mini|Edward Charles Stuart Baker im Jahr 1933

Edward Charles Stuart Baker (* 4. Oktober 1864 in Bardhaman; † 16. April 1944 in Upper Norwood) war ein indisch-britischer Ornithologe, Oologe, Naturforscher und Polizist in Indien.

Leben und Wirken Sein Vater Edward Biscay Baker, ein stellvertretender Generalinspektor der Polizei in Bengalen heiratete am 17. November 1858 Margarette Susanna Ussher.IOR/N/2 39 folio 274 in The British Library. Der Vater publizierte 1887 das Buch Sport in Bengal: and how, when, and where to seek it. Edward Charles Stuart Baker wurde am 23. Mai 1865 in Bardhaman getauft.IOR/N/1/112 folio 7 in The British Library. 1886 heiratete er Ethel Mary Roffey, mit der er vier Töchter hatte. Ihre Tochter Iris Ada Stuart Baker (1899–1997) war eine bekannte Schauspielerin.

Ausgebildet wurde Baker am Trinity College in Stratford-upon-Avon. 1883 eiferte er seinem Vater nach und trat der indischen Polizei bei. Hier verbrachte er zunächst die ersten drei Jahre in Bengalen, doch wurde er 1886 nach Guwahati versetzt. Von dort ging es weiter nach Assam. 1888 traf er in Kalkutta den Ornithologen Ernst Hartert mit dem zu einer Sammelreise durch Ostindien aufbrach.Norman Boyd Kinnear (1945), S. 212. Hartert schrieb in seinem Buch Aus die Wanderjahren eines Naturforschers über Baker:

Und weiter schrieb Hartert über einem Jagdunfall, bei dem Baker seinen linken Arm durch einen Leoparden verlor.

Im Jahr 1891 erschien sein erster Artikel über die Gattung der Blattvögel (Chloropsis). Seine Serie The Indian ducks and their allies in The Journal of the Bombay Natural History Society nahm Walter Samuel Millard (1864–1952) zum Anlass, diese zusammengefasst in einem Buch zu publizieren. Durch den kommerziellen Erfolg ermutigt, bat man ihn von Seiten der Gesellschaft eine Serie über indisches Federwild zu schreiben. Baker kam dem Bitten nach und publizierte zunächst Artikel über Schnepfenvögel, Trappen und Flughühner gefolgt von klassischem Federwild wie Schwäne, Gänse und Enten und schließlich von Rallen und Wattvögeln.

Zusätzlich zu seinem generellen Interesse an den Eiern indischer Vogelarten studierte Baker insbesondere die Eier und das Habitat indischer Kuckucke und deren Wirte. Seine riesige Sammlung von ca. 6000 Kuckuckseiern hatte er teils selbst, teils durch einheimische Sammler und teils durch zahlreiche Korrespondenten aus Britisch-Indien zusammengetragen. Außerdem erwarb er 25 Sammlungen von Sammlern, die ebenfalls indische Vogeleier als Sammelgebiet hatten. Mit den Gelegen erwarb er auch zahlreiche Aufzeichnungen der Verkäufer zu diesen. Er schrieb einige Artikel über dieses Thema, doch dauerte es bis zu seiner Pension, bis er in der Lage war seine Sammlung in ganzer Ausführlichkeit zu studieren. 1942 erschien schließlich sein Buch Cuckoo problems, in dem er seine sorgfältigen Beobachtungen schilderte und seine Sammlung beschrieb.

Neben der Eiersammlung trug Baker eine beachtliche Vogelbalgsammlung zusammen. Einige der Bälge vermachte er der Bombay Natural History Society, andere übergab er Lionel Walter Rothschild, doch verkaufte er die Mehrzahl seiner Sammelobjekte dem königlichen Museum von Sofia. Seine Kuckuckseiersammlung kauften die Verwalter des Natural History Museum (NHM). Diese Sammlung kam erst nach seinem Tod in das Museum. Zuvor hatte er dort schon seine 49360 Eier umfassende Sammlung von 1960 verschiedenen Arten präsentiert.

Baker hatte das Glück, seinen Dienst in fernen und unerforschten Gebieten von Assam zu verbringen. So war er von 1887 bis 1899 in verschiedenen Teilen des Distrikts Cachar stationiert. Im Jahr 1900 wurde er nach Dibrugarh versetzt und ging zwei Jahre später nach Shillong, wo er stellvertretender Generalinspektor der Polizei des Criminal Investigation Department wurde. Diese Position hatte er bis 1908 inne, bevor er zum Generalinspektor der Polizei von Ostbengalen befördert wurde. So wurde er 1909 von Shillong nach Dhaka versetzt. Später im Jahr bekam er spezielle Aufgaben zugewiesen und kehrte 1911 nach der seinem Ausscheiden in Assam nach England zurück. Hier war er für die Londoner Polizei verantwortlich für den Hafen. Diese Einheit reorganisierte Baker und ging schließlich 1925 in den Ruhestand.Norman Boyd Kinnear (1945), S. 213.

Als er in London lebte, verbrachte er viel Freizeit im Dienste der Ornithologie. 1913 wurde er deshalb zum Sekretär und Schatzmeister der British Ornithologists’ Union (B.O.U.) gewählt. In dieser Funktion war er bis 1923 tätig.

Im Jahr 1913 überarbeiteten er und Oberst Herbert Hastings Harington die Avifauna Indiens. Während sich Harington den Timalien annahm, publizierte Baker über Silberfasane und Drongos. Als 1920 die Leitung des NHM einen Redakteur für eine überarbeitete Ausgabe der Vogelbände von The fauna of British India, including Ceylon and Burma von William Thomas Blanford und Eugene William Oates suchte, fiel es Baker zu, diese Aufgabe zu überarbeiten. Aus den vier ursprünglichen Bänden wurden schließlich sechs. Die zwei neuen Bände beinhalteten Synonyme. Bevor er aber mit Werk begann, publizierte er als Vorbereitung mehrere Artikel, die später auch als Buch A hand-list of genera and species of birds of the Indian empire erschienen.

Nach seiner Pensionierung wurde er 1925 Kandidat für das den Gemeinderat von London Borough of Croydon und wurde mit großer Mehrheit gewählt. Von 1938 bis 1939 wurde er sogar zum Bürgermeister gewählt und saß nach dieser Zeit bis 1942 weiter im Gemeinderat. Da er sich sehr für Jugendarbeit einsetzte und ein Unterstützer der Amateurboxer war, nahm er zusätzlich das Amt des Präsidenten des lokalen Amateurboxclubs an.

Als Jäger publizierte er auch Artikel über seine Jagderlebnisse, die in den Fachzeitschriften The Journal of the Bombay Natural History Society, The Field und The Assian erschienen. Neben dem bereits erwähnten verlorenen Arm durch einen Geparden nahe Silchar wurde er zweimal von einem Gaur durch die Luft geschleudert sowie von einem Nashorn überrannt.

Mitgliedschaften, Erfolge und Ehrungen Im Jahr 1898 wurde er Mitglied der Bombay Natural History Society. 1918 wurde er zum korrespondierenden Fellow und 1920 zum Ehrenfellow der American Ornithologists’ Union gewählt.Theodore Sherman Palmer (1945), S. 172. 1892 wurde er zum Mitglied der B.O.U. Außerdem war er Fellow der Linnean Society of London.William Lutley Sclater (1944), S. 415.

Baker galt als ausgezeichneter Tennisspieler und gewann 1937 ein Turnier für behinderte Spieler in Dulwich. In Assam gewann er einige Rennen mit Ponys. 1932 wurde er als Companion of the Indian Empire ausgezeichnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte dann die Auszeichnung zum Companion of the British Empire.

Erstbeschreibungen von Edward Charles Stuart Baker Baker hat einige Arten und Unterarten, die neu für die Wissenschaft waren, beschrieben.

Arten Zu den Arten gehört u. a.:

Laosbuschtimalie (Stachyris herberti (, 1920))

Unterarten Zu den Unterarten gehören chronologisch u. a.:

Felserddrossel (Zoothera mollissima whiteheadi (, 1913)) Blutfasan (Ithaginis cruentus tibetanus , 1914) Blythtragopan (Tragopan blythii molesworthi , 1914) Rostkehlhäherling (Trochalopteron chrysopterum woodi (, 1914)) Rotwangensäbler (Erythrogenys erythrogenys haringtoni , 1914) Alpenbraunelle (Prunella collaris whymperi (, 1915)) Horsfieldlerche (Mirafra javanica williamsoni , 1915) Orangenachtigall (Larvivora brunnea wickhami (, 1916)) Weißkehl-Fächerschwanz (Rhipidura albicollis stanleyi , 1916) China-Rotschnabelbülbül (Hypsipetes leucocephalus nigrescens , 1917) Gelbwangenbülbül (Pycnonotus flavescens vividus (, 1917)) Grauaugenbülbül (Iole propinqua cinnamomeoventris , 1917) Grauhaubenmeise (Lophophanes dichrous wellsi , 1917) Himalajasäbler (Pomatorhinus schisticeps klossi , 1917) Laubmeise (Sylviparus modestus simlaensis , 1917) Rotstirntimalie (Cyanoderma rufifrons obscurum (, 1917)) Bergblauschnäpper (Cyornis banyumas coerulifrons , 1918) Flaggendrongo (Dicrurus paradiseus nicobariensis (, 1918)) Graudrongo (Dicrurus leucophaeus hopwoodi , 1918) Königsdrongo (Dicrurus macrocercus harterti , 1918) Lätzchenhäherling (Garrulax monileger fuscatus , 1918) Maskenraupenfänger (Coracina macei siamensis (, 1918)) Riesenpitta (Pitta caerulea hosei , 1918) Schlichtprinie (Prinia inornata herberti , 1918) Spateldrongo (Dicrurus remifer peracensis (, 1918)) Bubukuckuck (Rhinortha chlorophaea fuscigularis , 1919) Menintingeisvogel (Alcedo meninting coltarti , 1919) Menintingeisvogel (Alcedo meninting scintillans , 1919) Rotspornhuhn (Galloperdix spadicea stewarti , 1919) Sonneratkuckuck (Cacomantis sonneratii waiti (, 1919)) Bindenlaufhühnchen (Turnix suscitator leggei , 1920) Drongokuckuck (Surniculus lugubris minimus , 1920) Drongokuckuck (Surniculus lugubris stewarti , 1920) Kropfbandalcippe (Schoeniparus rufogularis major (, 1920)) Rotkopf-Schwanzmeise (Aegithalos concinnus iredalei (, 1920)) Zwergmennigvogel (Pericrocotus cinnamomeus pallidus , 1920) Zwergmennigvogel (Pericrocotus cinnamomeus vividus , 1920) Feuerschwanz-Nektarvogel (Aethopyga ignicauda flavescens , 1921) Hügelbuschwachtel (Arborophila torqueola millardi (, 1921)) Orangebauch-Mistelfresser (Dicaeum trigonostigma rubropygium , 1921) Weißkehlhäherling (Garrulax albogularis whistleri , 1921) Fleckenscherenschwanz (Enicurus maculatus robinsoni , 1922) Kurzflügel-Rotschwanz (Luscinia phaenicuroides ichangensis , 1922) Mohrenschwarzkehlchen (Saxicola caprata burmanicus , 1922) Schwarzflügeliora (Aegithina tiphia humei , 1922) Stentorrohrsänger (Acrocephalus stentoreus amyae , 1922) Strauchrohrsänger (Acrocephalus concinens stevensi , 1922) Tickelltimalie (Heterophasia melanoleuca radcliffei (, 1922)) Wanderbaumelster (Dendrocitta vagabunda kinneari , 1922) Wanderbaumelster (Dendrocitta vagabunda sclateri , 1922) Rußschnäpper (Muscicapa sibirica gulmergi (, 1923)) Rußschnäpper (Muscicapa sibirica rothschildi (, 1923)) Zimtkehlschnäpper (Ficedula strophiata fuscogularis (, 1923)) Bergprinie (Prinia crinigera assamica (, 1924)) Himalajablauschwanz (Tarsiger rufilatus pallidior (, 1924)) Goldkopf-Zistensänger (Cisticola exilis equicaudatus , 1924) Langschwanz-Mennigvogel (Pericrocotus ethologus ripponi , 1924) Schamadrossel (Kittacincla malabarica indica (, 1924)) Schieferkopf-Laubsänger (Abroscopus schisticeps flavimentalis (, 1924)) Feldsperling (Passer montanus tibetanus , 1925) Gouldnektarvogel (Aethopyga gouldiae isolata , 1925) Lauchpapageiamadine (Erythrura prasina coelica , 1925) Manyarweber (Ploceus manyar peguensis , 1925) Spitzschwanz-Bronzemännchen (Lonchura striata subsquamicollis (, 1925)) Falkenkauz (Ninox scutulata isolata , 1926) Grauspecht (Picus canus sanguiniceps , 1926) Heulbartvogel (Psilopogon virens magnificus , 1926) Himalajaspecht (Dendrocopos himalayensis albescens (, 1926)) Kuckuckszwergkauz (Glaucidium cuculoides rufescens , 1926) Steinkauz (Athene noctua ludlowi , 1926) Langschwanz-Zwergfalke (Polihierax insignis cinereiceps , 1927) Menintingeisvogel (Alcedo meninting phillipsi , 1927) Turmfalke (Falco tinnunculus objurgatus (, 1927)) Zimtsumpfhuhn (Zapornia fusca zeylonica (, 1927)) Bindenlaufhühnchen (Turnix suscitator interrumpens & , 1928) Graukappen-Glanztaube (Chalcophaps indica robinsoni , 1928) Manipurbaumläufer (Certhia manipurensis shanensis , 1930) Savannennachtschwalbe (Caprimulgus affinis amoyensis , 1931) Einfarbschwalbe (Ptyonoprogne concolor sintaungensis (, 1933)) Storchschnabelliest (Pelargopsis capensis osmastoni (, 1934))

Dedikationsnamen Ernst Hartert (1859–1933) nannte 1900 die Rotkopf-Papageimeise (Psittiparus bakeri) zu Ehren seines Freundes, den er 1888 in Kalkutta traf.Ernst Hartert (1900), S. 548. Lionel Walter Rothschild (1868–1937) ehrte ihn 1926 in der Rotkopfyuhina (Yuhina bakeri).Lionel Walter Rothschild, 2. Baron Rothschild (1926), S. 276.