George Pusenkoff (; * 1953 in Krasnapolle) ist ein deutsch-weißrussischer Maler, Installationskünstler und Fotograf. Er ist ein Vertreter des Postmodernismus.

Leben George Pusenkoff studierte von 1971 bis 1976 Informatik an der Nationalen Forschungsuniversität für Elektronische Technologie in Moskau. Von 1977 bis 1983 absolvierte er ein künstlerisches Studium (Grafik und Malerei) am Moskauer Polygraphischen Institut, der heutigen Moskauer Staatlichen Universität für Druckwesen., auf der Website des Ludwig Museums Koblenz. Abgerufen am 17. Dezember 2018. Seit 1984 beteiligte er sich an Ausstellungsprojekten in Moskau sowie in anderen Städten der UdSSR und im Ausland. Während seiner Zeit in der UdSSR zählte Pusenkoff zu den Nonkonformisten. 1987 trat er der Künstlervereinigung Ermitage bei und 1988 wurde er Mitglied der Moskauer Gruppe 88. Ebenfalls seit 1987 gehörte er dem Moskauer Künstlerverband an.Georgy Pusenkov. Simply virtual installation, auf der Website des Staatlichen Russischen Museums. Abgerufen am 17. Dezember 2018. Auf Einladung des Galeristen Hans Mayer kam George Pusenkoff 1990 nach Deutschland und lebt und arbeitet seitdem in Köln. Pusenkoff ist jüdischen Glaubens. 2008 war er für den Kandinsky-Preis nominiert.Kandinsky Prize 2008. In: www.kandinsky-prize.ru. Abgerufen am 18. Dezember 2018.

Künstlerisches Werk George Pusenkoff nimmt in seinen Werken häufig auf kunsthistorisch bedeutsame Ereignisse des 20. Jahrhunderts Bezug. Während er in den Anfängen seiner künstlerischen Produktion der Appropriation Art nahestand, wendete er sich seit den 2000er Jahren mehr und mehr der Abstrakten Kunst zu. In seinen Bildern dominieren seitdem Farbe, Linie und Fläche. Die Werke, in welchen er Zitate der Kunstgeschichte verwendet, erscheinen sehr eingängig und "vertraut", weil der Betrachter diese eben bereits aus anderen Zusammenhängen kennt, wie z. B. das berühmte schwarze Quadrat von Kasimir Malewitsch. Ebenso zitiert oder verfremdet er z. B. Werke von Josef Albers (Homage to Albers, 1998), Robert Rauschenberg (Erased Rauschenberg, 1997), Piet Mondrian (Mondrian 2, 1999) und anderer bedeutender Künstler. Für Pusenkoff ist es bedeutsam, sich mit den Umwälzungen unserer Zeit durch das Aufkommen der Computer auf künstlerischer Ebene auseinanderzusetzen: Christoph Zuschlag: George Pusenkoff: Mit Pinsel und Pixel. Malerei im Computerzeitalter. In: Wolfgang Zemter (Hrsg.): George Pusenkoff: Painted and Erased. Palace Editions, Bad Breisig 2002. ISBN 978-3935298247, S. 27–30, hier S. 28. (PDF).

1993 hatte George Pusenkoff die Gelegenheit einer Einzelausstellung in einem Raum der Tretjakow-Galerie. Der Raum, der ursprünglich nicht als Ausstellungsraum konzipiert wurde, wurde von einer 42 Meter langen Fensterfront dominiert, die den Blick der Betrachter nach außen und nicht auf ausgestellte Kunstwerke im Inneren richtete. Pusenkoff entwickelte für diesen Raum eine Installation, bei welcher die Fensterfront durch eine aus Holz gefertigte Wand verdeckt wurde. Auf dieser Wand wurden dann die Kunstwerke installiert: „Ich baute eine Wand auf, die ein Fenster mit einer Höhe von 6 Metern und einer Länge von 42 Metern verstellte. Diese riesenhafte Fläche wurde von 24 gemalten Bildern des Formats zwei mal zwei Meter und 600 ihrer verkleinerten Kopien bedeckt, die in einem bestimmten Rhythmus angeordnet waren.“ Das Gemälde Pusenkoffs said Duchamp, in welchem er zum ersten Mal ein Abbild der Mona Lisa in sein Werk integrierte, ist extra für diese Ausstellung entstanden. Es zeigt einen lächelnden Frank Sinatra als Reminiszenz an Marcel Duchamps Ready-Mades und die Mona Lisa. 2008 wurde die Installation The Wall anlässlich einer umfassenden Werkausstellung im Kunstmuseum Bochum La Condition Humaine erstmals im Westen gezeigt.

Die Verschmelzung digitaler Techniken mit Darstellungen bekannter Ikonen der Kunstgeschichte führt zu Kunstwerken, die plakativ wirken und an die Pop Art erinnern. Pusenkoffs Kunst wurde daher auch öfters mit der Andy Warhols verglichen. Wie Warhol nutzt auch Pusenkoff Vervielfältigungen und Reihungen, verwendet leuchtende Farben, thematisiert die umfassende Verfügbarkeit von Kunstobjekten im Medienzeitalter. Warhol ging es vorrangig darum, den industriellen Herstellungsprozess von Kunst im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit offenzulegen. Pusenkoffs Thema dagegen ist die Bedeutung der Malerei als einem Gegenpol zu der computergenerierten Bilderflut der Gegenwart.

Computerinterface und Pixel Auch wenn Pusenkoff sich als klassischen Maler definiert, nutzt er jedoch die Möglichkeiten des Computers bei der Schaffung seiner Werke. Er lädt Bilder aus dem Internet auf seinen Computer, bearbeitet sie mittels Photoshop, vergrößert oder verkleinert Ausschnitte, radiert mit dem digitalen Radierer etc. Im nächsten Arbeitsschritt fertigt ein Plotter Folien, in welchen das Motiv in Hell-und-Dunkel aufgelöst dargestellt wird, und die von Pusenkoff vorher markierten Partien vorgestanzt werden. Sie werden aus den Folien ausgeschnitten und auf die Leinwand übertragen. Anschließend trägt der Künstler in acht bis zwölf übereinander liegenden Schichten Acrylfarbe auf, zum Teil mit Sand gemischt, so dass sich reliefartig erhöhte Teile im Bild ausbilden. Diese Technik der Bildbearbeitung nennt man „Pochoir“.

1996 malte Pusenkoff ein Werk, das einen Windows Bildschirm darstellt (Big Square (1:1)). Das Bild zeigt den Bildschirm detailgetreu mit allen Taskleisten. Oben steht der Titel der Datei Square, daneben die Information, dass dieses Bild in der Bildbearbeitungssoftware im Verhältnis 1:1 dargestellt ist, dieses Bild also dieselbe Größe wie das Original hat. Unten steht im Rahmen die Information, wie viel Raum diese Datei benötigt – 28 KB. Viele von Pusenkoffs Werken zeigen Bestandteile eines Computer-Bildschirms und auch in den Werktiteln wird immer wieder auf die Möglichkeiten des Computers bei der Gestaltung von Bildern verwiesen, wie z. B. „Cancel“ (Who is afraid Cancel Cancel, 1998), „Matrix“ (Paint Matrix, 2001) oder „Erased“ (Erased Painting, 2003). Seine Werke irritieren, indem sie die Bildschirmoberfläche imitieren. Der Betrachter glaubt, ein Werk vor sich zu haben, das er verändern und gestalten kann. Aber in Wahrheit ist es ein gemaltes Bild, das unveränderlich ist. Diese Irritation ist vom Künstler beabsichtigt: „Ich bin sogar davon überzeugt, dass der Zustand ununterbrochener Irritation die Grundbedingung für das Verständnis jedweder künstlerischen Sprache ist.“

Mona Lisa im Werk von George Pusenkoff Leonardo da Vincis Meisterwerk Mona Lisa ist Teil unseres kulturellen Gedächtnisses geworden und hat viele Künstler des 20. Jahrhunderts zu eigenen Bearbeitungen inspiriert. Auch George Pusenkoff hat sich mit der Mona Lisa beschäftigt, sein erstes Werk mit einem Abbild der Mona Lisa malte er 1993, es trägt den Titel said Duchamp. Seitdem arbeitet er immer wieder mit dem Bild der Mona Lisa, in einem Ausmaß wie wohl noch kein anderer Künstler vor ihm: „Für Pusenkoff ist seine Mona Lisa zu seinem weiblichen Alter Ego geworden, zur ikonischen Repräsentantin seiner eigenen künstlerischen Identität.“

Single Mona Lisa (1:1) 1997 schuf er mit seinem Bild Single Mona Lisa (1:1) sein wohl bekanntestes Werk der Mona Lisa. Es zeigt das Gesicht der jungen Frau, von Pusenkoff in den Farbtönen weiß, schwarz und gelb eingefärbt. Zunächst hatte er das Bild digital von der Website des Louvres heruntergeladen, dann am Computer bearbeitet und danach mit Acrylfarben auf Leinwand gemalt. Das Werk zeigt – wie für Pusenkoff üblich – einen Computerrahmen um das Gesicht der Mona Lisa, Taskleisten sind dargestellt, als könnte man das Bild bearbeiten, oben steht der Titel des Bildes Single Mona Lisa (1:1), unten ist die Dateigröße in Megabyte angegeben. Auch hier wieder ist die Illusion vollkommen, es würde sich um ein rein digitale Kopie des Kunstwerkes von Leonardo Da Vinci handeln. Dass das bearbeitete Werk dennoch den Eindruck des Originals beim Betrachter hervorrufen kann, liegt daran, dass das Werk Leonardo da Vincis im Laufe des 20. Jahrhunderts zu einer Medienikone wurde, die jeder kennt.

Mona Lisa Travels 1998 wurde das Bild Single Mona Lisa im Staatlichen Russischen Museum in St. Petersburg ausgestellt. Pusenkoff transportierte das Kunstwerk selbst mit seinem Auto von Moskau nach St. Petersburg und machte unterwegs spontan Fotos des Werkes vor verschiedenen Hintergründen. In der Folge reiste er mit dem Kunstwerk durch ganz Russland und fotografierte es in den unterschiedlichsten Situationen. Die Fotos wurden mit einer Mittelformatkamera aufgenommen und zeigen sehr unterschiedliche Situationen. Pusenkoff arrangierte die Bildausschnitte nach rein künstlerischen Überlegungen und bezog u. a. Effekte wie Spiegelungen oder Licht und Schatten in seine Konzeption mit ein. Einige Beispiele dieser Abbildungen mit seinem Werk Single Mona Lisa seien hier genannt: Man sieht z. B. Marktszenen mit Pusenkoffs Mona Lisa, eine Datscha mit dem Bild; Pusenkoff brachte das Bild auch auf das Schiff Aurora, das in der Oktoberrevolution eine große Rolle spielte. Im Russischen Museum fotografierte er sein Werk vor berühmten russischen Kunstwerken des 19. Jahrhunderts, er stellte es vor Denkmäler, positionierte es vor einer blau getünchten Kirche an der Eingangstür, zeigt Obdachlose vor dem Bild und kontrastiert sie mit einer Aufnahme seiner Mona Lisa im Spielkasino von St. Petersburg. Das spektakulärste Bild ist eine Aufnahme eines Elefanten, der das Werk in seinem Rüssel balanciert – eine Aufnahme, die möglich wurde, weil zu dieser Zeit Dreharbeiten mit einem Elefanten in einem Moskauer Vorort stattfanden. Bisher reiste das Gemälde durch Russland, Israel, Deutschland und Italien.

Mona Lisa Time Tower 2002 begann George Pusenkoff an seinem Projekt Mona Lisa 500 zu arbeiten. Ausgangspunkt für dieses Projekt war zum einen eine Einladung der Tretjakow-Galerie für eine Einzelausstellung 2004, zum anderen wurde gerade in dieser Zeit der 500. Geburtstag des Original-Gemäldes gefeiert. Gemeinsam mit Marc Scheps entwickelte Pusenkoff das Konzept, 500 in Siebdruck gefertigte Versionen seines Gemäldes Single Mona Lisa (1:1) in einer Installation räumlich wirken zu lassen. Es entstand ein riesiger runder Turm mit einem Durchmesser von zehn Metern, einem Umfang von 30 Metern und einer Höhe von sechs Metern. Der Turm besteht außen aus 500 Quadraten aus Aluminium mit der Größe 60 × 60 × 4 cm, die mit schwarzem Industrielack beschichtet wurden und die Umgebung und das Sonnenlicht glänzend reflektieren. Für den Eingang in die begehbare Installation wurden 8 Quadrate entfernt. Von innen sieht sich der Betrachter mit 500 Siebdruck-Versionen des Gemäldes Single Mona Lisa (1:1) konfrontiert, die in allen Farben des Regenbogens schillern. Die besondere Herausforderung bestand darin, die Farben in einem natürlich erscheinenden Farbverlauf denen eines Regenbogens anzunähern. Dafür schuf Pusenkoff extra in Zusammenarbeit mit dem RAL-Institut eine Farbpalette, die patentiert wurde. Im Inneren des Raums hört man in einer Endlosschleife eine Musik Voice of Mona Lisa. Pusenkoff hat sie nach Archivmaterialien Leonardo da Vincis komponiert. Die Rauminstallation wurde nicht nur in der Tretjakow-Galerie ausgestellt, sie war auch 2005 auf der 51. Internationalen Biennale in Venedig zu sehen. Seit 2005 befindet sich der Turm im Außengelände des Museum Ritter.

Mona Lisa goes Space