Aberdeen [] (sco.: Aiberdeen []; , „Mündung des Don“Informationen des schottischen Parlaments, amtlich City of Aberdeen) ist eine Stadt im Nordosten von Schottland im Vereinigten Königreich.

Die Stadt ist eine der 32 Council Areas in Schottland und hat zwei Universitäten, von denen die Universität Aberdeen im Jahr 1495 als dritte Universität in Schottland gegründet wurde. Studenten machen rund zehn Prozent der Bevölkerung aus. Die Einwohner der Stadt werden Aberdonians genannt.

Bedeutend ist die Stadt seit dem 12. Jahrhundert. Typisch für das Stadtbild ist der silbergraue Granit aus den ehemals umliegenden Steinbrüchen. Wenn die Sonne scheint, beginnt der Glimmeranteil im Granit zu glitzern, weshalb Aberdeen auch gerne Silver City genannt wird; oder Flower City, denn dank ihrer Blumenanlagen hat die Stadt wiederholt den Wettbewerb Britain in Bloom gewonnen. Seit Anfang der 1970er Jahre die ersten Ölfelder in der Nordsee erschlossen wurden, entwickelte sich die Hafenmetropole schnell zum Hauptversorgungszentrum für die Offshore-Plattformen. Bei guter Sicht konnte man die Erdölbohr-Plattformen vor der Küste mit bloßem Auge sehen.Baedeker (Redaktion): Allianz-Reiseführer. Schottland. 9. Auflage. MairDuMont, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-8297-1068-8.

Geografie

Aberdeen liegt an den Mündungen der Flüsse Dee und Don. Mit etwa 224.190 Einwohnern (Stand: 2022) ist Aberdeen die drittgrößte Stadt Schottlands.

Old Aberdeen hat die ungefähr gleiche Lage wie Aberdon, die erste Ansiedlung von Aberdeen. Aberdon bedeutet wörtlich an der Mündung des Don (… im Meer) in Bezug auf die örtlichen Flüsse. Der heutige Name bedeutet wörtlich zwischen Dee und Don (des zweiten örtlichen Flusses). Das keltische Präfix Aber- bedeutet Zusammenfluss von in Bezug auf die Flüsse.Richard Stephen Charnock: Local Etymology. A Derivative Dictionary of Geographical Names. Verlag Houlston & Wright, Glasgow 1870.

Historisch gliederte sich Aberdeen in sechs Civil Parishes (siehe Liste der Civil Parishes in Aberdeen).

Geschichte Das Gebiet von Aberdeen ist nachweisbar seit mindestens 8000 Jahren von Menschen besiedelt. Zu Beginn des 3. Jahrtausends v. Chr. breiteten sich überall die Becher-Kulturen aus. Man bezeichnete sie in der Frühzeit auch als Schnurkeramische Kultur. Deutliche Belege für eine Besiedlung in dieser Zeit sind geheimnisvolle Steinkreise im Raum Aberdeenshire. 400 v. Chr. setzte die keltische Migration aus dem südlichen Schottland ein. Die Römer kamen nach Aberdeenshire im 1. Jahrhundert n. Chr. Agricola, der römische Statthalter von Britannia, führte im Jahre 84 n. Chr. eine Truppe von rund 40.000 Soldaten nach Kaledonien. Sie kämpften und schlugen die vereinigten Armeen der Pikten in der Schlacht von Mons Graupius, in der Nähe der Spitze Bennachie in Aberdeenshire.Alexander Keith: A Thousand Years of Aberdeen. Aberdeen University Press, Aberdeen 1987.

Das genaue Gründungsdatum von Aberdeen ist nicht bekannt. Aber es ist überliefert, dass St. Machar hier im Jahre 580 n. Chr. eine keltische Kapelle schuf. Zunächst entstanden zwei getrennte Siedlungen, die sogenannten Burghs oder Boroughs: Old Aberdeen an der Mündung des Flusses Don in die Nordsee und New Aberdeen, als Fischerei- und Handelszentrum, an der Mündung des Flusses Denburn in den Dee. Malcolm III. baute die Siedlungen zur Stadt aus. Sein Sohn Alexander I. ernannte Aberdeen im 11. Jahrhundert zu seiner Hauptresidenz. Wilhelm der Löwe (Wilhelm I.) verlieh den Bürgern von Aberdeen im Jahre 1179 die Rechte einer freien Hanse und bestätigte die Unabhängigkeit für David I. über das Territorium.

mini|hochkant|St. Machar’s Cathedral (15. Jahrhundert), Westseite Während der Schottischen Unabhängigkeitskriege gegen England war Robert Bruce Anführer der aufständischen Schotten. Zu dieser Zeit stand Aberdeen unter englischer Herrschaft, Robert Bruce zerstörte nach langer Belagerung die Burg. Im Jahr 1308 folgte das Massaker in der englischen Garnison und die Rückeroberung von Aberdeen für die Bürger. Die Magna Charta von Robert the Bruce, die für Unterstützungsleistungen der Aberdonians im Krieg verliehen wurde, verwandelte Aberdeen in eine besitzende und finanziell unabhängige Gemeinde. Mit dem Freibrief wurden der Stadt landwirtschaftliche Nutzflächen und der nahe gelegenen Wald von Stocket mit Jagdrevier zugewiesen, was ihr Einkommen sicherte. Im gleichen Zuge wurde der Stadt das Wappen mit dem Motto Bon Accord (für die gute Übereinstimmung) verliehen.

Die Stadt wurde auf Befehl von Eduard III. im Jahre 1336 niedergebrannt und nach den Unruhen umgebaut und erweitert. Damit wurde das so genannte Neue Aberdeen geschaffen. Die Stadt war stark befestigt, um Angriffe von benachbarten Herren zu verhindern. In den Kriegen der drei Königreiche von 1644 bis 1647 wurde die Stadt unparteiisch von beiden Seiten geplündert. Im Jahre 1644 wurde Aberdeen von königlichen Truppen erobert und nach der Schlacht geplündert. Im Jahre 1647 tötete ein Ausbruch der Pest ein Viertel der Bevölkerung.Chris Brown: The Battle of Aberdeen 1644. Tempus Publishing, Gloucestershire 2002.

Im 18. Jahrhundert wurde ein neues Rathaus gebaut und elegant eingerichtet. Die ersten sozialen Einrichtungen entstanden mit dem Bau des Ambulatorium am Woolmanhill im Jahr 1742 und 1779 dem des Irrenhauses. Zu dieser Zeit wurden die wichtigsten Verkehrsadern George Street, King Street und Union Street ausgebaut. 1770 wurden die Stadttore entfernt.

Während der Industriellen Revolution wurden große Textilfabriken und Papiermühlen in Aberdeen gebaut. Die auf den Werften von Footdee gebauten Klipper galten als schnellste Segelschiffe ihrer Zeit. Durch den Bau von Dampfschiffen ergaben sich neue Wachstumschancen für die Fischerei und es wurden mächtige Trawlerflotten für den Fang von Hering, Dorsch und Schellfisch aufgestellt. Im 19. Jahrhundert erhielt die aufstrebende Hafenmetropole durch die beiden Stadtplaner Archibald Simpson und John Smith um die Union Street neue Verwaltungsgebäude und Wohnraum, es wurde der Stadt ein Herz aus dem heimischen Granit geschaffen. Mit der Entwicklung des Schiffbaus und der Fischerei wurden die bestehenden Häfen Victoria Dock, Breakwater im Süden und North Pier erweitert. Das teure Infrastrukturprogramm hatte Auswirkungen, 1817 wurde die Stadt bankrott. Gas-Straßenbeleuchtung kam im Jahr 1824. 1830 wurde eine verbesserte Wasserversorgung geschaffen, indem das Wasser aus dem Dee in einen Stausee am Union Place gepumpt wurde. 1865 ersetzte ein unterirdisches Kanalsystem die offenen Abwasserkanäle, gleichzeitig wurde mit der Union Bridge das Denburn-Tal von der Union Street überspannt; die Brücke besteht aus einem einzigen Bogen mit einer lichten Weite von 40 m.Margaret Ellen Smith, William Hamish Fraser und James Naughtie: Aberdeen, 1800 to 2000: A New History. Tuckwell Press, Edinburgh, 2000. Als Hafenstadt wird Aberdeen in Schottland nur von Glasgow und Greenock übertroffen, denn es besaß im Jahre 1883 206 Seeschiffe mit einer Kapazität von 108.128 Bruttoregistertonnen und 508 Fischerbooten. 1883 liefen in den Hafen von Aberdeen 2514 Schiffe mit 638.897 t Ladung ein; die Ausfuhr belief sich auf 73.393, die Einfuhr auf 853.078 Pfund Sterling. Die vorzügliche Hafenanlagen und Eisenbahnverbindung förderten den Handel. Zur Ausfuhr kamen außer den industriellen Erzeugnissen der Stadt vornehmlich Heringe (1882: 82.407 t, 1883: 45.667 t), dann noch Rindvieh, Lachse, Fische, Eier, Butter, Gemüse u. a.Sir William Blackwood (Hrsg.) ?: Transactions of the Highland and Agricultural Society of Scotland(?). The Royal Highland and Agricultural Society of Scotland, Edinburgh 1871.

1860 entstand die Universität durch Zusammenschluss des 1494 gegründeten King’s College und des 1593 gegründeten Marischal College.

Der Zusammenschluss der Stadtteile erfolgte im Jahre 1891. Das neue geschlossene Stadtgebiet umfasst nun die früheren Burghs Old Aberdeen, New Aberdeen, Woodside und die Royal Burgh of Torry südlich des Dee-Flusses. Im Zweiten Weltkrieg erfolgten 24 deutsche Luftangriffe auf die Stadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Straßenbahnsystem geschaffen, der Betrieb wurde im Jahr 1958 aber wieder eingestellt. Im Jahre 1964 trat Aberdeen nach einem Typhusausbruch infolge des Verkaufs von verseuchtem Fleisch aus dem Geschäft der Firma William Low & Co. aus der Union Street in die Schlagzeilen. 1969 wurde mit Montrose Field das erste britische Ölfeld vor der schottischen Ostküste erschlossen – 2003 waren über 120 Öl- und Gasfelder in Produktion. Es entstand um die Stadt ein Ring neuer Siedlungen, die Einwohnerzahl verdoppelte sich. Heute verzeichnet die Boomtown mit knapp drei Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote im Vereinigten Königreich. mini|Das Theater von Aberdeen

Kultur Europas Ölhauptstadt besitzt Einkaufsmöglichkeiten, vor allem in der Union Street und ihren Nebenstraßen. Zentrum des studentischen Lebens ist das mittelalterliche Old Aberdeen. An der Uferpromenade befindet sich ein Wellenbad. Im His Majesty’s Theatre im Rosemount Viaduct werden Ballett, Oper, Musicals und Theater als Gastspiele auswärtiger Bühnen gegeben, das in Glasgow ansässige Royal Scottish National Orchestra gastiert in der Music Hall an der Union Street. Für experimentierfreudige Inszenierungen sind das Arts Centre & Theatre in der King Street und The Lemon Tree, 5 West North Street, bekannt. Hier wird im Sommer auch das Aberdeen International Youth Festival mit Folk Dance, Jazz und Rock veranstaltet.

Aberdeen ist die Stadt des NuArt Festivals, das Straßenkunst in der Stadt präsentiert. Das Festival findet seit 2017 statt. NuArt Aberdeen ist das einzige Straßenkunstfestival in Schottland und eines der führenden Festivals seiner Art im Vereinigten Königreich. Das mehrfach preisgekrönte Festival bietet lokalen, nationalen und internationalen Künstlern eine Plattform, um ihre Werke zu präsentieren und mit Unterstützung lokaler Künstler große und kleine Wandbilder, Skulpturen und Interventionen zu schaffen, die mit der Stadt, ihrer Umgebung und ihrer Geschichte in Verbindung stehen.

Sehenswürdigkeiten mini|Silver City Aberdeen Bauwerke Castle Street: An der Castle Street symbolisiert das Market Cross mit dem schottischen Einhorn das mittelalterliche Marktrecht. Die Porträtmedaille auf dem 1686 errichteten Stadtkreuz zeigen die Stuartmonarchen von Jakob I. bis Maria Stuart. Old Aberdeen: Knapp drei Kilometer nördlich liegt am Ufer des Don die kopfsteingepflasterte Altstadt. Old Aberdeen war zur Zeit der ältesten erhaltenen königlichen Urkunde von 1179 bereits gut ausgebaut und wurde bald darauf durch die Gründung einer königlichen Münzprägestätte aufgewertet. Das mittelalterliche Aberdeen bestand aus Holz- und Flechtwerkhäusern, kleinen Höfen und armseligen Hütten, die auf drei kleinen Sand- und Kieshügeln (Castlehill, Gallowgate Hill und St. Katharine’s Hill) standen und von kleinen Lochs und anderen Hügeln umgeben waren. Der südliche Teil der High Street wird von der Krone der King’s College Chapel dominiert, die als erstes Gebäude der Universität 1505 fertiggestellt wurde. Es ist das einzige Gebäude, das von Bischof Elphinstones ursprünglicher Gründung 1495 übrig geblieben ist. Bis zum 19. Jahrhundert besaß Old Aberdeen eigenes Marktrecht. Heute ist das unter Denkmalschutz gestellte Viertel mit Gebäuden aus dem Jahr 1641 bevorzugter Treffpunkt der Studenten. St Machar’s Cathedral: Die Kathedrale der Church of Scotland an der Chanonry in Old Aberdeen entstand Mitte des 12. Jahrhunderts an der Stelle eines keltischen Kirchleins, das der hl. Machar im 6. Jahrhundert gegründet haben soll. Auffallend an dem 1440 von Bischof Leighton geweihten Granitbau sind die beiden Westtürme mit Sandsteinspitzen, 1518–1530 unter Bischof Dunbar angefertigt. Er gab auch 1520 die Eichendecke im Hauptschiff mit den Wappen europäischer Könige in Auftrag. Beide Kirchenväter sind hier beigesetzt.