. Da sich der Main bei Schweinfurt bis auf 172 mBeim Bootshafen des SC 1900, Main-km 333,3; gemessen im BayernAtlas auf Parzellenkarte mit überlagertem Luftbild. verbreitert, mit (einstigen) Nebenarmen bis auf 900 m. Zudem liegt die Innenstadt auf einem Sockel ca. 10 bis 15 m über dem Wasserspiegel des Mains.

Am Main selbst richtete jedoch starker Eisgang große Schäden an den Wasserbauten beim größten Hochwasser des 19. Jahrhunderts 1845 an, mit einem Pegelstand von 6,25 m.Paul Ultsch: Damals in Schweinfurt. Buch- und Ideeverlag, Schweinfurt, ISBN 978-3-9800480-1-9, S. 67 ff. Beim Hochwasser im Februar 1909, mit einem Pegelstand von 6,10, stürzten die Eismassen über die Mainwehre. Die Böckleinsinsel und die Wehranlagen (Stadtpark) wurden überflutet. Es entstand ein großer See zwischen der Altstadt und Sennfeld.

An der Innenstadt (ca. 220 m ü. NN) befindet sich am Hauptmain (Main-km 332) seit 1960 eine neue Staustufe. Oberhalb (östlich) von ihr liegt der Mainwasserspiegel auf 207,68 m ü. NN.Angabe des Wasserwirtschaftsamtes Bad Kissingen. Unterhalb beträgt die normale Mainhöhe 203,1 m Ü. NN. Bei Hochwasser werden bei Bedarf Wehre der Staustufe geöffnet. Der höchste Stand des Mains betrug in den letzten 100 Jahren oberhalb der heutigen Staustufe 209,72 m ü. NN; seitdem war die Maininsel Bleichrasen mit einer Höhe von 210,0 m ü. NNAngabe Glöckle/RiedelBau noch nie überflutet. Zudem liegt der Saumain auf nur 203,60 ü. NN, wohin sich das Hochwasser zuerst ergießt. Die tiefere, südliche Mainseite liegt im Stadtbereich auf 205 bis 209 m ü. NN. Die hier ab 1963 errichteten Industrie- und Gewerbeparks Hafen-Ost, Hafen-West und Maintal, die fast vollständig unterhalb der Staustufe liegen, sind durch Deiche geschützt und waren bisher (2016) ebenfalls noch nie überflutet (siehe: Maintal, Hydrologie).

Klima

Regionales Klima

Typisches Kennzeichen ist der relativ geringe Niederschlag, mit knapp über 600 mm pro Jahr, durch die Lage der Stadt östlich des Landrückens Rhön–Spessart. Die Winter sind mitunter sehr kalt, aber durch die für bayerische Verhältnisse niedrige Seehöhe die Übergangszeiten mild und die Sommer warm bis heiß. Während in den höher gelegenen Regionen Süddeutschlands der Frühling spät einzieht und in Folge der Klimaerwärmung heute relativ schnell in den Sommer übergeht, zieht das Frühjahr im Schweinfurter Becken bald ein und ist sehr ausgeprägt. Das führt zur frühen Obstblüte, vielfältiger Flora und guten klimatischen Bedingungen für Spargel- und Weinbauanbau (siehe: Weinbau).

Im Kontinentalitätsgrad liegt das örtliche Klima im Übergangsbereich zwischen Seeklima und Kontinentalklima. Dieses bereits gemäßigte Kontinentalklima, im Dreiklang mit geringem Niederschlag, kalten Wintern und warmen Sommern kommt sonst in Westdeutschland nirgends vor, ist aber in Ostdeutschland weit verbreitet. Die Schweinfurter und Berliner Klima-Eckdaten sind nahezu identisch. Der Spessart bildet die Klimascheide zum maritimen Klima.

Stadtklima

Die Stadt besitzt für Hitzesommer mäßigende topografische Faktoren, i. Ggs. zu den stark belasteten Nachbarstädten Würzburg und Kitzingen.Im Raum Würzburg maß der Deutsche Wetterdienst (DWD) die bisher höchsten Temperaturen Deutschlands (2015: Kitzingen 40,3°, Bad Mergentheim 40,2°). Die DWD-Station Würzburg liegt auf dem Neuberg, 90 m über der im Talkessel gelegenen Innenstadt, wo bis zu 5,4° höhere Temperaturen gemessen wurden, als auf einer umgebenden Anhöhe. Schweinfurt liegt nicht in einem Talkessel, ist verhältnismäßig locker bebaut und das Maintal führt i. Ggs. zu vorgenannten Städten in der Hauptwindrichtung von Ost nach West. Wodurch die Winde nicht blockiert werden, sondern bei Hochdruckwetterlagen Ostwind und bei Tiefdruck Westwind begünstigt wird. Zudem grenzen Seen, Flussauen, Schweinfurter Rhön und Schwebheimer Wald an die Stadt und die wenigen Weinberge sind naturbelassener, statt der flurbereinigten, hitzeproduzierenden Großweinlagen um Kitzingen und Würzburg.

Ein Großteil des Niederschlags fällt im Hochsommer in kurzen Gewittergüssen, die Winter sind ziemlich trocken. 2015 wurde Schweinfurt Deutschlands Blitzhauptstadt, mit 4,5 Blitzeinschlägen pro Quadratkilometer lag die Stadt vor Cottbus (4,3/km²) und Garmisch-Partenkirchen (4,1/km²).Süddeutsche Zeitung, Online-Ausgabe vom 26. Juli 2016: Deutschlands Blitzhauptstadt, Angaben des Blitzinformationsdienstes.

Weiteres Maininseln

mini|Schleuseninsel, links das Ufer der Maininsel Bleichrasen